23.05.2017 - 06:39

Stéphanie Berger: «Meine Aufgabe als Mami nehme ich sehr ernst»

von Bruno Bötschi, Redaktor
 

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Komikerin Stéphanie Berger spricht über ihre Rolle als Mami, über ihr Talent als Schlägerin und darüber, warum sie mit 39 nicht mehr in den Ausgang geht.

Sommerwetter. Wir sitzen in einem Café an der Seepromenade in Rapperswil. Stéphanie Berger trägt Sportdress, Turnschuhe und Sonnenbrille. Sie war gerade im Training. Kung Fu! Na ja, da fange ich besser mit ein paar netten Fragen an, nicht das ich noch unter die Räder komme.

Bluewin: Frau Berger, wir machen heute ein Spiel. Ich stelle Ihnen in den nächsten 30 Minuten möglichst viele Fragen. Und Sie antworten möglichst schnell und kurz. Wenn Ihnen eine Frage nicht passt, sagen Sie einfach «weiter».

Stéphanie Berger: Schiessen Sie los.

Marilyn Monroe oder Nicole Kidman?

Nicole Kidman. Ich finde es faszinierend, was sie mit ihrem Ex-Ehemann Tom Cruise und der Sienctology-Kirche alles erleben musste. Ich würde gerne einmal mit ihr darüber reden.

Heino oder Dieter Bohlen?

Dieter Bohlen ist mir näher. Ein crazy Typ, aber irgendwie macht er es gut.

Otto oder Marco Rima?

Ähhh ... beide, es sind meine ganz grossen Idole.

Wie würden Sie Ihre ganz natürliche Haarfarbe beschreiben?

Aschblond.

Können Sie einen Blondinenwitz erzählen?

Nein. Ich finde, diese Witze sind so was von out.

Wie lautet Ihre Liebeserklärung an die andere Schweizer Blondine, Kurt Aeschbacher?

Er ist ein grossartiger Moderator und hat die Fernsehlandschaft geprägt wie kein Zweiter.

Warum werden Frauen, die an die Macht wollen, so stark wegen Äusserlichkeiten angegriffen?

Das ist ein Thema für sich. Es ist in einem Satz nicht beantwortbar. Können wir gerne einmal ein Extra-Interview darüber machen.

So ganz grundsätzlich: Haben es Frauen schwerer im Leben als Männer?

Kommt darauf an, was sie wollen. Wenn Frauen eine Karriere machen wollen in einer männerdominierten Branche, dann wird es schwierig. Da muss man als Frau recht Biss haben und es unbedingt wollen, um sich durchsetzen zu können.

Ist Comedy eine männerdominierte Branche?

Ich empfinde es nicht so, weil ich in erster Linie von meinem Publikum abhängig bin – und das sind mehrheitlich Frauen.

Was macht Sie stärker?

Mein tägliches Arbeiten an mir selber.

Was können Frauen besser als Männer?

Empathie.

Was können Männer besser als Frauen?

Es müsste heissen «Was könnten sie besser als Frauen?». Ähm ... stark sein, männlich sein, Entscheidungen treffen, uns Frauen beschützen.

Was nehmen Sie ernst im Leben?

Meine Aufgabe als Mami nehme ich sehr ernst, manchmal vielleicht ein bisschen zu ernst.

Zwischenstand: Das Tempo hoch, die Komikerin konzentriert und schlagfertig. Das Frage-Antwort-Spiel scheint ihr Spass zu machen.

Nach Ihrer Wahl zur «Miss Schweiz 1995» sagten Sie: «Sich liften zu lassen, finde ich daneben.» Diese Meinung bis heute beibehalten?

Voll. Ich möchte in Würde alt werden. Ich bin keine Gegnerin von Botox, ich habe es auch schon probiert. Ich finde es in Ordnung, wenn man es nicht sieht, aber ich würde nicht an mir herumschnippeln lassen.

Verraten Sie Ihr Schönheitsgeheimnis?

Meine Kosmetikerin Yvonne Wälti in Gossau ZH. Ich gebe schon etwas Geld aus für kosmetische Behandlungen. Eben für alles, was man auf natürliche Art machen lassen kann.

Wofür geben Sie zu viel Geld aus?

Anders gefragt: Wofür würde ich viel Geld ausgeben, wenn ich es hätte? Ich würde mir Brilliant-Ohrringe kaufen. Davon träume ich schon ganz lange. Ich weiss auch schon welche, aber die kosten über 2000 Stutz.

Hahaha! Stéphanie Berger lacht laut und verwirft die Hände.

Ihr Lieblingsessen?

Ich liebe Essen generell. Ich habe alles gerne, so lange es ethisch und moralisch vertretbar ist. Wobei, das klingt jetzt etwas geschwollen ... ach chum, bring it on.

Ihre Lieblingsfarbe?

Bordeauxrot.

Lieblingsfluchwort?

Scheisse.

Wo ist die Schweiz am allerschönsten?

Das weiss ich noch nicht. Die Schweiz ist für mich nach wie vor ein Land zum Entdecken. Ich finde das Tessin schön, mir gefällt Zermatt und auch das Bündnerland. Ich war aber noch an zu wenig Orten, als dass ich sagen könnte, dort ist die Schweiz am schönsten. 

Wurden Sie je für Nacktaufnahmen angefragt?

Nein. Soll ich das jetzt als Beleidigung sehen? Aber Sie haben recht, jetzt so kurz vor 40 sollte ich es noch in den «Playboy» schaffen. Danach geht es nicht mehr, weil alles zu sehr hängt (lacht laut).

Ihr revolutionärster Gedanke als Teenager?

Ich weiss alles besser.

Manchmal traurig darüber, dass Sie doch nicht Leibwächterin geworden sind?

Nein, heute nicht mehr, weil ich das Leben nicht mehr als Kampf verstehe, sondern mehr als Abenteuer.

Wann haben Sie sich zuletzt geprügelt?

Gerade vorhin in meiner Kung-Fu-Lektion.

Es gab doch da diesen Typen, der Ihnen in einer Bar an den Allerwertsten ...

... das ist schon lange her. Ja, damals hat es getäscht. Heute würde der Mann dank meiner Kung-Fu-Kenntnisse nicht mehr so glimpflich davon kommen. Ich weiss besser, wie ich schlagen muss, dass es richtig weh tut. Als Frau hat man ja immer Angst, dass der Mann zurückgeschlagen wird, dass dies seine Agressivität zusätzlich steigern wird. Ich würde aber nie aufgeben. Ich sterbe lieber während eines Kampfes, als dass ich mir kampflos etwas gefallen lassen würde.

Waren Sie schon von klein auf derart schlagfertig?

Ich hatte schon immer ein grosses Maul. Aber heute weiss ich besser, wie ich mit Worten umgehen kann.

Lächeln, verschränkte Arme. Angst (beim Interviewer wegen dem Kung-Fu-Training): verfolgen. Stimmung: gelassen bis fröhlich.

Wer schenkt Ihnen mehr Applaus: die Basler, die Berner oder die Bündner?

Die Stärke des Applaus ist nicht von der Region abhängig, sondern vom Verhältnis Frau - Mann im Publikum. Je mehr Frauen, desto mehr Stimmung. Frauen verbringen oft ihren Geburtstag bei mir in der Show und sorgen für eine coole Atmosphäre.

Der schlimmste Moment, den Sie auf der Bühne erleben mussten?

Das war, als ich nach einer zweistündigen Preisverleihung vor ein Publikum treten musste, das nichts zu essen und zu trinken bekommen hatte. Ich sollte die Leute noch 20 Minuten unterhalten, ohne zu wissen, dass die total auf den Felgen waren. Es gab keine Lacher, und ich bin fast gestorben auf der Bühne. Danach musste ich auch noch mit allen Leuten ans Buffet gehen und gute Miene zum bösen Spiel machen. Das war wirklich schlimm.

Gibt es eine fiesere Bezeichnung als Allroundtalent?

Für mich ist das keine Beleidigung. Ich sehe mich mehr als Entertainer denn als Comedian.

Wie war die letzte Firmen-Party, auf der Sie aufgetreten sind?

(Lacht laut) Ich dachte, ich hätte einen super Auftritt hingelegt. Ich fand, ich hätte nach einer langen Tagung eine gute Resonanz gehabt, obwohl fast 90 Prozent Männer im Publikum sassen. Aber der Veranstalter konnt sich fast nicht mehr einrenken, weil ich auf der Bühne von Brüsten, Schnäbis und vom Vögeln gesprochen hatte. Er meinte, ich sei unter aller Sau. In dem Moment verstand ich die Welt nicht mehr, aber ich habe mich gleichzeitig auch sehr amüsiert.

Mit wem wurden Sie auf der Toilette schon verwechselt?

Ähm ... mit der Putzfrau, aber ich habe viel Trinkgeld gemacht.

Wer ist die lustigste Frau auf der Welt?

Die US-amerikanische Komikerin Ellen DeGeneres finde ich ziemlich cool.

Warum sind Frauen lustiger als Männer?

Das würde ich so nicht behaupten. Ich glaube, man kann Frauen und Männer grundsätzlich nicht vergleichen.

Feministin – ja oder nein?

Ich bin eine Charmanze.

Abtreibung – ja oder nein?

Eine ganz persönliche Frage, die jede Frau unbedingt für sich selber entscheiden können sollte.

Prosititution – ja oder nein?

Oh, auch ein schwieriges Thema. Das hat für mich mit ganz viel Tragik zu tun für die Frauen, die es machen müssen, und für die Männer, die es brauchen. Ich würde mir wünschen, es gäbe einen anderen Weg.

Warum gibt es keine Bordelle für Frauen?

Das erstaunt mich auch immer wieder. Es gibt ja Escort-Männer, und das finde ich nichts Verwerfliches. So lange es stilvoll abläuft, wieso nicht? Es ist etwas anderes, wenn es dreckig und grusig abgeht und Menschen ausgebeutet werden. Aber Männer, die sich als Escort anbieten, zumindest hierzulande, haben meist Freude an ihrem Job.

Wann wurden Sie zum letzten Mal als «Fräulein» angesprochen?

Das Wort «Fräulein» habe ich seit meiner Lehre nie mehr gehört.

Wann das letzte Mal einen Lachanfall gehabt?

Als ich während einer Show unabsichtlich den Overall verkehrt rum angzog.

Wann zum letzten Mal geweint?

Beim Film «Plötzlich Papa», den ich vor einigen Wochen im Kino gesehen habe.

Wie merkt jemand, dass Stéphanie Berger schlecht gelaunt ist?

Wenn ich still werde. Ich nenne es den Standby-Modus.

Welches war die glücklichste Zeit Ihres Lebens?

Ich versuche jeden Tag glücklich zu sein. Ich stehe auf und sage mir: Ich habe das Gefühl, dass heute ein richtig guter Tag wird.

Und welches die dunkelste?

Letztes Jahr musste ich herbe Enttäuschungen verarbeiten. Hat sehr lange gedauert und war schwierig, aber ich habe es gemeistert.

Ihr Rezept gegen Stress?

Durchatmen und nicht alles so ernst nehmen. Ich stelle mir dann die Frage, ist die Situation lebensbedrohlich? Nein! Also, take it easy.

Ihr liebstes Hobby?

Kung Fu und Lesen. Ich bin unglaublich wissenshungrig. Dieser Tage habe ich gerade das Buch «Nonkonformisten: Warum Originalität die Welt bewegt» von Adam Grant fertig gelesen. Eine Offenbarung.

Was können Sie gar nicht?

Fussball spielen.

Stéphanie Berger backt Kuchen. Welcher wird es?

Schoggi.

Welcher Bubenname war für Sie geplant?

Adrian, darum heisse ich zum zweiten Namen Adriana.

Welches war der historischste Moment in Ihrem Leben?

Es gibt mehrere. Die Wahl zur Miss Schweiz, meine Hochzeit, die Geburt meines Sohnes, die Premieren meiner drei Solo-Programme und immer, wenn ich spüre, dass ich eine schwierige Herausforderung gemeistert habe.

Ziemlich cool: Stéphanie Berger ist geschieden, trotzdem erwähnt sie ihre Hochzeit als historischen Moment.

Das Buch, mit dem Sie Ihren siebenjährigen Sohn Giulien in den Schlaf lesen?

«Die drei Fragezeichen Kids». Diese Buchserie lieben wir beide.

Beten Sie mit Ihrem Sohn?

Nein, dass klassische Beten übernehmen die Grosseltern. Was wir oft zusammen machen ist, dass wir uns bedanken für den vergangenen Tag.

Glauben Sie an Gott?

Ich glaube an eine schöpferische Macht. Ich glaube nicht, dass man diese personifizieren muss oder benennen. Religion hat für mich vor allem mit einer Frage zu tun: Um was geht es im Leben? Und darauf gibt es nur eine Antwort: Ein guter Mensch sein.

Wann waren Sie zuletzt in einer Kirche?

Schon lange nicht mehr. Aber ich habe fest vor, demnächst wieder einmal das Kloster Einsiedeln zu besuchen. Es ist ein extremer Kraftort.

Wo liegt die vollends entspannte Stéphanie Berger?

Ganz ehrlich: Sand, Palmen, Strand und Meer. In diesem Sommer werde ich es nach mehreren Jahren Pause endlich wieder einmal erleben dürfen.

Wann waren Sie das letzte Mal im Ausgang?

Das habe ich vor zwei Jahren abgehakt. Ich bin auf der Strasse spaziert und einer schrie zum ersten Mal «Milf» hinter mir her, da habe ich entschieden: Es ist gut, ich bleibe daheim.

Wann zum letzten Mal so richtig schön betrunken gewesen?

Das passiert ganz selten, weil ich nicht gerne die Kontrolle verliere. Und wenn ich mich betrinken würde, dann auch nur mit dem Gedanken, es nimmt mir die Hemmungen. Und wenn ich das will, dann passiert das nur in einem sehr sicheren Rahmen.

Und noch eine Beichte bitte: Wie viel Erfahrung haben Sie mit Drogen?

Keine.

Schon Pläne, wie Sie Ihren 40. Geburstag feiern werden?

Älter werden ist super, aber ich weiss echt noch nicht, was ich an meinem 40. Geburtstag machen werde.

Die Hälfte Ihres Lebens ist wahrscheinlich bald rum. Denken Sie manchmal an den Tod?

Ich denke immer wieder an die Endlichkeit, an das eigene Ablaufdatum. Und dann frage ich mich manchmal: Warum wusste ich mit 20 nicht schon so viel wie heute? Ich hätte mir so viel Leid ersparen können. Aber sehr oft ist man mit der Aussenwelt so sehr beschäftigt, dass man für das Innenleben viel zu wenig Zeit aufbringen kann.

Was glauben Sie, kommt danach?

Ich glaube, der Tod ist immer etwas Schönes, weil wir dann nach Hause gehen können.

Zur Person: Stéphanie Berger

Stéphanie Berger, 39, startete ihre Karriere als Miss Schweiz. Nach ihrem Amtsjahr 1995 war die gelernte zahnmedizinische Assistentin tätig als Moderatorin, Sängerin und Schauspielerin. Sie war unter anderem zu sehen im Musical «Space-Dream» oder in der TV-Serie «Lüthi und Blanc» und gab Konzerte mit ihrer Band «X-Age». 2005 besuchte sie die Kölner Comedy-Schule, 2012 präsentierte sie ihr erstes Comedy-Programm «Miss Erfolg». Aktuell ist sie mit ihrem dritten Solo-Programm «No Stress, No Fun!» auf Schweizer Tournee. Berger ist geschieden und lebt mit ihrem siebenjährigen Sohn Giulien in der Region Zürichsee.

Die Karriere in Bildern von Stéphanie Berger zeigen wir Ihnen in unserer Bildgalerie.

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«Bluewin»-Redaktor Bruno Bötschi spricht für das Frage-Antwort-Spiel «Bötschi fragt» regelmässig mit bekannten Persönlichkeiten. Bötschi hat viel Erfahrung mit Interviews. Für die Zeitschrift «Schweizer Familie» betreute er viele Jahre die Serie «Traumfänger». Über 200 Persönlichkeiten stellte er dafür die Frage: Als Kind hat man viele Träume – erinnern Sie sich? Das Buch zur Serie «Traumfänger» erschien 2014 im Applaus Verlag, Zürich. Es ist nach wie vor im Buchhandel erhältlich.
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Bühne und Film: Die Karriere von Comedian Marco Rima

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