Adé Sargnagel – viele gute Gründe, sich vom Rauchen zu verabschieden

Runa Reinecke

31.5.2019 - 13:27

Vom steinigen Weg wissen jene, die das Qualmen aufgegeben haben oder es vorhaben. Mit diesen gruseligen Fakten zum Rauchen könnte es leichter fallen, dem Glimmstängel für immer Adieu zu sagen.

Wann, wo und warum hatten sie einst damit angefangen, was später zum ausgewachsenen Laster wurde? Diese Frage können nur wenige Raucher beantworten. Irgendwann wünschen sich aber die meisten von ihnen, für immer vom Glimmstängel loszukommen. Damit sie nicht mehr, von der Sucht getrieben, mutterseelenallein in klirrender Kälte oder bei strömendem Regen vor der Beiz stehen müssen.

Das ist aber nur ein netter Nebeneffekt, betrachtet man die Risiken und Nebenwirkungen, die das Rauchen langfristig mit sich bringen.

Rattengift und Raketentreibstoff

Wer am glimmenden Tabakröllchen zieht, inhaliert einen Cocktail von mindestens 4'800 Substanzen, von denen gemäss deutschem Krebsforschungszentrum wahrscheinlich 90 krebserregend sind. Dazu gehören Azeton, ein Lösungsmittel, das man sonst vor allem im Nagellackentferner findet. Ebenfalls enthalten ist Hydrazin, eine toxisch wirkende organische Verbindung, die in der Raumfahrt zur Herstellung von Raketentreibstoffen verwendet wird. Nicht zündend – hingegen ablöschend wirken dürfte der Hinweis, dass auch Arsen und Blausäure zu den Zigaretteningredienzien zählen: Schädlingsbekämpfer setzen diese Gifte ein, um Ratten den Garaus zu machen.

Alleine in der Schweiz erkranken jedes Jahr etwa 4'300 Menschen an Lungenkrebs. Die Schweizer Krebshilfe gibt zu bedenken, dass in Europa rund 80 Prozent der Lungenkrebserkrankungen mit Folgen des Tabakkonsums in Verbindung stehen. 80 bis 90 Prozent der 400’000 in der Schweiz am Lungenleiden COPD (chronic obstructive pulmonary disease) Erkrankten sind Raucher oder haben früher regelmässig geraucht. Zudem haben Zigarettenraucher ein erhöhtes Herzinfarkt- beziehungsweise Schlaganfallrisiko als Nichtraucher.

Aufhören ist nicht leicht, aber es lohnt sich.
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Weniger ist auch nicht gut

Das Suchtpotenzial von Nikotin ist mit dem von Heroin oder Kokain vergleichbar. Die gute Nachricht: Nicht jeder wird oder ist in gleichem Masse davon abhängig. Doch auch Gelegenheitsraucher sollten darüber nachdenken, dem Tabak für immer Lebewohl zu sagen. Im Rahmen einer im Fachjournal «JAMA Internal Medicine» veröffentlichten Studie belegten Forscher, dass auch Menschen, die im Schnitt weniger als eine Zigarette täglich rauchen, ein im Vergleich zu Nichtrauchern höheres Risiko eines vorzeitigen Todes haben.

Auch Passivraucher sind gefährdet: Insbesondere Kinder, die den Emissionen von Zigaretten ausgesetzt sind, leiden häufiger an Krankheiten wie Asthma, Lungenentzündung und Bronchitis.

Nichtraucher im Dating-Vorteil

Offenbar mindert regelmässiger Zigarettenkonsum auch die Chancen, auf digitalem Wege auf Misses oder Mister Right zu treffen: «Wer küsst schon gerne einen Aschenbecher?», dachte sich wohl gut ein Drittel aller 1'700 Personen, die an einer Umfrage des Online-Partnervermittlungsportals «Parship» teilnahmen. Von allen Befragten gaben 37 Prozent an, eine Raucherin oder einen Raucher bei der Online-Suche von vornherein auszuschliessen.

Bei den verbliebenen 63 Prozent hätten Raucher eventuell mit ihrer Optik punkten können. Doch auch dieser ist das Inhalieren von verbranntem Tabak alles andere als zuträglich: Neben der UV-Strahlung, der wir durch Sonne oder Solarium ausgesetzt sind, gehört das Rauchen zu einem der grössten Hautalterungsbeschleuniger. Bewiesen wurde das (unter anderem) durch eine Zwillingsstudie: Die im Fachmagazin «Plastic and Reconstructive Surgery» veröffentlichte Analyse zeigte, dass der rauchende Zwilling deutlich mehr Zeichen vorzeitiger Hautalterung aufwies als das nikotinabstinent lebende Zwillingspendant.

Zigarette, E-Zigarette und Shisha

Also weg vom herkömmlichen, stinkenden «Verbrennungsmodell», hin zur E-Zigarette oder der Wasserpfeife (Shisha)? Beide werden von der Umwelt als relativ geruchsneutral wahrgenommen. Bei der Inhalation von Nikotin mittels E-Zigarette wird Flüssigkeit erhitzt, der dadurch entstehende Dampf eingeatmet. Daten zu den gesundheitlichen (Langzeit-)Folgen des Inhalierens mit Hilfe von E-Zigaretten fehlen bislang weitgehend. Auch die Shisha ist keine sichere Alternative zum herkömmlichen Zigarettenrauchen: Die Annahme, das Wasser filtere die Schadstoffe des Tabakrauchs heraus, konnte wissenschaftlich widerlegt werden.

Hingegen sicher ist: Wer das Rauchen aufgibt, profitiert von gesundheitlichen Verbesserungen – und das schon nach kurzer Zeit. Innerhalb von wenigen Monaten nehmen Hustenreiz und Atemnot ab. Nach einem Jahr halbiert sich das Risiko, an einem durch Tabakkonsum bedingten Herzleiden zu erkranken. Zehn Jahre nach dem Rauchstopp ist die Wahrscheinlichkeit, mit einer Lungenkrebsdiagnose konfrontiert zu werden, um 50 Prozent niedriger als bei Raucherinnen und Rauchern.

Rauchstopp? Hier bekommen Sie Hilfe!

Aufhörwilligen bieten unterschiedliche Organisationen in der Schweiz Unterstützung an. Informationen zu individuellen Beratungen, Gruppenkursen und pharmazeutischen Hilfen bekommen Interessierte bei der Lungenliga und der Arbeitsgemeinschaft Tabakprävention Schweiz.

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