Max Simonischek: «Mir wurde erst danach bewusst, wie nah ich dem Sterben war»

Bruno Bötschi

18.5.2020 - 07:35

Max Simonischek über die Corona-Krise: «Ich hoffe, dass wir Menschen endlich darüber nachdenken, wohin uns der ganze Ökonomisierungswahn und die ständigen Sparmassnahmen führen sollen.»
Bild: ZDF/Michael Marhoffer

Er gilt als der schärfste TV-Kommissar: Max Simonischek. Der Schweizer Schauspieler («Zwingli») spricht über die Auswirkungen der Corona-Krise, verrät, wann er zum letzten Mal das Gesetz gebrochen hat und erzählt so offen wie selten über sein Familienleben.

Guten Tag Herr Simonischek.

Grüezi Herr Bötschi.

Hören Sie mich gut?

Einigermassen.

Wissen Sie, was wir heute am Telefon zusammen anstellen werden?

Ich habe eine Vorahnung. Sie wollen mir ganz viele Fragen stellen, und ich soll ganz schnell antworten.

Genau, wir machen heute ein Frage-Antwort-Spiel: Ich stelle Ihnen in der nächsten halben Stunde möglichst viele Fragen. Passt Ihnen eine Frage nicht, sagen Sie einfach ‹weiter›.

Alles klar.

Das Coronavirus hat vielen Menschen einen dicken Strich durch die Rechnung gemacht, Ihnen wahrscheinlich auch. Wissen Sie, wo Sie heute wären, wenn es die Pandemie nicht gäbe?

Ich stünde auf der Probebühne im Deutschen Theater Berlin, würde das Stück ‹Michael Kohlhaas› üben. Die Novelle von Heinrich von Kleist ist eine Koproduktion mit den Bregenzer Festspielen. Die Premiere war für den 28. Juli in Bregenz geplant.

Seit fast zwei Monaten hocken wir alle fast immer daheim …

… allerdings.

Wie beschäftigen Sie sich?

Mit Haushaltskram.

Zum Autor: Bruno Bötschi

«Bluewin»-Redaktor Bruno Bötschi spricht für das Frage-Antwort-Spiel «Bötschi fragt» regelmässig mit bekannten Persönlichkeiten. Bötschi hat viel Erfahrung mit Interviews. Für die Zeitschrift «Schweizer Familie» betreute er jahrelang die Serie «Traumfänger». Über 200 Persönlichkeiten stellte er dafür die Frage: Als Kind hat man viele Träume – erinnern Sie sich? Das Buch zur Serie «Traumfänger» ist im Applaus Verlag, Zürich, erschienen. Es ist im Buchhandel erhältlich.

Haben Sie in den letzten Wochen irgendwelche neue Hobbys gefunden oder alte Leidenschaften wiederentdeckt?

Nein. Aber statt im Studio zu trainieren, mache ich das jetzt daheim.

Wie, denken Sie, wird das Virus unsere Gesellschaft nachhaltig verändern?

Ich hoffe, dass wir Menschen endlich darüber nachdenken, wohin uns der ganze Ökonomisierungswahn und die ständigen Sparmassnahmen führen sollen. Es gibt keine Reserven, alles – vom Gesundheitswesen bis zum öffentlichen Verkehr – wird auf den letzten Drücker geplant und ausgedrückt.

Was wird man in 100 Jahren über das Jahr 2020 sagen: Was wird man loben? Was verurteilen?

Man wird sagen, es war ein Jahr der Krise. Es gab ein Davor und Danach. Wahrscheinlich wird man verurteilen, dass die Menschen trotzdem nicht die nötigen Konsequenzen gezogen haben, den Warnschuss nicht hören wollten.

Die Tageszeit, in der Sie am zuversichtlichsten sind?

Am Abend.

Typische Max-Simonischek-Worte gleich nach dem Aufstehen?

Ich bin müde.

Was ertragen Sie morgens ganz schlecht?

Lautstärke.

Woran erkennen Ihre Mitmenschen sofort, dass Sie schlechte Laune haben?

Ich bin dann ziemlich dünnhäutig und oft auch etwas abwesend.

Max Simonischek über das Jahr 2020: «Man wird sagen, es war ein Jahr der Krise. Es gab ein Davor und Danach.»
Bild: Fabian Schellhorn

Die Mutter Schauspielerin, der Vater Schauspieler – der Apfel fiel nicht weit vom Stamm. Wirklich wahr, dass Sie ursprünglich gar nicht Schauspieler werden wollten?

Sagen wir es so: Es braucht seine Zeit, bis ich dieses Ziel auch für mich selber so formuliert habe. Es gab also nicht irgendeinen magischen Moment, in dem ich realisierte: Jetzt weiss ich, was ich machen will.

Wer ist schuld, dass Sie trotzdem Schauspieler geworden sind?

Das muss ich mir selber auf die Fahne schreiben respektive mich an der eigenen Nase nehmen. Von Schuld zu sprechen finde ich übrigens durchaus angemessen, aber wie gesagt: Ich bin der Täter, niemand anders sonst.

Wer war der erste Mensch, der Ihnen davon abgeraten hat, Schauspieler zu werden?

Meine Mutter und mein Vater haben mir mehr oder weniger zeitgleich davon abgeraten.

Warum?

Weil beide wissen, wie unglücklich man in diesem Beruf werden kann.

Und wie unglücklich sind Sie?

Ich darf mich glücklich schätzen, dass ich zur Minderheit von Schauspielerinnen und Schauspielern gehöre, die von ihrem Beruf leben können.

Wer ist schuld daran, dass Sie heute Montag, 20.15 Uhr, beim ZDF, den Kommissar Lukas Laim mimen?

Das geht auch auf meine Kappe.

Nach dem ersten Laim-Film ‹Die Tote ohne Alibi› wurde Ihre Figur von den Medien zum schärfsten Bullen im TV gekürt. Wie gefiel Ihnen dieser Titel?

Die Medien arbeiten oft mit Superlativen. Ich würde jedoch lieber nach inhaltlichen Gesichtspunkten kritisiert werden. Nicht zuletzt auch deshalb, weil wir uns mit ‹Laim› von anderen Krimiseren deutlich absetzen.

Welchen Titel würden Sie über ein Porträt von Kommissar Laim stellen?

Lukas Laim – im Schmerz geboren.

Was unterscheidet Lukas Laim von den zahlreichen anderen TV-Kommissarinnen und -Kommissaren?

Unsere Geschichte wird in einem ordentlichen Tempo erzählt. Es gibt eine eigene, mutige und artifizielle Bildsprache, die schon fast Comic-mässig ist. Und die Hauptfigur, also ich, spreche sehr wenig.



Das erste Laim-Abenteuer wurde 2012 ausgestrahlt, dann dauerte es fünf Jahre bis zum zweiten. Warum diese lange Pause?

Gut Ding braucht Weile. Und weil ich immer gesagt habe, wenn ich den zweiten Laim drehe, muss er besser sein als der erste.

Laim ist ein Kommissar mit einem Hang zu Affären. Pflegen Sie das Image des Womanizers auch im dritten Fall, der den Titel ‹Laim und der letzte Schuldige› trägt?

Ich finde ehrlich gesagt, das mit dem Womanizer ist ein Attribut, das überhaupt nicht stimmt. Laim geht es nicht darum, möglichst viele Frauen flachzulegen, sondern er sucht eine Beziehung, in der er sich spürt, in der er das Leben wahrnehmen kann. Bisher hat das bei ihm nur im Beruf funktioniert, im Privaten hingegen nicht. Laim macht zwar hin und wieder Frauen Avancen, aber es klappt fast nie. Und so viel darf ich verraten: Im Februar haben wir die vierte Laim-Folge in München abgedreht, und da landet Laim schlussendlich wieder bei Prostituierten.

Mir scheint, die Sexismusdebatte #MeToo ist an Kommissar Laim spurlos vorbeigegangen. Wahr oder nicht?

Nicht wahr. Es gibt immer noch das Gegenüber, dass die Avancen eines Womanziers mit einem ‹Nein› im Keim ersticken kann.

Muss ein Provokateur sein, wer ein guter Schauspieler sein will?

Nein. Man muss eher Pionier sein und eine Kultur des Scheiterns ins sich tragen.

Max Simonischek über seine Rolle als TV-Kommissar Lukas Laim (links): «Ich finde ehrlich gesagt, das mit dem Womanizer ist ein Attribut, das überhaupt nicht stimmt.»
Bild: ZDF/Michael Marhoffer

Hatte Ihre Frau eigentlich ein Mitspracherecht bei der Rollenauswahl?

Sie hat ein Mitspracherecht, aber kein Veto.

Sie sind Vater einer zweijährigen Tochter: Haben Sie wegen ihr schon mal eine Rolle ausgeschlagen?

Ja.

Was möchten Sie Ihrer Tochter später mit auf den Weg geben?

Soziale Intelligenz.

Was lieber nicht?

Das ergebnisorientierte Denken.

Ab 2021 löst in der Schweiz ein neues ‹Tatort›-Duo Mordfälle – hätte Sie dieser Job auch interessiert?

Ich habe ja bereits einen schöne Kommissar-Job und würde deshalb sagen: Damit bin ich gut bedient.

Die Verantwortlichen vom Schweizer Fernsehen haben Sie nicht angefragt, ob Sie als ‹Tatort›-Kommissar ermitteln möchten?

Nein.



2019 fand hierzulande Ihr Auftritt im Historienfilm ‹Zwingli› viel Beachtung. Wie sieht es aktuell mit Rollenangeboten aus der Schweiz aus?

Seit ‹Zwingli› ist, ehrlich gesagt, nichts mehr passiert. Es gab seither keine Anfrage mehr aus der Schweiz.

Welchen Ihrer Filme sollte ich mir unbedingt noch ansehen?

Die ‹Matthäuspassion› unter der Regie von Richard Blank.

Haben Sie sich für eine Rolle auch schon viele Kilos angefressen oder ganz viel abgenommen – so wie etwa Matthew McConaughey oder Jared Leto?

Für eine Rolle nicht, dafür sind sie zu schlecht bezahlt (lacht). Aber privat habe ich mir in den letzten Jahren immer wieder mal ein paar Kilos zu viel angefressen.

Welches war Ihre bisher krasseste äussere Veränderung für eine Rolle?

Für den Film ‹Hindenburg› musste ich mir ziemlich viele Muskeln antrainieren. Leider ist das schon lange her und deshalb sieht man nichts mehr davon.

Wer war der bisher krasseste Regisseur, mit dem Sie zusammengearbeitet haben?

Ich nenne es nicht krass, sondern konsequent – die beiden Theaterregisseure Armin Petras und Andreas Kriegenburg.

Sind Sie gut im Entschuldigen?

Ja, wenn es gerechtfertigt ist.

Wann verbrachten Sie zuletzt einen schönen Abend im Kino?

(Lacht) Da muss ich kurz nachdenken. Das ist schon einige Zeit her – wahrscheinlich die ‹Zwingli›-Premiere 2019 in Zürich.

Seither sind Sie nicht mehr im Kino gewesen?

Doch, doch, aber Sie haben ja nach dem letzten schönen Abend gefragt (lacht).

Popcorn oder Chips?

Popcorn, salzig, nur salzig.

Wie bringt man quatschende Menschen vor einem zum Schweigen?

Auf die Schulter klopfen und nett ‹Bitte Ruhe› sagen.



Ihre erste grosse Leinwandliebe?

Die ‹Turtles› im Film ‹Teenage Mutant Ninja Turtles›.

Gibt es Filme – ob Kino oder TV – die Sie mehr als zehnmal gesehen haben?

Nein.

Welchen Film haben Sie bisher am meisten gesehen?

‹Ladri di biciclette› von Vittorio de Sica.

Welches Buch hat Ihr Leben besonders stark beeinflusst?

Ich würde sagen … äh … da muss ich kurz überlegen … ‹Das Dschungelbuch›.

Und welcher Charakter aus ‹Dschungelbuch›?

Balu, der Bär.

Schauen Sie Ihre eigenen Filme immer wieder gern an?

Ich habe kein Problem damit, aber ich schaue sie nicht immer wieder oder sogar ständig an. Je länger desto mehr merke ich zudem: Ich habe mehr Spass beim Machen, als beim Zuschauen. Ehrlich gesagt, es gibt sogar einige Filme, bei denen ich mitgespielt habe, die ich bis heute noch nie an einem Stück gesehen habe.

Wonach suchen Sie als Schauspieler?

Nach dem Scheitern.

Sind Sie besser, wenn ein Regisseur sie quält? Oder wenn Sie quälen?

Weder noch.

Max Simonischek (am Sechseläuten 2019 in Zürich) über das Schauen von eigenen Filmen: «Ich habe mehr Spass beim Machen, als beim Zuschauen.»
Bild: Keystone

Wie schaffen Sie es, dass auf der Bühne oder während Dreharbeiten auf Befehl die Tränen fliessen?

Das kann ich nicht.

Und wenn Ihre Rolle Tränen verlangt?

Das funktioniert, aber nicht auf Befehl. Und wenn gar nichts geht, gibt es immer noch Menthol oder Tigerbalsam. Das hilft garantiert.

Und in Realität: Können Sie gut weinen?

Das kommt vor. Aber was heisst schon gut weinen? Ich habe mich noch nie für meine Tränen geschämt.

Mit welchem zeitgenössischen männlichen Schauspieler würden Sie sich bei einer Sexszene am wohlsten fühlen?

Mit Anatol Taubman.

Wieso gerade mit ihm?

Weil er mein Freund ist.



Hat die Schauspielerei – abseits vom guten Verdienst – noch andere gute Seiten?

Das mit dem guten Verdienst ist eine schamlose Unterstellung (lacht) Ihrerseits, aber mir fallen schon noch einige gute Seiten ein.

Welche?

Als Schauspieler kann ich Dinge ausleben, die ich privat nicht leben kann. Und ganz wichtig: Ich kann mit vielen interessanten Menschen arbeiten.

Manchmal Existenzängste?

Ein grosses Wort. Ich würde sagen, Existenzangst habe ich nicht.

Wird man das als Schauspieler nie los, dass man eigentlich nichts kann?

Nein, das wird man nie los – und es ist ja auch eine Tatsache (lacht).

Sie können reiten, Eishockey und Tennis spielen, fechten, segeln, Ski fahren und Eiskunstlaufen. Und zu Ihren Hobbys gehört auch das Ukulele spielen. Gibt es auch Dinge, die Sie absolut und überhaupt nicht können?

All diese Dinge, die Sie jetzt gerade aufgezählt haben.

Sie können diese Dinge, aber alle nicht gut?

Das können Sie so sehen, wie Sie wollen. Die Frage ist ja immer: Was heisst schon Können – und mit wem vergleiche ich mich? Bei mir ist es so: Das Perfekte hat mich noch nie interessiert.

Wie viele Reisepässe besitzen Sie?

Einen.

Welchen?

Den Schweizer Pass. Die Österreicher haben mir den ihren vor einigen Jahren weggenommen. Sie sagten, entweder den Schweizer oder den österreichischen Pass.

Heimat, was bedeutet das für Sie?

Europa.

Wirklich wahr, dass Sie mit Frau und Tochter demnächst in die Schweiz ziehen wollen?

Es stimmt, wir waren vor einem Jahr kurz davor, in die Schweiz zu ziehen. Aber nun gab es eine Planänderung.



In der ‹Schweizer Illustrierte› sagten Sie vor einem Jahr: ‹Ich möchte mein Kind nicht in Berlin-Neukölln grossziehen, wo man alle paar Meter um einen Euro angeschnorrt wird. Im Gegensatz zu früher geht mir das heute schon manchmal auf die Nerven.›

Es ist nach wie vor so, dass ich nicht möchte, dass unsere Tochter in Neukölln aufwächst. Aber in die Schweiz kommen wir nicht. Denn entgegen Ihrer vorher erwähnten These, dass Schauspieler gut verdienen, reicht mein Gehalt nicht, um in Zürich leben zu können.

Demnach ziehen Sie innerhalb von Berlin um?

Nein, wir bleiben nicht in Deutschland.

Verraten Sie, wohin Sie gehen werden?

Ach … es ist noch nicht ganz sicher. Und bevor ich etwas rauslasse und es dann nicht stimmt … okay, ich sage es: Wir ziehen nach Tirol.

Wer weiss, dann schenken Ihnen die Österreicher vielleicht wieder den Pass?

Das wäre ja was … aber ernsthaft: Nein, der Zug ist definitiv abgefahren.

Was fühlen Sie, wenn Sie die Schweizer Nationalhymne hören?

Mit Hymnen, egal welcher, verbinde ich nicht viele Emotionen. Wenn die Schweizer Hymne erklingt, denke ich manchmal an die Fussball-Nati.

Was denken Sie, wenn die österreichische Hymne erklingt?

Wie gesagt: Hymnen sagen mir nicht viel. Anders geht es mir, wenn ich mit dem Zug in Zürich am Bahnhof ankomme, dann erinnere ich mich an meine Kindheit.

Ihre Lieblings-Bahnlinie in der Schweiz?

Das Tram Nummer 9 in Zürich.

Ihre Lieblings-Jahreszeit?

Herbst – weil ich möglicherweise einen morbiden-melancholischen Hang zur Romantik habe.

Max Simonischek über die Schweizer Hymne: «Mit Hymnen, egal welcher, verbinde ich nicht viele Emotionen. Wenn die Schweizer Hymne erklingt, denke ich manchmal an die Fussball-Nati.»
Bild: Getty Images

Ihre Erklärung, warum die Schweiz keine Stars, sondern nur Cervelat-Prominente hat?

(Lacht) Eine lustige Frage, die mir bisher noch nie gestellt wurde. Ich habe deshalb dazu auch noch keine Meinung … äh, hm … aber mit dem Schauspieler Bruno Ganz hatte die Schweiz doch einen grossen Star … sorry, ich brauche mehr Zeit, um mir Gedanken über diese Frage zu machen.

Ihr Lieblingsrestaurant?

Die ‹Kronenhalle› in Zürich.

Bratwurst oder Currywurst?

In Zürich Bratwurst, in Berlin Currywurst.

Haben Sie ein schlechtes Gewissen, wenn Sie den Teller nicht leer essen?

Im Gegenteil.

Wie meinen Sie das?

Es kommt nicht vor, dass ich den Teller nicht leer esse, eher passiert es, dass ich den Teller meines Gegenübers auch noch leer esse.

Das sieht man aber nicht.

Danke – daran ist mein Fitnesstraining schuld.

Und bitte noch eine Beichte: Wann waren Sie das letzte Mal so richtig schön betrunken?

Im Februar bei den Dreharbeiten zum vierten ‹Laim›-Krimi in München.

Am Ende der Dreharbeiten oder zwischendrin?

Immer mal wieder (lacht).

Wann haben Sie das letzte Mal das Gesetz gebrochen?

Ich muss ja nicht sagen, wie und warum ich das Gesetz gebrochen … am letzten Wochenende war es.

In wenigen Worten – was ist das Beste in Zürich?

Der Sommer mit dem See.

Und was das Beste in Berlin?

Der Sommer ohne See.

Eine überraschend gute Seite an den Schweizern?

Pünktlichkeit … Stopp, das ist ja nicht überraschend … ähm … – dass die SVP im Jahr 2030 so gut wie keine Rolle mehr spielen wird.

Eine schlechte Seite der Schweizer?

Dass Schweizer sich so schwertun, Filme zu drehen, die auch ausserhalb des Landes von Bedeutung sind.



Gibt es einen Menschen, zu dem Sie einen speziellen Draht haben?

Das wäre ja schrecklich, wenn dem nicht so wäre.

Wann haben sie sich zum letzten Mal einsam gefühlt?

Sie meinen nicht allein sein, sondern einsam. Ich gehe regelmässig wandern, und wenn ich dann auf dem Berg in der Hütte übernachte, war ich schon öfters allein und einsam. Ich finde das ab und zu ganz angenehm.

Hatten Sie je Todesangst?

Ich war schon einmal in Lebensgefahr, aber Todesangst hatte ich nicht.

Das müssen Sie erklären.

Mit einem Kollegen zusammen segelte ich über einen zugefrorenen See und rutsche dabei in eine Spalte. Das hätte tödlich enden können. Aber weil alles so schnell passiert ist und wir schon nach ganz kurzer Zeit wieder draussen waren, hatte ich gar keine Zeit, um Todesangst zu entwickeln. Mir wurde erst danach bewusst, wie nah ich dem Sterben war.

Haben Sie einen Organspende-Ausweis?

Nein.

Früchten Sie sich vor dem Tod?

Nein.

Wollen Sie auf der Bühne sterben?

Bitte nicht.

Max Simonischek über sein Handy: «Ich habe kein Verhältnis mit einem iPhone, ich besitze keines. Ich besitze ein Android-Modell. Aber nur noch bis Mitte Juni. Danach steige ich auf ein Handy um, mit dem ich nur telefonieren und SMS schreiben kann.»
Bild: Keystone

Zum Schluss noch einige Glaubensfragen: Sind Sie ein Naturmensch?

Ja. In der Natur finde ich zur Ruhe, und ich kann Kraft schöpfen. Ich glaube übrigens auch daran, dass die Natur sich durch die Corona-Pandemie an uns Menschen rächt.

Ein iPhone?

Ich habe kein Verhältnis mit einem iPhone, ich besitze keines. Ich besitze ein Android-Modell. Aber nur noch bis Mitte Juni. Danach steige ich auf ein Handy um, mit dem ich nur telefonieren und SMS schreiben kann. Ich will, um auf den Anfang unseres Gespräches zurückzukehren, aus der Corona-Krise etwas lernen und mein Leben entschleunigen. Ich bin überzeugt davon, dass uns Menschen das Smartphone viel Zeit raubt, während der wir andere und schönere Dingen tun könnten.

Bundeskanzlerin Angela Merkel?

Sie macht einen guten Job. Ich fand, dass Sie die Flüchtlingskrise 2015 gut gelöst hat. Und auch ihren Umgang mit der Corona-Pandemie finde ich gut.

Bundesrat Alain Berset?

Fachlich kenne ich ihn zu wenig, weil ich schon seit Jahren in Berlin lebe. Ich habe Herr Berset mehrmals reden gehört und fand ihn sympathisch und eloquent. Einmal bin ich auch persönlich auf ihn zugegangen und habe ihm gesagt, er sei ein ausserordentlich guter Redner.

Gott?

Der macht auch einen guten Job.

Falls Ihr Leben verfilmt wird, welcher Schauspieler soll die Hauptrolle spielen?

Anatol Taubman.

Warum er?

Weil er ein Freund von mir ist (lacht).

Würde Anatol Taubman nicht die nötige Distanz zu Ihnen fehlen?

Vielleicht – aber ich würde ihm die Rolle gönnen.

Weil Sie so ein spannendes Leben führen?

Anatol kann Stutz brauchen, er muss eine Familie ernähren. Und wie gesagt: Wir Schauspieler verdienen nicht so gut, wie Sie geglaubt haben.

Tönt ganz nach Sauhäfeli-Saudeckeli.

Genau.

Noch mehr «Bötschi fragt»-Gespräche finden Sie unter diesem Link.

Den «Bötschi fragt» - Newsletter abonnieren

Coco – der Engel aus Bern, den die Welt nicht verstand

Zurück zur Startseite