Guilty Pleasures der blue News Redaktion«Nicht einmal meinen Feinden würde ich diesen Albtraum servieren»
Bruno Bötschi
2.2.2026
Sie ist wahrscheinlich der mit Ananas und Schinken belegte Albtraum von vielen Pizzaiolos. Doch was für viele Italiener*innen eine Beleidigung der Pizzakultur darstellt, ist für andere Menschen ein Genuss.
Bild:IMAGO/Manfred Segerer
Vom «Burger für Arme» über Nutella mit Grissini zu Mayo direkt ab Tube: Fünf blue News Redaktor*innen erzählen von ihren Guilty Pleasures – und verraten, warum sich dafür (nicht) schämen.
Redaktion blue News
02.02.2026, 18:17
03.02.2026, 14:08
Bruno Bötschi
Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen
«Guilty pleasures» ist der englische Begriff für Vorlieben, denen einige Menschen lieber unter Ausschluss der Öffentlichkeit frönen.
Vor allem im kulinarischen Bereich gibt es Kombinationen, für die sich manch eine*r ein bisschen schämt, die ihr oder ihm insgeheim aber gutes Bauchgefühl bereiten.
Fünf blue News Redaktor*innen verraten ihre Guilty Pleasures.
Dank der englischen Sprache gibt es einen Begriff für all das, wofür sich manche Menschen heimlich schämen: Pizza Hawaii, Cervelat mit Mayonnaise, oder Käse und Konfitüre auf einem Stück Brot.
Das Verschmähte, das wir trotzdem lieben, nennt sich «guilty pleasure» – übersetzt heisst das so viel wie «schuldiger Genuss». Das sind alles Lebensmittel, die uns Freude bereiten, obwohl wir wissen, dass wir es besser lassen sollten.
Fünf blue News Redaktor*innen verraten, welchen Guilty Pleasures sie einfach nicht widerstehen können.
Haltbarer Burger für Arme – oder: Das fragwürdige Gericht, das nicht mal meine Feinde essen müssen
«Wer schon einmal am Existenzminimum gelebt hat, weiss zwei Dinge: Mit etwas Kreativität lässt sich selbst aus den seltsamsten Vorratsschrank-Zutaten ein passables Essen zaubern.
Und: Über Geschmack lässt sich hervorragend streiten – besonders dann, wenn man der Diskussion ohnehin nicht ausweichen kann.
Aus meiner Studienzeit ist mir eine ganz spezielle Kombination geblieben: getoastetes Toastbrot aus dem Tiefkühler (monatelang haltbar!), dazu Konservenfleisch, in dicke Scheiben geschnitten (Mindesthaltbarkeitsdatum: zwei Jahre), serviert als Sandwich mit einer Schicht Mayonnaise dazwischen.
In den Jahren danach durfte ich mir regelmässig anhören, wie ungesund dieses Gericht sei – und mit welchen wüsten, historisch schwer belasteten Begriffen Konservenfleisch in einer von Rassismus geprägten Armee bis heute noch bedacht wird.
Wenn der Kühlschrank leer ist, liegt meist irgendwo noch eine Fleischkonserve herum.
Bild:Petar Marjanović
Für mich blieb es dennoch der ‹haltbare Burger für Arme›, auf den ich zurückgreife, wenn vom Monatslohn noch viel Monat, aber wenig Lohn übrig ist.
Das Gericht lässt sich übrigens problemlos variieren – etwa mit anderen fragwürdigen, fleischigen Zutaten wie dem ‹panierten, tiefgekühlten Pouletfleischerzeugnis› (aka: frittierte Fertig-Pouletschnitzel) oder dem ‹Hackbraten aus der Konserve› (siehe Bild).
Servieren würde ich das alles nicht einmal meinen grössten Feinden. Bei solchen Guilty Pleasures möchte ich mir meine Kindheits- und Studienerinnerungen jedenfalls nicht durch Grundsatzdiskussionen verderben lassen.»
Meine italienische Familie dreht durch – aber ich liebe japanische Mayo mit Crackers und Rührei mit Sriracha-Sauce
«Ich nenne mich gern Gourmet – schuld daran sind wohl meine italienischen Gene. Meine Nonna Giovanna zauberte die besten Tagliatelle al Ragù weit und breit in Rom. Wenn sie wüsste, was ich für Guilty Pleasures entwickelt habe, würde sie wahrscheinlich durchdrehen.
Denn hin und wieder gönne ich mir auch einmal etwas, das nicht gerade Gourmet-verdächtig ist.
Meine zwei Guilty Pleasures? Japanische Mayo mit einem Schuss Wasabi auf Crackers. Mamma mia, ist das hässlich, wirst du dir jetzt denken. Aber ich sage: Probier es einfach aus – du wirst es lieben.
Guilty Pleasure Nummer zwei: Rühr- oder Spiegelei mit Sriracha-Sauce. Das ist ein mega interessanter Twist für den Gaumen.»
«Fischstäbli? Herdöpfelstock? Spinat? Normalerweise würdest du das wahrscheinlich so essen – brav getrennt. Wenn überhaupt.
Nur: Was ist denn bitteschön schon normal?
Z'Phil Fischstäbli: Vorher ...
Bild:Philipp Dahm
Und: Geschmäcker sind ja bekanntlich verschieden. Zugegeben: Aussehen tut es nun wirklich nicht besser. Aber …
… wenn du die Fischstäbli mit der Gabel brutal zermanscht und das Ganze ordentlich durchmischt, schmeckt die Nummer eine Zillion mal besser.
... nachher.
Bild:Philipp Dahm
Eine herrliche Masse, in der die Panade-Stücke den Gaumen wie Croûtons erfreuen, während eine nussige Gemüse-Note mit einem Hauch von Fisch breiig den Gaumen kitzelt.
Nutella mit Grissini – früher Sucht, heute durch Besseres ersetzt
«Ob nach dem Ausgang, am Nachmittag als Snack oder kurz vor dem Leichtathletik-Training: Grissini mit Nutella waren mein Must-have als Teenie.
Das Schlimmste daran: Einmal angefangen, konnte ich einfach nicht mehr aufhören. Und waren die Grissini alle? Kein Problem – ich löffelte das Zeug einfach bis zum letzten Rest. Nuttelasüchtig, würde ich sagen.
Irgendwann versteckte meine Mutter die Nutella-Gläser – ich fand sie trotzdem immer. Mein Vater schenkte mir zu Weihnachten aber dann wieder ein Fünf-Liter-Glas … und obendrauf ein Fitnessabo.
Und heute? Seit Jahrzehnten rühre ich Nutella nicht mehr an. Ich habe längst Alternativen (zum Beispiel ‹Nocciolata Senza Latte› von der Migros) gefunden, die Nutella nicht nur ersetzen, sondern übertreffen.»
«Ich liebe Mayonnaise über alles. Als Kind hätte ich damit am liebsten alle Lebensmittel bestrichen. Mein liebstes Zvieri war einst: Thomy Mayonnaise direkt aus der Tube.
Als Kind hätte blue News Redaktor Bruno Bötschi damit am liebsten alle Lebensmittel bestrichen: Mayonnaise aus der Tube.
Bild:Bruno Bötschi
Mayo aus der Tube – für manche ein Graus. Ich hingegen muss heute noch höllisch aufpassen, beim samstäglichen Wocheneinkauf nur alle paar Monate eine Tube zu erstehen.
Mehr geht wirklich nicht – sonst passiert, was früher regelmässig geschah: Ein riesiges Stück St.-Galler Bauernbrot grossflächig beschmiert mit Thomy verschwand im Nu in meinem Bauch. Oft folgte gleich ein zweites, manchmal sogar ein drittes oder viertes ...
Und wenn ich schon dabei bin, hier noch ein liebevoller Tipp für andere kulinarische Tiefflieger*innen: Ich finde, wir sollten uns für nichts Essbares schämen, das uns Freude bereitet.»