Depressionen: Darum leiden Männer anders

dpa

26.7.2018 - 00:00

Übermässiger Alkoholkonsum wird nicht unbedingt mit Depressionen in Verbindung gebracht. Bei Männern ist zu viel Alkohol aber häufig ein Symptom der Erkrankung.
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Depressionen kommen bei Männern weniger häufig vor als bei Frauen. Nicht immer wird die Krankheit jedoch gleich erkannt, denn die Symptome unterscheiden sich. Männer reagieren häufig aggressiver, trinken mehr oder stürzen sich mit voller Kraft in die Arbeit.

Das klassische Rollenmodel scheint beim Thema Depression immer noch gültig zu sein: Der Mann  – das sogenannt starke Geschlecht – darf und will sich keine Schwäche erlauben. Schon gar keine psychische Erkrankung.

Sorgen werden totgeschwiegen oder gar in Alkohol ertränkt. Und Bedenken der engsten Vertrauten ignoriert. Mit zum Teil fatalen Folgen.

Zwar treten depressive Erkrankungen bei Frauen häufiger auf als bei Männern. Doch die Suizidgefahr ist bei Männern weitaus grösser. Sie wählen gewalttätigere Methoden und sind damit erfolgreicher in ihrer Absicht, sich umzubringen, so der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde.

Wenngleich es nicht die eine «Männer-Depression» gibt, so stellen Ärzte doch unterschiedliche Ausprägungen zwischen den Geschlechtern fest.

Sport, Alkohol und Aggressionen

Beispielsweise zeigen sie nicht immer – oder nicht ausschliesslich – die bekannten Symptome. Während Frauen antriebslos werden und in eine trübe Stimmung verfallen, reagieren Männer aggressiv, schinden sich noch mehr, treiben wie verrückt Sport und trinken häufiger Alkohol. Wird dieses Verhalten dann einfach als typisch männlich abgetan, bleibt die Depression lange unerkannt.

Den Zugang zur Psyche scheinen gerade Männer besser über ihren Körper zu finden, lautet die Meinung der Experten. Schlafstörungen oder körperliche Abgeschlagenheit sind ebenfalls mögliche Anzeichen einer Depression.

Nicht nur die Symptome unterscheiden sich mitunter – auch der Ausgangspunkt für die seelische Krise ist bei Männern häufig ein anderer als bei Frauen. Als Problem gilt zum Beispiel mangelnde Kommunikation am Arbeitsplatz. Vieles machen Männer mit sich aus, statt darüber zu sprechen.

Auch Versagensangst stehe bei Männern stärker im Vordergrund, erklärt der Facharzt. «Es geht um die Leistung oder die nicht erbrachte Leistung.» Teil der Therapie ist daher auch, die eigenen Ansprüche zu hinterfragen. «Bin ich wirklich weniger wert, wenn ich weniger leiste?» Dieser Frage müssen sich die Betroffenen stellen.  

Wer Hilfe braucht, kann sich als Erstes an den Hausarzt wenden. Das gilt nicht nur für betroffene Männer, sondern auch für besorgte Angehörige. Der Arzt kann den Patienten gegebenenfalls an einen Psychotherapeuten oder eine Klinik überweisen.

Selbstreflexion als Schlüssel zum Erfolg

Fragen Sie nach speziellen Angeboten für Männer. Die Therapie ist ähnlich gestaltet wie bei Frauen, wird aber häufig ergänzt durch Anti-Aggressions- und Achtsamkeitstraining. Dabei steht nicht die Methode allein für den Erfolg, sondern die Tatsache, das Männer und Frauen separiert werden. Denn die Erfahrung zeigt: Sonst versuchen Männer, die Fassade aufrechtzuerhalten und stark zu bleiben.

Massgeblich für eine erfolgreiche Therapie sind die Bereitschaft zur Veränderung und die Fähigkeit zur Innenschau, darin sind sich die Experten einig. Doch was, wenn beides fehlt?

Dann könnten Partner und gute Freunde helfen. Man darf aber nicht in die Falle laufen, dass der Betroffene sich als Versager fühlt. Männer, die gerne Verantwortung tragen, könnten Sorgen als Vorwurf auffassen. Da ist es manchmal einfacher, das Gespräch von Mann zu Mann zu suchen und einen guten Freund als Helfer einzuspannen.

In einem sind sich Fachärzte und Psychologen einig: Angehörige sind keine Therapeuten. Man muss trotzdem dranbleiben und darf nicht aufgeben. Denn auch den eigenen Körper und Geist zu pflegen, ist ein Zeichen von Stärke.

Weitere Infos zum Thema «Depressionen» gibt es unter diesem Link.

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