08.05.2017 - 20:02

Monica Kissling: «Die Schweiz ist in einer schwierigen Lage»

Monica Kissling

Monica Kissling alias Madame Etoile: «Meine Tochter ist Widder und macht was sie will.»
Bild: Rolf Neeser / bluewin

von Bruno Bötschi, Redaktor
 

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Astrologin Monica Kissling spricht über ihren liebsten Himmelskörper, über SVP- und FDP-Politiker, die bei ihr Rat suchen und verrät, warum sie ungern Lift fährt.

Ein Restaurant in Zürich, kurz vor Mittag: Draussen unbeständiges April-Wetter, drinnen scheppert Geschirr. Monica Kissling trägt eine schwarze Bluse mit weissen Punkten. Ihre schwarze Winterjacke behält sie an. Zu kalt, sagt sie. Sie wirkt schmaler als auf Bildern. Jetzt faltet sie die Hände und wartet auf die erste Frage.

Bluewin: Frau Kissling, wir machen heute ein Spiel. Ich stelle Ihnen in den nächsten 30 Minuten möglichst viele Fragen. Und Sie antworten möglichst schnell und kurz. Wenn Ihnen eine Frage nicht passt, sagen Sie einfach «weiter».

Monica Kissling: Okay.

Wo schliefen Sie letzte Nacht?

Daheim.

Haben Sie geträumt?

Ja.

Stirnrunzeln. Was sind das für komische Fragen?

Wann zuletzt unter freiem Himmel geschlafen?

Das ist schon so lange her, dass ich mich nicht mehr daran erinnern kann.

Wann zuletzt in einer Sternwarte gen Himmel geguckt?

Vor einem halben Jahr war ich für Dreharbeiten in der Urania-Sternwarte in Zürich. Aber ehrlich gesagt, ich schaue lieber draussen in der Natur und ohne Fernrohr in den Himmel.

Welchen Himmelskörper mögen Sie besonders?

Den Mond finde ich superschön und romantisch. Ich schaue ihn oft an. Anders als mein Partner, finde ich zudem, dass der Mond auch immer wieder anders aussieht.

Mondsüchtig: So schön ist der Vollmond

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Je davon geträumt, ins Weltall zu fliegen?

Absolut nicht. Ich habe Flugangst und eine Reise ins All wäre mir definitiv «too much».

Ist heute sternetechnisch gesehen ein guter Tag für unser Interview?

Es geht so. Merkur, der Kommunikationsplanet ist rückläufig, deshalb ist der Termin eher suboptimal gewählt. Aber ich mache solche Dinge auch bei nicht so günstigen Konstellationen.

Unter welchem Sternzeichen stehen Sie?

Krebs und mein Aszendent ist Jungfrau.

Ich bin im Sternzeichen des Widders geboren und mein Aszendent ist Krebs. Wie funktionieren unsere Sternzeichen zusammen?

Der Krebs funktioniert sehr gut, der Widder könnte etwas querschlagen. Widder sind eigenwillig und dynamisch. Aber ich denke, ich kann das managen mit Ihnen.

Bisher ging es ja ganz flott. Mal schauen, ob die nächsten Fragen die Astrologin mehr aus der Fassung bringen.

Setzen Sie sich jeden Morgen hin und schauen, was Ihnen der Tag bringt?

Jein. Ich schalte den Computer ein und schaue das Horoskop an. Das heisst, ich weiss immer, wie die aktuellen Konstellationen sind. Aber nicht, weil ich konkret schauen will, was der Tag mir bringt, sondern einfach ganz generell.

Erschreckt Sie die Vorstellung manchmal, dass Ihr ganzes Leben vorgezeichnet ist?

Das würde mich extrem erschrecken, aber es ist zum Glück nicht so.

Ihr Lebensmotto?

Puh, das kann ich nicht so schnell beantworten. Generell kann ich sagen: Ich bin eine Optimistin. Ich habe eigentlich immer das Gefühl, dass es eine Lösung gibt.

Erster Traumberuf?

Lehrerin.

Ihr ulkigster Nebenjob?

Vor einer Parfümerie musste ich auf dem Trottoir die Passanten mit einem Duft besprühen. Richtig ulkig war das nicht, eher mühsam.

Ihr revolutionärster Gedanke als 12-jähriges Mädchen?

(Langes Nachdenken) Ich hatte keine revolutionären Gedanken, aber ich hatte aussergewöhnliche Interessen. Ich setzte mich unter anderem intensiv mit tibetischer Mystik auseinander.

Spitzname als Kind?

Mia.

Wahr, dass Sie mit 20 aus reiner Neugierde Ihren ersten Astrologie-Kurs besucht haben?

Stimmt.

Wieso ist eigentlich die Geburt eines Menschen das entscheidende Datum und nicht seine Zeugung?

Erstens, weil man den Zeugungsmoment nicht kennt. Man muss ja immer mit dem arbeiten, was man weiss. Und zweitens funktioniert der Mensch erst autonom, nachdem er den ersten Atemzug getan hat. So lange das Baby im Mutterleib ist, ist ja nicht gesagt, ob es das Licht der Welt erblicken wird.

Welchen Einfluss hat ein Kaiserschnitt auf das Horoskop eines Menschen?

Keinen. Das Horoskop wird immer auf den Geburtsmoment erstellt, unabhängig davon, ob die Geburt auf natürlichem Weg erfolgt.

Konsultieren Sie als Astrologin vor wichtigen Entscheidungen und Abmachungen immer die Sterne?

Ja – aber mit Betonung auf wichtig. Es gibt ja nicht so viele Dinge, die wirklich wichtig sind.

Ihre Steuererklärung?

Meine Steuererklärung mache ich nicht selber. Aber natürlich schaue ich darauf, dass ich sie zum richtigen Zeitpunkt abschicke.

Möchten Sie nie unvoreingenommen sein?

Doch (lacht). Es ist aber tatsächlich etwas schwierig, weil ich als Astrologin unnatürlich oft sehe, wie die Situation ist, auch wenn ich es nicht sehen will.

Stimmt es, dass Sie Ihren Partner und Ihre Tochter manchmal nerven, weil Sie Ihnen bei bestimmten Sternen-Konstellationen hin und wieder abraten, gewisse Dinge zu tun?

Das hält sich extrem in Grenzen und trifft nur bei meiner Tochter zu.

Und danach sagen Sie jeweils: «Siehst du, ich habe es ja gesagt.»

Das kann ich mir dann natürlich nicht verkneifen.

Hört Ihre Tochter auf Sie?

Meine Tochter ist Widder und macht was sie will (lacht laut).

Das Tempo weiterhin hoch. Nur: So richtig aus der Reserve gelockt haben die Fragen Monica Kissling bisher nach wie vor nicht.

Ich denke, ein Interview kann man sicher auch unter schlechten astrologischen Voraussetzungen über die Bühne bringen. Wie wäre es aber, wenn jemand beispielsweise heiraten würden?

Wichtig bedeutet ja auch, man will, dass eine Sache «verhebet». Und das ist ja der Fall bei einer Hochzeit oder auch bei der Gründung einer Firma oder einem Hauskauf. Das sind Entscheidungen, bei denen man froh ist, wenn sie auf einer guten Basis stehen.

Ist es nicht anstrengend, die Sterne auch immer noch in die Planung miteinzubeziehen?

Anstrengend ist es nicht, weil ich es automatisch sehe. Ich kann es nicht nicht wissen. Manchmal nervt es natürlich, wenn ich sehe, dass ich selber in eine mühsame Konstellation gerate. Dann denke ich manchmal, es wäre lässig, ich wüsste das nicht.

Stellt es für Sie eine grosse seelische Belastung dar, mit möglichen schwierigen Perioden bereits im Voraus rechnen zu müssen?

Wenn es eine grosse seelische Belastung wäre, müsste ich den Beruf wechseln. Es ist nicht die Idee, dass man Angst bekommt, nachdem man die Sterne konsultiert. Es ist vergleichbar mit einer Wanderung, für die schlechtes Wetter vorausgesagt ist: Da kann man sich entsprechend ausrüsten oder die Wanderung allenfalls verschieben.

Mögen Sie Überraschungen?

Ja, vor allem angenehme natürlich (lacht laut).

Wann haben Sie die Sterne zum letzten Mal überrascht?

Ach … (langes Nachdenken). Bei der Astrologie überrascht mich eigentlich nur, dass sie so gut funktioniert. Manchmal kann ich selber kaum fassen, dass es so ist.

Prüfen Sie die Horoskope von Menschen, die Ihnen begegnen? Vielleicht auch um zu schauen, ob sie zu Ihnen passen?

Nein.

1992 sagten Sie in einem Interview: «Manager kommen so verschämt zu mir, als ob sie in ein Bordell gingen ...

Hahaha! Grosses Gelächter. Die Hände zum ersten Mal nicht mehr gefaltet.

… und meistens lassen sie mich gleich zu Beginn wissen, dass sie eigentlich nicht an die Astrologie glauben.» Welchen Stellenwert geniesst die Astrologie heute?

Es ist nicht mehr ganz so schlimm. Ich habe viele Manager, die sich von mir beraten lassen. Einen Unterschied gibt es bis heute: Für Frauen ist eine astrologische Beratung etwas Selbstverständliches. Männer hingegen sagen oft am Anfang eines Gesprächs: «Wissen Sie, eigentlich glaube ich ja nicht daran, aber ich will es jetzt trotzdem einmal versuchen.»

Und was sagen die Männer nach der Beratung?

Die meisten Männer sind überrascht, was man alles in einem Horoskop sehen kann.

Der ehemalige deutsche Kanzler Konrad Adenauer soll sich Rat bei einem Astrologen geholt haben, Ex-US-Präsident Ronald Reagan auch.

Bei den Reagans war es vor allem Nancy, die die Sterne um Rat fragte. Auch von François Mitterrand, dem ehemaligen französischen Staatspräsidenten, weiss man, dass er sich von Astrologen beraten liess. Es macht ja auch Sinn, dass Politiker und andere Führungspersönlichkeiten Rat bei den Sternen suchen.

Welches war Ihr berühmtester Kunde?

Darüber rede ich nicht. Ich kann nur sagen, ich berate auch Politikerinnen und Politiker.

Lieber SP oder SVP?

Nun gut, ich gehe die ja nicht suchen. Ich berate die Menschen, die zu mir kommen. Es sind vor allem Leute aus der SVP und von der FDP. Tendenziell also mehr Politiker aus dem rechten Parteienspektrum.

Warum ist das so?

Das weiss ich nicht. Ich finde es aber interessant, weil man immer das Gefühl hat, Horoskope seien eher etwas für Alternative, Linke oder Grüne.

Lehnten Sie je einen Politiker ab?

Nein.

Die Astrologie geniesst in weiten Teilen der Bevölkerung einen zweifelhaften Ruf. Was tun Sie dagegen?

Puh, grundsätzlich versuche ich, gute Arbeit zu leisten. Ich habe keine missionarische Ader. Ich finde, jede und jeder soll das denken, was sie oder er denken will.

Tut es weh, wenn Sie als «Märli-Tante» kritisiert werden?

Mit Kritik muss man leben können, wenn man in der Öffentlichkeit steht.

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Mächtigste Frau, mit der Sie je essen waren?

Mächtig? Jesses, ich gehe nicht mit mächtigen Menschen essen.

Mächtigster Mann, mit dem Sie je essen waren?

Was verstehen Sie unter mächtig?

Ein Bundesrat zum Beispiel.

Ich war mit dem ehemaligen Bundesrat Hans-Rudolf Merz essen.

Ihr grösstes Hobby?

Schwimmen.

Lieblingsdesigner?

Habe ich keinen, ich bin nicht so modebewusst.

Lieblingsduft?

Agent Provocateur.

High Heels oder Turnschuhe?

Turnschuhe.

Wann zuletzt den Kopf angestossen?

Sie meinen im übertragenen Sinn?

Ihre Entscheidung.

Weiss ich nicht mehr.

Wahr, dass Sie nicht gerne Lift fahren?

Ja. Vor Jahren bin ich mitten in der Nacht zu acht in einem Viererlift stecken geblieben. Ich war die einzige Person in der Kabine, die nicht betrunken war.

Wasser oder Wald?

Beides schön, aber ich sage Wasser.

Berg oder Tal?

Tal.

Sie machen auch Prognosen für die Schweiz. Von welchem Geburtsdatum gehen Sie aus?

12. September 1848, damals trat die Bundesverfassung in Kraft.

Was für ein Sternzeichen hat unser Land?

Jungfrau. Pünktlich, tugendhaft, sauber, ordentlich, sparsam, eben alles was zur Jungfrau gehört.

Was prophezeien Sie dieser Jungfrau für das Jahr 2017?

Unser Land ist in einer schwierigen Phase. Saturn signalisiert Spannungen. Saturn ist der Planet der Widerstände, der Verzögerungen und der Unzufriedenheit. Ich denke, die Probleme haben unter anderem mit der Diskrepanz zwischen Bundesrat und Volk zu tun. So sucht man bei der Masseneinwanderungs-Intitiative schon länger nach einer Umsetzung. Ein mühsamer Prozess, der seine Zeit braucht.

Hat bei Ihnen alles symbolische Bedeutung, oder gibt es auch Zufälle?

Vieles hat eine symbolische Bedeutung, aber es gibt auch Zufälle.

Steckt eigentlich noch Handarbeit in den Horoskopen oder macht das alles der Computer?

Es stimmt, das Rechnen der Horoskope übernimmt heute der Computer. Was er allerdings nicht macht, ist die Interpretation. Das ist Kopf- und Kombinationsarbeit und braucht viel Erfahrung.

Und wenn so eine Konstellation gerade nicht so günstig ist? Sprich: Wie gehen Sie vor, wenn bei einem Menschen die Sterne nur Schlechtes sagen?

Gut und schlecht kennen wir in der Astrologie nicht. Wir sagen, es gibt einfache und schwierige Konstellationen. Aber auch schwierige Situationen sind immer für etwas gut. Man muss einfach schauen für was. Ich sage nicht einfach: Daumen hoch oder Daumen runter. Ich schaue, wie man eine Konstellation nutzen, wie man das Beste daraus ziehen kann. Ich suche immer nach dem Positiven, dem Potenzial.

Und wenn es jemand ist, der vor Ihnen sitzt und sagt: Beruflich komme ich nicht weiter, die Stadt gefällt mir nicht mehr, meine Beziehung schleppt sich dahin.

Wenn eine Konstellation schwierig ist, spürt es die Person meistens selber. Wenn überall Baustellen sind und nichts richtig klappen will im Leben, gibt es verschiedene Optionen. Man kann zum Beispiel schauen, wie lange diese Phase noch andauern wird. Oder man kann fragen, was man in einer schwierigen Zeit tun kann, dass es einem besser geht.

Das würde auch ein normaler Coach ganz ohne Horoskop sagen können ...

Klar, man kann schwierige Situationen auch ohne Astrologin durchstehen. Aber die Konstellationen der Sterne geben schon mehr Auskunft, zum Beispiel über den zeitlichen Ablauf, aber auch über mögliche Hintergründe, wie es zu dieser Situation gekommen ist und welche Aspekte der Persönlichkeit dabei tangiert werden.

Gibt es Menschen, die glauben, ohne Ihre Beratung und Ihre Horoskope keine auch noch so einfache Entscheidung mehr fällen zu können?

Nein, die gibt es zum Glück nicht.

Welche Anfragen haben Sie in Ihrer langjährigen Arbeit als Astrologin am meisten überrascht?

(Langes Nachdenken) Für mich gibt es keine Frage, die es nicht gibt und darum kann mich auch nur wenig überraschen. Natürlich gibt es immer wieder Menschen, die zu mir kommen und sagen, dass sie eigentlich nichts von Horoskopen halten. Am Ende sind sie dann überrascht, dass es doch funktioniert. Nur: Für mich ist das keine Überraschung, weil ich ja weiss, dass es funktioniert.

Können Sie das Jahr 2017 astrologisch in drei, vier Sätzen zusammenfassen?

Es wird ein sehr bewegtes Jahr mit vielen Veränderungen – vor allem im Bereich von Beziehungen. Damit meine ich Liebesbeziehungen, aber auch geschäftliche Kooperationen und Beziehungen zwischen einzelnen Ländern. Machtgefüge werden sich verschieben oder haben es bereits getan.

Manche sagen, es drohe ein Dritter Weltkrieg.

So weit würde ich nicht gehen. Aber man kann sicher sagen, in diesem Jahr gibt es ein erhöhtes Risiko und die Gefahr von kriegerischen Auseinandersetzungen steigt.

Zur Person: Monica Kissling

Monica Kissling war ursprünglich in der Werbung und in der Personalselektion tätig. Ihre Astrologieausbildung begann sie im Jahr 1978. Seit 1985 ist Monica Kissling als Berufsastrologin mit eigener Praxis tätig. Sie ist Vizepräsidentin des Schweizer Astrologenbundes (SAB). Kissling ist Mutter einer Tochter und lebt mit ihrem Partner in der Region Zürich.

Literatur zum Thema: «Madame Etoile, wie werde ich glücklich?», Gespräche mit Astrologin Monica Kissling, erschienen im Wörterseh Verlag. 

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«Bluewin»-Redaktor Bruno Bötschi spricht für das Frage-Antwort-Spiel «Bötschi fragt» regelmässig mit Berühmtheiten. Bötschi hat Erfahrung mit Interviews. Für die «Schweizer Familie» betreute er einst die Serie «Traumfänger». Über 200 Persönlichkeiten stellte er dafür die Frage: Als Kind hat man viele Träume – erinnern Sie sich? Das Buch zur Serie «Traumfänger» erschien 2014 im Applaus Verlag, Zürich.
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