50 Prozent merken nichts Herzrhythmusstörungen bleiben oft unentdeckt – sie verkürzen das Leben um bis zu elf Jahre

Sven Ziegler

2.10.2025

Herzrhythmusstörungen können Schlaganfälle auslösen.
Herzrhythmusstörungen können Schlaganfälle auslösen.
Imago / Bildmontage

Viele Betroffene wissen nichts von der Herzrhythmusstörung. Eine neue Studie aus Dänemark zeigt, dass Vorhofflimmern gerade bei Menschen unter 50 schwerwiegende Folgen haben kann.

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Sven Ziegler, Agence France-Presse

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  • Vorhofflimmern ist die häufigste Herzrhythmusstörung und kann unbehandelt einen Schlaganfall auslösen.
  • Laut einer Studie der Uni Kopenhagen sterben Betroffene unter 50 Jahren im Schnitt neun Jahre früher.
  • Experten raten, auch junge Menschen mit Symptomen frühzeitig zu untersuchen und zu behandeln.

Herzstolpern, Engegefühl in der Brust, Schwindel – hinter solchen Symptomen steckt nicht selten Vorhofflimmern. Die Störung entsteht, wenn elektrische Impulse im Herzvorhof nicht mehr koordiniert ablaufen. Das Blut fliesst langsamer, Gerinnsel können entstehen – schlimmstenfalls droht ein Schlaganfall.

Die Diagnosen nehmen seit Jahren zu. Besonders alarmierend ist eine neue Studie der Universitätsklinik Kopenhagen, die über 216'000 Patientinnen und Patienten zwischen 2000 und 2020 untersuchte. Das Ergebnis: Wer bereits unter 50 an Vorhofflimmern erkrankt, hat ein deutlich höheres Risiko für Herzschwäche, Herzmuskelentzündungen – und eine um rund neun Jahre verkürzte Lebenserwartung. Bei einer Diagnose vor dem 30. Lebensjahr beträgt die Differenz sogar mehr als elf Jahre.

Jeder Zweite merkt nichts

Das Heimtückische: Rund die Hälfte der Betroffenen spürt keine Beschwerden. «Wir gehen davon aus, dass etwa jeder zweite Mensch mit dieser Herzrhythmusstörung nichts davon merkt», sagt Kardiologe Michael Böhm vom Universitätsklinikum des Saarlandes gegenüber «Focus Online». Dabei gilt: Je früher behandelt wird, desto besser lassen sich Komplikationen vermeiden.

Laut einer früheren US-Studie war bereits ein Viertel der untersuchten Fälle jünger als 65 Jahre. Fachleute sehen die Ursache auch in der Zunahme klassischer Risikofaktoren: Bluthochdruck, Übergewicht und Diabetes. Alle drei Erkrankungen breiten sich weltweit stark aus. Nach Angaben der Deutschen Hochdruckliga leidet inzwischen mehr als ein Viertel der Weltbevölkerung an Bluthochdruck – Tendenz steigend. 

Ebenfalls haben Forscher herausgefunden, dass regelmässige kurze Mittagsschläfen das Risiko für Bluthochdruck und Schlaganfall erhöhen

Für junge Erwachsene heisst das: Auch scheinbar harmlose Symptome sollten ernst genommen werden. Ärztinnen und Ärzte empfehlen regelmässige Kontrollen, gesunde Ernährung, Bewegung und den Verzicht aufs Rauchen. Denn Vorhofflimmern selbst ist selten akut lebensbedrohlich – die Folgen einer verschleppten Diagnose aber können dramatisch sein.


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