Dieter Meier – dieser Schweizer weiss, wie man aus Geld Glück macht

Bruno Bötschi

26.6.2020 - 11:12

Sieht aus wie eine Kreuzung aus Salvador Dalí und Otto Sander: Dieter Meier.
Bild: Keystone

Dieter Meier ist Musiker («Yello»), Künstler, Unternehmer und einer der berühmtesten Schweizer weltweit. Vor 35 Jahren bekam er vom Museum of Modern Art in New York Post, die ihn glücklich machte.

Anzug mit Einstecktuch, Halstuch, das wellige graue Haar nach hinten gekämmt, der Schnauzbart fast Hipster-Style. Nein, wie ein typischer Schweizer sieht Dieter Meier, 75, nicht aus. Schon eher wie eine Kreuzung aus Salvador Dalí und Otto Sander, wie die NZZ einst schrieb.

Diese Kreuzung erhielt vor 35 Jahren einen maschinengeschriebenen Brief vom Museum of Modern Art in New York – und zwar an folgende Adresse: Dieter Meier, Yello Video Europa, 8033 Zürich.

Aber fangen wir von vorne an: Meier ist Musiker, Künstler, Biofarmer, Weinbauer, Restaurantbetreiber und ein unglaublich begabter Geschichtenerzähler – kurz: Er wird, und das durchaus zu Recht, immer wieder als Tausendsassa beschrieben.

Könnte, würde, hätte

1978 traf Meier in einem Plattenladen Boris Blank, wenig später entstand ihre Elektropop-Band Yello. Meier wurde wegen seines Sprechgesangs gar als Rap-Pionier gefeiert. Ihren ersten internationalen Hit hatten Yello 1981 mit «Bostich», Stücke wie «The Race» und «Oh Yeah» machten die Band noch berühmter.

Ohne Untertreibung kann man heute sagen, das Duo aus Zürich ist für die elektronische Musik das, was Roger Federer für die Tenniswelt ist.

Meier könnte längst allein von den Tantiemen seiner Musik leben. Könnte, würde und hätte – das hat ihn jedoch nie interessiert. Fragt man ihn, wie er seine Ideen findet, erklärt er das mit einem Bildnis: «Ich sitze am Ufer eines Flusses und warte, was so vorbeitreibt. Und manchmal springe ich hinein.»

Yello wurden für die von Dieter Meier kreierten Musikvideos mit etlichen internationalen Preisen ausgezeichnet. Und in Sammlungen von Museen aufgenommen – womit wir beim Brief wären, den ihm ein gewisser Keith C. Johnson von Museum of Modern Art in New York am 24. Juli 1985, also vor 35 Jahren, geschickt hat:

Der Brief vom Museum of Modern Art in New York an Dieter Meier: Ausriss aus dem Buch «Out of Chaos – ein autobiografisches Bilderbuch» von Dieter Meier, erschienen 2011 in der Edition Edel, Hamburg.
Bild: Buchausriss

Genau, Dieter Meier wurde in dem Brief (siehe Bild) mitgeteilt, dass sein Yello-Video zum Song «Pinball Cha Cha» in der Sammlung des Museums aufgenommen worden sei. Grosse Ehre für einen Künstler aus der kleinen Schweiz.

In dem kaleidoskophaften Video zeigt sich der Einfluss von Meiers frühen Arbeiten als Experimentalfilmer. Es sind Figuren aus Knete und Puderzucker zu sehen, die einst für ein Fotoprojekt entstanden waren. Meier bewies – nachweislich museumswürdig –, dass man nicht Unmengen von Geld braucht, sondern nur gute Ideen und ein innovatives Handwerk.

Es passt zu Meier, dass er für ein gutes Foto auch einmal in seinem Wohnzimmer auf ein Karussellpferd steigt und dabei Golf spielt. Man denkt: das Kind im Manne. Und kommt so möglicherweise seinem Erfolgsgeheimnis ein Stück näher.

Der Bandname Yello ist eine Zusammensetzung aus den Wörtern «to yell» (rufen) und «hello». Ausserdem fand Meier, dass Yello wie ein Kinderspielzeug klinge, das erst noch erfunden werden muss. Kind! Spiel! Zeug!

Das ist bis heute so geblieben: unstillbare Sehnsucht nach allem. Meier geht, trotz fortgeschrittenen Alters, Neues mit Neugierde, offenem Herzen und viel kindlicher Freude an, denkt nicht zuerst an den Erfolg und vergisst dabei auch die Selbstironie nicht.

Oder anders gesagt: Dieser Mann weiss, wie man aus Ideen und Geld Glück macht. 

PS: Vor wenigen Tagen ist mit «Waba Duba» eine neue Single von Yello erschienen. Es ist die erste Single-Auskoppelung zum Album «Point», das am 28. Juli erscheint.

Regelmässig gibt es werktags um 11:30 Uhr und manchmal auch erst um 12 Uhr bei «Bluewin» die Kolumne am Mittag – es dreht sich um bekannte Persönlichkeiten, mitunter auch um unbekannte – und manchmal wird sich auch ein Sternchen finden.

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