Nur Marketing oder gute InvestitionIst teures Shampoo wirklich besser als billiges?
Jenny Keller
24.12.2025
Laut Expert*innen entscheidet weniger der Preis als der passende Haartyp darüber, ob ein Shampoo überzeugt. (Symbolbild)
Bild:Christin Klose/dpa-tmn
Glänzendes Haar, weniger Frizz, mehr Volumen: So lauten die gängigen Versprechen im Shampoo-Regal. Rechtfertigt ein Coiffeurprodukt für 30 Franken den Unterschied zu einer 3-Franken-Flasche aus dem Supermarkt? Wir haben genauer hingeschaut.
Einshampoonieren, ausspülen, fertig. Eigentlich simpel. Trotzdem kann sich Haarpflege heute anfühlen wie eine Wissenschaft für sich. Volumen-Shampoo, Curl-Booster, Anti-Frizz-Elixier ... Die Auswahl ist riesig, die Versprechen auch. Bleibt die Frage: Zahlt man bei teureren Shampoos für die Wirkung oder vor allem für ein gutes Gefühl?
«Der einzige echte Unterschied ist der Preis», sagt der US-Kosmetikchemiker Perry Romanowski gegenüber der Washington Post. Shampoos und Conditioner bestünden im Kern aus Wasser, Tensiden – also schmutzlösenden Molekülen – und ein paar Zusatzstoffen. Vieles davon werde beim Ausspülen ohnehin wieder weggespült. Der Rest sei vor allem eines: Marketing.
Gleiche Inhaltsstoffe, anderer Preis
Beim Blick auf die Inhaltsstoffe wird es interessant. Laut Fachleuten greifen fast alle Hersteller auf denselben Baukasten an Inhaltsstoffen zurück. Ob Luxusmarke oder Eigenmarke aus dem Supermarkt, die Substanzen sind nicht «höherwertig», sondern oft schlicht identisch.
Unterschiede gibt es höchstens bei der Menge einzelner Inhaltsstoffe. Die Auflistung auf der Verpackung zeigt nur die Reihenfolge der Konzentration, nicht aber die exakten Anteile. Alles unter einem Prozent darf beliebig angeordnet werden. Für Konsumentinnen und Konsumenten bleibt damit unklar, ob sie mehr fürs Geld bekommen oder nur mehr Etikett.
Tatsächliche Unterschiede der Produkte
Ganz gleich ist aber nicht alles. Günstige Shampoos enthalten häufiger stärkere Tenside wie SLS oder SLES. Sie reinigen gründlich, können aber bei empfindlicher Kopfhaut austrocknend wirken. Teurere Produkte sind oft etwas milder formuliert oder konzentrierter, man braucht also weniger davon.
Unter der Dusche landet oft ein teures Versprechen auf dem Kopf. Dabei unterscheiden sich viele Shampoos weniger stark, als ihre Preise vermuten lassen. (Symbolbild)
Gregor Tholl/dpa-Zentralbild/dpa/Archiv
Die Unterschiede sind real, aber begrenzt. Für die meisten Menschen funktionieren günstige Produkte problemlos. Entscheidend für das Ergebnis ist weniger der Preis als die Frage, für wen ein Shampoo gemacht ist.
Der Haartyp schlägt den Preis
Haare reagieren sehr unterschiedlich. Was für die einen pflegend ist, beschwert bei anderen sofort. Feines Haar etwa verliert schnell an Stand. Reichhaltige Öle, Silikone oder schwere Pflegestoffe lassen es rasch platt wirken, selbst wenn sie als besonders «nährend» beworben werden.
Volumenshampoos setzen deshalb auf leichtere Rezepturen, die Rückstände vermeiden. Der Effekt bleibt jedoch überschaubar: Das Haar wirkt kurzfristig griffiger, echte Fülle zaubern aber auch sie nicht.
Ganz anders die Bedürfnisse von lockigem oder krausem Haar. Hier geht es weniger um Volumen, als um Feuchtigkeit und Struktur. Glättende Inhaltsstoffe können in den Haarschaft eindringen, ihn stärken und Frizz reduzieren. Produkte mit Shea Butter oder Jojobaöl helfen, Haarbruch vorzubeugen und Trockenheit zu mindern, besonders bei stark beanspruchtem oder naturbelassenem Haar.
Auch gefärbtes Haar folgt einer eigenen Logik. «Color safe» oder «sulfatfrei» bedeutet, dass das Shampoo sanfter reinigt und Farbpigmente weniger schnell auswäscht. Wer regelmässig föhnt oder glättet, sollte zudem auf Inhaltsstoffe achten, die Hitzeschäden zumindest abfedern.
Auf einfache Hinweise achten
Der Blick aufs Etikett lohnt sich also doch. Aber nicht, um exotische Wirkstoffe zu suchen. Wichtiger sind einfache Hinweise wie «feuchtigkeitsspendend», «für Locken» oder «für coloriertes Haar».
Speziallinien für afro-texturiertes oder stark krauses Haar sind eine Option, doch auch viele günstige Produkte aus dem Supermarkt erfüllen diese Anforderungen.
Teure Flasche, edler Duft, glänzende Werbung, das verkauft sich hervorragend. Wissenschaftlich betrachtet spricht jedoch wenig dafür, im Badezimmer ein kleines Vermögen zu lagern. Oft reicht ein solides Produkt aus Migros oder Coop völlig aus. Wer sparen will, kann getrost weniger auf Marken und mehr auf die eigenen Haare achten.
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