Alireza Bayram: «Ab und zu ist das absolute Unwohlsein genau das Richtige»

Bruno Bötschi

28.3.2021

Schauspieler Alireza Bayram wurde durch seine Rolle in der US-Serie «Homeland» mit Claire Danes (2015) international bekannt.
Bild: Hans-Caspar Gattiker

Welchen Gegenstand brauchen Sie am Wochenende am meisten? Was steht jeden Samstag auf Ihrem Einkaufszettel? Heute stellen wir unsere Fragen an Schauspieler Alireza Bayram.

Jeden Samstag stellt «blue News» einem bekannten Menschen aus Kultur, Sport, Wirtschaft und Politik 22 Fragen, um zu erfahren, was sie oder er am Wochenende tut oder lässt – und was der schönste Moment in den vergangenen sieben Tagen war.

Heutiger Gast ist Schauspieler Alireza Bayram. Er ist 1984 in Teheran geboren und im Alter von zwei Jahren mit seiner Familie in die Schweiz ausgewandert. Seit dem Abschluss der Sekundarschule arbeitet er als Schauspieler.

Seine Rolle in der US-Serie «Homeland» mit Claire Danes (2015) machte ihn international bekannt. 2019 arbeitete er mit Regiestar Terrence Malick. Im vergangenen Jahr hat er in Berlin die deutsch-norwegische Mini-Serie «Furia» abgedreht. Bayram lebt in Zürich.

1. Alireza Bayram, was bedeutet Wochenende für Sie – in einem Wort?

Dasswochentagefürmichkeinerollespielenunddasseinwortniedafürreichtwaszumausdruckzubringenwasichempfinde.

2. Was war der schönste Moment in den vergangenen Wochen?

War es, als ich die Zusage für eine männliche Hauptrolle bekommen hab? Oder als Nellie mit Blumen für mich vorbeigekommen ist und wir wieder mal vor dem Spiegel einen Dance off hatten? Oder war es, als ich beim Singen den richtigen Ton getroffen hab? War es, als ich vor meinem Team geweint hab und ich mich dabei wohl und aufgehoben gefühlt habe? War es die neue Jacke, die ich mir gekauft hab? Oder doch der tägliche Versuch, meine Ängste zu überwinden? Die Freuden der anderen, die zu meinen geworden sind? Oder war es, als ich in einem anderen Interview offen und frei über den Rassismus reden konnte? Oder war es vielleicht doch zum wiederholten Mal die Erkenntnis, dass ich die Gesellschaft verändern will, sodass es für alle in deren Existenz und Identität – ohne Konkurrenz und Hierarchie – Platz zur Selbsterfüllung hat?

3. Wenn Sie Macht hätten, zu befehlen, was Ihnen heute richtig scheint, würden Sie es befehlen, gegen den Widerspruch der Mehrheit?

Ich würde allen befehlen, ihre eigenen Systeme zu sprengen, und bin selbst dazu bereit, meine in die Luft zu jagen. Systeme sollten immer hinterfragt werden. Und man sollte sich selbst infrage stellen. Ab und zu ist der Zweifel, die Irritation und das absolute Unwohlsein genau das Richtige, um zu erkennen, was für ein System dahintersteckt und wem es dient und wem es schadet.

4. Was steht jeden Samstag auf Ihrem Einkaufszettel?

Meine Agenda und meine Listen sind leer, weil ich mir nichts reinschreibe. Hin und wieder schaff ich es trotzdem, eine To-do-Liste zu erstellen und sie dann aber trotzdem zu verlieren. Und meine Agenda hab ich auch nur, weil sie so schön ist und ich mich damit erwachsen fühle, obwohl ich erst 36 bin.

5. Bei welcher Modedesignerin, bei welchem Modedesigner lassen Sie Ihr Geld?

Ich find Gucci so geil und will mal für die modeln. Aber kaufen tu ich keine Designkleider, cuz I ain’t got much money.

6. Mit wem würden Sie gern einmal zu Abend essen? Die Person darf auch bereits tot sein.

Leonardo Da Vinci. Er ist mein Spirit Animal und ich will ihn als mein Mentor.

7. Wer ist der beste James-Bond-Darsteller? Und warum?

Ich schau kein James Bond. Aber ich wäre dazu bereit, das Bond-Girl oder in dem Fall den Bond-Boy zu spielen. I’m deadly serious.

8. Welche TV-Serie schauen Sie gerade?

Ich fand «Euphoria»  mit Schauspielerin Zendaya ehrlich, schonungslos und grossartig.

9. Welches Konzert haben Sie zuletzt besucht?

Wow, diese Frage erinnert an Corona und stimmt mich traurig. Und dann muss ich plötzlich an mein Lieblingslied von 2020 denken: ‹Derfi di hebe›  von Sophie Hunger, Faber, Dino Brandao. Dieses Lied traf so ungefähr jeden Nerv in mir.

«Systeme sollten immer hinterfragt werden. Und man sollte sich selbst infrage stellen»: Alireza Bayram.

10. Bei welchem Song lassen Sie sofort alles stehen und liegen und stürmen die Tanzfläche?

Ungefähr bei jedem Song. Hier schnell und unüberlegt eine Liste, zu der ich zu Hause tanze: Kanye West – «Fade», Jennifer Lopez – «On The Floor», Miley Cyrus – «Midnight Sky», Beyoncé – «Grown Woman», Love My Way – «The Psychodelic Furrs», Lady Gaga – «Bad Romance», Theophilus London feat. Tame Impala – «Only You».

11. Wie lange bleiben Sie am Sonntag im Bett, nachdem Sie aufgewacht sind?

Mein Bett hat Räder. So kann ich die Räume in meiner Wohnung wechseln, ohne dabei das Bett verlassen zu müssen.

12. Frühstück im Bett – ja oder nein?

Alles im Bett. Ich bin wie Yoko Ono und der Beatles-Typ.

13. Wann sind Sie zuletzt in ein Gotteshaus gegangen?

Ich glaube nicht an Institutionen. Aber sehr wohl an die Macht des Glaubens und des Höheren.

14. Welchen Gegenstand brauchen Sie am Wochenende am meisten?

Die Boombox.



15. Gibt es ein Ritual, das Sie jeden Sonntag pflegen?

Manchmal höre ich klassische Musik und geb mich meinen Sinnen und Empfindungen hin, dabei versuche ich alle Gedanken abzublocken und in einen besinnlichen, kreativen, emotionalen Zustand zukommen.

16. Freiburger Fondue Moitié-Moitié oder Tessiner Risotto?

Ghorme Sabzi oder einen unglaublich gut zubereiteten Burger.

17. Das beste Fortbewegungsmittel, das Sie je besessen haben?

Ich will das Hoverboard von Marty McFly.

18. Locarno oder Lugano?

Locarno.

19. Wenn Sie das Wort Romandie hören: An was denken Sie?

An Roman und dass Romans Pronomen sie/ihr ist. Die Roman, RomanDie. Ich hab die Frage richtig verstanden.

20. Was tun Sie am Wochenende zu wenig?

Ausflüge! Ausflüge! Ausflüge!

21. Welches hartnäckige Gerücht über Sie ist schlichtweg nicht wahr?

Es stimmt alles, was man über mich gehört oder gelesen hat.

22. Ihr Lieblingswitz?

Mich bringen situationsbezogene Sprüche am meisten zum Lachen.

Alireza Bayram füllte den Fragebogen schriftlich aus.

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