Schicksal zweier Bären

Jamila und Sam dürfen in der heilen Bergwelt von Arosa alt werden

Von Bruno Bötschi

20.5.2022

Jamila und Sam dürfen in der heilen Bergwelt alt werden

Jamila und Sam dürfen in der heilen Bergwelt alt werden

Die Bärengeschwister Jamila und Sam sind heute aus dem Zoo Skopje in Arosa im Bärenland angekommen. Grund für den Umzug sind die schlechten Lebensbedingungen der Geschwisterbären in Nordmazedon

20.05.2022

Heute sind die beiden Bären Jamila und Sam aus dem Zoo Skopje in Arosa im Bärenland angekommen. Grund für den Umzug sind die schlechten Lebensbedingungen für die Tiere in Nordmazedonien.

Von Bruno Bötschi

20.5.2022

Das Bärenland im Ferienort Arosa hat seit heute zwei neue Bewohner: Bärenmännchen Sam, 18 Jahre alt, und seine gleichaltrige Schwester Jamila.

Die beiden Tiere erreichten am späten Freitagnachmittag ihre neue Heimat in den Bündner Bergen –  nach rund 2100 Kilometern durch vier Länder und 60 Stunden Reisezeit.

Die mehrere Tage daurende Überführung fand unter der Verantwortung der weltweit tätigen Tierschutzorganisation Vier Pfoten statt.

Auf ihrer Reise quer durch das südöstliche Europa wurden die zwei Bären von einem Team bestehend aus der Wildtierärztin Julia Bohner und Mitarbeiter*innen vom Bärenland Belitsa (Vier Pfoten, Bulgarien), von Vier Pfoten Schweiz und des Arosa Bärenlandes begleitet.

Bisheriges Leben getrennt verbracht

Die Geschwisterbären Jamila und Sam verbrachten ihr Leben bisher in einer nicht artgemässen Anlage im Zoo Skopje in Nordmazedonie. Dort waren sie einst als Jungtiere hingebracht worden und wurden seither getrennt gehalten.

Bär Sam im Zoo Skopje in Nordmazedonie.
Bild: Bärenland

Die Zooanlage in der mazedonischen Hauptstadt verfügt zwar über natürlichen Boden und Vegetation; insgesamt gesehen gibt es jedoch zu wenig Abwechslung und Beschäftigungsmöglichkeiten für die Tiere.

«Ausserdem haben Bären im Zoo Skopje nicht immer Zugang zu Wasser, da die Becken undicht sind», sagt Alexandra Mandoki, Länderchefin von Vier Pfoten Schweiz. Umso erfreulicher sei es, dass den aktiven und neugierigen Bären nun ein Leben inmitten der Bündner Bergwelt bevorstehe, wo sie baden und klettern können.

Die Zooleitung in Skopje denkt seit mehreren Jahren über eine Verbesserung der Haltungsbedingungen nach. Nun sollen die Pläne für eine Renovierung des Bärengeheges endlich in Angriff genommen werden.

Dies war jedoch bei der bisherigen Anzahl an Tieren nicht möglich. Daher wurde die Tierschutzorganisation Vier Pfoten von den Zooverantwortlichen gebeten, zwei der vier Tiere dauerhaft zu übernehmen und umzuplatzieren.

Die grösste Reise ihres Lebens

Die Vorbereitungen für den Transport in Skopie starteten am vergangenen Dienstagabend mit der Betäubung der Bären. Dies war nötig, um sie veterinärmedizinisch zu untersuchen und sie danach Transportboxen verladen zu können.

Als die beiden Tiere später wieder wach waren, begann am Mittwochmorgen die wohl grösste Reise ihres Lebens:

Von Nordmazedonien ging es mit einem speziell für Wildtiere ausgerüsteten Transporter nach Griechenland und von dort anschliessend weiter mit der Fähre nach Italien. Dort angekommen ging die Fahrt Richtung Schweiz weiter und schliesslich heute Nachmittag über Chiasso nach Arosa.

Bei der Ankunft im Bärenland verhielten sich die beiden Bären zurückhaltend. Während Sam nach der Ankunft sofort in der hölzernen Höhle Ruhe suchte, verhielt sich das Jamila neugieriger. Sie erkundete die neue Umgebung vorsichtig, blieb aber in sicherer Nähe zu ihrem Rückzugsort.

Sam und Jamila werden nun die ersten Wochen in der Innenanlage des Bärenlandes verbringen, damit sie sich in Ruhe an die neue Umgebung gewöhnen können. Später werden die beiden Neulinge die Aussenanlagen Süd und Nord kennenlernen. Je nach Verhalten wird im Sommer die Vergesellschaftung mit den anderen Tieren angestrebt.

Im fast drei Hektaren grossen Bärenschutzzentrum in Arosa finden auf 2000 Meter über Meer bis zu fünf Tiere die richtigen Bedingungen für ein artgerechtes Leben.

Bis heute lebten nur Meimo und Amelia dort, nachdem Bärin Jambolina letzten Sommer nach einer Zahn-Operation verstorben war und Bär Napa im November 2020 eingeschläfert werden musste.


Tamara Krapf, Lebenshof-Betreiberin: «Ich will nicht meine Freunde essen»

Tamara Krapf, Lebenshof-Betreiberin: «Ich will nicht meine Freunde essen»

Tamara und Stefan Krapf leben auf dem Känguruhof in Bernhardzell SG. Das Paar lässt seine Tiere nicht mehr schlachten. Vom Bauernhof zum Lebenshof – begonnen hat alles mit der Liebe zu einem Ochsen.

05.04.2022