Lady Diana – Prinzessin der Hipster

Julia Wagner

20.9.2019 - 00:00

Im Herbst 2019 trägt man, da ist sich die internationale Modepresse einig, den Lady-Diana-Gedächtnislook.
Bild: Getty Images

Weil Lady Diana nun einmal eine Modeikone war, sind derzeit sogar viele im Gedächtnislook unterwegs. Doch da ist Meghan Markle, die gegen Rüschen, Bonbonfarben und Steckkämme kämpft.

Wo ist eigentlich Meghan Markle, wenn man sie mal braucht?

Da zieht sich die Herzogin für einige Monate zwecks Babypause aus der Öffentlichkeit zurück, und dann das: plötzlich gilt nicht mehr sie, sondern ihre 1997 verstorbene Schwiegermutter, Prinzessin Diana, als DAS neue Stilvorbild.

Im Herbst 2019 trägt man, da ist sich die internationale Modepresse einig, den Diana-Gedächtnislook. Auf der New York Fashion Week Anfang September sah man etwa Steckkamm-Frisuren à la Diana, Rüschen, Blusen mit Puffärmeln und Punkten oder asymmetrische Kleider, die an ihre ikonischen Styles erinnern.

Paparazzi-Look der Prinzessin

Die aktuelle Ausgabe der «Vogue Paris» widmet eine ganze Fotostecke den Paparazzi-Looks der Prinzessin. Model Hailey Bieber trägt da Radlerhosen, Sweatshirt, Sneakers und Tennissocken – das, was Diana trug, als sie beim Verlassen ihres Fitnessstudios in den 1990er-Jahren heimlich fotografiert wurde. Sogar der coole Modeblog manrepeller.com stylte ihre Looks schon nach.

Radlerhosen, Sweatshirt, Sneakers und Tennissocken trug Lady Diana, als sie beim Verlassen ihres Fitnessstudios in den 1990er-Jahren heimlich fotografiert wurde.
Bild: Getty Images

Jetzt frage ich mich, ob ich die einzige bin, die diese Aufregung nicht versteht?

Ich persönlich brauche diesen Retro-Trend nämlich ungefähr so dringend wie eine Darmgrippe. Vielleicht bin ich auch die einzige, die sich an ihre Looks noch erinnern kann, als sie noch nicht in «Vogue» abgebildet waren, sondern in Magazinen wie «Das Goldene Blatt» oder «Frau mit Herz», die meine Grosi abonniert hatte.

Scheusslichkeiten in Türkis und Rosa

Glauben Sie mir, diese Scheusslichkeiten in Türkis oder Rosa vergessen Sie ein Leben lang nicht. Mag sein, dass die strenge Queen ihr die Outfits morgens rauslegte. Mag sein, dass Diana erst nach der Trennung von Charles modisch mutiger wurde.

Und ja, vielleicht war Diana in ihren Radlerhosen wirklich die Urmutter aller Hipster – was ich stark bezweifle. Immerhin ist bekannt, dass sie die immer gleichen Sport-Looks vor allem trug, um möglichst uninteressant für Paparazzi zu sein.

Wo ist eigentlich Meghan Markle, wenn man sie mal braucht?
Bild: Getty Images

Trotzdem gehe ich lieber in Modestreik, bevor ich mir einen Steckkamm in meine Föhn-Frisur mache und in ein gepunktetes Kleid mit Schulterpolstern schlüpfe. Dazu muss es nun aber wohl gar nicht kommen.

Glücklicherweise hatte Meghan endlich mal wieder einen öffentlichen Auftritt – und präsentierte hier gleich mal eine Modelinie für den guten Zweck.

Die Kollektion besteht aus schlichten Businesslooks, die Einnahmen davon sollen arbeitslose Frauen unterstützen. Also, das nenne ich mal zeitgemässe Mode. Das lässt hoffentlich alle Rüschen, Bonbonfarben und Steckkämme ganz schnell wieder vergessen.

Hier gibt es an jedem Freitagmorgen eine Autoren-Kolumne – abwechselnd zu den Themen Mode, Essen, E-Mobility und Mutter. Heute: Mode.

Zur Autorin: Julia Wagner besuchte als Chefredaktorin von miss und später als Leiterin von Stylebook.de alle wichtigen Fashionweeks dieser Welt. Jetzt pendelt sie als Freelancerin ständig zwischen Berlin, Zürich und Wien – und trägt fast nur noch Hipster-Look: Sneaker, Jeans & Rucksack. Das liegt vor allem daran, dass die Haute Couture nicht ins Handgepäck passt.

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