06.12.2016 - 10:32

Dermatologin Karoline Zepter: «Straff ist nicht gleich schön»

Botox

Menschen, die sich von Dermatologin Karoline Zepter behandeln lassen, sollen danach «frischer aussehen».
Bild: Getty Images

von Mara Ittig, Redaktorin
 

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Karoline Zepter ist Dermatologin und verhilft in ihren Instituten Frauen und immer mehr auch Männern zu einem jugendlichen Aussehen. Ein Gespräch über falsche Erwartungen, Schönheitsideale und was wirklich hilft, um jung auszusehen.

Kaum betrete ich das Institut Pret-à-beauté am Zürcher Rennweg fühle ich mich wie in einer anderen Welt. Die Atmosphäre, die gedämpften Geräusche und auch die schwarz gewandeten Angestellten erinnern mich an einen Wellness-Tempel. Schnell wird klar: Hier geschieht alles im Dienste der Jugend und Schönheit.

Dr. Karoline Zepter ist eine energiegeladene zierliche Frau mit wilden roten Locken, die fröhlich wippend ihr Gesicht einrahmen. Sie ist voller Leidenschaft für ihre Tätigkeit und führt mich mit grosser Begeisterung durch die Behandlungsräume, in denen alle möglichen Apparaturen zur Verschönerung herumstehen. 

Bluewin: Frau Zepter, was für Menschen kommen zu Ihnen in die Praxis?

Karoline Zepter: Ich erlebe ganz unterschiedliche Frauen und zunehmend auch Männer. Was alle gemeinsam haben: Sie sind selbstbewusst und haben ganz klare Vorstelllungen davon, was sie darstellen wollen. Und sie wissen auch genau, was sie stört. 

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Dr. Karoline Zepter ist Dermatologin und verhilft in ihren pret-à-beauté-Instituten in und um Zürich Frauen und Männern zu einem jüngeren Aussehen und einem jugendlichen Lifestyle.

Von dem Moment, in dem jemand etwas bemerkt, das ihn stört bis zu dem Zeitpunkt, wo diese Person dann wirklich aktiv etwas unternimmt, dauert es laut Studien sechs bis sieben Jahre. Es nervt sie dann echt, in den Spiegel zu schauen. Und dann erst kommen sie zu uns.

Was tun Sie, um jemanden jünger aussehen zu lassen?

Ich bin Dermatologin, ich denke in Schichten. Wir haben erst einmal die Epidermis, die oberste Hautschicht. Und dann kommen Bindegewebe und Unterhautfett. Und schön wird es nur, wenn wir alles behandeln. Es gibt Methoden, wie etwa HIFU (High Intensity Focused Ultrasound, Anm. der Red.) oder Ultherapy, bei denen die untersten Hautschichten mit gebündeltem Ultraschall behandelt und gestrafft werden. Und für ein glattes Erscheinungsbild der oberen Hautschichten gibt es beispielsweise Botulinumtoxin.

Einzelne Behandlungen sind also eher die Ausnahme?

Doch, das gibt es schon auch. Dass zum Beispiel jemand kommt, der eigentlich ganz zufrieden ist, aber unter einer ausgeprägten Zornesfalte leidet. Dadurch sieht man einfach immer ein wenig böse aus, obwohl man gar nicht so ist. 

Wenn man sich länger kennt – und die meisten begleite ich über Jahre hinweg - dann kommt aber schon immer wieder der Wunsch nach einer weiteren Behandlung. Dass jemand nur etwas machen lässt, ist eher selten.

«Es ist einfach nachhaltiger, wenn Sie Ihre Haut und Ihren Körper dazu bringen, selber etwas zu machen.»

Karoline Zepter

Ich als Laie habe den Eindruck, dass die Massnahmen immer sanfter und natürlicher werden.

Das ist ein Trend, den wir begrüssen und den wir auch fördern. Es ist einfach nachhaltiger, wenn Sie Ihre Haut und Ihren Körper dazu bringen, selber etwas zu machen. Das Microneedling ist so ein Verfahren. Dabei wird nichts Anderes gemacht, als die Selbstheilung der Haut und der Unterhaut anzukurbeln. Das ist wesentlich sanfter und es kommen keine Fremdstoffe in die Haut.

Hinzu kommt, dass die Leute zunehmend natürlich aussehen wollen. Sie möchten frisch und erholt aussehen, aber bloss nicht gemacht. Die Menschen, die zu uns kommen, sollen mit demselben Gesicht wieder rausgehen, aber frischer aussehen.

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Das Institut pret-a-beauté am Zürcher Rennweg bietet neben Behandlungen für die äussere Schönheit auch moderne Ernährungskonzepte, Wellness-Behandlungen und Yoga-Stunden an.
Bild: pret-à-beauté

Sind die Zeiten von invasiven Methoden wie Facelift vorbei?

Beim Facelift, selbst wenn er gut gemacht ist, wird das Gesicht unwiderruflich für immer verändert. Man lacht nicht mehr gleich, die Spannungslinien im Gesicht verlaufen ganz anders. Man nimmt etwas weg aus dem Gesicht, das eigentlich dazu gehört. Und es ist ja nicht so, dass straff gleich schön ist, es sind die richtigen Proportionen, die einen schön und eben auch jung aussehen lassen.

Was wäre denn besser?

Wir verstehen heute viel besser, was jemanden attraktiv macht. Schön - und auch jung - macht Volumen im Gesicht, eingefallene Gesichter sehen alt aus. In einem Gesicht mit Volumen stören auch ein paar Lachfalten nicht. Die stören sowieso nicht. Lachfalten können so schön ausschauen. Und auch jugendlich. Ich lasse die gerne.  

Kommt es oft vor, dass Sie jemanden wieder unverrichteter Dinge nach Hause schicken?

Das ist mir schon ein paar Mal passiert. Wenn junge Mädchen mit einem Bild dieser Kardashian mit den grossen Lippen kommen und auch so aussehen wollen. Das passt zu fast niemandem. Und auch bei ihr sieht es gemacht aus. Ich würde nie jemandem irgendwelche Lippen spritzen, die nicht zum Gesicht passen. Oder irgendwelche Wangenknochen, die nicht zu einem mitteleuropäischen Gesicht passen. 

«Beim Facelift nimmt man etwas weg aus dem Gesicht, das eigentlich dazu gehört. Und es ist ja nicht so, dass straff gleich schön ist.»

Karoline Zepter

Schämt man sich hierzulande eigentlich immer noch dafür, wenn man etwas hat machen lassen?

Ich finde es auf eine Art schön, wenn man das ein bisschen für sich behält. Man soll es ja für sich selber machen und nicht, um jemand anderem besser zu gefallen. Schön ist doch, wenn man sich danach im Spiegel ansieht und sich gefällt und das auch ausstrahlt. Wenn etwas, das einen gestört hat, plötzlich weg ist, kann das enorm viel ausmachen.

Es gibt auch kritische Stimmen, die sagen, den Alterungsprozess könne man ohnehin nicht aufhalten und folglich wäre es besser, wir würden lernen, in Würde zu altern, statt ewiger Jugend nachzurennen … - Was sagen Sie dazu?

Das sehe ich nicht so. Unser Leben hat sich geändert. Noch vor nicht allzu langer Zeit galt eine Frau mit 50, 60 Jahren als alt. Die hat niemand mehr gesehen. Und heute haben wir mit 50 noch ein halbes Leben vor uns. 50-jährige Frauen stehen heute in der Mitte ihres Lebens. Und die wollen auch so aussehen, wie sie sich fühlen.

Wichtig ist, dass wir nicht einem verrückten Ideal nachrennen und wieder wie 20 aussehen wollen oder wie irgend eine andere Person.  

Kann man denn überhaupt in Würde altern?

Ich bin der Überzeugung, dass Menschen, die sich gut um sich selbst kümmern, besser und vor allem langsamer altern. Sei es nun, dass man sich bewusst und gesund ernährt, Sport treibt, sich um sein Äusseres kümmert, sich geistig fit hält. Das ist in meinen Augen alles Teil eines Lifestyles, den man hat oder eben nicht. Entweder ich lasse mich gehen und werde dann halt auch alt oder ich nehme das selber in die Hand und mache etwas aus mir. 

Wozu raten Sie, damit man möglichst lange möglichst jung aussieht?

Früh anfangen mit Sonnenschutz. Das kann ich wirklich nicht oft genug sagen. Jeden Tag, Sommer und Winter am besten mit Faktor 50. Nicht rauchen. Sport treiben. Das hält einen wirklich jung und fit. Gut essen. Am Leben bleiben. Sich für was begeistern. Ein Hobby haben, das richtig Spass macht. Schauen, dass man einen Job hat, der einem gefällt. Gut mit sich selber umgehen, sich nicht hängen lassen.

«Lachfalten können so schön aussehen. Und auch jugendlich. Ich lasse die gerne.»

Karoline Zepter

Gibt es gute Produkte, die ich auch zu Hause anwenden kann?

Es gibt einige Wirkstoffe, die man zu Hause verwenden kann, die wirklich jung halten. Aber die Zahl ist begrenzt. Viele Wirkstoffe werden von der Haut abgehalten, denn es ist ja ihre Aufgabe, Dinge fernzuhalten. Deswegen braucht es Tricks und Kniffe, um die Wirkstoffe in die Haut zu bringen. Vitamin C wirkt gut. Das wirkt antioxidant, schützt vor UV-Schäden und hat eine aufhellende Wirkung gegen Pigmentierungen. Ein Stoff, der auch sehr gut in die Haut dringt ist Resveratrol.  

Was ist das?

Resveratrol aktiviert die Überlebens-Gene in den Zellen, die sogenannten Sirtuine. Dadurch können die Zellen sich länger teilen und bleiben länger am Leben. Es ist eine der wirklich spannenden Substanzen, die es in Crèmeform oder auch als Nahrungsmittelergänzung gibt. Resveratrol kommt auch in roten Trauben vor, aber so viel Trauben wie nötig wären, um einen guten Effekt zu erzielen, kann man gar nicht essen.

Clean Eating: Noch nie war gesund Essen so einfach

  • Chia Pudding
  • Grüner Smoothie
  • Dinkel-Buchweizenmehl-Pancake
  • Porridge mit Mandelmilch

Was ist mit «herkömmlichen» Produkten aus dem Supermarkt?

Ich habe grundsätzlich nichts gegen Crèmes aus dem Supermarkt. Man muss sich einfach überlegen, warum manche Crèmes teurer sind als andere. Es ist nicht immer nur der Name, sondern es sind manchmal auch die Inhaltsstoffe, die einfach viel kosten. 

Man sieht ja immer wieder schlechte Beispiele von starren Gesichtern, wo das gesunde Mass komplett verloren gegangen ist. Da scheint das Limit dessen, was noch gut aussieht, total überschritten. Wie kommt's so weit?

Ich glaube, man gewöhnt sich sehr schnell an sein neues Gesicht. Und man kann vergessen, wie man mal ausgesehen hat. Es ist auch unsere Aufgabe als Ärzte zu sagen, wann es genug ist. Natürlich muss jeder auf sich selbst schauen. Aber ohne Kontrolle von aussen kann man sich selber etwas aus den Augen verlieren. Da braucht es eine gute Kommunikation zwischen Patient und Arzt. Es gibt Leute, die legen ein regelrechtes Suchtverhalten an den Tag. Da braucht Ärzte, die auch ein bisschen auf die Person aufpassen und nicht nur schauen, wo man am meisten verdienen kann. Man kann auch mal nichts machen und ist immer noch schön.

«Ich glaube, man gewöhnt sich sehr schnell an sein neues Gesicht. Und man kann vergessen, wie man mal ausgesehen hat.»

Karoline Zepter

Oft fragt man sich da: Merken die denn nicht, dass das nicht schön aussieht?

Nein, das merken sie nicht. Und die direkte Umgebung getraut sich oft auch nicht, etwas zu sagen. Man weiss ja, dass das bei dieser Person ein heikles Thema ist … 

Wie eng sind denn Innenleben und Aussehen verzahnt?

Unser Aussehen ist unsere Kommunikationsfläche, wir haben nur die. Nur so können wir zeigen, wer wir eigentlich wirklich sind. Und die kann man sich unterschiedlich gestalten. Ich sehe das in der Sprechstunde bei meinen Akne-Patienten. Wer starke Akne hat, wirkt unsicher. Dann macht man sich die Haare ins Gesicht und bekommt eine andere Körperhaltung. Und wenn die Akne weg ist, dann ist die ganze Körpersprache und Ausstrahlung plötzlich eine ganz andere. Da merkt man gut, wie eng Innen und Aussen verknüpft sind.

Zur Person: Dr. Karoline Zepter

Dr. Karoline Zepter ist Dermatologin und verhilft in ihren pret-à-beauté-Instituten in und um Zürich Frauen und Männern zu einem jüngeren Aussehen und einem jugendlichen Lifestyle. Selber hat sie sich die Zornesfalte mit Botulinumtoxin weggespritzt, weil sie findet, dass sie das insgesamt entspannter macht und auch besser aussieht. 

Ein Plädoyer: Deshalb sehen lange Haare auch mit über 50 noch toll aus

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