Klaus Heer: «Es ist voll unwahr, dass ich etwas von Sex verstehe»

#Von Bruno Bötschi

3.1.2021

Paartherapeut Klaus Heer schrieb Sachbücher wie die Bestseller «Ehe, Sex & Liebesmüh'» und «Paarlauf. Wie einsam ist die Zweisamkeit?». Er lebt und arbeitet in Bern.
Bild: Rahel Krabichler/krabichler.ch

Welchen Gegenstand brauchen Sie am Wochenende am meisten? Frühstück im Bett – ja oder nein? Heute stellen wir unsere Fragen Paartherapeut Klaus Heer.

Jeden Sonntag stellt «blue News» einem bekannten Menschen aus Kultur, Sport, Wirtschaft und Politik 22 Fragen, um zu erfahren, was sie oder er am Wochenende tut oder lässt – und was der schönste Moment in den vergangenen sieben Tagen war.

Heutiger Gast ist der Berner Paartherapeut Klaus Heer.

1. Herr Heer, was bedeutet Wochenende für Sie – in einem Wort?

Nullkommasehrwenig.

2. Was war der schönste Moment in der vergangenen Woche?

Gestern Abend hat sich meine vierjährige Enkelin fast kaputtgelacht ab mir. Warum, weiss ich eigentlich nicht. Aber schön war es.

3. Wenn Sie Macht hätten, zu befehlen, was Ihnen heute richtig scheint, würden Sie es befehlen, gegen den Widerspruch der Mehrheit?

Keine Ahnung. Meine missionarischen Ambitionen sind mittlerweile gegen null geschrumpft.

4. Was steht jeden Samstag auf Ihrem Einkaufszettel?

Ach, samstags sind die Läden voll und mein Einkaufszettel leer. Gut so.

5. Bei welchem Modedesigner lassen Sie Ihr Geld?

Beim «Dreigänger», dem verführerischen Secondhand-Kleiderladen bei mir um die Ecke. Dort kann ich übrigens auch meine missliebigen Klamotten verkaufen.

6. Mit wem würden Sie gern einmal zu Abend essen? Die Person darf auch bereits tot sein.

Mit einem der sehr seltenen alten Paare, die ich Hand in Hand in meinem Quartier spazieren sehe. Weil ich zu gern erführe, wie die es geschafft haben, über so lange Zeit diese körperliche Verbindung lebendig zu erhalten. Die meisten gestandenen Paare laufen doch unverbunden nebeneinanderher. Oder gar hintereinander.

7. Wer ist der beste James-Bond-Darsteller? Und warum?

Sean Connery natürlich. Den konnte ich ab 1962 noch hemmungslos als meinen letzten und einzigen Männlichkeitsabgott anstaunen. RIP.

8. Welche TV-Serie schauen Sie gerade?

TV-Serien? Nein danke, kein Bedarf. Ehrlich, keine Zeit für so etwas.

Klaus Heer: «Jassen ist mir immer noch liebstes Ritual. Sonntags wie werktags.»
Bild: Ruben Ung/rubenung.ch

9. Welches Konzert haben Sie zuletzt besucht?

Zufällig die h-Moll-Messe, BWV 232 von Johann Sebastian Bach. Premiere der Elbphilharmonie Hamburg. Livestream an meinem iMac am 20. Dezember 2020, zusammen mit 18'802 anderen Berührbaren.

10. Bei welchem Song lassen Sie sofort alles stehen und liegen und stürmen die Tanzfläche?

S'Vreneli abem Guggisbärg: «S isch äben e Mönsch uf Ärde...» Eben!

11. Wie lange bleiben Sie am Sonntag im Bett, nachdem Sie aufgewacht sind?

Wie an jedem anderen Tag: eine Stunde oder länger. Ein Buch lesend oder hörend.

12. Frühstück im Bett – ja oder nein?

Niemals. Ich bin überhaupt alles andere als scharf auf ein Zmorge. Übrigens, schrulliges Wort, dieses «Frühstück», finde ich.

13. Wann sind Sie zuletzt in ein Gotteshaus gegangen?

Vorgestern. In die stille und leere Berner Dreifaltigkeitskirche. Nichts als eine Viertelstunde sitzen und sitzen und sitzen. Fertig.

14. Welchen Gegenstand brauchen Sie am Wochenende am meisten?

Mein 120-Zentimeter-Trampolin. 45 Minuten lang. Davon gefühlt 40 Minuten in der Luft, täglich. Wie ein abflugbereiter Vogel.



15. Gibt es ein Ritual, das Sie jeden Sonntag pflegen?

Manchmal denke ich am Sonntag an die Sonntagsrituale meiner Kindheit. Lateinische «Heilige Messe», durchzogenes Siedfleisch zu Mittag, am Nachmittag Familienjass zu sechst. Jassen ist mir immer noch liebstes Ritual. Sonntags wie werktags.

16. Freiburger Fondue Moitié-Moitié oder Tessiner Risotto?

Beides gut. Aber noch besser: Daumengrosse Gschwellti namens Virgules, mit Ankeziger.

17. Das beste Fortbewegungsmittel, das Sie je besessen haben?

Ab 1961 war es für ein paar Jahre ein karminroter Döschwo. Seit 2011 ein moosgrünes Faltrad der britischen Prestigemarke Brompton, 10,4 Kilogramm leicht. Bis heute. Die Kombination SBB & Brompton – das Beste, was mir unterwegs passieren kann.

18. Locarno oder Lugano?

Weder noch. Viel lieber Kiental Dorf.

19. Wenn Sie das Wort Romandie hören: An was denken Sie?

An das urwelsche Restaurant Café du Gothard in Fribourg mit Kutteln, Pieds de porc und Le parfait glacé au vin cuit inkl. Greyerzer Doppelrahm und ähnlichen Verrücktheiten.

20. Was tun Sie am Wochenende zu wenig?

Ist eh schon voll. Mehr passt da nicht rein.

21. Welches hartnäckige Gerücht über Sie ist schlichtweg nicht wahr?

Es ist voll unwahr, dass ich etwas von Sex verstehe. Wer wird denn so etwas Geschwollenes von sich behaupten, im nüchternen Zustand?

22. Ihr Lieblingswitz?

Gescheiter Blödelspruch von Karl Valentin: «Ich freue mich, wenn es regnet. Denn wenn ich mich nicht freue, regnet es auch.»

Klaus Heer füllte den Fragebogen schriftlich aus.

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