Bäume: Die schönsten Riesen der Schweiz

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25.8.2018

12 Meter Stammumfang, halb so hoch wie das Berner Münster und 1500 Jahre alt. Das sind Rekordmarken, die Bäume in der Schweiz aufgestellt haben.

Autor Michel Brunner hat sie alle versammelt in seinem Buch «Baumriesen der Schweiz».  – Wussten Sie, dass in den Schweizer Alpen die mächtigsten Arven, Lärchen und Fichten der Welt stehen? Hätten Sie gedacht, dass der älteste Baum der Schweiz, eine Eibe, bereits 1500 Jahre alt sein könnte?

Von über 1000 untersuchten Baumriesen werden im Werk, dass dieser Tage gerade in der 6. Auflage erschienen ist, die mächtigsten, ältesten und kuriosesten vorgestellt. Eine gute Gelegenheit, die «sanften Giganten» von einer neuen, faszinierenden Seite kennenzulernen.

Wichtige Naturdenkmäler

Johann Coaz, Oberforstinspektor in den Diensten des Bundes, bemühte sich 1896 als einer der ersten und letzten um die Erfassung der wichtigsten Naturdenkmäler hierzulande. Die meisten in seinen vier Alben «Baum- und Waldbilder aus der Schweiz» porträtierten Bäume wurden inzwischen gefällt oder sind ihrem Alter erlegen. 

Der Bündner Coaz schuf eine Dokumentation der «Schönheit, Grösse und Geschichte hervorragender Bäume». Er verfolgte damit auch pädagogische Absichten: «Das Werk soll nur im Dienst der Kunst stehen, beim Volk den Sinn für Naturschönheiten wecken und zur Ausbildung desselben beitragen, dies auch durch Vermittlung der Schulen. Zugleich soll es den Natur­schutz unterstützen.»

Linden werden oftmals an markante Orte gesetzt, wie beispielsweise hier auf dem Böbzberg ausserhalb von Linn.
Bild: Michel Brunner/André Hübscher

Während unsere Nachbarländer in den letzten Jahren Inventare zu alten Bäumen erstellten, hinkt die Schweiz bei diesem Thema  hinterher: Mit «Baumriesen der Schweiz» möchte Michel Brunner einen Schritt tun, um diese Lücke zu füllen – in der Hoffnung, auch die Schweizerinnen und Schweizer zu motivieren, sich für eine altwürdigen Baum stark zu machen.

Bäume umarmen

Und falls Sie demnächst einen der Baumriesen besuchen gehen, hier noch ein Tipp: Umarmen Sie ihn, berühren Sie ihn! Momoll, Bäume zu liebkosen, bisher eher als Tick von Hippies bekannt, hat medizinische Effekte: Die Rinde enthält sogenannte Terpene, die das menschliche Immunsystem stärken. Wer einen Baum umarmt, atmet diese Terpene ein und nimmt sie über seine Haut auf.

Das berichtet Biologe und Bestseller-Autor Clemens G. Arvay in seinem Buch «Der Biophilia-Effekt – Heilung aus dem Wald». Die Vorteile von «Waldbädern» sind von Wissenschaftlern anerkannt. Sie sollen Stress, Angst, Blutdruck, Depressionen und Müdigkeit reduzieren können und sogar bei Krebserkrankungen behilflich sein.

Diese Methode, die aus Japan importiert wurde und sich dort in den 1980er Jahren etabliert hat, wird im Französischen Sylvotherapie genannt, im Englischen «Tree hugging». Der Vorteil, sie kostet nichts und ist sehr einfach zu praktizieren: Gehen Sie in einen Wald, wählen Sie einen Baum (es muss nicht unbedingt ein Riese sein), nähern Sie sich ihm sanft und umarmen Sie ihn. Halten Sie Ihre Wange an die Rinde, schliessen Sie die Augen und atmen Sie langsam ein und aus.

Momoll, ob ein Naturdenkmal in der Umgebung oder ein Methusalem in einsamer Bergwelt, unserer bäumigen Höhepunkte sind stets eine wundersame Begegnung wert.

Buchhinweis: Baumriesen der Schweiz, Michel Brunner, 240 Seiten, 236 Abbildungen, 6. erweiterte Auflage, Werd Verlag, ISBN 978-3-85932-629-3, 59 Fr.

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