Jonny Fischer: «Ab da wollte ich nichts mehr mit meinen Eltern zu tun haben»

Von Bruno Bötschi

16.9.2021

«Ein Outing ist etwas Unschönes, weil man nie weiss, wie die Leute darauf reagieren werden»: Jonny Fischer.
Bild: Bruno Augsburger

Zusammen mit Bühnenpartner Manuel Burkart gehört er zu den grössten Schweizer Comedians: Jonny Fischer vom Cabaret Divertimento über sein Temperament, seine harte Kindheit – und sein Schwulsein.

Von Bruno Bötschi

16.9.2021

Ein wunderbar sonniger Spätsommer-Nachmittag: Jonny Fischer sitzt in der Gartenbeiz vom Café Lochergut in Zürich und macht dem Journalisten als Erstes ein Kompliment: «Wow, du bist aber schön braun gebrannt.» Wie nicht anders zu erwarten: Der 42-jährige Comedian ist ein Meister in Sachen rasch gute Stimmung machen.

Seit über 20 Jahren steht Fischer zusammen mit Manuel «Manu» Burkhart als Cabaret Divertimento auf der Bühne. Das Duo spielt seit Jahren vor ausverkauften Reihen. Während den Vorstellungen sieht das Publikum den witzigen, den lustigen, den fröhlichen Jonny Fischer. Doch es gibt auch noch eine andere Seite in seinem Leben.

Im Buch «Ich bin auch Jonathan. Jonny Fischer – Die Geschichte einer Versöhnung», das ab heute im Buchhandel erhältlich ist, erzählt der Komiker davon. Es ist die Geschichte von einem prügelnden Vater. Es ist die Geschichte von einer Mutter, die wegschaut.

Es ist die Geschichte vom Freikirchler-Kind Jonathan, das der Glaubensgemeinschaft seiner Eltern mit 15 den Rücken kehrt und sich fortan Jonny nennt. Es ist die Geschichte vom Outing als schwuler Mann.

Es ist die Geschichte einer langen Suche nach dem Sinn des Lebens, die 2012 in einem Zusammenbruch mündet, weil sich Jonny Fischer jahrelang zu stark verausgabt hat. Es ist aber auch die Geschichte der grossen Liebe zu seinem Ehemann Michi Angehrn.

Jonny Fischer, ich gestehe: Du hast mich enttäuscht.

Das fängt ja gut an. Dann sag aber bitte auch, warum.

Ich habe dein Buch «Ich bin auch Jonathan. Jonny Fischer – Die Geschichte einer Versöhnung» gelesen, das heute erscheint. Während der Recherchen zu diesem Interview musste ich jedoch feststellen: Du hast aus deinen Erfahrungen nicht gelernt.

(Lacht) Habe ich doch. Aber ich weiss, worauf du anspielst.

Worauf?

Ich habe im Moment beruflich extrem viel um die Ohren. Im Unterschied zu früher ist meine Motivation heute jedoch eine andere. Es sind alles Dinge, die mir guttun und die ich nicht mache, weil ich anderen Menschen gefallen will.

Im Buch ist mehrfach zu lesen, dass du dir zu oft keine Ruhe gönnst: «Zuerst tut er es aus Freude, später wird daraus Zwang. Das Ergebnis ist jedes Mal dasselbe: Frustration und Erschöpfung.»

Es stimmt, in der Vergangenheit ist das oft so passiert.

Nach der Lektüre deines Buches habe ich deinen Instagram-Account angeklickt. Unter einem Bild, das dich während des Fitnesstrainings zeigt, konnte ich Folgendes lesen: «Baba Fischer am Schwitze… churze Break zwüsched Divertimento, Zenmove und ab morn wieder SRF.» Und das nennst du «Ruhe gönnen»?

Wie gesagt: Ich teile mir mein Leben heute besser ein und habe gelernt, auch einmal Nein zu sagen. Letzthin hiess es sogar schon, ich sei arrogant, weil ich nach den Dreharbeiten mit dem SRF abends nicht mehr mit dem Team essen gegangen bin.

Zum Autor: Bruno Bötschi
zVg

«blue News»-Redaktor Bruno Bötschi spricht für das Frage-Antwort-Spiel «Bötschi fragt» regelmässig mit bekannten Persönlichkeiten. Bötschi hat viel Erfahrung mit Interviews. Für die Zeitschrift «Schweizer Familie» betreute er jahrelang die Serie «Traumfänger». Über 200 Persönlichkeiten stellte er dafür die Frage: Als Kind hat man viele Träume – erinnern Sie sich? Das Buch zur Serie «Traumfänger» ist im Applaus Verlag, Zürich, erschienen. Es ist im Buchhandel erhältlich.

Erschöpfung, Schlaflosigkeit, Alkohol: 2012 hast du wegen deiner Rastlosigkeit einen Zusammenbruch erlitten. Müssen wir Angst haben, dass dir das demnächst wieder droht?

Ich gehe nicht davon aus, obwohl ich heute mehr arbeite als früher.

Wie ist deine Gefühlslage so kurz vor der Veröffentlichung deiner Lebensbeichte?

Es fühlt sich an wie ein Outing. Ein Outing ist etwas Unschönes, weil man nie weiss, wie die Leute darauf reagieren werden. Ich knalle mit der Publikation des Buches sozusagen meine Seele auf den Tisch und weiss: Die Gefahr besteht, dass manche Menschen sagen werden: «Fischer, was bist du nur für eine mühsame Heulsuse» oder «Fischer, das ist Scheisse.»

Oder noch schlimmer: «Du bist Scheisse.»

Stimmt.

Im Buch ist zu lesen, dass du in der Vergangenheit mehrfach gedroht hast, dir das Leben zu nehmen.

Diese Lebensmüdigkeit gehört zu meiner Geschichte. Heute weiss ich jedoch, andere Menschen haben solche Gedanken auch. Gleichzeitig bin ich froh darüber, dass dieser Gedanke seit bald zehn Jahren nicht mehr zu meinem Leben gehört.

Fordern Gespräche über deine Vergangenheit ihren Tribut?

Ich fand es total schlimm, die Texte aus dem Buch gegenzulesen. Ich fragte die Autorin Angela Lembo-Achtnich mehrfach: «Habe ich das wirklich so gesagt?»

Warum ist es wichtig, dass die Öffentlichkeit Bescheid weiss über dein privates Leben respektive die Verhältnisse innerhalb der Familie Fischer?

Anfänglich liess ich das Buch nur für mich selber schreiben.

Wie bitte?

Noch vor zwei Monaten stand im Vertrag mit der Autorin, dass das Buch nicht veröffentlicht werden muss. In der Folge gab ich den Text verschiedenen Leute zu lesen und merkte bald: Meine Geschichte löst etwas aus und kann möglicherweise auch anderen Menschen helfen, sich ihr Leben näher anzuschauen. Deshalb entschied ich mich, das Buch zu veröffentlichen.

«Die Schläge von meinem Vater waren schlimm, als noch viel schlimmer empfand ich jedoch die psychische Gewalt»: Jonny Fischer zusammen mit Vater und Bruder im elterlichen Garten.
Bild: Privat

Statt in einem Buch dein Leben offenzulegen, hättest du eine Psychotherapie unter Ausschluss der Öffentlichkeit besuchen können.

Ich habe schon viele Dinge versucht in meinem Leben, doch wirklich gefruchtet hat bisher kaum etwas.

Demnach hat das Buch für dich auch einen therapeutischen Effekt.

Ja.

Deine Eltern kommen im Buch nicht gut weg: Dein Vater hat dich geschlagen. Deine Mutter, obwohl sie davon wusste, unternahm nichts dagegen.

Viele Menschen haben ähnliche Geschichten erlebt. Ich kann jedoch nur für mich reden. Viele Jahre sah ich mich als Opfer. Solange das so war, hatte ich ein beschissenes Leben. Erst, als ich bemerkte, dass es nicht um Schuldzuweisungen geht, ging es mir besser. Deshalb findest du im Buch auch keine Schuldzuweisungen. Ich sage vielmehr, egal, wie kompliziert und schwierig deine Kindheit war, später hast du es selber in der Hand, wie toll dein Leben wird.

Das tönt jetzt ein bisschen esoterisch.

Stimmt. Aber ich weiss aus eigener Erfahrung: Erfolg und Geld allein machen nicht glücklich.

Im Buch sagt deine Mutter über die Schläge deines Vaters: «Ich ging nicht dazwischen. Ich stellte mich nicht schützend vor mein Kind … Weil ich die Hände schon voll hatte mit anderem, was zu tun war.»

Es ist die heutige Sicht meiner Mutter. Gleichzeitig bin ich überzeugt davon, dass es ihr wehtat, nichts gegen die Taten meines Vaters zu unternehmen.

Zur Entschuldigung fügt deine Mutter an, sie habe in solchen Situationen gebetet: «Mein Eingreifen würde nichts nützen, bitte Herr, du hast uns den Auftrag gegeben, diese Kinder zu bekommen. Das ist jetzt deine Angelegenheit.»

Ich habe es in meiner Jugend ganz oft erlebt, dass meine Eltern die Verantwortung an den Herrgott abgaben, der scheinbar alles für sie organisiert hat. So mussten sie über viele Dinge im Leben nicht weiter nachdenken oder sie gar reflektieren.

Du bist in einer Freikirche aufgewachsen. Später, als du zehn Jahre alt warst, gründete dein Vater eine radikale Glaubensgemeinschaft. Schläge im Namen Gottes scheinen nichts Aussergewöhnliches zu sein: Je religiöser evangelisch-freikirchliche Eltern sind, desto häufiger und heftiger schlagen sie ihre Kinder. Dies ist das Ergebnis einer Studie des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen.

Das wusste ich nicht.

Die Studie besagt: «Je stärker die Eltern in ihrem Glauben verankert sind, umso mehr prügeln sie.»

Die Schläge von meinem Vater waren schlimm, als noch viel schlimmer empfand ich jedoch die psychische Gewalt.

Hattest du Angst vor deinem Vater?

Ja. Gleichzeitig wollte ich aber der ganzen Welt beweisen, was für ein geiler Siech ich bin. Diesen Rucksack schleppte ich lange Zeit mit mir rum.

«Der letzte Ausraster gegenüber Manu ist vier Jahre her»: Jonny Fischer und sein Bühnenpartner Manuel Burkart.
Bild: Cabaret Divertimento

Manch eine Leserin, manch ein Leser wird nach der Lektüre des Buches Mitleid mit dir haben.

Wenn dem so ist, hätten die Autorin und ich es nicht geschafft, meine Hauptmessage richtig zu formulieren.

Wie lautet sie?

Läck, ist das toll, dass du trotz einer derart komplizierten Kindheit heute ein glückliches Leben führen kannst.

Mit 15 bist du aus der Glaubensgemeinschaft deines Vaters ausgetreten. Wie hast du das geschafft?

Ehrlich gesagt, ich weiss es nicht. Vielleicht hat es mit meinem Streben nach Aufrichtigkeit zu tun und dass ich schon von klein auf Mühe hatte, mich selber zu belügen.

Wie reagierten deine Eltern auf deinen Austritt?

Es war kein Thema. Mein Vater und meine Mutter verloren nie auch nur ein Wort darüber – genauso wie sie später auch nichts dazu gesagt haben, als ich mich unter Tränen vor ihnen als schwul outete. Stell dir das mal vor: Du öffnest dich vor deinen Eltern und es kommt nichts zurück, nicht ein einziges Wort.

Nach deinem Zusammenbruch im Jahr 2012 hast du den Kontakt zu deinen Eltern abgebrochen. Warum?

Ich spürte, dass es so nicht weitergehen kann. Das Schwulsein ist eines der grossen Themen in meinem Leben, aber meine Eltern wollten das ausklammern, wollten unter keinen Umständen darüber reden. Damals kam ich zur Einsicht: So geht das für mich nicht, ich will nichts mehr mit ihnen zu tun haben.



Was hat sich seither verändert, dass du heute wieder mit deiner Familie redest?

Nach dem Tod meines Vaters im Jahr 2016 hatte meine Mutter die Möglichkeit, mit uns Kindern erneut Kontakt aufzunehmen. Das hat sie auch getan. Es war nicht einfach und ich gebe zu, meine Mutter ist nach wie vor nicht meine beste Freundin.

Hat sich dein Vater eigentlich für die Schläge je bei dir entschuldigt?

Nein.

Und deine Mutter?

Nein.

Deine Geschwister kommen im Buch kaum vor. Warum?

Meine Geschwister litten ebenfalls unter der Geschichte. Sie gingen lange Zeit auch nicht mehr nach Hause. Aber das ist ihre Geschichte, die sie selber erzählen müssten.

Über dein Verhältnis zu deinem Bühnenpartner Manuel Burkart hingegen schreibst du ausführlich – unter anderem auch darüber, wie du ihm den Satz «Ich hasse dich» an den Kopf geworfen hast.

Ach, ich habe ihm noch viel Schlimmeres an den Kopf geknallt.

Wie kann so etwas passieren?

Das ist eine berechtigte Frage. Ich denke, wer das Buch liest, wird besser verstehen, warum ich in der Vergangenheit hin und wieder derart unschön und aggressiv reagiert habe. Der letzte Ausraster gegenüber Manu ist aber vier Jahre her.

«Das Schwulsein ist eines der grossen Themen in meinem Leben, aber meine Eltern wollten das ausklammern, wollten unter keinen Umständen darüber reden»: Jonny Fischer zusammen mit Ehemann Michi Angehrn.
Bild: Privat

Manuel Burkart und du seid seit über 20 Jahren zusammen als Cabaret Divertimento im Geschäft. Noch immer sagt er über dich, dass er einer deiner «allergrössten Bewunderer» sei». Wie hast du das geschafft?

Ich bin halt schon ein geiler Siech (lacht). Ich bin ein Mensch, mit dem man ganz tolle Hochs erleben kann, toller als mit anderen Menschen. Gleichzeitig sind meine Tiefs aber auch tiefer als bei anderen.

Warum seid ihr als Cabaret Divertimento fähig, euch seit zwei Jahrzehnten in die Köpfe der Schweizer*innen zu schleichen und auch die grössten Säle unseres Landes immer wieder von Neuem mit eurem Humor zu erobern?

Wir wissen es nicht. Wenn wir es je gewusst hätten, hätten wir es wahrscheinlich nicht geschafft. So etwas kann man nicht mit Absicht schaffen. Und ganz wichtig: Wir machen, was wir machen, immer noch unheimlich gern. Ich denke, das ist – egal, ob du auf der Bühne stehst, an einer Kasse arbeitest oder wie du Texte schreibst – das Allerwichtigste.



Dein Bühnenpartner gibt dir im Buch einen Tipp: «Scheiss auf diesen strafenden Kontrollfreak von einem Gott!»

Was die Leserschaft von dem Tipp hält, werde ich erst erfahren, wenn das Buch erschienen ist. Ich persönlich bemühe mich seit 25 Jahren darum, so denken zu können.

Und funktioniert es?

Immer besser.

Glaubst du an Gott?

Ich habe viel Mühe mit dem Wort «Gott». Gleichzeitig sind in meinem Leben in den letzten Jahrzehnten derart viele positiven Wendungen passiert, dass ich davon ausgehen muss, dass sich im Universum jemand um mich kümmert.

Deiner Meinung nach gibt es also irgendetwas da oben, aber du nennst es nicht Gott.

Also Gott heisst es ganz sicher nicht, aber ja …

Liest du noch in der Bibel?

Nein.

Hast du einen Lieblings-Bibelspruch?

Nein … oder doch: 1. Thessalonicher 5:16. Seid allezeit fröhlich.

Der britische Sänger Elton John sagte einmal, er habe irgendwann lernen müssen, zwischen sich und dem Publikum einen Hochsicherheitszaun hochzuziehen.

Wow, ich bin noch nie mit Elton John verglichen worden (lacht). Aber es stimmt, auch ich musste lernen, dass der Applaus des Publikums nichts mit Liebe zu tun hat. Ich hatte lange Zeit das Gefühl, wenn die Leute klatschen, lieben sie mich. Dem ist aber nicht so. Sie haben Respekt im positiven Sinne, lieben vielleicht die Figur, die ich spiele, aber nicht mich persönlich.

Du hast dich sehr lange versteckt hinter eurem Cabaret-Duo, euren Witzen und deiner Sexualität.

Das stimmt.

Wirfst du jetzt mit dem Buch alle Masken weg?

Ja, einmal mehr.

Wer das Buch gelesen hat, weiss wirklich alles von Jonny Fischer. Oder kommt noch mehr?

Zum Thema «Hosen runterlassen» hätte ich noch mehr schreiben können.

Du meinst mehr Sex-Erlebnisse?

Ja. Aber das bringt niemandem etwas, ausser es gäbe Bilder dazu (lacht).

Wäre es für einen Star nicht wichtig, während seiner Karriere einen gewissen Anteil Mythos zu bewahren?

Wäre ich weltberühmt, müsste ich das wohl so handhaben. Aber ich kann das nicht. Es passt nicht zu mir.

«Ich bin ein Mensch, mit dem man ganz tolle Hochs erleben kann, toller als mit anderen Menschen. Gleichzeitig sind meine Tiefs aber auch tiefer als bei anderen»: Jonny Fischer.
Bild: zVg

Du hast als Komiker gut verdient, bist extrem erfolgreich und hast Freundinnen und Freunde, die auch in schwierigen Zeiten für dich da sind. Manch ein Mensch wird sich fragen: Wie ist es möglich, dass Jonny Fischer trotzdem so lange nicht richtig glücklich werden konnte?

Ich verstehe diese Frage. Dieser Umstand war etwas vom Schlimmsten – für mich, aber auch für meine Freundinnen und Freunde. Ich hatte ein tolles Leben und war trotzdem oft unglücklich. Bei mir hatte es damit zu tun, dass ich mich lange selber nicht lieben konnte. Ich denke sogar, fehlende Selbstliebe ist die Gesellschaftskrankheit Nummer eins. Du wirst jetzt wieder sagen, meine Antwort klinge esoterisch, aber das ist mir scheissegal.

Wie glücklich bist du heute Nachmittag?

Heute bin ich sehr bei mir, gleichzeitig bin ich aber auch etwas angespannt, weil wir über mein Buch reden, das noch gar nicht erschienen ist. Ich weiss also, wie schon gesagt, nicht, wie die Öffentlichkeit darauf reagieren wird.

Ordnest du heute alles richtig in deinem Leben?

Nein … oder stopp: Ich schaue heute genauer hin, aber ich ordne nach wie vor nicht alles richtig.



Der Untertitel des Buches lautet «Jonny Fischer – Die Geschichte einer Versöhnung». Bist du endlich frei?

Im Moment fühle ich mich frei, aber es werden auch wieder andere Zeiten kommen und sich neue Herausforderungen stellen. Es ist ähnlich wie während eines Tennismatches, wo du plötzlich denkst: Jetzt gewinne ich und dann verschlägst du aus dem Nichts nacheinander drei Bälle.

Im Nachwort deines Buches steht der Satz: «Ich bin Jonny Jonathan Fischer.» Den Text unterzeichnest du dann aber mit «Jonny Fischer».

Das stimmt. Fakt ist: Mein Name ist seit bald 30 Jahren Jonny Fischer. Anfänglich wollten wir den Namen «Jonny» im Buch gar nicht mehr benützen, bis ich sagte: Hallo, ich bin zwar auf der Suche nach Jonathan, also wie ich als Kind geheissen habe, heute besteht jedoch 80 Prozent meines Lebens aus Jonny. Jonny, der Bühnenmensch. Jonny, der Schwule. Jonny, der verheiratete Mann. Aber wer weiss, vielleicht kommt irgendwann mit 58 der Moment, wo ich sage: Ich wäre froh, ihr würdet mich künftig Jonathan nennen.

Weil du dann allein auf der Bühne stehen wirst?

Ähh nein ...

Ist das eine ewige Liebeserklärung an Manuel Burkart?

Ich kann mir heute absolut nicht vorstellen, je allein auf der Bühne zu stehen.


Bibliografie: «Ich bin auch Jonathan. Jonny Fischer – Die Geschichte einer Versöhnung», Angela Lembo-Achtnich, Wörterseh Verlag, 235 Seiten, 36.90 Fr.

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