Weshalb Medizin und Lifestyle zunehmend verschmelzen

15.11.2018 - 12:34, Mara Ittig

Hotel-Lobby oder Wartezimmer? In der Dermanence in Zürich setzt man auf viel Ästhetik – beim Interior Design und den Behandlungen.
Bild: Dermanence

Medizinische Behandlungen in Wohlfühlatmosphäre und ärztliches Know-How für verlangsamtes Altern: Lifestyle und Medizin rücken immer näher zusammen und profitieren voneinander. 

In diesem lichtdurchfluteten Wartezimmer wähnt man sich in der Lobby eines modernen Boutique-Hotels. Der Blick geht auf die Bahnhofstrasse und bleibt an kunstvoll aufgereihten Coffeetable-Books über Tom Ford oder Chanel hängen. Ausgesuchte Blumenarrangements und geschickt inszeniertes Licht geben dem Raum Atmosphäre. Wäre da im Hintergrund nicht der «Derminator», ein Pharmaroboter, der im Minutentakt pharmazeutische Produkte einräumt oder ausspuckt, man würde kaum merken, dass man sich in einer Praxis befindet. 

Im November eröffnete in Zürich mit der «Dermanance» die – laut eigener Aussage – modernste Hautarztpraxis der Schweiz. Angeboten werden neben klassischer Dermatologie auch ästhetische Behandlungen. Damit trifft die Praxis den Zeitgeist.

Dr. Marianne Meli obliegt die ärztliche Leitung über das dermatologische Kompetenzzentrum. Sie erklärt auf dem Rundgang durch die Praxisräume, man habe viel Wert gelegt auf die Einrichtung, dies mit dem Ziel, eine Wohlfühlatmosphäre für die Patientinnen und gleichzeitig optimale Bedingungen für das medizinische Personal zu schaffen. 

Eindeutig medizinisch: Der Medikamentenroboter kümmert sich um die Bewirtschaftung der Medikamente. 
Bild: Dermanence

Medizin als Lifestyle-Element?

Das stylische Wartezimmer mit Blick auf den pharmazeutischen Roboter ist sinnbildlich: Hier Lifestyle mit Wohlfühl-Faktor, dort Hightech-Medizin. Das Konzept zieht sich durch die gesamte Praxis. Medizin und Lifestyle rücken auch ausserhalb der Dermanence näher zusammen. Der Trend zu einer Verschmelzung wird vielerorts deutlich.

Immer mehr Menschen lassen sich medizinisch behandeln, ohne krank zu sein – als Prävention und zur Verbesserung der Lebensqualität. Und immer mehr optimieren ihren Lifestyle, um gesundheitlich davon zu profitieren. Das geschieht über Ernährung, Sport, Stressreduktion, aber auch durch gezielte Nahrungsergänzung, die nicht nur gesund, sondern auch schön machen soll. 

Nahrungsergänzung boomt

Die Ausgaben für Nahrungsergänzung steigen weltweit jährlich um gut fünf Prozent, jedes Jahr werden damit rund 450 Miliarden US-Dollar umgesetzt.

Niacin oder Lycopin sind etwa Stoffe, die sich in Nahrungsergänzung finden.

Lycopin ist ein Caritonoid mit antioxidantiver Wirkung und gibt unter anderem Tomaten ihre rote Farbe. Der Stoff trägt zur Erhaltung und Funktion der Zellen bei, was sich positiv auf die Gesundheit auswirkt. So gibt es unter anderem Studien, die einen positiven Effekt bei Prostata-Krebs nachweisen. Lycopin vermag aber auch das Erscheinungsbild zu verbessern – gesunde Zellen sind elementar für eine schöne Haut. 

Orthomolekulare Medizin soll durch die medizinische Verwendung von Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen zur Vermeidung und Behandlung von Krankheiten beitragen.
Bild: iStock

Ähnliches gilt für Niacin, ein B-Vitamin, das wichtig ist für die Regeneration von Haut, Muskeln, Nerven und DNA. Das Alter der Zellen hat nachweislich einen Einfluss auf unsere Gesundheit – und auf unser Erscheinungsbild. 

Collagen-Shots für pralle Haut

Es ist erwiesen, dass das biologische Alter massgeblich von unserer Art zu leben abhängt. Wir trainieren, um gesund zu sein – und um auch so auszusehen. Wir ernähren uns ausgewogen, um uns besser zu fühlen – und um möglichst gesund alt zu werden. Aussagen von vital wirkenden Prominenten, die behaupten, sie sähen so jugendlich aus, weil sie jeden Tag Yoga machten, viel schliefen und Wasser tränken, haben durchaus einen wahren Kern. 

Nicht mehr nur durch Behandlungen von aussen helfen wir unserer Schönheit auf die Sprünge, sondern vermehrt auch durch die Einnahme von Vitaminen oder Stoffen wie Collagen oder Hyaluronsäure. Tatsache ist: Was es früher nur in medizinischen Praxen zur Hautpflege gab, kann man heute in der Apotheke als Drink erwerben. Pralle Haut durch hochwirksame Shots, sozusagen.

Medizin und Lifestyle rücken zusammen, um optimale Ergebnisse zu erzielen.  
Bild: Getty Images

Schönheitsinstitute wie Pretabeaute wiederum bieten in einer Anti Aging Lifestyle Academy ein Gesamtpaket an, um die genannten Attribute zu erreichen. Dazu gehört neben Ernährungs- und Fitnessberatung auch die sogenannte Orthomolekulare Medizin (die medizinische Verwendung von Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen zur Vermeidung und Behandlung von Krankheiten), Stressmanagement und Schönheitsbehandlungen – dies alles für jene, die es sich leisten können oder wollen.

Das Zauberwort heisst Slow Aging

Sogar einen Schritt weiter gehen Anbieter wie Nutrigenes. Sie bieten unter dem Begriff «DNA Lifestyle» individualiserte Beratungen aufgrund des persönlichen DNA-Profils an. Auch das individuelle biologische Alter kann so bestimmt werden, also das tatsächliche Alter unsere Zellen.

Zum Paket gehören Empfehlungen, wie man sich ernähren oder wie man trainieren soll. Zudem erfährt man, welche Nahrungsergänzung optimal ist. Auch wird die Frage beantwortet, wo gesundheitliche Riskien liegen. Das Stichwort heisst Slow Aging. Man versucht durch eine Anpassung des Lebensstils die Zellalterung zu verlangsamen. Das zahlt sich optisch aus, aber eben hauptsächlich auch gesundheitlich. 

Das Potenzial haben auch findige Unternehmer erkannt: Produkte wie Timeblock bieten unter dem Label «Vital Aging Nutrition» einen «massgeschneiderter Nährstoffkomplex zur optimalen Unterstützung zentraler Vitalfunktionen.» Eine abgestimmte Produktpalette aus Nahrungsergänzung und Crèmes soll hier den Alterungsprozess verlangsamen.

Insgesamt lautet die Botschaft: Wer gut auf sich und seinen Körper aufpasst, altert langsamer, profitiert überhaupt gesundheitlich – und sieht besser aus. Darauf setzt eben auch die neu eröffnete Dermanence an der Zürcher Bahnhofstrasse. 

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