Neue Studie soll Impflügen aus der Welt schaffen

7.3.2019 - 18:50, rre

Impfskepsis mit Wissenschaft eines Besseren belehren - das funktioniert nicht immer.
Bild: iStock

Schwere Autoimmunerkrankungen, autistische-Spektrum-Störung: Gemäss Gegnern der schulmedizinischen Immunisierung kann die MMR-Impfung diverse Erkrankungen auslösen. Eine grosse Studie soll die Befürchtungen der Impfkritiker entkräften.

Die Impfung gegen Masern begünstige, dass Kinder an Autismus erkrankten. Eine Mär, die immer wieder in einschlägigen Impfgegner-Foren und Social-Media-Gruppen die Runde macht. Die wachsende Zahl beunruhigter (werdender) Eltern dürfte mit dafür verantwortlich gewesen sein, dass sich Wissenschaftler im Rahmen einer Studie dem Thema widmeten. In einer dänischen Studie werteten Forscher die Daten von sage und schreibe 650'000 Kindern aus.

Die Daten wurden während eines Zeitraums von zehn Jahren zusammengetragen. Besonderes Augenmerk legten die Wissenschaftler dabei auf 6'500 Kinder mit einer Autismus-Spektrum-Störung (ASS). Nach eingehender Analyse aller vorhandenen Informationen kamen die Forscher zum Schluss, dass die Dreifachimpfung – bestehend aus einer Immunisierung gegen Masern, Mumps und Röteln (MMR) – nicht mit einer Autismus-Spektrum-Störung in Verbindung steht. Die Studie wurde am Dienstag im medizinischen Fachjournal «Annals of Internal Medicine» publiziert.

Neu sind die Erkenntnisse nicht – sie stützen vielmehr Resultate einer Untersuchung aus dem Jahr 2002.

Unseriöse Studie

Mit ein Grund für die allgemein verbreitete Impfskepsis ist eine Studie, die im Jahr 1998 im in medizinischen Kreisen geschätzten Fachmagazin «The Lancet» publiziert wurde. Ein Team um den britischen Gastroenterologen Andrew Wakefield stützte sich dabei auf zwölf Probanden im Kindesalter, die unter ASS litten. Bei acht von ihnen untermauerten Wakefield und seine Kollegen einen unmittelbaren Zusammenhang zwischen der Dreifachimpfung und der Entwicklung von Autismus.

Die Publikation des umstrittenen Mediziners wurde im Jahr 2010 von «The Lancet» zurückgezogen: Eine vorangegangene Untersuchung der britischen Ärztekammer schlussfolgerte unter anderem, Wakefield habe sich unethisch verhalten und mit seiner Veröffentlichung Unwahrheiten verbreitet.

Zu bezweifeln ist, dass die aktuell veröffentliche Studie der dänischen Forscher bei Impfkritikern zu einem Umdenken führt. Doch es wäre zu begrüssen, denn bei den Masern handelt es sich um alles andere als eine harmlose Kindererkrankung. Die Infektion mit dem Virus kann schlimmstenfalls eine tödlich verlaufende Gehirnentzündung zur Folge haben. Mit ein Grund dafür, warum einem Mann in den USA eine polizeiliche Anzeige droht. Der 57-Jährige trainierte laut NBC News in einem Fitness-Studio, obwohl er aufgrund einer akuten Maserninfektion unter Quarantäne stand.

Tatsächlich zählen die Masern zu den hochinfektiösen Viruserkrankungen: Es reicht bereits aus, sich in einem grösseren Raum und in weiter Entfernung zu einer akut an Masern erkrankten Person zu befinden, um sich anzustecken.

Deshalb gibt es immer noch Masern in der Schweiz

Masern: In Europa immer noch nicht ausgerottet.
Mehr als 21'000 Fälle von Masern hat es 2017 in Europa gegeben. Das sind vier Mal so viel wie im Jahr davor.
In der Schweiz gibt es jährlich etwa 50 Masernfälle, im vergangenen Jahr waren es 105. Bei Epidemien kann die Zahl auf rund 2000 Erkrankte steigen, wie das Bundesamt für Gesundheit BAG auf der Homepage schreibt.
Die Krankheit kann durch einen Impfstoff verhindert werden, der seit den 1960ern verwendet wird. Experten sagen, dass Impfraten von mindesten 95 Prozent nötig sind, um Epidemien zu verhindern.
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