Himmelspektakel: Es erwartet uns die längste totale Mondfinsternis

4.7.2018 - 10:32, Kerstin Degen

Der Mondaufgang am 27. Juli liefert den Auftakt für ein 103-minütiges Himmelsspektakel, das wir so erst im Jahre 2123 wieder zu Gesicht bekommen werden. 
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Ende Juli erwartet uns ein seltenes astronomisches Ereignis: Der Vollmond wird zum Blutmond. Wir verraten Ihnen wie es dazu kommt, und welche Mythen rundum das Himmelsphänomen kursieren.

Seltene Naturschauspiele geben seit eh und je Anlass zu Spekulationen und Aberglaube. So auch die Mondfinsternis, die von den Menschen auf aller Welt als Bote des Unheils betrachtet wurde.

Auch heute noch liefert der glühenden Feuerball am Horizont Zündstoff für Verschwörungstheorien und Weltuntergangsdramen, obschon es für das Phänomen Blutmond eine plausible wissenschaftliche Erklärung gibt.

Vom Vollmond zum «Blutmond» - was passiert?

Am 27. Juli sollten Sie unbedingt gen Himmel schauen. Denn schon mit dem Mondaufgang um 20:58 Uhr wird irgendetwas anders sein.

Zur Erinnerung: Die Erde kreist um die Sonne, der Mond wandert in einem Monat einmal um die Erde. Leuchten kann der Trabant nicht aus eigener Kraft, sondern er reflektiert das Licht der Sonne. Steht die Erde also zwischen Sonne und Mond, sehen wir einen Vollmond.

Aber in unregelmässigen Abständen passiert noch etwas: Der Vollmond wandert durch den Schatten der Erde. Zu Beginn schiebt sich der Schatten vor den Mond, sichtbar bleibt eine schmaler werdende Sichel. Befindet er sich dann vollständig im Kernschatten, sprechen wir von der totalen Mondfinsternis.

Die unterschiedlichen Phasen der Mondfinsternis: Befindet sich der Mond vollständig im Kernschatten der Erde beginnt er zu glühen und verwandelt sich zum Blutmond.
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Dieses Jahr wird das Spektakel besonders lang zu beobachten sein, vorausgesetzt die Witterungsverhältnisse stimmen. Ab 21:30 Uhr beginnt die totale Phase, der Mond verdunkelt sich und für ganze 103 Minuten herrscht die totale Mondfinsternis. Was wir dann am Himmel sehen, versetzte die Menschheit über Jahrtausende in Angst und Schrecken.

Da das Sonnenlicht durch die Erdatmosphäre gebrochen wird, erreicht vor allem langwelliges rotes Licht den Himmelskörper, dadurch erscheint er rötlich, ja fast blutig. Und um diesen «Blutmond» kursieren die wildesten Gerüchte.

Hexensabbat, zornige Götter oder wütende Drachen?

Es ist das gleiche Phänomen, das auch Sonnenuntergänge in einem milden roten Licht erscheinen lässt. Nach heutigem Wissenstand also kein Anlass zur Aufregung. Doch bevor man sich das Himmelsphänomen erklären konnte, versetzte es die Menschheit in Angst und Schrecken.

Schon in der nordischen Mythologie wurde die Mondfinsternis als Zeichen des bevorstehenden Weltuntergangs (dem sogenannten Ragnarök) interpretiert. Zwei riesige Wölfe verfolgen den Mondgott Mani und die Sonnengöttin Sól. Als sie die Gejagten einholen verschlingen sie den Mond und das verspritzte Blut wird die Sonne verdunkeln, so der Aberglaube.

Im September 2015 leuchtete der Blutmond dunkelrot zwischen den Türmen des Kölner Doms.
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Im alten China glaubten die Menschen beim Anblick einer Finsternis, dass ein Himmelsdrache das Gestirn verschlinge und im antiken Griechenland dachte man, Hexen würden ihr Unwesen treiben und den Mond blutrot einfärben. 

Das Spiel mit der Angst

Und diesen Aberglauben konnte man sich zu Nutze machen. So geschehen am 29. Februar 1504. Der italienische Seefahrer Christoph Kolumbus war mit seinen Leuten auf Jamaika gestrandet, überleben konnten sie nur durch Handel mit den Einheimischen. Als Kolumbus und seine Männer die Inselbewohner jedoch übers Ohr hauten, stellten diese den Handel ein.

Doch Kolumbus, der sich mit Astronomie gut auskannte, wusste, dass es am 29. Februar 1504 auf Jamaika zu einer totalen Mondfinsternis kommen würde. Listig versprach er den Bewohnern den Zorn der Götter und drohte, den Mond zu erlöschen. Als sich der Mond dann tatsächlich verfinsterte, erschraken die Jamaikaner zu Tode. Sie nahmen den Handel wieder auf und Kolumbus «gab den Mond zurück», so die Überlieferung. 

Auch in diesem Jahr werden wieder Gerüchte laut, Endzeitfanatiker sehen das Spektakel als Unheilbringer für die Menschheit.  Aber das soll unsere Vorfreude nicht trüben.

Fakt ist: Der blutrote Mond ist ein fantastisches Himmelsspektakel, dessen Anblick wir uns auf keinen Fall entgehen lassen wollen. Und mit einer Stunde und 44 Minuten ist dies die längste Mondfinsternis im 21. Jahrhundert. Sie wird erst von der Mondfinsternis am 9. Juni 2123 übertroffen, die zwei Minuten länger dauern wird.

Wer kann alles die totale Mondfinsternis am 27. Juli sehen? In der Schweiz ist die ganze totale Phase sichtbar. Reisende finden auf dieser interaktiven Karte heraus, wo auf der Welt sie die Mondfinsternis am besten verfolgen können.

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