Kommerz wie Kokain Darum lässt mich der Black Friday vollkommen kalt

Bruno Bötschi

28.11.2025

Schwarz-Weiss-Denken: blue-News-Redaktor Bruno Bötschi geht der Black Friday am Allerwertesten vorbei.
Schwarz-Weiss-Denken: blue-News-Redaktor Bruno Bötschi geht der Black Friday am Allerwertesten vorbei.
Bild: Anthony Anex/Keystone/dpa

Schnäppchen oder Lockvogelangebot? Diese Frage müssen sich Shopper*innen dieser Tage besonders oft stellen, denn – wie jedes Jahr – tricksen Händler am Black Friday. Unser Autor fällt darauf nicht herein.

Bruno Bötschi

Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen

  • Heute Freitag, 28.  November, soll die Welt in einen Kaufrausch verfallen: Es ist Black Friday.
  • Warum betreiben viele Menschen in der Vorweihnachtszeit Marathon-Shopping und kaufen oft viel mehr ein, als ihnen guttut?
  • Wissenschafter behaupten, die alljährliche Schnäppchenjagd habe Ähnlichkeiten mit Konsum von Kokain.

Ich bin wunschlos glücklich –  also materiell.

Das ist aber nicht der einzige Grund, warum mich der Black-Friday-Shopping-Hype kaltlässt.

Riesige Rabattschilder, Sales-Countdowns und stündlich wechselnde Sonderaktionen: Detail- und Onlinehändler überbieten sich seit Tagen gegenseitig mit Spezialangeboten – bis die Rabattschlacht im Verlaufe von heute Freitag, 28. November, ihren orgiastischen Höhepunkt erreichen wird.

Damals rannte auch ich die 5th Avenue rauf und runter

Meinen ersten Black Friday erlebte ich in den 1990er Jahren in New York. Damals rannte auch ich die 5th Avenue in Manhattan rauf und runter – in der Hoffnung ein super geiles Schnäppchen zu ergattern.

Black Friday ist der Freitag nach Thanksgiving – und gilt in den USA sozusagen als Startschuss in die Shoppingzeit, äh, Adventszeit. Die holiday season, wie viele Amerikaner*innen sagen. Unternehmen locken an diesem Tag, also zumindest scheinbar, mit supertollen Rabatten und sonstigen wahnsinnigen Aktionen.

In der Schweiz hat der Black Friday keine grosse Tradition. Laut meinen Recherchen beging das Warenhaus Manor vor zehn Jahren den ersten Black Friday made in Switzerland – ohne mich.

Der Start war trotzdem spektakulär: Manor erzielte 2015 am Black Friday das Dreifache eines normalen Tagesumsatzes.

Ich bin ein Spielverderber

Aber wie gesagt: Ich spielte Spielverderber – und habe mich bis heute kein einziges Mal von einem dieser sagenhaften Black-Friday-Angeboten verführen lassen.

Aus dem einfachen Grund, weil mir noch nie irgendjemand irgendeinen triftigen Grund nennen konnte, warum ich mich durch überfüllte Läden quälen soll, in denen zwischen Gross und Klein schreckliche Rabattschlachten toben.

Mein Motto an diesem Tag, nein, während der gesamten Vorweihnachtszeit: einen kühlen Kopf bewahren.

Und fast noch wichtiger: alle Weihnachtsmärkte meiden.

Momoll, ich Neunmalkluger schnallte früh: Konsument*innen kaufen am Black Friday vermeintlich supergünstige Produkte, die sie in Wirklichkeit nicht brauchen werden.

Oder wie es Konsum- und Trendanalyst Carl Tillessen im «Spiegel» erklärt: «Bei Rabatten wird das Schmerzempfinden ausgeschaltet und das Belohnungsgefühl gewinnt sofort die Oberhand. Wir empfinden beim Kauf ungetrübte Freude.»

Und weiter: «Man fühlt sich aufgewertet, und das löst ebenfalls sehr starke Glücksgefühle aus.»

Nur leider ist das nicht alles.

Dann kommt, was nach jedem Rausch auftritt: der Kater

Inzwischen hat die Wissenschaft auch noch herausgefunden, dass das regelmässige Kaufen von Dingen eine Verhaltenssucht auslösen kann. Dabei werden im menschlichen Gehirn biochemische Prozesse in Gang gesetzt wie beim Konsum von Kokain oder Amphetamin.

Dieser Zustand soll laut den Expert*innen mit dem Verliebtsein vergleichbar sein. Kein Wunder also, dass der Black Friday immer beliebter und beliebter wird ...

Blöd halt nur, wenn Konsument*innen dann Dinge kaufen, die wenig später in irgendeinem Kasten unbenutzt verstauben. Bis irgendwann kommt, was nach jedem Rausch auftritt:

der Kater.

Oder wie es Experte Tillessen erklärt: «Wenn man aber Dinge kauft, die man gar nicht braucht und die sofort irgendwo landen, dann fällt unser Dopaminspiegel schnell wieder ab. Der nächste Lustkauf füllt dann nur noch das Tief zwischen den Hochs.»

Aber ich hatte ja bereits erwähnt: Ich bin materiell wunschlos glücklich.

Und darum lässt mich der Black Friday auch in diesem Jahr vollkommen kalt – ausser dass mir meine Chef*innen nahegelegt haben, diesen Text zu schreiben.


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