11.06.2016 - 23:51, von Sarah Forrer /SDA/AWP Multimedia

Schwingerkönigin Sonia Kälin: «Ich trage den Killerinstinkt in mir»

 

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Sonia Kälin ist zweifache Königin. Im Sägemehl legt sie jede Frau flach. Bei welchem Mann die Schwyzer Spitzen-Schwingerin schwach wird und warum sie Mr. Right noch nicht gefunden hat, erzählt die 31-Jährige im Interview.

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Die erfolgreichste Schwingerin der Schweiz spricht im Interview mit Bluewin über ihren ernormen Erfolg in dem männerdominierten Sport, den auch unsere Bildergalerie dokumentiert.

Sonia Kälin, seit 60 Duellen sind Sie ungeschlagen. Erinnern Sie sich überhaupt an Ihre letzte Niederlage?

Sonia Kälin: Im Training bekomme ich regelmässig auf den Deckel. Aber ja, jetzt wo ich das mit den 60 Duellen höre, denke ich schon: Wow, das ist gut.

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Sonia Kälin trägt den «Killerinstinkt» in sich. Die Schwingerin ist seit 60 Duellen ungeschlagen.
Bild: Keystone

Wie gehen Sie mit Niederlagen um?

Es kommt darauf an. Wenn ich selbst einen Fehler gemacht habe, dann rege ich mich auf. Wenn jemand schlicht besser ist, kann ich das akzeptieren. Aber klar ist: Ich verliere nicht gerne. 

Da spricht der Ehrgeiz …

Ja. Bereits als Kind hatte ich einen enormen Siegeswillen. Beim Plausch-Ping-Pong in der Schule verlor ich regelmässig. Wurde es ernst  war ich hingegen immer vorne mit dabei. Ich bin ein Wettkampftyp. Sonst hätte ich es in einem derart harten Sport wie dem Schwingen nicht so weit nach vorne geschafft.

Weder von Ihrem Aussehen noch Ihrem Charakter entsprechen Sie dem klassischen Bild einer Schwingerin. Sie bezeichnen sich selbst sogar als zartes Pflänzchen. Wie passt das?

Gute Frage … Sobald ich das Sägemehl betrete, werde ich zur Maschine, knallhart. Da gibt es nichts ausser mir und meiner Gegnerin. Diesen Killerinstinkt trage ich in mir. Sobald ich aber den Ring verlasse, fällt die Härte wie eine Maske von mir ab. Dann kommt wieder die sensible Sonia Kälin zum Vorschein, eine ganz normale Frau mit Höhen und Tiefen. 

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Hilft Ihnen Ihre «weiche» Seite im Sport?

Ja. Ich nehme Stimmungen besser wahr, spüre, wie sich die Gegnerin fühlt. Das Selbstvertrauen, welches Männer oft ausstrahlen, musste ich mir hingegen aneignen. Männer stehen hin und sagen: Hier bin ich. Ich bin der Beste. Davon habe ich mir in den letzten Jahren eine Scheibe abgeschnitten.

Schwingen ist ein männerdominierter Sport. Müssen Sie sich oft dumme Sprüche anhören?

Immer wieder. Schwingen sei nichts für Frauen und das Frauenschwingen habe gar nichts mit dem «richtigen» Schwingen zu tun. Eine Einstellung, die mir Mühe bereitet. Es spielt doch keine Rolle, ob dick oder dünn. Gross oder klein. Berner oder Innerschweizer – oder eben Frau oder Mann. Alle leisten im Sägemehl das Gleiche. Wer das nicht begreift, ist 200 Jahre zu spät auf die Welt gekommen.

«Bei uns daheim war die Geschlechterfrage kein Thema. Da gingen die Mädchen mit aufs Feld und unser Bruder half in der Küche mit.»

Sonja Kälin

Sind Sie durch diese Konfrontationen feministischer geworden?

Sagen wir es mal so: Ich bin mir der Rolle als Frau bewusster. Bei uns daheim war die Geschlechterfrage kein Thema. Da gingen die Mädchen mit aufs Feld und unser Bruder half in der Küche mit. Erst im Sport wurde mir klar, wie stark Rollenbilder noch in den Köpfen verankert sind. Eine Frau muss definitiv mehr kämpfen, um das Gleiche zu erreichen wie die Männer.

Fuchst es Sie, dass im Schwingsport Männer viel mehr verdienen als Frauen?

Naja, eigentlich ist es die logische Konsequenz. Männer schwingen bereits seit hunderten von Jahren. Das erste Frauenschwingfest wurde erst 1980 durchgeführt. Heute gibt es rund 40 aktive Frauen im Vergleich zu 3000 männlichen Kollegen. Das sind Dimensionen, die sich nicht vergleichen lassen. Auch wenn Frauen genau gleich trainieren und gleich hart kämpfen wie die Männer.

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Sie gehen fünf bis sechs Mal pro Woche ins Training. An den Wochenenden sind Sie an Schwingfesten. Bleibt da noch Zeit für ein Privatleben?

Während der Saison liegt mein Fokus ganz klar auf dem Sport. In den Ausgang gehe ich ganz selten. Alkohol trinke ich höchstens ein oder zwei Mal pro Jahr. Mein Umfeld zeigt aber grosses Verständnis – viele Kolleginnen feuern mich bei den Schwingfesten persönlich an. Und als Single muss ich zum Glück nicht auf einen Partner Rücksicht nehmen.

Apropos Liebe: Sie sagten vor Jahren, dass sie wie Ihre Mutter mit 25 heiraten und mit 29 Jahren fünf Kinder haben wollen.

Stimmt, dieser Plan ging grausam in die Hosen.

Ist Mr. Right noch nicht aufgetaucht?

Nein. In den letzten Jahren hat es nie wirklich gepasst. Lieber habe ich keine Beziehung als eine schlechte oder eine halbpatzige. Ich bin mir aber sicher, dass er einmal kommen wird.

«Ein Couchpotato passt nicht zu mir – dafür sind mir Bewegung und draussen in der Natur sein zu wichtig.»

Sonja Kälin

Haben Männer Mühe mit einer zweifach ausgezeichneten Königin?

Es macht das Kennenlernen definitiv schwieriger. Einige haben ein falsches Bild im Kopf, stellen sich ein Mannsweib vor und sind erstaunt, wenn sie mir begegnen. Andere können nicht mit meinem sportlichen Erfolg und meinem Leben in der Öffentlichkeit umgehen. Das kratzt an ihrem Ego. 

Wie sieht es bei Ihnen aus: Haben Sie zu hohe Ansprüche an das männliche Geschlecht?

Meine Freundinnen sagen, ich sei sehr heikel. Ich selbst find es eigentlich nicht. Alles, was ich will, ist ein Mann, der normal tickt, der mit beiden Beinen im Leben steht, naturverbunden und anständig ist. Und sportlich sollte er sein. Ein Couchpotato passt nicht zu mir – dafür sind mir Bewegung und draussen in der Natur sein zu wichtig!

Vermissen Sie manchmal eine starke Schulter zum Anlehnen?

Single sein hat Vor- und Nachteile. Manchmal wäre etwas Zweisamkeit schön. Dann gibt es wieder Zeiten, in denen ich froh bin, keine Beziehungsprobleme und genügend Zeit für den Sport zu haben. Gerade während der Saison ist mein Kalender eh schon randvoll. Daher: Es ist gut, wie es im Moment ist. 

Und wie sieht das Leben von Sonia Kälin in fünf Jahren aus?

Da habe ich keinen Plan. Ich geniesse den Augenblick. Es ist unglaublich, was ich alles erleben darf. Daran halte ich mich fest. 

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