LED-Masken nutzen Lichttherapie für medizinische und ästhetische Behandlungen
Nooance-paris.com (Screenshot)
Sie leuchten in allen Farben, sehen aus wie Requisiten aus einem Sci-Fi-Film und versprechen Porzellanhaut: LED-Gesichtsmasken sind der neueste Liebling von Beauty-Gurus. Doch was sagt die Wissenschaft?
LED-Gesichtsmasken erinnern mit ihrem grellen Leuchten eher an futuristische Kostüme à la Stormtrooper und Cyberpunk als an Wellness-Geräte. Der Beauty-Trend wird von Influencer*innen gehypt, von Herstellern als Wundermittel beworben und für ein paar Hundert Franken inzwischen auch für den Heimgebrauch angeboten. Straffere Haut, weniger Akne, gemilderte Pigmentflecken: Ist das realistisch?
Ursprünglich wollten NASA-Forscher*innen in den 1990er-Jahren herausfinden, wie sich Pflanzen im All unter künstlichem Licht züchten lassen. Dabei fiel auf: Wunden an den Händen der Astronaut*innen heilten unter rotem LED-Licht schneller. Daraus entwickelte sich eine neue Forschung, auch für die Hautgesundheit.
Heute setzen viele Dermatolog*innen medizinische LED-Panels unter anderem bei Akne, zur Hautverjüngung oder zur Unterstützung der Wundheilung nach ästhetischen Behandlungen ein.
Begrenzte Wirkung zu Hause
Der Clou: Lichtwellen treffen bestimmte Zellbestandteile, etwa die Mitochondrien, und regen dort Prozesse wie Heilung und Regeneration an. Dieses Prinzip findet sich auch in handelsüblichen LED-Masken wieder, die mit gezieltem Farblicht und über 100 LEDs in unterschiedlichen Wellenlängen arbeiten (siehe Box). Entscheidend ist dabei jedoch die abgegebene Energie.
«Es braucht eine bestimmte Anzahl von Joule pro Quadratzentimeter, um eine Wirksamkeit zu erzielen. Die Energie des Geräts reicht möglicherweise nicht aus», erklärt Ambroise Champion, Onkologe am Hôpital de La Tour in Genf, im Westschweizer Radio RTS. Geräte für den Heimgebrauch können deshalb oft nicht die gleiche Wirkung entfalten wie professionelle Panels in dermatologischen Praxen.
Studienlage noch begrenzt
Trotzdem berichten Expert*innen von positiven Effekten. «LED-Masken können durchaus feine Falten glätten und für einen frischeren Teint sorgen», sagt Hautärztin Daniela Greiner-Krüger gegenüber der «Apotheken Umschau».
Bei regelmässiger Anwendung – rund 10 bis 20 Minuten, drei- bis fünfmal pro Woche – berichten Nutzer*innen von einem ebenmässigeren Hautbild, weniger Unreinheiten und einem frischeren Teint.
Zwar stützen einige kleinere Studien diesen Eindruck, doch gelten die Daten als begrenzt – zu klein, uneinheitlich, oft basierend auf Tiermodellen. Eine umfassende Anti-Aging-Wirkung lässt sich daraus nicht ableiten.
Geeigneter Augenschutz ist essentiell
Auch die Schweizerische Gesellschaft für Dermatologie und Venerologie (SGDV) beurteilt die Beweislage kritisch. Gegenüber blue News betont sie: «Es gibt keine medizinischen Daten über ihre Wirksamkeit oder Sicherheit.»
Bislang seien zwar keine Hautschäden durch LED-Masken bekannt – doch könnte dies laut SGDV auch daran liegen, dass die Geräte noch wenig verbreitet sind oder dass sie kurzfristig keine Gefahr für die Haut darstellen.
Vorsicht ist dennoch geboten – vor allem für die Augen. «Ein geeigneter Augenschutz ist unerlässlich», so Dr. Marion Moers-Carpi, Fachärztin für Dermatologie. Viele Geräte liefern zwar eine Schutzbrille mit, dennoch gilt: Anwendungsdauer einhalten, nicht direkt ins Licht blicken und die Augen idealerweise geschlossen halten.
Risiken: Wenn Licht zu viel wird
Auch wenn die Masken oft Öffnungen für die Augen haben – gestreutes Licht (vor allem blaues) kann die Netzhaut reizen. Immer mitgeschickte Schutzbrille tragen oder Augen während der Behandlung geschlossen halten.
Mehr Licht = mehr Wirkung? Falsch. Zu langes oder zu häufiges Nutzen kann die Haut stressen, Irritationen oder Rötungen verursachen. Blaulicht kann bei Überdosierung sogar oxidativen Stress erzeugen – also die Haut altern lassen statt sie zu verjüngen.
Menschen mit Hauterkrankungen wie Rosazea, Lupus, frischen Narben oder bei Einnahme von lichtsensibilisierenden Medikamenten (zum Beispiel Antibiotika, Retinoide) sollten LED-Masken nur nach Rücksprache mit Fachärzt*innen nutzen.
Geräte ohne CE-Kennzeichnung oder aus dubiosen Online-Shops können ungenaue oder gar gefährliche Strahlung abgeben – im schlimmsten Fall sogar UV-Anteile. Ein Fall wie der Rückruf der Neutrogena-Maske 2019 zeigt: Selbst etablierte Marken können ins Wanken geraten, wenn Sicherheitsbedenken auftreten.
Die Lichtfarbe bzw. Wellenlänge hängt vom gewünschten Effekt ab.
Blaues Licht (ca. 400–430 Nanometer [nm]): Wirkt antibakteriell und entzündungshemmend. In der Dermatologie wird es vor allem bei Akne eingesetzt, da es akneverursachende Bakterien zerstören kann. Klinische Anwendungen zeigen, dass es Entzündungen lindern und die Heilung unterstützen kann. Auch bei Hauterkrankungen wie Neurodermitis oder Schuppenflechte wird es gelegentlich ergänzend verwendet.
Rotes Licht (ca. 550–630 nm): Dringt tiefer in die Haut ein und kann die Kollagenbildung anregen, was zu festerer Haut und einer Glättung feiner Falten beitragen kann. Es wirkt zudem entzündungshemmend und kann Rötungen lindern. In kleinen Studien zeigen bei regelmässiger Nutzung Verbesserungen der Hautstruktur, etwa bei Fältchen und Pigmentflecken. Dies hat dazu geführt, dass die US-amerikanische FDA bestimmte Rotlicht-Geräte als Anti-Aging-Behandlung zugelassen hat.
Infrarotlicht (ca. 780 nm): Das unsichtbare nahinfrarote Licht dringt besonders tief ins Gewebe ein und erwärmt es leicht. Es kann entzündungshemmend wirken und wird oft mit rotem Licht kombiniert, um auch tiefere Haut- und Muskelschichten zu erreichen. In der Wellness-Anwendung soll IR-Licht helfen, Stress abzubauen und die Muskulatur zu entspannen. Es birgt jedoch bei unsachgemässer Anwendung auch gewisse Risiken, etwa durch Überhitzung.
Grünes Licht (ca. 520–550 nm): Wirke beruhigend auf die Haut, fördere die Wundheilung und soll einen ungleichmässigen Teint ausgleichen. Hersteller werben damit, dass grünes LED-Licht Pigmentflecken und Sonnenschäden mindern kann, um einen frischeren Hautton zu erzielen. Die Evidenz hierfür ist jedoch begrenzt.