Das Schweizer Schach-Superhirn beim FC Bayern: Noel Studer

2.8.2018 - 00:00, Nicolai Morawitz

Der Berner Noel Studer spielt dort Schach, wo andere um die Championsleague-Trophäe kämpfen, beim FC Bayern München. Um Höchstleistungen zu bringen, bereitet sich der jüngste Schach-Grossmeister in der Schweizer Geschichte nicht bloss im stillen Kämmerlein vor. Er schnürt auch regelmässig die Laufschuhe.

Schweizer Schachmeisterschaften 2018 in Lenzerheide: Draussen rauschen Moutainbiker vorbei und johlen. Im Inneren der Mehrzweckhalle herrscht dagegen Stille wie in einem Kloster, nur ein leichtes Rascheln ist hin und wieder zu hören. Alle Konzentration gilt dem Schach.

Auch Noel Studer hat an einem der Tische Platz genommen. Als Bundesmeister 2018 darf er auf einem Podest gegen seine Gegner antreten. Nach der Begrüssung steigt Studer recht schnell in seinen «Tunnel», wie er es nennt. 

In einem Alter, in dem sich andere Gedanken über ihre Studienwahl machen, ist der 21-jährige Studer schon Schach-Grossmeister. Der jüngste in der Schweizer Geschichte. Mit acht Jahren trat er dem Schachklub Bern bei. Aber erst drei Jahre später habe er begonnen, regelmässig mit einem Trainer zu arbeiten, so Studer. «Für die Weltspitze ist es damit im Grunde schon zu spät»

Frühe Förderung alles entscheidend

Heute sei es durchaus möglich, dass Kinder bereits mit fünf Jahren eine professionelle Schach-Föderung bekämen. Und in der sehr lernfähigen Phase bis 15 Jahre würden sie dann schon sehr viele wichtige Strategien und Automatismen entwickeln, von denen sie dann später in ihrer Karriere profitieren.

«Schachmatt» statt «Abseitsfalle»: Noel Studer spielt in der Schachabteilung des FC Bayern München.
Facebook Noel Studer/ Daniel Rihs

In der Schweiz sei es sehr schwer eine wirklich umfassende Förderung zu bekommen, um dann in der Schach-Weltspitze mithalten zu können, so Studer. Diese wurde in den letzten Jahren von Spielern aus der ehemaligen Sowjetunion und aus Ex-Jugoslawien dominiert – zuletzt gab es jedoch auch einen Weltmeister aus Norwegen. 

Von Belp nach Bayern

Noel Studer hat 2017 den Schritt in die deutsche Schach-Bundesliga gewagt, die als eine der stärksten der Welt gilt. «Ein Traum ist in Erfüllung gegangen». Sein Verein, Bayern München, gilt dort allerdings, anders als beim Fussball, nicht als Klassenprimus. Dieses Jahr musste er sogar den Abstieg in die 2. Bundesliga hinnehmen. 

Vom Schachsport und seinen Prämien allein kann Studer nicht leben. «Wenn wir beim FC Bayern nur einen Bruchteil der Mittel der Profifussballer zur Verfügung hätten, würde es schon besser gehen», scherzt der 21-Jährige. Der grosse Klub aus München bezahlt zwar alle Reisespesen, doch ein Salär bekommen die Schachspieler aus der 2. Bundesliga nicht. 

Dafür ist die Vereinsbindung beim Schach nicht so streng: Neben dem Engagement in München hat Studer auch in der Schweiz einen Verein. Auch in Österreich war er schon aktiv. Doch um als Profi wirklich finanziell über die Runden kommen zu können, ist Studer auf Sponsoren und Stiftungen angewiesen.

Schach «bi de Lüt»: Manchmal tritt Noel Studer gegen Passanten in Bern am Bundesplatz an.
Bluewin/mn

Darunter ist zum Beispiel die Fritz-Gerber-Stiftung für begabte junge Menschen. Der junge Berner versteht es zudem, sich selbst zu vermarkten: Auf Facebook liken über 5'000 Menschen seine Seite, auf der er auch Schachpartien streamt oder live kommentiert.

Fokussierter dank Schach

Er gehe heute nichts mehr «halbbatzig» an, sagt der Schachspieler. Sein Sport habe ihn schon früh gelehrt, in wichtige und unwichtige Dinge zu unterscheiden. Ausserdem habe ihm der Schach dabei geholfen, schnell Entscheidungen zu treffen und auch zu ihnen zu stehen. 

Gelernt hat er ausserdem, dass er auch Auszeiten nehmen muss. «Im Schach ist im Grunde immer Saison», weiss Studer. Deshalb müsse er selbst seine Termine gut planen. Schon im Herbst steht das nächste grosse Turnier an.

Bei der Schacholympiade in Georgien Ende September werden sich die Besten der Welt miteinander messen. 

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