Ist Boris Becker wirklich eine «arme Sau»?

8.6.2018 - 07:37, Marjorie Kublun

«Bild»-Kolumnist Franz Josef Wagner in seiner Kolumne über den Ex-Tennisstar: «Was denke ich von Boris Becker heute? Armer Boris, arme Sau!»
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Kolumnist Franz Josef Wagner sorgt mit seinem täglichen Zwischenruf in der deutschen Tageszeitung «Bild» oft für Aufregung. Dieser Tage hat er es wieder einmal auf Tennislegende Boris Becker abgesehen – zum Ärger von «Bluewin»-Redaktorin Marjorie Kublun.

Lieber Franz Josef Wagner,

Ihre Kolumne über Boris Becker in der «Bild»-Zeitung löste bei mir tiefes Mitgefühl aus. Mitgefühl, weil ich mir ernsthaft Sorgen um Sie mache. Ich weiss, Ihre Sätze, die Montag bis Freitag als «Post von Wagner» erscheinen, können Ohrfeigen sein. Zumindest wird das auf der Internetseite der «Bild» behauptet.

Aber was genau ist der Sinn Ihres Briefes an Boris Becker? Was möchten Sie uns Leserinnen und Lesern oder Herrn Becker mitteilen? Weshalb betiteln Sie die Tennislegende als «arme Sau»?

Ich bin gelangweilt. Ihre belanglose Meinung, die auf nichts anderem beruht, als auf vermeintlichen «Fehlern» einer bekannten Persönlichkeit, bringt mich zum Gähnen. Stützen Sie sich ernsthaft auf Ereignisse, die fast 20 Jahre zurückliegen? Die «Besenkammer-Affäre» von 1999 soll wohl bloss nicht in Vergessenheit geraten.

Okay, Herr Wagner, Sie fassen sich gerne kurz. Aber das Leben von Boris Becker in einem Text abzufertigen, der in weniger als 40 Sekunden zu lesen ist, kann nicht von profundem Informationsgehalt zeugen.

Ich suche die Würze in der Kürze – vergeblich. Ihr Text schmeckt ähnlich fad wie die Suppe, die ich vor kurzem in einem veganen Restaurant serviert bekam. Und dabei finde ich, eine gute vegane Küche kann eine willkommene Abwechslung sein. Ihre Suppe, Herr Wagner, hat allerdings einen äusserst bitteren Nachgeschmack.

Gehen nach 13 Jahren Beziehung wieder getrennte Wege: Boris und Lilly Becker.
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Bitter, weil es traurig ist wie Menschen immer wieder gerne und bösartig über andere Menschen urteilen, deren Leben sie gar nicht kennen, ich meine richtig kennen. Denn was wissen Sie über den Menschen wirklich, der mit 17 – nach seinem Sieg in Wimbledon – so erfolgreich und so berühmt geworden ist? Ja, wie gut kennen Sie Bobbele wirklich, dessen Leben Sie mit einem Treppen(ab)sturz vergleichen?

Zugegeben, der ehemalige Tennisstar führt ein bewegtes Leben. Da ist er aber keine Ausnahme. Leider. Die Liste prominenter Menschen, die mit ihrem privaten Leben nicht zurechtkommen ist lang, sehr lang sogar.

Nun haben sich Boris und Lilly Becker nach über 13 Beziehungsjahren und 9 Jahren Ehe getrennt. Wow, ein neuer «Skandal» auf den Sie sich, lieber Herr Wagner, natürlich noch so gerne stürzen.

Die Götter seien früher neidisch gewesen auf den erfolgreichen Herrn Becker, schreiben Sie in Ihrem Brief. Da hat in Ihren Augen wohl Megaira, Göttin der Rache und des Neides, jetzt ganze Arbeit geleistet, indem sie die «beckersche Beziehung» vernichtet hat.

Ach, da ist es ja ein grosses Glück, dass die Götter nicht auch auf Sie neidisch sind, da Sie ja scheinbar ein so glanzvoll-wunderbares Eheleben führen.

Ich habe nichts gegen frech geschriebene Briefe. Im Gegenteil, ich liebe pikante Texte. Doch ich finde mit Ihren Zeilen über Beckers Privatleben haben Sie es sich zu leicht gemacht, viel zu leicht.

Ach, lieber Herr Wagner, für Ihre täglichen Zwischenrufe in der «Bild» bekommen Sie jeweils nur ein paar wenige Zeilen Platz. Und das ist gut so.

Herzlichst, Ihre Marjorie Kublun

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