Männer unerwünscht

Von Marianne Siegenthaler

28.6.2021

Frauen geniessen das schoene und warme Wetter im Frauenbad an der Limmat am Donnerstag, 24. Mai 2007 in Zuerich. (KEYSTONE/Alessandro Della Bella)
Die Kolumnistin ist kein Fan von separaten Frauenzonen – mit einer Ausnahme: in der Badi.
Bild: Keystone

An manchen Orten sind Männer absolut unerwünscht. Das befremdet unsere Kolumnistin. Mit einer Ausnahme.

Von Marianne Siegenthaler

28.6.2021

Manche Frauen sind ab und zu gern unter sich. Männer auch. Das ist nichts Neues und soweit auch kaum ein Diskussionsthema. Es kann sich ja jeder und jede seine beziehungsweise ihre Gesellschaft selber aussuchen. Doch seit einiger Zeit wird dieses Bedürfnis geradezu institutionalisiert.

Zumindest, was die Frauen anbelangt. Und das gilt für viele Lebensbereiche: Ob Fitnessstudio oder Hotel, Kinovorführung oder Fahrschule, Restaurant oder Parkplatz – Männer sind unerwünscht.

Kein Fan von Frauenzonen

Ich bin kein grosser Fan von separaten Frauenzonen. Mich erinnern diese an Echokammern im Internet, in denen Vorurteile zementiert werden.

Frauen können nicht parkieren? Also müssen sie in eine spezielle Frauenfahrschule, um das zu lernen.

Frauen trauen sich nicht allein ins Kino? Also gibt es extra Frauenvorführungen.

Dasselbe gilt für Hotels, Restaurants, Bars und so weiter. Die Frau – das schutzbedürftige Wesen, das eigene Bereiche benötigt, weil sie manchen Dingen hilflos gegenübersteht und im schlechtesten Fall auch noch von männlichen Bösewichten attackiert wird.

Zur Autorin: Marianne Siegenthaler
Bild: zVg

Marianne Siegenthaler ist freie Journalistin, Texterin und Buchautorin. In ihrer Kolumne nimmt sie die grossen und kleinen, die schrägen und schönen, die wichtigen und witzigen Themen des Alltags unter die Lupe – mal kritisch, mal ironisch, mal mit einem Augenzwinkern. Sie ist verheiratet, hat eine erwachsene Tochter und lebt am Zürichsee. www.texterei.ch

Dabei ist mir sehr wohl bewusst, dass Übergriffe Realität sind. Aber es passt für mich nicht zu einer emanzipierten Frau, sich deswegen nur noch unter ihresgleichen aufzuhalten.

Keine Regel ohne Ausnahme

Allerdings gibt es da eine Ausnahme: Die Frauenzonen in der Badi. Und da bin ich mit meiner Meinung nicht allein. Denn sobald die Abschaffung dieser Frauenabteile in irgendeiner Badi in der Schweiz auch nur angedacht ist, regt sich Widerstand.

Warum?

Die Genderforscherin Fabienne Amlinger hat untersucht, weshalb geschlechtergetrennte Badebereiche auch heute noch ein Thema sind. Ihre Studien haben ergeben, dass sich Frauen da nicht nur sicherer fühlen, sondern auch entspannter.

Gerade in der Badi sind wir alle besonders exponiert, da wir halb nackt sind. Für Frauen gelten allerdings ganz andere Schönheitsideale als für Männer, und so können sich manche Männer – manchmal sind es allerdings auch Frauen – abschätzige Blicke oder gar abwertende Bemerkungen einfach nicht verkneifen.

Da liegt es auf der Hand, dass sich viele Frauen in der Badi wohler fühlen, wenn sie unter sich sind. Denn in den Frauenabteilungen gibt es einen stillschweigenden Konsens: Ganz egal, ob dick oder dünn, jung oder alt, schön oder hässlich – alle sind hier, weil sie das Wasser, die Sonne, den Sommer unbeschwert geniessen wollen. Und das ist gut so.

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