Ausgangssperre? Manche gehen mit dem Stofftier Gassi – aber ich habe Frodo 

Jennifer Furer

23.3.2020 - 11:29

Frodo ist sieben Monate alt und ein Labrador-Rüde.
Bild: jf

Das Coronavirus zwingt uns, zu Hause zu bleiben. Noch gibt es aber in der Schweiz keine Ausgangssperre. Auch wenn diese kommt: Als Hundebesitzerin ist man besser dran. 

In Spanien spielen sich derzeit skurrile Szenen ab. Um während der Ausgangssperre an die frische Luft gehen zu können, führen Menschen die unterschiedlichsten Tiere Gassi: Ziegen, Schweine, sogar Kanarienvögel. Ein Mann führte Berichten zufolge einen Stoffhund an der Leine aus.

Ach, wie gern würde ich es diesem Spanier gleich tun. Unbezahlbar wären die Gesichter meiner bünzligen Nachbarn, die es dann umso weniger lassen könnten, mich aus dem Fenster zu beobachten, wenn ich meinen echten Hund Gassi führe.

Frodo heisst das Geschöpf, das seit September an meiner Seite ist. Es hat viele Nerven gekostet, ihn aufzuziehen. Ich schreibe hier bewusst von Aufziehen und nicht Erziehen. Mein Hund ist ein Wirbelwind, ein frecher Kerl, der sich in der Pubertät befindet und mehr schlecht als recht auf meine Kommandos hört – ausser, es gibt etwas zu fressen.

Frodo mit sechs Wochen.
Bild: jf

Ich muss zugeben, dass es Zeiten gab, in denen ich meine Entscheidung, einen Hund zu kaufen, hinterfragt habe. Heute ist das anders. Und die Corona-Krise hat mir einmal mehr verdeutlicht, wie froh ich sein kann, einen solch tollen Begleiter an meiner Seite zu haben.

Während meine Nachbarn betreten oder neidisch aus den Fenstern schauen, trete ich hocherfreut im Rumpelstilzchen-Schritt aus der Haustür und führe einen quicklebendigen Hund an der Leine hierhin und dorthin.

Wo sich vor einigen Wochen noch Unmut über Frodo breit machte, weil er wieder einmal mit dreckigen Pfoten ins Treppenhaus gerannt ist, ist jetzt Neid. Neid, dass ich einen Hund und somit einen Grund habe, jeden Tag dreimal an die frische Luft zu dürfen.

Neid macht sich auch bei all den Joggern, händchenhaltenden Pärchen und Senioren breit, denen ich während meiner Spaziergänge begegne. Ich ertappe sie dabei, wie sie meinem Blick ausweichen. Es scheint, als hätten sie mir gegenüber ein schlechtes Gewissen, ohne triftigen Grund den Wald zu bevölkern.

Frodo mit roter Schnauze.
Bild: jf

Ok, ich gebe zu, manchmal erlaube ich mir einen kleinen Spass und schaue extra etwas böse drein, weil ich mich mit meinem süssen kleinen Frodo erhaben fühle. Denn: Egal was kommt, ob Ausgangssperre oder nicht, ich habe immer einen Grund, raus zu dürfen.

Dass Frodo neulich, während ich ein Interview führte, eine Paste mit Öl-Farbe zerbissen hat und meine Wohnung und seine Schnauze damit rot einfärbte? Gechenkt!

Auch wenn ein Hund viel Arbeit und Nerven bedeutet: Ich würde ihn nie gegen ein Plüschtier eintauschen wollen – nicht nur, weil ich so die Ausgangssperre ohne schlechtes Gewissen umgehen kann.

Regelmässig gibt es werktags um 11:30 Uhr bei «Bluewin» die Kolumne am Mittag – es dreht sich um bekannte Persönlichkeiten, mitunter auch um unbekannte – und manchmal wird sich auch ein Sternchen finden.

Die Coronavirus-Krise: Eine Chronologie

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