10.04.2017 - 16:41

Madame Nina: «Falco und Charlie Sheen waren meine Kunden»

von Bruno Bötschi, Redaktor
 

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Madame Nina betrieb ein Luxusbordell. In ihren Memoiren schildert die Puffmutter Geschichten von prominenten Freiern – von Sänger Falco über Schauspieler Charlie Sheen bis hin zu einem Bundespräsidenten.

Sie führte 30 Jahren ein Luxusbordell in Wien: Nina Janousek, 68, ist stadtbekannt, extravagant und – wortwörtlich gemeint - eine gewichtige Persönlichkeit. Jetzt schrieb sie über ihr Leben und ihre Freier. «Aber nur über die, die sich selber dazu bekennen, meine Gäste gewesen zu sein», stellt Madame Nina klar.

 «Wenn diese Gäste mein Etablissement verliessen, haben sie dank der Mädchen, die alle auch gute Zuhörerinnen waren, jede Menge seelischen Ballast abgeworfen. Diese Art der Entspannung hat im Laufe der Jahre, da bin ich ganz sicher, vielen Gästen über private und berufliche Krisen hinweggeholfen. » (Auszug aus der Biografie «Madame Nina weiss alles»)

Im Buch wird von der Prostituierten Ruth erzählt, die von ihrem Vater in den Puff geschickt wurde. Erst hat seine Frau, also die Mutter von Ruth, für den Mann gearbeitet, dann musste es die Tochter tun. «Ich wollte mich nicht in die Angelegenheiten der Familie einmischen, das darf man nicht», wäscht Madame Nina im Interview mit der « Schweiz am Sonntag» ihre Hände in Unschuld. «Sie machen sowieso, was sie wollen.»

Charlie Sheen: Einfühlsam, lustig, rücksichtsvoll

«Madame Nina weiss alles», unter diesem Titel hat die 68-Jährige die Stationen ihres Puffmutter-Lebens aufgeschrieben. Nina Janousek stammt aus Kroatien. Mit 23 kam sie nach Wien, eröffnete eine Bar, dann einen Kosmetiksalon und mit 32 schliesslich ein Edelpuff und ist trotz ihres Berufes seit 44 Jahren («glücklich») verheiratet.

«Ninas Bar» am Bauernmarkt in der Wiener City war vor allem in den Neunzigerjahren legendär. Damals war auch Charlie Sheen Gast. Der US-amerikanische Schauspieler erzählte später in Interviews freimütig über seine Bordell-Besuche. Nina tut es ihm jetzt gleich: Der Schauspieler sei einfühlsam, lustig und rücksichtsvoll gewesen.

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 «'Was hat Sie denn hierher zu uns geführt? ', fragte ich Charlie Sheen. Da war ich ganz Geschäftsfrau, ich interessierte mich trotz des hohen Ansehens, das meine Bar in Wien genoss, immer dafür, warum Gäste zu uns kamen. Ich wollte wissen, wer ihnen den Anstoss gegeben habe,  'Ninas Bar' zu besuchen. 'Ich wohne im Hotel Sacher', erklärte mir Charlie Sheen. 'Dort habe ich an der Rezeption gefragt, wohin ich in Wien gehen kann.'»

Während der Produktion von «Drei Musketiere» (ein Hollywood-Film, 1992 teilweise in Wien gedreht) wurde Sheen zum Stammgast. Vier Wochen lang kam er bald jede Nacht und bestellte immer mehrere Flaschen Champagner. Die günstigste Flasche kam damals auf 6500 Schilling (zirka 500 Franken). Und Sheen wollte nie die günstigste Marke Champagner.

In den Neunzigerjahren sei es in einem Bordell eben noch um Luxus und Genuss gegangen, heute stehe leider nur noch schneller Sex zu Dumpingpreisen im Vordergrund, beschwert sich Madame Nina, die eine Vorliebe für schweren Goldschmuck und teure Pelze hat.

Von Zuhältern und armen Mädchen

Enthüllungen aus Freudenhäusern sind seit Jahren gefragter Lese- und Kinostoff. «Nichts geht mehr», unter diesem Titel hat die Zürcherin Dora Koster 1980 ihr Leben als Prostituierte aufgeschrieben. In ihrer autobiographischen Kampfschrift beschrieb sie, wie die Zuhälter sie «jahrelang zur Sau» gemacht haben. Koster betrieb eine Sex-Klinik und schrieb Romane: «Meinen Körper können sie haben, meine Gedanke sollen echt sein.»

 «Sagen Sie jetzt nichts über Gleichberechtigung und Emanzipation. Nachtleben ist Showbusiness, und die Herren mochten diese Show. Und die Mädchen verdienten bei mir recht gut. Sicher war ihre Arbeit nicht immer leicht, aber sie erhielten für jede Flasche Champagner, die ein Gast bestellte und die er mit derjenigen Dame genoss, zehn Prozent des Kaufpreises ... Das Honorar, das die Mädchen erhielten, wenn sie einen Gast in ein Séparée begleiteten, war allein ihre Sache.»

Auch in Nina’s Etablissement arbeiteten Frauen, die von ihren Zuhältern und Freunden unterdrückt wurden. «Am Anfang habe ich versucht, den Mädchen zu erklären, dass sie für sich selber arbeiten sollen. Dann sind sie am nächsten Tag nicht mehr gekommen.» Deshalb habe sie sich später nicht mehr eingemischt, weil: «Das sind gefährliche Dinge.»

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Falco: Auf die Bühne gepinkelt

Sänger Falco hingegen belegte die Puffmutter schon nach seinem ersten «Auftritt» mit einem Hausverbot. Erst hatte er sich arrogant benommen, um danach total betrunken auf die Bühne des Clubs zu pinkeln. Nach einem halben Jahr und mehreren Entschuldigungen durfte Falco wieder in die Bar. Und siehe da: Der Sänger wusste sich zu benehmen, war wie ein anderer Mensch, schildert Nina im Buch, und nahm sich bald eine der Prostitutierten zur Freundin.

 «Langsam knöpfte Falco den Hosenschlitz seiner Jeans auf. Dann holte er sein bestes Stück hervor, das, wie mir die Mädchen schon berichtet haben, von ansehnlicher Grösse war. Ja, und dann pinkelte Falco auf die Bühne. Alle waren fassungslos. Ich auch. Doch im Gegensatz zu den anderen musste ich etwas tun. Schliesslich war ich die Chefin. 'Hans', sagte ich, während er noch pinkelte,  'was machst du da?'»

Das Sittenbild der oberen Zehntausend von Madame Nina enthält noch weitere Überraschungen und Erkenntnisse über das männliche Naturell bereit: Auch von einem österreichischen Bundespräsidenten erzählt sie, ohne einen Namen zu nennen. Ein Spleen von ihm war, Frauen mit viel Schamhaar zu bevorzugen und «von jedem Mädchen eine Locke» zu nehmen. Und auch ein hochrangiger deutscher Politiker war vor Ort, der auf SM-Sex stand und geschlagen werden wollte.

Madame Nina arbeitete nie als Hure

Dann erzählt Puffmutter Nina auch noch die Geschichte von einer späteren Spitzenpolitikerin. Sie soll das einzige Mädchen gewesen sein, «das ich je feuern musste» – wegen selbst für einen Nachtclub anstössigen Verhaltens.

Über einen österreichischen Bischof wiederum erzählt Madame, dass er bei jedem Besuch nebenbei eine ganze Schale Mozartkugeln leerte und die Silberpapierchen in seiner Hosentasche verschwinden liess, damit es keiner merkt.

 «Hätten Sie mich früher gesehen, wäre Ihnen sofort mein Pelzmantel aufgefallen. Aber all die schönen Stücke hängen schon jahrelang ungetragen und gut verwahrt bei meinem Kürschner. Viele, viele herrliche Pelze, Zobel und Nerze. Jeder Mantel ist für mich wie ein Juwel. Mein Mann schenkte sie mir immer zu Weihnachten, ich habe die Pelze über viele Jahre gesammelt. Jetzt ist schon lange kein neuer dazugekommen. Denn die Zeiten haben sich geändert. Pelz zu tragen, gehört sich jetzt nicht, und ich will niemanden provozieren, indem ich meine Pelzmäntel ausführe. Bin ich böse, weil ich meine Pelze so liebe? Verurteilen Sie mich bitte nicht.»

Ob Madame selbst auch ihre Dienste als Hure anbot? «Nein. Hin und wieder gab es eine Nachfrage. Aber es waren so hübsche Damen bei mir und ich bin keine Schönheit.» Erwähnt sei noch dies: Vor einem Jahr musste Madame ihr Etablissement wegen Mietstreitigkeiten schliessen, sie sucht jetzt ein neues Nachtlokal in Wien. «Es wird einen Luxusbereich geben und einen Bereich für sparsamere Kunden. Das passt in die Zeit.»

In unserer Galerie stellen wir Madame Nina im Bild vor und verraten Ihnen dazu allerlei pikante Geschichten von berühmten Prositiuierten.

Zum Buch: «Madame Nina weiss alles»

«Madame Nina weiss alles», Memoiren einer Wiener Nachtclub-Königin. Das Buch von Nina Janousek ist im Verlag edition a erschienen. Umfang: 224 Seiten, Preis: 21 Fr.

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