Iouri Podlatchikov: «Ich muss mich immer wieder entschuldigen»

Von Bruno Bötschi

15.7.2021

Iouri Podladtchikov, membre de l?equipe nationale suisse de snowboard freestyle pose pendant la reprise des entrainements a l'Alaia Chalet lors de la crise du Coronavirus (Covid-19) le jeudi 14 mai 2020 a Lens pres de Crans-Montana. (KEYSTONE/Jean-Christophe Bott)
«Es gibt Morgen, da bringt man mich kaum aus dem Bett. Aber es gibt auch Morgen, da wecke ich alle und will sofort eine Stunde rennen gehen»: Iouri Podladtchikov.
Bild: Keystone

Snowboard-Olympiasieger Iouri Podlatchikov spricht mit «blue News» über seine neue Leidenschaft, die schönsten Momente auf dem Brett und sagt, warum sein Bruder so wichtig ist für ihn.

Von Bruno Bötschi

15.7.2021

Ein Nachmittag im Café Noir in Zürich: Iouri Podladtchikov ist fünf Minuten zu früh. Das fängt ja schon gut an. Dabei wurde der Journalist vorgewarnt: Hat der Snowboard-Olympiasieger einen schlechten Tag, könne er ziemlich launisch agieren.

So sitzt der Schreibende also da und freut sich, dass es ein guter Tag zu sein scheint. Ein sehr guter Tag sogar. Geht's gut? Ja klar, geht's gut. Und dir? Auch gut. Ha, ha!

Podladtchikov trägt ein weites schwarzes T-Shirt und eine weite schwarze Jeans-Hose. Wer sich für so einen Stil entscheidet, der kann kein schlechter Mensch sein. Er scheint zudem viel Ahnung von Mode zu haben.

Der Journalist holt an der Theke noch rasch zwei Getränke. Dann kann es auch schon losgehen mit den vielen Fragen. Die Hoffnung ist angebracht, dass sie an diesem Nachmittag auch alle beantwortet werden.

Iouri Podladtchikov, wir machen heute ein Frage-Antwort-Spiel: Ich stelle dir in der nächsten halben Stunde möglichst viele Fragen – und du antwortest möglichst schnell und spontan. Passt dir eine Frage nicht, sagst du einfach ‹weiter›.

Alles klar.

Wann zuletzt einen schönen Tag im Schnee verbracht?

Im April ging ich spontan tiefschnee-snowboarden im Hoch-Ybrig.

Pulver oder Kunstschnee?

Definitiv Pulverschnee.

Kann man von dir sagen, dass du irgendwie von Anfang an schon alles konntest, praktisch gleich als Genie in der Pipe eingestiegen bist?

Das war definitiv nicht so. Ich hatte, wie jede und jeder andere auch, am Anfang meine Stärken und meine Schwächen. Zum Beispiel dreht jeder Snowoboarder in die eine oder andere Richtung besser. Auch ich musste viel feilen und schleifen, bis es gut ausgesehen hat.

Zur Person: Bruno Bötschi
Bild: zVg

«blue News»-Redaktor Bruno Bötschi spricht für das Frage-Antwort-Spiel «Bötschi fragt» regelmässig mit bekannten Persönlichkeiten. Bötschi hat viel Erfahrung mit Interviews. Für die Zeitschrift «Schweizer Familie» betreute er jahrelang die Serie «Traumfänger». Über 200 Persönlichkeiten stellte er dafür die Frage: Als Kind hat man viele Träume – erinnern Sie sich? Das Buch zur Serie «Traumfänger» ist im Applaus Verlag, Zürich, erschienen. Es ist im Buchhandel erhältlich.

Dein erster Snowboard-Gott?

Peter Line. Ich sah ihn 1996 am freestyle.ch in Zürich zum ersten Mal. Pete ist für den Snowboard-Sport – jedenfalls für mich – was Jim Morrison dür die Musikszene ist.

Würdest du gern nochmals einen 1260-Double-McTwist-Sprung zeigen?

An einem guten Tag schaffe ich diesen Sprung nach wie vor.

Welchen Run von dir muss ich unbedingt gesehen haben?

Oslo, 2015. Im Sommer davor fing ich an, Ballettstunden zu nehmen. Es ist wohl der federleichteste Run, den ich je gezeigt habe.

Muss man ein Egoist sein, um Olympiasieger werden zu können?

Definitiv.

Spürst du morgens, dass du jahrelang Spitzensport betrieben hast?

Nein. Ich meine das im Sinn von: Mir tut nicht jeden Morgen etwas weh.

Wo tut es derzeit weh?

Ich habe seit einiger Zeit Probleme mit meinem Handgelenk.

FILE - In this Jan. 17, 2015, file photo, Switzerland's Iouri Podladtchikov competes to place fourth at the snowboard halfpipe final at the Freestyle Ski and Snowboard World Championships in Kreischberg, Austria. Defending halfpipe champion Podladtchikov has arrived in Pyeongchang, though his status for next week's contest remains day-to-day. Podladtchikov, known as the I-Pod, broke his nose in a nasty fall at the Winter X Games on Jan 28, 2018. He was taken off the mountain on a stretcher and admitted to the hospital, but scans for brain and neck injuries came back negative. He is expected to go to the mountain, but a spokesperson for the Swiss team says he'll decide day-to-day whether he is going to ride. (AP Photo/Darko Bandic, File)
«Ich hatte, wie jede und jeder andere auch, am Anfang meine Stärken und meine Schwächen. Zum Beispiel dreht jeder Snowoboarder in die eine oder andere Richtung besser»: Iouri Podladtchikov.
Bild: Keystone

Morgenmuffel?

Ja und nein. Es gibt Morgen, da bringt man mich kaum aus dem Bett. Aber es gibt auch Morgen, da wecke ich alle und will sofort eine Stunde rennen gehen.

Morgenmantel – ja oder nein?

Nein.

Das Medium, das dir morgens schlechte Laune macht?

Baustellen-Lärm.

Woran erkennen deine Mitmenschen, dass du jeden Moment explodieren könntest?

Man kann es mir an meinem Gesicht ablesen.

Würdest du sagen: ‹Ja, ich bin ein launischer Mensch.›

Ja, ich bin ein launischer Mensch.

Bist du gut im Entschuldigen?

Ja.

Wann musstest du dich zum letzten Mal entschuldigen?

Vor zwei Wochen. Als launischer Mensch muss ich mich immer wieder entschuldigen (lacht).

Wann zuletzt einen Lachanfall gehabt?

Vor zwei Tagen, nachdem mir mein Bruder ein Meme geschickt hat.

Schönstes Ding, das du je mit eigenen Augen gesehen hast?

Die Aussicht vom Gipfel des Matterhorns.



Das hässlichste Kleidungsstück, das du je getragen hast?

Schwierig … dazu fällt mir gerade nichts ein.

Bei welcher Modedesignerin, bei welchem Modedesigner lässt du besonders viel Geld liegen?

Bei Ann Demeulemeester. Sie produziert Unisex-Mode, steckt Männer auch einmal in ein Abendkleid. Die belgische Designerin fordert die Idee der Androgynität nochmals auf eine ganz neue Art heraus. Ihre Mode ist Punk.

Dein Lieblings-Kleiderladen?

Assembly, New York.

Deine Lieblingsfarbe?

Marineblau.

Dein Lieblingsmodel?

Ich wünschte, ich könnte dir sofort einen Namen nennen … es muss ja schnell gehen. Okay, ich sage Nastassja Kinski.

Der Schweizer Snowboard Halfpipe Fahrer Iouri Podladtchikov posiert am Donnerstag, 17. Januar 2019, in Laax. Diese Woche finden vor Ort die Weltcup-Wettkaempfe
«Ja, ich bin ein launischer Mensch»: Iouri Podladtchikov.
Bild: Keystone

Der Iouri-Stil?

Laut und rhythmisch.

Denken die Menschen zu viel über Mode nach?

Nein.

Mode ist Geschmacksache, auch Sport-Trikots. Aber es gibt auch Leibchen, bei denen jeglicher Geschmack fehlt. Verrätst du, welche Trikots von Sportlerinnen und Sportlern du mit dem Prädikat ‹Geschmacksverstauchung› auszeichnen würdest?

Die gelb-schwarz gestreiften Shirts von Borussia Dortmund tun mir weh in den Augen.

Weil du den Fussballclub nicht magst?

Nein, ich mag die Farbkombination nicht und Streifen sind mir ein Graus. Ganz schlimm finde ich auch die weiss-grün gestreiften Shirts von Sporting Lissabon.

Welche Erinnerungen hast du an den Käsedress der Schweizer Skifahrerinnen und -fahrer?

Das war die totale Übertreibung. Oft ist es aber so, dass je mehr übertrieben wird, es desto besser aussieht.

Demnach hat dir der Käsedress gefallen?

Im Nachhinein muss ich sagen: Es war übertrieben gut.

Für die Kampagne ‹Share Your Fire› spendeten kürzlich über 110 Schweizer Top-Athletinnen und -Athleten – also von Roger Federer über Nicola Spirig, Wendy Holdener, Abassia Rahmani und Viktor Röthlin bis Dominique Gisin – eines ihrer Wettkampf-Trikots. Welches Trikot hast du gespendet?

Ich spendete meine Überzieh-Nummer, die ich während meines allerletzten Wettkampfs in Laax im Januar 2020 getragen habe.

Roger Federer spendete ein Shirt, das er am Grand-Slam-Turnier-Wimbledon getragen hat.

Ich habe mir überlegt, ob ich mein Trikot spenden soll, das ich während meinem Olympiasieg 2014 in Sotschi getragen habe, entschied mich aber dagegen. Denn ich besitze nur eines davon.

Kannst du bitte in zwei, drei Sätzen erklären, was der Hintergrund der Sportshirt-Aktion ‹Share Your Fire› von Allianz Suisse und Sporthilfe Schweiz ist?

Die 150 gesammelten Shirts wurden alle zerschnitten. Danach hat die Zürcher Modemacherin Julia Seemann mit mir zusammen 100 neue Sportshirts kreiert, die nun bis zum 5. September auf der Website shareyourfire.ch verlost werden.

«Die 150 gesammelten Shirts wurden alle zerschnitten. Danach haben wir zusammen 100 neue Sportshirts kreiert, die nun verlost werden»: Iouri Podladtchikov zusammen mit Designerin Julia Seemann während einer Anprobe.
Bild: Allianz Suisse

Was ist der Anreiz für die Athletinnen und Athleten hinter der ganzen Aktion?

Für jedes Shirt werden 500 Franken von der Allianz Suisse an die Nachwuchsförderung der Schweizer Sporthilfe gespendet. Ich persönlich konnte zudem bei ‹Share your Fire› meine Expertise als Sportler, aber auch meine Leidenschaft fürs Fotografieren einbringen. Ich bin verantwortlich für die Kampagnenbilder.

Du tönst gerade extrem begeistert.

Ich finde es wunderbar, dass der Kampfgeist, der in den 100 neu kreierten Trikots steckt, bald in anderen Menschen weiterleben darf. Ich kann es kaum erwarten, demnächst im Kraftraum oder auf dem Sportplatz jemandem in einem der 100 neuen Shirts trainieren zu sehen. Ich glaube, wenn das passiert, werde ich in Tränen ausbrechen.

Welche Erinnerungen hast du an den Morgen des 24. August 2020?

Ähmm … war das ein Montag?

Keine Ahnung. Ich weiss nur, am Tag davor hast du deinen Rücktritt vom Profisport erklärt.

Ach, das meinst du. An diesem Morgen hatte ich extrem viel Medienaufmerksamkeit, aber nicht nur angenehme. Ich bekam an diesem Tag auch viele SMS, die ich lieber nicht gelesen hätte.

Fühltest du dich an diesem Tag derart schlecht?

Nein, es war mehr so ein Häkchen-Gefühl.

Wie bitte?

Der Tag nach meinem Rücktritt fühlte sich so an, als hätte ich eine Aufgabe abgehakt. Weisst du, ich wollte mich eigentlich gar nicht offiziell vom Wettkampfsport abmelden.

Wieso hast du es trotzdem getan?

Weil mir ein Freund ins Gewissen geredet hat und gemeint hat, ich würde mir damit nur selber ein Bein stellen.

«Ich spendete meine Überzieh-Nummer, die ich während meines allerletzten Wettkampfs in Laax im Januar 2020 getragen habe»: Iouri Podladtchikov.
Bild: Allianz Suisse

Marco Bruni, dein ehemaliger Trainer, sagte einmal über dich: ‹Wenn Iouri morgen einen Kreuzbandriss hätte und die Karriere beenden müsste, er wüsste übermorgen, was er stattdessen tun würde.› Hatte er recht?

Marco hatte recht. Darf ich dir dazu eine längere Geschichte erzählen?

Nur zu.

Mein Bruder sagte kürzlich zu mir, er habe derart viele Interessen, dass er mindestens drei Leben brauchen würde, um allen so intensiv nachgehen zu können, wie er das gern möchte. Mein Bruder würde zum Beispiel gern jeden Tag acht Stunden lang Klavier üben, damit er so gut spielen kann, wie er sich das vorstellt. Mir geht es ähnlich: Es gibt noch so viele Dinge neben dem Snowboarden, die ich hochspannend finde und die ich auch noch machen will.

In ihren besten Tagen haben Spitzensportler oft viel Geld, Ruhm und Freundinnen und Freunde. Wie war das bei dir?

Bis auf das Geld ist eigentlich noch alles da (lacht schallend).

Doch irgendwann ist das Karriereende da, ob nun geplant oder nicht. Wie gut warst du darauf vorbereitet?

Auf das Karriereende kann man sich, zumindest mental, nicht vorbereiten. Die Angelegenheit ist zu komplex, als dass man sie im Vorfeld durchspielen könnte. Bei mir fühlt es sich irgendwie wie ein chronischer Husten an, der lange nicht weggehen will oder vielleicht gar nie mehr weggehen wird.

Wann hast du zuletzt geweint?

Ich weine oft, wenn ich im Flugzeug Rotwein trinke und einen Film schaue. Es ist komisch, über den Wolken bin ich emotionaler als sonst.

Wegen Schmerzen weinst du nie?

Bisher nicht.

Wirklich wahr, dass in der russischen Kultur Weinen wegen Schmerzen total inakzeptabel ist.

Ich nehme an, du sprichst auf mein Interview mit der ‹Aargauer Zeitung› vor zweieinhalb Jahren an. Im Nachhinein muss ich zugeben: Das war ein komisches Statement von mir. Es klang so, als fände ich es richtig, wegen Schmerzen nicht zu weinen. Mittlerweile finde ich jedoch, wer heulen will, soll heulen. Dazu passt auch ein Spruch, den mir mein Verleger einmal an meinen Computer geklebt hat: ‹Gefühle nicht unterdrücken.› Ich selber weine aber nach wie vor nicht, wenn ich grosse Schmerzen haben.

Warum nicht?

Schmerzen lösen in mir Aggression aus. Für mich hat Weinen zudem mit Loslassen zu tun. Habe ich jedoch Schmerzen, ist mir nicht nach Loslassen.

«Ich finde es wunderbar, dass der Kampfgeist, der in den 100 neu kreierten Trikots steckt, bald in anderen Menschen weiterleben darf»: Iouri Podladtchikov. Das Bild zeigt einen Teil der 150 gesammelten Shirts von über 110 Schweizer Top-Athletinnen und -Athleten für die Kampagne «Share Your Fire».
Bild: Allianz Suisse

Es gibt immer wieder Sportlerinnen und Sportler, die nach ihrem Rücktritt abstürzen. Drohte dir dieses Ungemach auch?

Bis jetzt nicht.

Wer stützt dich, wenn du mal mies drauf bist?

Mein nächstes Umfeld und meine Familie.

Und wenn du drohst zu hochzufliegen, wer holt dich auf den Boden der Realität zurück?

Mein Bruder.

Früher war dein grosses Ziel, Überflieger Shaun White zu schlagen. Was ist heute dein Ziel?

Es gibt verschiedene Künstler, die ich als Idol ansehe. Es wäre unglaublich cool, wenn ich mich eines Tages mit ihnen in einem Raum befinden darf – sei dies physisch oder auch einfach, dass meine Kunst neben der von ihnen hängen darf.

Von welchen Künstlern sprichst du gerade?

Zu meinen grössten Idolen gehört Konzeptkünstler Bruce Naumann und der 1967 verstorbene Maler Ad Reinhardt.

Tankst du eigentlich immer noch hin und wieder nackt an einer Autobahn-Raststätte Benzin?

Ich wünschte, ich könnte diese Frage mit ‹ja› beantworten. Im Nachhinein betrachtet war das eine extrem positive und freiheitsliebende Geschichte.

Die letzte verrückte Iouri-Aktion?

Leider fällt mir gerade nichts Verrücktes ein.

«Ich persönlich konnte zudem bei ‹Share your Fire› meine Expertise als Sportler, aber auch meine Leidenschaft fürs Fotografieren einbringen»: Iouri Podladtchikov.
Bild: Allianz Suisse

Wirklich wahr, dass du eine Drama-Queen bist?

Das ist definitiv wahr. Viele Medienschaffende, mit denen ich den letzten Jahren zu tun hatte, könnten dir bestätigen, dass das stimmt.

Welche Risiken gehst du nicht mehr ein, seit du vom Snowboard-Sport zurückgetreten bist?

Ich gehe noch ans Limit, aber nicht mehr körperlich.

Dein Talent im Verborgenen?

Ich kann wunderbare Blumensträusse zusammenbinden.

Heute bist du als Künstler tätig: Haben der Snowboard-Sport und die Fotografie irgendwelche Gemeinsamkeiten?

Während eines Fotoshootings befinde ich mich ähnlich wie während eines Wettkampfes in einer Art Tunnel. An beiden Orten befinden sich eine gewisse Anzahl Leute um mich, die alle nur das Beste für mich wollen, aber gleichzeitig weiss ich auch: Die Performance auf der Piste oder hinter der Kamera muss ich ganz allein erbringen. Da kann mir nichts und niemand dabei helfen.



Was würdest du tun, wenn du nochmals einen Tag lang 16 sein könntest?

Ich würde all das tun, was ich mit 16 gemacht habe – den ganzen Tag snowboarden und skaten.

Ein Spruch deines Vaters, der dir noch in den Ohren dröhnt?

Dass ich mein Hobby nicht zum Beruf machen soll.

Ein typischer Mami-Spruch?

Iouri, sei anständig.

Dein Anmachspruch?

Da muss ich schon wieder meinen Bruder quoten: Woher kommst du?›

Deine konservativste Seite?

Vor Wettkampftagen bin ich extrem konservativ.

Das musst du erklären.

An solchen Tagen ist mir alles zu laut, alle kommen mir zu nah und alle reden zu viel.

Warum hat die Radikalität derzeit so einen schlechten Ruf?

Radikalität schreit nach einem guten Nervenkostüm. Das besitzen nicht so viele Menschen.

Welches innenpolitische Thema hat Revolutionspotenzial?

Alle Themen, die mit Frauenrechten zu tun haben.

Was soll man machen, wenn man Lust auf Revolution hat?

Musik.

Was einpacken, wenn die Russen kommen?

Melancholische Musik in Moll.

Olympic winner Iouri Podladtchikov of Switzerland celebrates with his mother Valentina and his father Yuri during the flowers ceremony after the final run of the men's snowboard halfpipe competition at the XXII Winter Olympics 2014 Sochi in Krasnaya Polyana, Russia, on Tuesday, February 11, 2014. (KEYSTONE/Jean-Christophe Bott)
«Der Tag nach meinem Rücktritt fühlte sich so an, als hätte ich eine Aufgabe abgehakt. Weisst du, ich wollte mich eigentlich gar nicht offiziell vom Wettkampfsport abmelden»: Iouri Podladtchikov. Auf dem Bild feiert der Snowboarder mit Mutter Valentina und Vater Juri seinen Sieg an der Olympischen Spiele 2014 in Sotschi, Russland.
Bild: Keystone

Wir kommen zum Schluss und damit zum grossen Talenttest. Du schätzt bitte dein Talent zwischen zehn Punkten, grandiose Begabung, und null Punkten, keinerlei Begabung: als Fussballspieler?

Neun Punkte. Linksstürmer.

Maler?

Neun Punkte. Während ich male, kann ich gut loslassen.

Schweizer des Jahres?

Megaschwierige Frage. Ich denke, für einen Schweizer bin ich zu radikal. Ich sage sieben Punkte.

Journalist?

Fünf Punkte. Ich schreibe schon auch Texte, aber keine journalistischen, zumindest bisher nicht und ich habe das auch nicht vor. Du kannst also auch null Punkte notieren.

Also was jetzt, null oder fünf Punkte?

Null oder fünf, das macht keinen Unterschied.

Wie oft hast du schon ein Interview abgebrochen?

Zweimal vielleicht.

Warum?

Fehlender Anstand von meinem Gegenüber.

Wie oft hat dein Gegenüber schon ein Interview mit dir abgebrochen?

Ich glaube noch nie, aber sicher bin ich nicht.

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