Archäologie im Schatten des Weltkriegs «Silberpharao» Psusennes – der Jahrhundertfund, den niemand mitbekam

Christian Thumshirn

24.5.2026

Nicht Tutanchamun – «Silberpharao» Psusennes – der Jahrhundertfund, den niemand mitbekam

Nicht Tutanchamun – «Silberpharao» Psusennes – der Jahrhundertfund, den niemand mitbekam

Ein unberührtes Königsgrab, ein Sarkophag aus Silber und eine Goldmaske. 1940 macht Pierre Montet in Tanis eine unheimliche Entdeckung. Doch in Europa tobt der Krieg, die Sensation geht unter – bis heute ist der archäologische Coup fast unbekannt.

12.12.2025

Ein unberührtes Königsgrab, ein Sarkophag aus Silber und eine Goldmaske: 1940 wird im Nildelta eine unheimliche Entdeckung gemacht. Doch in Europa tobt der Krieg, die Sensation geht unter – bis heute ist die Geschichte hinter dem archäologischen Coup kaum bekannt.

Christian Thumshirn

Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen

  • In Tanis (Ägypten) entfernt der französische Archäologe Pierre Montet im Amun-Tempelbezirk scheinbar gewöhnliche Bodenplatten – und steht plötzlich über einer königlichen Totenstadt, die seit Jahrtausenden nicht mehr betreten wurde.
  • Ein tonnenschweres Tempelfragment als Panzertür, antike Bronze-Rollen als Walzen: Am Ende öffnet sich ein unberaubtes Königsgrab – Psusennes I., der «Silber-Pharao», mit Goldschatz und silbernem Innensarg.
  • Die Entdeckung passiert am Vorabend des Zweiten Weltkriegs, und geht im Kriegslärm total unter.

Im November 1922 blickt die Welt gebannt nach Ägypten. Howard Carter entdeckt im Tal der Könige das nahezu unversehrte Grab des Tutanchamun. Eine Welle der Ägyptomanie fegt über den Globus; die Bilder der goldenen Maske des «Kindkönigs» brennen sich ins kollektive Gedächtnis ein.

November 1922: Tutanchamun setzt die Messlatte

Es ist die archäologische Sensation des 20. Jahrhunderts, ein PR-Coup der Archäologie, der die Messlatte für alle folgenden Funde fast unerreichbar hoch legen wird.

Howard Carter wusste sich und seinen Fund perfekt zu inszenieren: Jede Aufnahme sass – publikumswirksam arrangiert und für die Presse verwertbar. Möglich machte das auch sein Geldgeber Lord Carnarvon, der die Grabung mitfinanzierte und den Fund mit Carter gezielt in die Öffentlichkeit trug.
Howard Carter wusste sich und seinen Fund perfekt zu inszenieren: Jede Aufnahme sass – publikumswirksam arrangiert und für die Presse verwertbar. Möglich machte das auch sein Geldgeber Lord Carnarvon, der die Grabung mitfinanzierte und den Fund mit Carter gezielt in die Öffentlichkeit trug.
IMAGO/United Archives

Nur wenige Jahre später, am Vorabend des zweiten Weltkriegs, wird eine vergleichbare, vielleicht sogar noch bedeutendere Entdeckung gemacht – doch die Nachricht über den Fund verhallt in den Wirren des Krieges. Die Jahrhundert-Entdeckung ist bis heute kaum bekannt: die unversehrte Grabstätte des Silber-Pharaos.

Elf Jahre Arbeit. Nasses Delta. Null Glamour.

Frühjahr 1939. Fast zwei Jahrzehnte nach Howard Carters Triumph schuftet der französische Archäologe Pierre Montet im feuchten Nildelta, weit entfernt vom glamourösen Tal der Könige. Es ist bereits seine elfte Grabungssaison.

Bis jetzt hat Montet in Tanis noch keine spektakulären Funde gemacht. Er sichert vor allem Reliefreste und Statuenfragmente, ordnet wiederverwendete Steinblöcke und ist dabei, eine Bestandsaufnahme der zerstörten Tempelanlagen zu erstellen.

Das Nildelta im Norden Ägyptens bildet eine riesige, fruchtbare Schwemmebene, die sich dreieckig zum Mittelmeer öffnet und etwa 240 Kilometer Küstenlinie umfasst. Im Gegensatz zur extrem trockenen Wüste Oberägyptens, wo Howard Carter arbeitete, herrscht im Delta ein feuchtes Klima. Es ist eine der grössten Flussoasen der Erde, deren Boden durch die jährlichen Ablagerungen von nährstoffreichem Schlamm extrem fruchtbar ist.

Historischer Stich aus dem Jahr 1885. Während der jährlichen Nilflut stand das Delta oft grossflächig unter Wasser – nur einzelne Sandrücken, im Fachjargon «Turtlebacks» genannt, blieben trocken. Auf denen errichteten die alten Ägypter ihre Siedlungen.
Historischer Stich aus dem Jahr 1885. Während der jährlichen Nilflut stand das Delta oft grossflächig unter Wasser – nur einzelne Sandrücken, im Fachjargon «Turtlebacks» genannt, blieben trocken. Auf denen errichteten die alten Ägypter ihre Siedlungen.
IMAGO/imagebroker

Diese geografischen und klimatischen Bedingungen, die das Delta schon in der Antike zum landwirtschaftlichen Zentrum Ägyptens machten, sind für die Archäologie eine Herausforderung, weil sich organische Materialien wie Holz und Leinen in der feuchten Erde schnell zersetzten.

Tanis liegt nicht in der flachen Ebene, sondern auf einem leicht erhöhten Siedlungshügel – einem natürlichen Sandrücken, wie er im Delta häufig ist und oft als «Schildkrötenpanzer» beschrieben wird.

Solche Erhebungen standen bei der jährlichen Nilflut wie Inseln in der überschwemmten Landschaft und boten den Menschen im Delta einen raren Luxus: trockenen Boden. Ideal für Siedlungen, Tempel und Grabanlagen.

Auf spektakuläre Funde hofft im Nildelta trotzdem niemand. Nicht nur wegen der widrigen klimatischen Bedingungen.

Nach der 20. Dynastie, deren ramessidische Pharaonen das Land mit Residenzen sowohl aus der Stadt Per-Ramesu im Nildelta als auch aus dem religiösen Zentrum Theben regierten, schien der Zenit der ägyptischen Macht nach der damaligen Lehrmeinung überschritten.

Nach der Herrschaft Ramses XI., des letzten Pharaos der 20. Dynastie, begann das Reich politisch zu zerfallen: Theben verblieb unter der Kontrolle der mächtigen Hohepriester des Amun, die de facto als Könige im Süden herrschten, während die eigentlichen Pharaonen fortan von ihrer neuen Hauptstadt Tanis im Nildelta aus das nur noch nominell geeinte Land regierten.

Wo Könige regieren, bleiben Spuren – sogar im Nildelta

Montet war kein Tal-der-Könige-Romantiker, der nur dort suchte, wo die Wüste Funde wie in einem Tresor konserviert.

Der französische Archäologe hat bereits im östlichen Mittelmeerraum ausgegraben und dabei seinen Blick dafür geschärft, dass Macht, Reichtum und Geschichte oft an den Rändern und Knotenpunkten eines Reiches greifbar werden – genau dort, wo andere wegen schwieriger Bedingungen abwinkten.

Tanis ist dafür ein naheliegendes Ziel, zumal der Ort für Ägyptologen in den 30er-Jahren des letzten Jahrhunderts kein weisser Fleck mehr war: Schon vor Montet hatten namhafte Forscher im Gebiet gearbeitet und gezeigt, dass rund um den Amun-Tempel gewaltige Strukturen verborgen liegen.

Weil Tanis nach dem politischen Zerfall des ägyptischen Reichs tatsächlich zur neuen Hauptstadt im Norden wurde, setzt Montet auf die einfache Logik, die viele seiner Fachkollegen unterschätzen: Wo Könige regierten, mussten sie auch Spuren hinterlassen haben – selbst im feuchten Nildelta.

Die Grabungssaison 1939: Ein unverhoffter Durchbruch

1939 arbeitet sich Montets Grabungsteam im Südwesten des Amun-Tempelbezirks durch die Überreste mehrerer aus Lehmziegeln erbauter ptolemäischer Werkstätten und Künstlerateliers, als die Arbeiter auf eine massive Kalksteinabdeckung stossen.

Montets lässt die Steine, die wie gewöhnliche Bodenplatten aussehen, kurzerhand wegnehmen. Zu seinem Erstaunen verbirgt sich unter dem Pflaster ein halbverschütteter Schacht, der über einen Korridor in eine Grabkammer führt.

Der Zugang – das wird schnell klar – war allerdings schon in der Antike missbraucht worden: Grabräuber hatten ihn als Einstieg genutzt. Das Grab ist geplündert.

Spätestens jetzt dürfte dem Franzosen klar geworden sein, dass er hier nicht in irgendeinem Grabbau gelandet ist: Die Wände tragen bemalte Reliefs, und zwischen Staub und Schutt liegen trotz des antiken Einbruchs hochwertige Beigaben verstreut. Ein erster Hinweis, dass hier vielleicht noch mehr verborgen ist?

Vier Kammern, drei Könige – und plötzlich ein Silbersarg

Kurz darauf kann Montet tatsächlich den ersten grossen Königs-Komplex der Nekropole identifizieren. Die Grabanlage besteht aus vier Kammern. In der grössten steht ein gewaltiger Granit-Sarkophag des Osorkon II., eines Pharaos der 22. Dynastie.

Montet findet Kanopengefässe und Grabstatuetten; dahinter liegt ein weiterer, kleinerer Steinsarg, beschriftet für Osorkons Sohn Prinz Hornakht. In einer anderen Kammer stösst Montet auf die beraubte Bestattung von König Takelot I., dem Vater von Osorkon II.

Wenig später entdeckt der Archäologe den nächsten Grabkomplex – er wird die Fachwelt später dazu zwingen, das Nildelta neu zu denken.

Die Eingangskammer ist zwar ebenfalls von Grabräubern gestört, doch ein Objekt sticht sofort heraus: Auf einem Steinpodest liegt ein Silbersarg mit Falkenkopf, beschriftet für einen bis dahin kaum bekannten Pharao: Scheschonq II., ein Herrscher der 22. Dynastie.

Deckel des falkenköpfigen Sarges von Scheschonq II.  
Deckel des falkenköpfigen Sarges von Scheschonq II.  
IMAGO / imagebroker

Neben dem Sarg vier kleine silberne Kästchen von etwa 25 Zentimetern Länge – Miniformate, die die einbalsamierten Organe enthielten, anstelle klassischer Kanopenkrüge.

Im Innern des Silbersarges liegt der Körper des Königs, im feuchten Delta-Klima schlecht erhalten. Doch auf den Resten des Schädels sitzt eine massive Goldmaske; dazu Schmuck und Goldteile, bis hin zu Goldkappen an Fingern und Zehen und goldenen Sandalen.

Selbst der sonst so sachliche Montet ist sichtlich berührt. Im Grabungstagebuch hält er fest: «Dieser Tag ist ein Tag voller Wunder, der tausendundeiner Nacht würdig ist.»

Doch es kommt noch besser.

Der versiegelte Grabeingang

Montet läuft die Zeit davon. Die Grabungssaison geht zu Ende – im Delta arbeitet man nicht das ganze Jahr, sondern in begrenzten Kampagnen, wie es die Ausgräber bis heute im Nildelta tun. Nach den Funden im März 1939 nutzt Montet die letzten Wochen vor der Sommerhitze, um die Artefakte zu bergen und sorgfältig zu katalogisieren.

Erst Mitte Januar 1940 kehrt Pierre Montet nach Tanis zurück und beginnt sofort mit der weiteren Erforschung der Grabkammern: Jetzt verdichtet sich alles auf eine Wand. Im Grabkomplex III liegen zwei sorgfältig zugemauerte Türen vor ihm.

Er nimmt die nördliche. Die Mauersteine geben nach – doch dann geht plötzlich nichts mehr. Ein massiver Granitblock sitzt so passgenau im Korridor, als hätte ihn jemand wie einen Korken eingepresst. Da ist kaum Spielraum: nichts zu hebeln, nichts zu drücken, kein Zentimeter zu gewinnen.

Der Genius der Erbauer: ein Granitblock, der rollen kann

Montet experimentiert, bricht ab, denkt neu – und setzt dann auf Zugkraft statt Gewalt. Ein Stahlkabel wird durch die schmalen Fugen geführt und mehrfach um den Block gelegt, im Schacht ein Flaschenzug verankert.

Der Zug spannt sich. Das Kabel singt. Noch einen Moment lang verharrt der Verschlussstein in seiner Position, dann gibt er nach. Erst kaum sichtbar, dann spürbar: Millimeter um Millimeter bewegt sich der einige Tonnen schwere Block aus dem Schacht.

Warum das so problemlos funktioniert?

Das Geheimnis liegt direkt unter dem Steinkoloss: Der Monolith – ein wiederverwendeter Architrav aus der Zeit Ramses II. – steht auf Bronzerollen aus der Antike. Der Mechanismus der Baumeister hat die Zeit überdauert. Fast, als hätten die Erbauer schon damals damit gerechnet, dass ihn eines Tages jemand wieder öffnen muss.

Der Steinblock läuft schwer auf den Rollen, doch langsam, ganz langsam gibt er den Eingang frei.

«Im schwarzen Granit ein Silbersarg, passgenau wie angegossen»

Pierre Montet

Montet klopft sich den Staub von den Händen, beugt sich durch die Öffnung und starrt in die Finsternis. Nur langsam werden seine Augen die Formen erfasst haben: Gefässe aus Gold und Silber, Figuren, Grabbeigaben. Am Ende steht ein rechteckiger Sarkophag aus rosafarbenem Granit. Spätestens jetzt dürfte Montet realisiert haben, was ihm da gelungen ist: ein königliches Grab, ungestört seit der Versiegelung – etwas, das sich selbst Howard Carter in dieser Reinheit nie geboten hat.

Im Gegensatz zu Tutanchamuns Grab, das in der Antike mindestens zweimal von Grabräubern heimgesucht worden war, ist die Ruhestätte des Psusennes I. seit rund 3000 Jahren vollkommen unangetastet.

Der «Silber-Pharao» – wertvoller als Gold

«In der engen Grabkammer herrschte eine Nässe», so Montet später, «dass das Wasser von den Wänden tropfte». Im vorderen Teil liegen dicht gedrängt die Grabbeigaben: ein versiegeltes Gefäss, vier Kanopen und Hunderte Uschebtis – noch immer so geschichtet, dass sich die Form der einstigen Holztruhe abzeichnet, die in der Feuchtigkeit längst zerfallen war. Dahinter Goldgefässe, das kostbare Kult- und Tafelgeschirr des Königs.

Was nun folgt, ist eine Reihe von Entdeckungen, deren Pracht sich vor Tutanchamun nicht zu verstecken braucht. Ein riesiger äusserer Sarkophag aus rotem Granit. Darin ein weiterer, schwarzer Granitsarkophag. Und in diesem – als ultimative Überraschung – ein innerer Sarg aus massivem, glänzendem Silber.

Der Silbersarkophag des Psusennes I. aus rund 90 Kilogramm Silberblech. Er war im feuchten Grab so angegriffen, dass sich der Boden bereits von den Seiten gelöst hatte.
Der Silbersarkophag des Psusennes I. aus rund 90 Kilogramm Silberblech. Er war im feuchten Grab so angegriffen, dass sich der Boden bereits von den Seiten gelöst hatte.
egypt-museum.com

Eine Sensation für sich.

Im Alten Ägypten war Gold das «Fleisch der Götter», Silber war weitaus seltener und wertvoller, weil es importiert werden musste.

Pharao Psusennes I. erhält daraufhin den Beinamen «Der Silber-Pharao». Seine Mumie – umhüllt von kostbarem Silber – trägt eine exquisite goldene Totenmaske – ein Meisterwerk der Goldschmiedekunst, das heute im neuen Grand Egyptian Museum in Gizeh ausgestellt ist.

Die Goldmaske des Pharao Psusennes I.
Die Goldmaske des Pharao Psusennes I.
KEYSTONE

Psusennes I. vs. Tutanchamun: Wer ist für die Wissenschaft spannender?

Howard Carters Entdeckung bietet eine beispiellose Momentaufnahme des Lebens im Neuen Reich. Aber wie schneidet denn nun Psusennes I. im wissenschaftlichen Vergleich ab? Überstrahlt der Fund des Silber-Pharaos den Goldglanz Tutanchamuns aus der Sicht der Forschenden?

Tutanchamun – Momentaufnahme des Neuen Reichs:

Das Grab Tutanchamuns war gefüllt mit Tausenden von Alltagsgegenständen, Möbeln, Streitwagen und Kleidung, die durch die Trockenheit des Tals der Könige perfekt konserviert blieben. Diese Objekte revolutionierten unser Verständnis der altägyptischen Kultur, Kunst und Technologie des 14. Jahrhunderts v. Chr.

Tanis – königliche Pracht in der dritten Zwischenzeit:

Montets Fund in Tanis hingegen liefert eine unschätzbare Bestätigung für die Bestattungssitten und den Reichtum einer späteren Epoche, der 21. Dynastie. Organische Materialien wurden durch die Feuchtigkeit zerstört, doch die prächtigen Metallarbeiten haben überdauert. Sie sind der Beweis, dass die Kunstfertigkeit der Ägypter auch während der Dritten Zwischenzeit ungebrochen war.

Vor allem aber ist das Grab des Psusennes I. das einzige vollständig unberaubte Königsgrab, das je gefunden wurde. Es lieferte den Ägyptologen eine makellose, ungestörte Sequenz königlicher Bestattungspraktiken, die selbst Carters Fund in dieser Reinheit nicht bieten kann.

Die Welt schaut weg

Der Zeitpunkt dieser bahnbrechenden Entdeckung war allerdings denkbar ungünstig. Im Februar 1940 weitet sich der Zweite Weltkrieg gerade zum globalen Flächenbrand aus. Während Howard Carters Entdeckung 1922 in einer relativ friedlichen Zwischenkriegszeit stattfindet, in der sich die Welt nach Ablenkung und Wundern sehnte, herrscht 1940 Angst, Leid und Unsicherheit.

Die Zeitungen, die 1922 über jedes Detail aus dem Tal der Könige berichtet hatten, sind nun mit Hitlers Angriffskrieg in Europa beschäftigt. Das Kriegsgeschehen überschattet jede archäologische Sensationsgier. Und so bekommt die Weltöffentlichkeit von Pierre Montets «Jahrhundertschatz» kaum etwas mit.

Wenn überhaupt, ist Montets Entdeckung den internationalen Medien nur eine Randnotiz wert – eine vertiefte Berichterstattung bleibt aus. Die NZZ erwähnt den Fund in ihrer «Kleinen Chronik» auf Seite 6, abgehandelt in wenigen Zeilen. (NZZ vom 28. Februar 1940).
Wenn überhaupt, ist Montets Entdeckung den internationalen Medien nur eine Randnotiz wert – eine vertiefte Berichterstattung bleibt aus. Die NZZ erwähnt den Fund in ihrer «Kleinen Chronik» auf Seite 6, abgehandelt in wenigen Zeilen. (NZZ vom 28. Februar 1940).
NZZ Archiv

Pierre Montet selbst war ein pragmatischer, der Wissenschaft verpflichteter Mann. Die fehlende Resonanz in der breiten Öffentlichkeit mag ihn persönlich enttäuscht haben – wer will seine Lebensleistung schon unbeachtet sehen? Für ihn steht allerdings die exakte Dokumentation der Ausgrabungsergebnisse im Vordergrund. Er arbeitet einfach weiter, katalogisiert und publiziert seine Ergebnisse in Fachkreisen.

«Das Grab des Psusennes ist eine der kostbarsten Reliquien des ägyptischen Altertums»

Pierre Montet

Nach dem Krieg kehrt er an die Collège de France zurück und lehrt als renommierter Professor weiter, bis zu seinem Tod 1966.

Der Silber-Pharao bekommt endlich seine Bühne

Im Ägyptischen Museum am Tahrir-Platz in Kairo haben die Schätze aus Tanis heute deutlich mehr Raum als früher. Seit Tutanchamun ins neue Grand Egyptian Museum nach Gizeh umgezogen ist, rückt Psusennes I. dort stärker ins Blickfeld der Besucher. Und laut Antikenministerium soll seine Präsentation in den kommenden Jahren noch aufgewertet werden.

Besucher staunen über Silber und Gold – und zögern einen Moment, weil die Goldmaske aus dem Nildelta so sehr an Tutanchamun erinnert, den Popstar der Ägyptologie. Dass sie Psusennes I. gehört, ist für viele eine Überraschung. Und es zeigt, wie lange seine Geschichte unerzählt blieb.

Hätte Pierre Montet das Grab zu einem anderen Zeitpunkt entdeckt, würden sein und Psusennes' Name heute wohl ganz selbstverständlich neben Howard Carter und Tutanchamun genannt.

Stattdessen bleibt Psusennes I. der Herrscher eines bedeutenden Schatzes, dessen Entdeckung ein stiller Erfolg blieb: Ein Fund, der im Schatten des Krieges verblasste – und doch für die Wissenschaft von unschätzbarem Wert ist.


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