«Lesen kann süchtig machen, Klauen auch»

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25.9.2021

Die Herbstferien stehen vor der Tür. Wir haben unsere Redaktionskolleginnen und -kollegen gefragt: Welches Buch liegt bei dir aktuell auf dem Nachttisch?

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25.9.2021

Hast du ein Lieblingsbuch, das du bereits mehrmals gelesen hast? Oder bist du gerade auf der Suche nach Lesestoff für die anstehenden Ferientag?

Hier erfährst du, zu welchen Romanen und Sachbüchern die «blue News»-Redaktion dieser Tage am liebsten greift:

Alexandra Kleeman: Something New Under the Sun

Dieses Buch musste ich nur schon wegen des Titels kaufen. Am legendären Zürcher Kunstraum Perla Mode hing jahrelang ein Schild mit einem Zitat von Samuel Beckett: «Die Sonne schien, da sie keine andere Wahl hatte, auf nichts Neues.» Doch im neuen Roman von Alexandra Kleeman geht die Sonne über einem etwas anderen Los Angeles auf. Die Stadt ist hart vom Klimawandel getroffen, Hollywood muss sich neu erfinden. Die Landschaft spielt zuweilen eine grössere Rolle als die Leute, die sie bewohnen. California Noir trifft auf die ökologische Apokalypse – unterhaltsam, düster und voller Überraschungen.

Lukas Meyer, Reporter News 


Stephen King: Billy Summers

Für einmal lässt Stephen King das Übernatürliche aussen vor. «Billy Summers» ist ein Krimi ohne Clowns, Geisterhäuser oder Untote. In dieser Geschichte ist der Mensch das Monster. Billy Summers gibt sich in der Kleinstadt Red Bluff als Schriftsteller aus, lebt in der Community, lernt von der Güte und Freundlichkeit der Menschen. Hinter Billys falscher Fassade verbirgt sich aber ein Auftragsmörder. Sein Ziel soll auf den Stufen des Gerichtsgebäudes erschossen werden, kein Prozess für den Frauenschläger und Mörder. Ironisch, wie authentisch ein Autor wie Stephen King dennoch vom Guten im Menschen erzählt.

Fabian Tschamper, Redaktor TV und Film


Tim Marshall: Macht der Geographie

Welchen Einfluss hat eigentlich die Geografie auf die Politik eines Landes? Spätestens mit der Lektüre des Buches «Macht der Geographie» wird klar: Sie bedeutet so ziemlich alles und ist die Triebkraft hinter Konflikten wie jenen im Südchinesischen Meer oder etwa im Kaukasus. Journalist Tim Marshall knöpft sich die Staaten in einzelnen Kapiteln vor und unterlegt die geografischen Thesen mit einem kurzen Abriss der nationalen Geschichte, der die aktuelle Politik logisch begründet. Ein geballter Haufen Wissen kompakt auf Papier gepresst.

Philipp Dahm, Redaktor News



Sophie Passmann: Komplett Gänsehaut

Sind wir wirklich so schlimm?, denke ich mir ständig bei der Lektüre von «Komplett Gänsehaut». Die 27-jährige Autorin Sophie Passmann bewegt sich einem ähnlichen Umfeld wie ich – Mittelstands-Millenials, Grossstadt, Bioladen, Altbauwohnung –  und seziert dieses gnadenlos. Sie «rösten aggressiv Auberginen, als hinge ihr Leben davon ab» und haben «aus Angst, mit den falschen Sachen Spass zu haben, sicherheitshalber gar keinen Spass». Ihr boshafter Ton ist nur auszuhalten, weil sich Passmann von der Spiesser-Truppe nicht ausnimmt und gerade deshalb das Gefühl einer Generation so treffend und selbstironisch beschreiben kann.

Laura Hüttenmoser, Leiterin Entertainment


Gregory Roberts: Shantaram

«Shantaram» ist ein Roman von Gregory Roberts, der mir eine völlig neue Welt geöffnet hat. Das Buch erzählt die Geschichte eines australischen Bankräubers, der aus dem Gefängnis flüchtet und sich nach Bombay absetzt. Ein Kulturschock für den Geflohenen, wie auch für mich, der einem in wilden Abenteuer-Geschichten erzählt wird. Lin, wie der Protagonist von den Einheimischen genannt wird, arbeitet sich aus den Slums hoch bis in die höchsten Mafia-Gefilde, obwohl er da gar nie hinwollte. Die Geschichte mit autobiografischen Zügen inspiriert und glänzt mit Charakteren, die so tiefgründig sind, dass man nie mit Lesen aufhören möchte. Und dann ist da natürlich noch die Liebe zur Halbschweizerin Karla. Doch was daraus wohl wird?

Martin Abgottspon, Redaktor Sport / Gaming & E-Sport


Tom Zürcher: Liebe Rock

Lesen kann süchtig machen. Klauen auch. Tom Zürcher, freier Texter aus Zürich, begleitet in seinem neuen Roman «Liebe Rock» den 18-jährigen Tim. Der junge Mann ist ein Albtraum: Der Möchtegern-Schriftsteller beklaut gerne Menschen und am liebsten seinen WG-Mitbewohner Marc. Zuerst nimmt Tim Marc das Hemd, dann das Bike, zeitweise auch die Freundin und irgendwann stiehlt er ihm sogar seine Doktorarbeit, die er kurz darauf als Roman veröffentlicht. Eine Co­ming-­of-Age-Geschichte, die der Autor mit schwarzem Humor, süchtig machendem Tempo und ganz viel Irrwitz erzählt – und der beginnt schon im ersten Satz: «Liebe Rock, wenn du das liest, bin ich tot.» 

Bruno Bötschi, Redaktor Lifestyle/Entertainment


Olivia El Sayed: Flowery wordis

Auf der Rückseite dieses Buches steht, es handle sich bei «flowery wordis» um eine Sammlung origineller menschlicher Gedanken, die in ihrer Essenz das Leben widerspiegeln: Ein kurzweiliges, bittersüsses Vergnügen, das vielleicht erst Sinn ergibt, wenn es zu Ende ist. Und es stimmt. Es ist ein wunderbares Buch für eine Zugfahrt oder für zwei wache Stunden in der Nacht. Berührend, umwerfend komisch und authentisch wie ein Tagebuch.

Alex Rudolf, Redaktor Inland



Peter Stamm: Das Archiv der Gefühle

40 Jahre ist es her, dass er und Franziska, sie ist Sängerin und nennt sich Fabienne, befreundet waren. Seither hat er in der Fantasie gelebt. Und er muss sich eingestehen: Er hat sein Leben versäumt. Doch jetzt taucht Franziska wieder auf. Mit seinem Roman «Das Archiv der Gefühle» geht Peter Stamm der Frage nach den Chancen im Leben nach und ob wir diese erkennen. Für seinen letzten Roman «Die sanfte Gleichgültigkeit der Welt» erhielt Stamm den Schweizer Buchpreis 2018. 

SDA


Flurin Jecker: Ultraviolett

Der in Bern lebende Autor Flurin Jecker nimmt seine Leserinnen und Leser mit in die Berliner Clubszene. Im Flackern der Stroboskope trifft Held dort auf Mira; er oszilliert zwischen Angst und Glücksgefühlen, zwischen Abschied und Versöhnung, zwischen Stadt und Land. Es ist die Suche nach einem Zuhause in sich selbst. In seinem Debüt «Lanz» von 2017 hatte Jecker über den Schwebezustand zwischen Kindheit und Jugend geschrieben.

SDA


Mireille Zindel: Die Zone

Cyril ist No-Limit-Weltmeister im Apnoetauchen. Immer gilt es, neue Rekorde zu brechen, tiefer, extremer zu tauchen – und zwischen seinen Kindern, schnell wechselnden Affären und der harten Konkurrenz sich selbst zu entfliehen. Bis Cyril zu viel wagt. Ein zentrales Motiv des Romans «Die Zone» ist das Atem-Anhalten. Die Zürcher Autorin Mireille Zindel verbindet dieses Motiv mit der Sprache und dem Stil ihrer Schreibe.

SDA


Jaroslav Rudiš: Gebrauchsanweisung fürs Zugreisen

Der tschechische Schriftsteller Jaroslav Rudiš ist pausenlos in Europa unterwegs – und zwar mit dem Zug. Auf seinem Twitter-Account stellt er fast täglich Fotos mit dem Hashtag #Bahnzeit, in den letzten Wochen oft aus der Schweiz. Nun hat er eine «Gebrauchsanweisung fürs Zugreisen» geschrieben. Rudiš erzählt darin von seinen Reisen, den schönsten Bahnhöfen und stimmigsten Bahnhofskneipen. Und gibt unzählige Geschichten zum Besten, wie jene von einem Freund, der mit der Transsibirischen Eisenbahn unterwegs war und plötzlich in der nordkoreanischen Hauptstadt Pjöngjang ankam.

Lukas Meyer, Reporter News


Thomas Meyer: Hat sie recht?

«Mein Job belastet mich sehr. Aber ich bin Familienvater und verdiene sehr gut.» – «Ich habe vor einem Jahr meinen manipulativen Ex verlassen. Es war die Hölle mit ihm – und doch vermisse ich ihn. Wie kann das sein?» Wer Thomas Meyer um Rat fragt, bekommt einen – egal, wie kompliziert die Frage lautet oder wie unbequem die Antwort ausfällt. Seit 2014 schreibt der Schriftsteller für das «SonntagsBlick Magazin» die Ratgeber-Kolumne «Meyer rät». In provokativen und oft auch gnadenlosen Texten beantwortet der Bestsellerautor («Wolkenbruchs wunderliche Reise in die Arme einer Schickse») Fragen zu Partnerwahl und Beziehungen aller Art, zwischenmenschlicher Kommunikation, Haustieren, Moral, Glück und Respekt. Nun sind die Kolumnen als Buch mit dem Titel «Hat sie recht?» erschienen.

Bruno Bötschi, Redaktor Lifestyle/Entertainment