Patrick Frey: «Politiker sind manchmal im Denken behindert»

3.1.2019 - 00:00, Bruno Bötschi

Patrick Frey über Donald Trump: «Hm … was könnte man da noch sagen? Höchstens noch: Es gibt nichts mehr zu sagen zu Herrn Trump – ausser, dass er in den Knast müsste.»
Bild: zVg

Komiker Patrick Frey outet sich als grosser Fan von Angela Merkel, sagt, welche Schweizer Politiker er nicht mag und erklärt, warum er oft Mühe mit PR-Beratern hat.

Zürich, im Büro von Patrick Frey, kurz nach fünf Uhr: Die Proben haben an diesem Nachmittag länger gedauert, deshalb hat sich Frey um ein paar Minuten verspätet.

Auf seinem Pult steht eine Antidepressionslampe. «Sie ist auf der niedrigsten Stufe eingestellt», sagt Frey und lacht. Hoppla! Ist da jemand nervös?

Viel Papier liegt auf dem Pult, ein Perserteppich auf dem Boden. Er sieht aus wie im Fernsehen (gut gekleidet, dunkler Anzug, Hemd, keine Krawatte).

Frey stellt Frage um Frage. Er will sofort auf unverschämt gute Laune machen. –  Stop! Jetzt ist der Journalist an der Reihe, mit noch mehr Fragen zu Humor, zur Politik, der Welt und Freys neuestem Theaterstück.

Herr Frey, ich stelle Ihnen in den nächsten 30 Minuten möglichst viele Fragen und Sie antworten möglichst schnell und spontan. Passt Ihnen eine Frage nicht, sagen Sie einfach «weiter».

Okay – und diese Fragen drehen sich um mich generell, unser neues Theaterstück oder Politik im Allgemeinen?

So ist es.

Kaffee?

Nein, lieber Wasser. – Geld oder Liebe?

Liebe … Liebe!

Schnaps oder Bier?

Schnaps.

Grünliberale oder Grüne?

Grüne.

2011 sagten Sie in einem Interview: «Ich wähle jung, weiblich und grün.» Stimmt das heute immer noch?

Ja. Das Attribut «jung» war ironisch gemeint. In der Politik spielt das Alter keine Rolle. Junge Leute sind nicht gescheiter als alte, aber sie denken anders. Und das ist gut so. Tatsächlich glaube ich, dass «weiblich» und «grün» die vielversprechendste Kombination ist.

Sind junge Leute witziger?

Humor hängt nicht vom Alter ab.

Waren Sie schon immer politisch interessiert?

Unterschiedlich. Ab und zu sehr, manchmal weniger, hin und wieder gar nicht.

Patrick Frey über Angela Merkel: «Sie ist schlau, intelligent, gründlich, sichert sich gut ab und schafft Koalitionen. Ich meine, wie sie jetzt Annegret Kramp-Karrenbauer als Bundesvorsitzende der CDU durchgebracht hat, das war nahezu genial.»
Bild: zVg

Wer ist die grösste Nervensäge bei der SVP?

Herr Rösti.

Wer nervt bei der SP?

Mario Fehr.

Wer ist die coolste Politikerin der Schweiz?

Chantal Galladé.

Wird Ihnen immer schlecht, wenn Politiker von «den Menschen» reden?

Mir wird öfter schlecht, wenn Politiker reden – nicht nur, wenn sie von «den Menschen» reden.

Sie sind Kabarettist, Schauspieler und Verleger.

Das stimmt ungefähr. Kabarettist ist ein merkwürdiger Ausdruck. Ich möchte ihn lieber nicht mehr hören.

Komiker?

Komiker ist okay.

Haben Sie mehrere Jobs, weil Sie sich nicht gern festlegen?

Entscheidungen machen unglücklich, das sagte schon der dänische Philosoph Søren Kierkegaard. Wer sich festlegen muss, macht es auf Grund eines Druckes oder unter irgendwelchen Zwängen. Ich glaube, es ist nur menschlich, sich möglichst lange nicht festzulegen. Sich nicht festlegen zu müssen, ist ein Luxus, der vergleichbar ist mit dem Luxus, Zeit zu haben. Und darum sage ich: Ja, gern, ich lege mich weiterhin nicht fest und will weiter nachdenken, will weiter Fragen stellen, bevor ich mich festlegen werde.

Er: natürlich ein ausgezeichneter Redner. Das Gespräch bis hierher – schnell, erfrischend, direkt, kein Papperlapapp – hat acht Minuten gedauert. Er wirkt amüsiert, konzentriert, locker. Topform. Die Nervosität scheint wie weggeblasen.

Warum nicht Bundesrat werden?

Ich habe es einmal als Kandidat versucht – 2003 in der Fernsehsendung «Victor's Spätprogramm». Ich bekam sogar einige Stimmen von der Vereinigten Bundesversammlung. Aber ehrlich gesagt, ich wüsste nicht, was ich im Bundesrat anrichten sollte – ausser Schaden.

So grundsätzlich: Ist ein Regierungssystem mit Opposition für Komiker lustiger als eine Konkordanzregierung?

Vermutlich ist es lustiger – aber ich finde eine Konkordanzregierung zehnmal besser als ein Oppositionssystem. Deshalb kann ich auch mit diesem Verlust an Humor gut leben. Politiker sind ja grundsätzlich immer ein bisschen Witzfiguren, weil sie Macht haben und man sie deshalb gut ins Lächerliche ziehen kann.

Gibt es etwas Trostloseres als einen Politiker, der keine Lust mehr hat?

Menschen, die man gut kennt und keinen Bock haben, sind noch trostloser.

Wer ist der beste Witzlieferant der Schweizer Politik?

Im Moment ist das noch Johann Schneider-Ammann, aber er ist ja jetzt abgetreten. Er machte als Bundesrat viele lustigen Sachen. Allein schon wenn ich seinen Namen auf der Bühne erwähne, fängt das Publikum an zu lachen.

Ihre Meinung zu Angela Merkel?

Ich bin ein grosser Fan von Frau Merkel – und mit jedem Tag ein noch grösserer. Mit dem Merkel-Bashing habe ich Mühe. Ich fand die deutsche Bundeskanzlerin schon immer super, und die Flüchtlingsfrage hat mich in meinem Urteil nur bestätigt. Auch wenn der Entscheid im Nachhinein einige Probleme mit sich brachte: Langfristig wird dies die genialste Tat der letzten 20 Jahre in der deutschen Politik gewesen sein.

Ihr Kommentar zu Donald Trump?

Hmmm … was könnte man da noch sagen? Höchstens noch: Es gibt nichts mehr zu sagen zu Herrn Trump – ausser, dass er in den Knast müsste.

Wer ist besser in der politischen Arbeit, Frauen oder Männer?

Die Männer haben einige Probleme: Ihr Ehrgeiz, ihre Impulsivität, das überstürzte Handeln und das Immer-der-Erste-sein-wollen hindern sie öfters daran, gute, pragmatische Politiker zu sein. Ganz im Gegensatz zu Frauen wie Angela Merkel: Sie ist schlau, intelligent, gründlich, sichert sich gut ab und schafft Koalitionen. Ich meine, wie sie jetzt Annegret Kramp-Karrenbauer als Bundesvorsitzende der CDU durchgebracht hat, das war nahezu genial. Das ist die Politik einer Frau, das ist richtig gut. Aber es gibt auch sehr gescheite Männer, die der Politik viel Gutes gebracht haben und bringen. Natürlich kann man benennen, was den Männern hin und wieder in den Weg kommt. Nur, den Frauen kommen vielleicht andere Dinge in den Weg. Das weiss ich aber nicht, weil ich keine Frau bin.

Wann fühlten Sie sich zuletzt in Ihrer Männlichkeit angegriffen?

(Lacht) In meiner Männlichkeit habe ich mich, ehrlich gesagt, noch nie angegriffen gefühlt. Oder doch? Vielleicht wenn ich beim Sex versagt habe, aber dann fühlte ich mich durch mich selber angegriffen.

Wären Sie gern einmal für einen Tag eine Frau?

Sehr gern. Ich wäre noch vieles gern einen Tag lang – manchmal auch zwei Tage oder sogar drei (lacht schallend).

Ihr neues Theaterstück, das Sie gemeinsam mit Katja Früh geschrieben haben, heisst «Sei kein Mann!». Ist das – nach der Sexismusdebatte MeToo – ein weiterer Schlag ins Gesicht der Männer?

Es ist eher ein Fazit der letzten Jahre, in denen die Männer manch einen Schlag einstecken mussten. Unser Theaterstück zieht seine Komik aus dem, was die Männer in letzter Zeit verwirrt hat. Sie fühlen sich deshalb oft alleingelassen und orientierungslos. In unserem Stück kommt wunderbar zum Ausdruck, dass die Männlichkeit in unserer Gesellschaft weniger klar definiert ist als die Weiblichkeit. Das sieht man sehr gut in den diversen real existierenden Matriarchaten, zum Beispiel im Fernen Osten. Dort haben die Männer eine komplett andere Rolle inne als bei uns – und sind trotzdem glücklich. Sie singen und tanzen, schreiben Gedichte, spielen Flöte, fahren mit dem Töffli herum, haben keine Macht, müssen nicht ins Militär und fühlen sich trotzdem wohl. Das heisst, das Mannsein wird je nach kulturellem Kontext neu definiert. In unserer Gesellschaft hingegen spürt der Mann instinktiv, er muss sich aktiv definieren. Eine Lösung dafür war lange Zeit der Macho-Typ. Das funktioniert heute aber nicht mehr. Deshalb suchen die Männer nach neuen Positionen.

Der Speed lässt etwas nach, die Antworten von Frey werden immer länger. 

Ihr Stück ist eine Wahlkampfkomödie: Ein Kandidat soll gerettet werden, indem er weiblicher gemacht wird.

Es ist ein Berater-Irrsinn. Der Kandidat hat kein Profil, zusätzlich ist er grünliberal. Das heisst, er unterscheidet sich nicht von der linken FDP oder von den rechten Grünen. Im Stück verschaffen wir ihm als Berater zuerst ein extrem männliches Profil, um ihn gegen seine Konkurrentin zu positionieren. Aber dann vermasselt der Kandidat dies und wir versuchen, ihn in einen smarten Politiker umzuwandeln – à la Justin Trudeau, den kanadischen Premierminister. Diesen Change vermasselt dann der Berater, also ich. Als letzte Lösung will meine Partnerin der Agentur (Esther Gemsch, Anmerk. der Redaktion) den Kandidaten mit weiblichen Attributen ausstatten, weil seine Konkurrentin als wenig weiblich, sehr ehrgeizig, kühl und karrierebewusst gilt. Am Ende wird der feminisierte Mann gewählt – und trotzdem geht alles schief.

Warum?

Der Mann vermasselt seine Siegesrede, weil er glaubt, er wisse und könne alles besser, selbst das Frausein.

«Sei kein Mann!» – in der Wahlkampfkomödie von Katja Früh und Patrick Frey wirken neben Frey selber Lisa Bärenbold, Esther Gemsch und Pit Arne Pietz mit.
Bild: zVg

So grundsätzlich: Was halten Sie von der PR-Branche?

Wenig. Viele Fernsehleute wechseln später im Leben in die Kommunikation. Oft endet das peinlich. Kürzlich gab der ehemalige TV-Moderator Patrick Rohr, heute ebenfalls als Kommunikationsberater tätig, in der Sendung «Glanz & Gloria» ein Statement über die Bundesratskandidatinnen ab. Er sagte Sätze ohne Tiefe, ohne Intelligenz. Jeder zweite Mensch auf der Strasse hätte ein solches Statement abgeben können. Aber natürlich gibt es auch geniale PR-Leute.

Wie oft in Ihrem Leben haben Sie einen PR-Berater engagiert?

Noch nie (lacht).

«Gebt mir eine Million, und ich mache aus jedem Kartoffelsack einen Bundesrat.» Diesen legendären Satz soll Rudolf Farner, der Gründer der gleichnamigen PR-Agentur, gesagt haben.

Rudolf Farner war eine Wildsau und gleichzeitig ein grosses Kaliber. Ich weiss nicht, ob er es hingekriegt hätte, dass der Sack gewählt worden wäre. Was ich hingegen weiss: Es werden auch ohne Berater «Pumpen» in den Bundesrat gewählt.

Wie schreibt man eigentlich gemeinsam ein Theaterstück: Jeder allein in seinem Kämmerchen oder gemeinsam auf einer einsamen Alp?

Weder noch. Ich glaube nicht an Retraiten. Wenn Katja und ich ein neues Stück realisieren wollen, treffen wir uns jeweils gegen Mittag in meinem Büro und schreiben zusammen. Am Anfang sammeln wir nur Ideen und notieren alles auf Papier, also noch ohne Dialoge – das ist quasi die Vorstufe zum eigentlichen Stück.

Frey zieht aus einem Mäppchen ein paar eng beschriebene Blätter hervor. Die Vorstufe von «Sei kein Mann!». Wundersschöne Handschrift, momoll.

Wie führt man über 30 Jahre eine glückliche Autorenehe?

Ein unglaubliches Vertrauen in das Gespür des anderen ist nötig und ein verwandter Humor. Zudem muss man die Fähigkeit besitzen, Differenzen austragen und gleichzeitig Eitelkeiten stehen lassen zu können. Katja und ich haben ein Rezept des wunderbaren US-Filmemachers Billy Wilder übernommen, das in «Billy Wilder – eine Nahaufnahme» von Hellmuth Karasek erwähnt wird. Bei Wilder und seinen Drehbuchautoren galt die Regel: Wenn am Morgen einer eine Szene vorschlug und nicht sofort alle lachten, wurde sie ohne Diskussion in den Papierkorb geworfen. Was man ebenfalls aushalten muss: Es kann passieren, dass man drei Tage zusammen ideenlos im Büro sitzt und man das Gefühl hat, das Stück wird niemals fertig werden.

Wieso zerbrach die Autorenehe mit Beat Schlatter vor sieben Jahren?

Weiter.

Zwischen Beat Schlatter und Ihnen herrscht nach wie vor Funkstille?

Ja, leider.

Patrick Frey über Satire: «Sie soll scharf und lustig sein. Niemand hat das Recht auf eine grundsätzliche Satire-Verschonung.»
Bild: zVg

Zum Ernst der Lage: Weshalb halten Sie angesichts der gegenwärtigen politischen Verwerfungen an Komödien fest?

Wir nennen unsere Stücke Problem-Komödien. Wir finden, Probleme können mittels Komödien hervorragend dargestellt werden. Gleichzeitig kann das Lachen auch eine gewisse Erlösung sein. Zudem glaube ich, dass man durch Komödien zu neuen Erkenntnissen kommen kann. Man kann damit Dinge relativieren, sie besser einordnen und sieht durch die Verzerrung oft klarer.

Muss man als Kabarettist heute eigentlich jeden Sketch prüfen, ob sich jemand dadurch diskriminiert fühlen könnte?

Katja und ich bewegen uns auf der Ebene des gesunden Menschenverstandes und einem guten Gespür. Wir verwenden also keinen Katalog, in dem geschrieben steht, was geht und was nicht. Allerdings spielen wir im Stück «Sei kein Mann!» mit vielen Klischees. Wir kreieren einen Macho als Kandidaten und das macht viel Spass, weil wir dabei grausam übertreiben können. Gleichzeitig können wir so die unsäglichen Diskussionen über das, was man darf und was nicht, wunderbar unterlaufen.

Muss man Grenzen überschreiten, um Satire zu machen?

Nein, aber Satire soll scharf und lustig sein. Niemand hat das Recht auf eine grundsätzliche Satire-Verschonung. Manchmal werden deshalb auch Grenzen überschritten – aber die Regel lautet: Es muss lustig bleiben. Ich bin übrigens auch total damit einverstanden, dass das Opfer die Grenzen definiert, nicht die Täter.

Der ehemalige SVP-Nationalrat Mörgeli behauptet, Satire müsse verletzen.

(Überlegt lange) Wenn Herr Mörgeli das sagt, spricht das eigentlich schon für sich selber. Er hat es wahrscheinlich nie anders hingekriegt, als verletzende Satire zu produzieren. Da kann ich ihm auch nicht helfen.

Gibt es Gruppen, über die Sie keine Witze machen würden?

Habe ich keinen Bezug zu einer Gruppe Menschen, sollte ich auch keine Witze über sie machen. Ein beliebtes Thema in der Schweizer Kabarettszene sind Hausabwarte. Ich finde diese Witze schon länger nicht mehr lustig. Ich bin absolut kein Abwart-Typ und möchte auch keinen spielen. Ich brauche einen Bezug zu einer Person, zu einer Berufsgattung, damit ich über sie gute Witze machen kann. Der US-Cartoonist John Callahan war Tetraplegiker. Er machte die schlimmsten Witze über Tetraplegiker. Bekam er Reklamationen, schickte er einfach ein Bild von sich im Rollstuhl. Was ich sagen will: Es gibt sicher lustige Witze über Rollstuhlfahrer, und die kann ich auch lesen und lustig finden. Aber mir käme nie in den Sinn, einen Rollstuhlfahrer-Witz auf der Bühne zu erzählen.

Aber Sie sind ja auch kein Politiker und machen trotzdem Witze über diese Berufsgattung.

Politiker entscheiden sich aus eigenem Antrieb dafür, in die Politik einzusteigen. Politiker sein ist deshalb nicht vergleichbar mit einer Behinderung, was nicht heisst, das Politiker nicht manchmal behindert sind, im Denken zum Beispiel.

Wann zuletzt einen Lachanfall gehabt?

Ich lache oft und gern. Den letzten Lachanfall hatte ich neulich während der Probe. Ich spiele einen derart schrecklichen Beratertyp, den totalen Loser – das bringt mich immer wieder zum Lachen.

Lustige Vorstellung, dass Frey bei jeder Probe einen Lachanfall kriegt.

Kennen Sie einen Politikerwitz?

In meiner Sammlung habe ich keinen.

Gibt es einen Unterschied zwischen linkem und rechtem Humor?

Dass es bei den rechten Politikern mehr lustige Leute gibt, könnte damit zu tun haben, dass sie ungehemmter am Rand von Sexismus und Rassismus Witze machen können – und es auch tun. Die Linken verhalten sich deutlich korrekter. Man hört von ihnen weniger richtig schlimme Witze.

Die Erfahrung im Schweizer Parlament lehrt, dass linke Parlamentarier weniger Kritik ertragen und auch weniger Humor haben als rechte.

Es gibt viele Politiker, die Humor haben und viel lachen. Das sagt aber nichts darüber aus, ob sie gute oder schlechte Politiker sind. SVP-Politiker wirken im Fernsehen oft lustiger, aber gleichzeitig auch lächerlicher, weil sie komisches Zeugs erzählen, das sie besser nicht erzählen würden. Linke Politiker sind mir mit ihren Meinungen näher, aber sie lassen auch grundsätzlich weniger Zeugs raus, bei dem ich denken muss: Jesses, bist du noch richtig im Kopf? Ich mag zum Beispiel den Humor des grünen Nationalrates Bastien Girod. Mario Fehr, SP-Regierungsrat des Kantons Zürich, hat hingegen null Humor. SVP-Mann Toni Brunner, der kürzlich als Nationalrat zurückgetreten ist, ist jemand, der häufig lacht. Das empfand ich aber nie als angenehm, weil ich immer an die Opfer seines Lachens denken musste.

Ihr Komiker-Kollege Viktor Giacobbo sagt: «Die Linken reagieren in der Regel beleidigter als die Rechten.» – Wahr oder nicht?

Vielleicht hat es damit zu tun, dass die Linken denken, wenn sie in eine gesellschaftskritische Satiresendung gehen, so wie sie Viktor Giacobbo jahrelang im Schweizer Fernsehen gemacht hat, müsse der Moderator automatisch eher auf ihrer Seite stehen.

Patrick Frey über SVP-Politiker: «Sie wirken im Fernsehen oft lustiger, aber gleichzeitig auch lächerlicher, weil sie komisches Zeugs erzählen, das sie besser nicht erzählen würden..»
Bild: zVg

Wären Sie Politiker: Wie würden Sie Ihr Profil den Wählerinnen und Wählern beschreiben?

Ähm, ach Gott ... parteilos, unorthodox, kreativ. Uff, kreativ ist ein Scheisswort, aber in der Politik muss man Wörter verwenden, die Mainstream-mässig verstanden werden. Was könnte ich noch über mich aussagen? Ich bin freidenkend, anständig und nicht korrupt. Das finde ich übrigens das Allerwichtigste bei Politikern, dass sie absolut nicht korrupt sind.

Ein letzter Schluck Wasser – auf geht es zur Schlussrunde.

Wie oft wurden Sie in den letzten Jahren von Parteien angefragt, ob Sie kandidieren möchten?

Nie. Meine Schwester, sie ist Ökologin, wurde einmal von den Grünen angefragt. Hin und wieder werde ich für Unterstützungskomitees angefragt – unter anderem einmal von Regine Aeppli, der ehemaligen Zürcher Regierungsrätin. Als ich absagte, reagierte sie ziemlich beleidigt.

Welche Illusion lassen Sie sich nie nehmen?

Die Illusion, dass der Mensch fähig ist, sich an den eigenen Haaren aus dem Sumpf ziehen.

Ihre Erfahrung: Finden die besten Gespräche bei Partys in der Küche statt?

Ja.

Lust mal eine ganze Woche nichts zu sagen?

Ach, ich bin nicht so der Zen-Typ. Aber ich glaube, je älter ich werde, desto weniger rede ich.

Und ganz zum Schluss noch der grosse Talenttest: Sie schätzen Ihr Talent zwischen zehn Punkten, grandiose Begabung, und null Punkten, keinerlei Begabung: Koch?

Sechs Punkte. Ich esse sehr gern, ich koche gewisse Sachen sehr gern und gut – zum Beispiel gefüllte Gans, Forelle blau oder Züri Geschnetzeltes. Aber ich bin nicht ein so guter Koch wie einige meiner besten Freunde – der Journalist und Buchautor Max Küng zum Beispiel kocht absolut genial.

Anzugsträger?

Da gebe ich mir neun Punkte. Während eines Filmdrehs sagte kürzlich jemand zu mir, ich sähe total gut aus im Anzug. Dabei trug ich ein ganz normales Modell. Aber ich finde auch persönlich, dass mir Anzüge gut stehen. Vielleicht hat es damit zu tun, dass ich eine Kleiderstange bin – ich gehe in den Laden, ziehe einen Anzug der Grösse 48 an und er passt.

Strassenputzer?

Drei, nein, zwei Punkte. Ich würde wohl ordentlich putzen, aber für den Job als Strassenputzer braucht es Durchhaltevermögen, und man muss bereit sein, gewisse Strapazen auf sich zu nehmen. Ich glaube, diese Eigenschaften sind fast wichtiger als die eigentliche Begabung, gut putzen zu können.

Schweizer?

Fünf Punkte – als Schweizer habe ich keine Begabung. Ich bin viel zu unpünktlich.

Tickets: Die Wahlkampfkomödie «Sei kein Mann!» wird ab 15. Januar 2019 im Miller's Studio in Zürich gespielt. Tickets gibt es unter diesem Link.

«Bluewin»-Redaktor Bruno Bötschi spricht für das Frage-Antwort-Spiel «Bötschi fragt» regelmässig mit bekannten Persönlichkeiten. Bötschi hat viel Erfahrung mit Interviews. Für die Zeitschrift «Schweizer Familie» betreute er jahrelang die Serie «Traumfänger». Über 200 Persönlichkeiten stellte er dafür die Frage: Als Kind hat man viele Träume – erinnern Sie sich? Das Buch zur Serie «Traumfänger» ist im Applaus Verlag, Zürich, erschienen. Es ist im Buchhandel erhältlich.
Bild: zVg
Zurück zur Startseite

Weitere Artikel