Golf VIII – ihn feiern statt feuern

Herbie Schmidt

1.11.2019 - 00:00

Der neue Golf kommt mit verbesserten Verbrennern und Hybridmotoren auf den Markt. Reicht das, um zum Vorreiter zu werden?
Bild: Volkswagen.ch

An der IAA zeigte VW neulich ausgerechnet sein erstes von Grund auf konzipiertes Elektroauto, den Golf VIII selbst aber nicht. Dessen Vorstellung erfolgte später – und welcher Wagen ist nun für den Gutmenschen?

Volkswagen bekämpft sich gerade selbst. Noch im September haben die Wolfsburger an der IAA Frankfurt mit Pauken und Trompeten den ID.3, also ihr erstes von Grund auf konzipiertes Elektroauto in Golf-Grösse, lanciert und damit den E-Golf komplett abgelöst. Und dann folgt am Hauptsitz jüngst die Enthüllung des neuen Golf in der achten Generation.

Das ist ausdrücklich kein Elektroauto, weil das ja der ID.3 übernimmt, er wird aber trotzdem gefeiert, als hätte man die Welt des Alltagsautos zum achten Mal neu erfunden. Schliesslich will VW ja auch weiterhin an der Spitze der Golf-Klasse stehen.

Und damit das klappt, ist im neuen Golf alles drin, was es heutzutage an Elektronik und Vernetzung gibt. Grosse Displays, überall Sensoren, teilautonomes Fahren, allerlei weitere Fahrhilfen für mehr Komfort, alles elektronisch. Ungefähr genau so, wie man sich ein Elektroauto vorstellen möchte. Ist aber ein Auto mit Verbrennungsmotor, weil elektrische Fahrten ja der ID ... na ja, Sie wissen schon.

Steckdose im Kotflügel

Ganz so ohne Elektroantrieb ist aber auch der neue Golf nicht. Da gibt es drei verschiedene Benzinmotorenvarianten mit Mildhybridantrieb und 48-Volt-Bordspannung und zwei Versionen mit Plug-in-Hybrid, also Steckdose im Kotflügel. Das Teil übernehmen die Ingenieure vielleicht vom ID.3, denn der ist ja der eigentliche Strombuchsen-König.



Zum Glück für die Marke und ihre Submarke ID gibt es den VW Golf auch mit ganz konventionellem Verbrennungsmotor ohne elektrische Antriebshilfe. Sogar Diesel wagen die Wolfsburger wieder anzubieten, denn die sind ja jetzt bald sauberer als alles andere. Dank «Twindosing» machen die quasi die Luft besser, weil die Abgase weniger Schadstoffe enthalten als die Umgebungsluft.

Umweltfreundliche Quellen Pflicht

Wem das zu gutmenschlich ist, dem bleibt dann halt doch nur der Weg zum Elektroauto. Am besten man nimmt dann eben den ID.3, dann bleibt die Kirche im Dorf, also die Mühle bei der Marke. Die fährt dann zwar emissionsfrei, aber wenn man Strom tankt, der nicht aus umweltfreundlichen Quellen stammt, tut man etwas Unerlaubtes, Ungutmenschliches. Wie befreiend.

An dieser Stelle gibt es an jedem Freitagmorgen eine Autoren-Kolumne –abwechselnd zu den Themen Mode, Essen, Digitales Leben und Mutter. Heute: Digitales Leben.

Zum Autor: Herbie Schmidt, 57, leitet bei der NZZ den Bereich Mobilität und treibt sich privat auch noch auf Rennstrecken herum – meist am Steuer sitzend. In seiner Vita stehen sechs Jahre beim Sauber-F1-Team und 13 Jahre als Autojournalist.

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