«Du kleidest dich wie ein Sek-Lehrer kurz vor dem Burnout»

Von Bruno Bötschi

1.8.2021

Photo: Andrea Monica Hug
Frank Richter war mehrere Jahre als People-Reporter für SRF unterwegs, seit 2016 steht er als Stand-up-Comedian auf der Bühne. Er schreibt alle seine Witze selber, auch die schlechten.
Bild: Andrea Monica Hug

Welchen Gegenstand brauchen Sie am Wochenende am meisten? Was steht jeden Samstag auf Ihrem Einkaufszettel? Heute stellen wir unsere Fragen Stand-up-Comedian Frank Richter.

Von Bruno Bötschi

1.8.2021

Jeden Sonntag stellt «blue News» einem bekannten Menschen aus Kultur, Sport, Wirtschaft und Politik 22 Fragen, um zu erfahren, was sie oder er am Wochenende tut oder lässt – und was der schönste Moment in den vergangenen sieben Tagen war.

Heutiger Gast ist Frank Richter. Früher arbeitete er als People-Journalist mit den Stars und Sternchen zusammen, heute steht er als Stand-up-Comedian auf der Bühne.

1. Frank Richter, was bedeutet Wochenende für Sie – in einem Wort?

Arbeit. Meistens habe ich dann Auftritte, schreibe neue Nummern oder verschicke Rechnungen. Obwohl, im letzten Jahr musste ich kaum welche ausstellen. Corona hatte also doch was Gutes.

2. Was war der schönste Moment in den vergangenen Wochen?

Ich durfte den neuen Freund meiner Mutter kennenlernen. Die beiden sind Anfang 60, verhalten sich aber wie zwei verliebte Teenager. Ich freue mich sehr für sie.

3. Wenn Sie Macht hätten, zu befehlen, was Ihnen heute richtig scheint, würden Sie es befehlen gegen den Widerspruch der Mehrheit?

Nein. Als gebürtiger Deutscher find ich es heikel, die Massen zu führen. Ich setze hier mal noch ein Emoji 😊. Mit so Gags muss man ja immer vorsichtig sein.

4. Was steht jeden Samstag auf Ihrem Einkaufszettel?

Snackgurken. Ich muss zugeben, jetzt wo ich die Antwort so lese, finde ich sie selber langweilig.

5. Bei welcher Modedesignerin, bei welchem Modedesigner lassen Sie Ihr Geld?

Keinem. Ich bin relativ unmodisch. Ein befreundeter Comedian meinte einmal: «Du kleidest dich wie ein Sek-Lehrer kurz vor dem Burnout.»



6. Mit wem würden Sie gern einmal zu Abend essen? Die Person darf auch bereits tot sein.

Roger Moore. Meiner Meinung nach der beste James Bond aller Zeiten. Er hatte alles: gutes Aussehen, Charme und extrem viel Selbstironie. Wenn man sich auf Youtube Interviews von ihm anguckt, merkt man, dass er eigentlich ein Comedian war, der einen Agenten spielte. Als ich noch fürs SRF gearbeitet habe, hätte ich ihn mal interviewen sollen. Allerdings war ich krank und eine Kollegin übernahm das Gespräch. Das wurmt mich bis heute.

7. Wer ist der beste James-Bond-Darsteller? Und warum?

Roger Moore, siehe oben. Aber um die Lobhudelei noch abzuschliessen: Nach seiner Karriere als Bond war er als Unicef-Kinderbotschafter auf der ganzen Welt unterwegs. Ausserdem hatte er immer nur gute Worte für die 007-Filmreihe und seine Co-Stars übrig. Connery hingegen sass 1986 im Interview bei Barbara Walters und erzählte, dass man Frauen auch ruhig mal eine klatschen darf, wenn sie nicht richtig spuren.

8. Welche TV-Serie schauen Sie gerade?

‹Navillera› auf Netflix. Eine koreanische Serie über einen 70-Jährigen, der Ballett lernen möchte. Er wird dann einem aufstrebenden, aber verbitterten Tänzer zugeteilt, der mit dem «Alten» nichts anfangen kann. Doch als er herausfindet, was die wahren Beweggründe des Seniors sind, entwickelt sich eine Freundschaft.

9. Welches Konzert haben Sie zuletzt besucht?

Ich merke gerade, ich gehe viel zu selten an Konzerte. Das war 2019. Wir haben eine koreanische Girlgroup in Seoul gesehen. Das kann man sich optisch so vorstellen, als hätte man Britney Spears im Schulmädchenkostüm elfmal geklont und mit einer jeweils anderen Haarfarbe ausgestattet. Musikalisch war’s eine Mischung aus Spice-Girls und Gangnam Style. Ich fand’s grossartig.

10. Bei welchem Song lassen Sie sofort alles stehen und liegen und stürmen die Tanzfläche?

‹Rhythm Is a Dancer› von Snap.

«Roger Moore ist meiner Meinung nach der beste James Bond aller Zeiten. Er hatte alles: gutes Aussehen, Charme und extrem viel Selbstironie»: Frank Richter.
Bild: Thomas Buchwalder

11. Wie lange bleiben Sie am Sonntag im Bett, nachdem Sie aufgewacht sind?

Fünf Minuten, wenn überhaupt. Im Bett rumzuliegen, ist nicht so meins.

12. Frühstück im Bett – ja oder nein?

Nein. Den Reiz daran habe ich nie verstanden. Vielleicht müsste ich es einmal mit einer zweiten Person ausprobieren.

13. Wann sind Sie zuletzt in ein Gotteshaus gegangen?

An Auffahrt. Es war schön, mal wieder in einem Raum der Jüngste zu sein.

14. Welchen Gegenstand brauchen Sie am Wochenende am meisten?

Den Kugelschreiber. Für mittelmässige Gags. Und mir fehlen Wattestäbchen.

15. Gibt es ein Ritual, das Sie jeden Sonntag pflegen?

Ich mache mir zum Frühstück Pancakes. Das ist schon ein bisschen interessanter als die Antwort mit den Snack-Gurken, aber wirklich nur ein bisschen.

16. Freiburger Fondue Moitié-Moitié oder Tessiner Risotto?

Fondue.



17. Das beste Fortbewegungsmittel, das Sie je besessen haben?

Mein Velo. Traurigerweise auch das einzige.

18. Locarno oder Lugano?

Locarno. Die verschiedenen Sprachregionen der Schweiz sind grossartig. Ich finde es schön, auf Englisch zu bestellen und sofort auf Deutsch bedient zu werden.

19. Wenn Sie das Wort Romandie hören: Woran denken Sie?

An Lebensfreude, nette Menschen und Weisswein zum Mittagessen.

20. Was tun Sie am Wochenende zu wenig?

In den Ausgang gehen.

21. Welches hartnäckige Gerücht über Sie ist schlichtweg nicht wahr?

Als Kind habe ich mal eine Synchronstimme in einem Film von Regisseur Michael Steiner gesprochen. An meiner Schule hat dann irgendwer das Gerücht in die Welt gesetzt, ich hätte einer Figur in «Toy Story» meine Stimme geliehen. Und weil ich das ziemlich cool fand, habe ich es nie korrigiert. Im Raum Rapperswil dürften das also noch vier Leute glauben.

22. Ihr Lieblingswitz?

So ziemlich jeder von Ricky Gervais. Der hier ist zum Beispiel super: «Same sex marriage is not a gay privilege, it’s equal rights. Privilege would be something like gay people not paying taxes. Like churches don’t.»

Frank Richter füllte den Fragebogen schriftlich aus.


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