Influencerin verkauft ihr Badewasser: Die Nachfrage lässt einen schlucken

Philipp Dahm

10.7.2019 - 12:22

Sie trägt Zahnspange und verkauft Badewasser: die britische Influencerin Belle Delphin.
Screenshot: Instagram

Influencer nutzen ihre Reichweite, um Produkte zu vermarkten. Die 19-jährige Belle Delphine verkauft gar ihr Badewasser: Wer meint, kaum jemand interessiere sich für das 30-Dollar-Döschen, wird schwer schlucken.

Wenn ein Star eine grosse Anhängerschaft auf Social Media hat, ist der Werbeeffekt natürlich ungleich grösser. Und wenn es statt fremder die eigenen Produkte sind, die angepriesen werden, steigt der Gewinn.

Eine Kim Kardashian etwa hat im Juni ein eigenes Body-Makeup auf den Markt gebracht: Auch wenn das Beautyprodukt, das den ganzen Körper kaschiert, nicht nur von Feministinnen scharf kritisiert wird, ist das Promi-Produkt im Nu ausverkauft.

Influencer sind dem breiten Publikum nicht so bekannt wie die Grössen des Showbiz – und ihre Halbwertszeit ist in der Regel deutlich kürzer. Insofern ist es kaum verwunderlich, dass diese Leute ihre 15 Minuten Ruhm mit aller Macht monetisieren möchten.

Money For Nothing

Die Italienerin Chiara Ferragni hat zum Beispiel Flaschen für eine Sonderedition eines Mineralwassers designt: Für 0.7 Liter mussten die Kunden bis zu zwölf Franken auf den Tisch legen.

Body-Makeup und Schickeria-Wasser sind aber noch gar nichts im Vergleich zum neuesten Verkaufsschlager von Belle Delphine. Die britische Influencerin bietet in ihrem Online-Shop Badewasser an, in dem sie einst «gespielt» haben will.

«Dieses Wasser ist nicht zum Trinken und sollte nur für sentimentale Zwecke eingesetzt werden.» Der Preis für ein kleines Töpfchen «GamerGirl-Badewasser»: 30 US-Dollar.

Sell out sold out

Wer nun darüber den Kopf schüttelt und meint, da krähe kein Hahn nach, wird gleich wirklich sentimental: Der Lagerbestand war noch am Tag der Lancierung ausverkauft, frohlockt die Verkäuferin auf Instagram. Überprüfen lässt sich diese Aussage von Belle Delphine alias Mary-Belle Kirschner aber natürlich nicht.

Sie werde bald neues Nass produzieren, verspricht die Britin am 5. Juli: «Die letzten paar Tage waren ehrlich gesagt verrückt, weil ich SO viele Bäder nehmen musste LMAO», schreibt sie auf Instagram – die Abkürzung steht für «Laughing my ass off». Und natürlich hat die Dame ob des Verkaufserfolgs gut lachen, doch ums Geld geht es der Guten nach eigener Aussage gar nicht.

Belle Delphine im Video.

«Wir leben in einer Generation, in der Frauen ihr eigenes Badewasser verkaufen können. Denkt mal darüber nach», zitiert sie das deutsche Magazin «jetzt». Dass die Aktion eine Art feministische Gesellschaftskritik sein soll, mag man der jungen Dame mit 4,2 Millionen Followern jedoch nicht so richtig abnehmen.

Als die gebürtige Südafrikanerin einst die Millionenmarke knacken wollte, versprach sie, auf dem Erotikportal Pornhub einen eigenen Kanal einzurichten. Bekommen haben ihre Fans dann aber bloss ein Video, in dem sie Plüschtiere streichelt –  vielleicht war auch das kein Werbegag, sondern ein heimlicher Protest gegen die Darstellung der Frau als Lustobjekt.

Bleibt am Ende die Frage, was die Käufer nun eigentlich mit der Flüssigkeit anfangen sollen, die den Körper von Belle Delphine zuvor umflossen hat. Ältere Semester werden unwillkürlich an den Song «Ja, klar» von Schwester S. denken, in dem es heisst: «Du bist'n Babe, ich möcht dein Badewasser saufen». Erlaubt ist, was gefällt – na dann, Prost!

Schwester S.: «Ja, klar»

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