Chris von Rohr: «Morgens im Bett bin ich noch klar und unberührt»

Von Bruno Bötschi

18.7.2021

Chris Von Rohr, schweizer Rocklegende, fotografiert vor und in seinem Haus in Solothurn, anlässlich seiner Buchpublikation. Fotos kostas maros, am 19.11.19
Er ist der bekannteste Rockstar der Schweiz: Chris von Rohr in seinem Haus in Solothurn.
Bild: Kostas Maros

Welchen Gegenstand brauchen Sie am Wochenende am meisten? Was steht jeden Samstag auf Ihrem Einkaufszettel? Heute stellen wir unsere Fragen Krokus-Legende Chris von Rohr.

Von Bruno Bötschi

18.7.2021

Jeden Sonntag stellt «blue News» einem bekannten Menschen aus Kultur, Sport, Wirtschaft und Politik 22 Fragen, um zu erfahren, was sie oder er am Wochenende tut oder lässt – und was der schönste Moment in den vergangenen sieben Tagen war.

Heutiger Gast ist Chris von Rohr, 69. Der Gründer und Bassist der Hardrockband Krokus verkaufte Millionen Platten, hatte eine eigene TV-Show, lieferte mit dem Ausdruck «Meh Dräck» 2004 das Wort des Jahres und veröffentlichte 2018 mit «Himmel, Hölle, Rock'n'Roll» seine Biografie.

1. Chris von Rohr, was bedeutet Wochenende für Sie – in einem Wort?

Nichts.

2. Was war der schönste Moment in den vergangenen Wochen?

Als meine Liebste mir sagte, sie sei echt froh, dass es mich gebe, und mir mit ihren magischen Luchs-Augen direkt ins Herz schaute.

3. Wenn Sie Macht hätten, zu befehlen, was Ihnen heute richtig scheint, würden Sie es befehlen gegen den Widerspruch der Mehrheit?

Ich halte nichts von Befehlen, aber viel von Empfehlungen. Ich würde anregen, dass zukünftige Eltern, wie beim Autofahren, erst mal einen «Kinder-Driving-Test» machen. Das wäre mal ein Anfang. Dazu bitte baldmöglichst, wie in anderen Ländern auch, eine staatlich unterstützte Schulvielfalt. Damit sich auch schlechter Verdienende eine breiter ausgelegte Bildung leisten können. Es müsste endlich erkannt werden, dass die Kinder die Zukunft jeder Gesellschaft sind. Wir sind ein reiches Land, Ausreden gibt’s hier keine.

4. Was steht jeden Samstag auf Ihrem Einkaufszettel?

Ich liebe Brot. Dieses 5-Korn-Wunderding hole ich auf dem herrlichen Samstagmarkt hier in Solothurn. Dazu etwas Käse, frische Salate und ein paar Qube-Würfel.

5. Bei welcher Modedesignerin, bei welchem Modedesigner lassen Sie Ihr Geld?

Marken- und Labelkleidung war noch nie mein Ding. Ich habe da meine eigene Linie: Tenue Chrisibär, locker vom Hocker, Hippierocker, wild and free, pendelnd zwischen aubergine, olive, purple, black and white, zum Teil selbst gefärbt. Cotton bevorzugt, Schmuck dezent. Kleidung ist Kommunikation ohne Worte und sollte sich vor allem gut anfühlen.



6. Mit wem würden Sie gern einmal zu Abend essen? Die Person darf auch bereits tot sein.

Tot: Peter Ustinov, Mozart – lebendig: Ringo Starr, Alain Delon.

7. Wer ist der beste James-Bond-Darsteller? Und warum?

Ich frage mich eher, wer der nächste beste Bond-Darsteller wäre? Keine einfache Aufgabe. Mein Favorit ist Cillian Murphy («Peaky Blinders»). Jedenfalls wünsche ich den Produzenten ein gutes Händchen, sonst ist es wohl bald vorbei mit der 007-Saga.

8. Welche TV-Serie schauen Sie gerade?

Deren drei auf Netflix: «Better Call Saul», «Vikings» und «The Blacklist». Clevere Storys, würzige Dialoge und fantastische Bilder. Am liebsten am Morgen auf dem Crosstrainer.

9. Welches Konzert haben Sie zuletzt besucht?

Die Proben eines jungen gemischten Orchesters aus Bremen in einer Kirche in London. Ich sass zirka drei Meter nah, war schlicht umwerfend, wie sie Beethoven spielten.

10. Bei welchem Song lassen Sie sofort alles stehen und liegen und stürmen die Tanzfläche?

«Tanzfläche», welch putziges Wort! Ich bin Musiker, nicht Tänzer, aber bei Bob Marleys «Exodus» verfalle ich in eine Art Ausdruckstanz. Wer bei diesem Song nicht wenigstens mitwippt, sollte schnellstens zum Bodycheck.

Chris Von Rohr 2018
«Es müsste endlich erkannt werden, dass die Kinder die Zukunft jeder Gesellschaft sind. Wir sind ein reiches Land, Ausreden gibt’s hier keine»: Chris von Rohr.
Bild: Kostas Maros

11. Wie lange bleiben Sie am Sonntag im Bett, nachdem Sie aufgewacht sind?

Ich bleibe jeden Tag nach Aufwachen zwei Stunden im Bett und schreibe. Da bin ich noch klar und unberührt.

12. Frühstück im Bett – ja oder nein?

Nein, mein Garten und mein Küchentisch sind zu schön. «If you want breakfast in bed, sleep in the kitchen» steht auf einem Schild in meiner Küche.

13. Wann sind Sie zuletzt in ein Gotteshaus gegangen?

Das war letzten Dezember und eher ernüchternd. Ich zitiere den Psychologen Allan Guggenbühl: «Nur Gott kann die Kirche retten.»

14. Welchen Gegenstand brauchen Sie am Wochenende am meisten?

Gitarre, Schreibgerät, Malsachen und Yogamatte – wie die ganze Woche hindurch.

15. Gibt es ein Ritual, das Sie jeden Sonntag pflegen?

Ich schliesse die Fenster, wenn die Hells Bells draussen Amok läuten.

16. Freiburger Fondue Moitié-Moitié oder Tessiner Risotto?

Lieber mal wieder «Forrest Gump» mit 'ner Tüte Chips.



17. Das beste Fortbewegungsmittel, das Sie je besessen haben?

Ein schwarz-weisser VW Käfer als Highway-Patrol-Car bemalt, ein triple black Rolls-Royce Corniche Cabrio und heute den kleinen Ur-Flyer. Einfach himmlisch.

18. Locarno oder Lugano?

Natürlich Locarno, da spielt die Musik und der Monte Verità ist nah.

19. Wenn Sie das Wort Romandie hören: Woran denken Sie?

An meine fantastischen Jugendjahre in Neuenburg und an lockere, offene Menschen. Jedes Jahr treffe ich Freunde in Montreux oder Lausanne und fühle mich beflügelt. Ja, die Romandie hat viel zu bieten, was uns Deutschschweizern guttut.

20. Was tun Sie am Wochenende zu wenig?

Ich tue im Allgemeinen immer zu viel, gelobe aber Besserung. Mein neuer Leitsatz ist von Laotse: Tue nichts, und alles ist getan.

21. Welches hartnäckige Gerücht über Sie ist schlichtweg nicht wahr?

Dass ich Roman Kilchsperger im Keller gefangen halte und ihn mit Speed-Metal foltere.

22. Ihr Lieblingswitz?

Lieblingswitz? Politiker sagen die Wahrheit, Frauen sind gleichberechtigt und die Medien sind unabhängig.

Chris von Rohr füllte den Fragebogen schriftlich aus.


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