15.08.2017 - 23:30

Isabella Schmid: «Es war das dunkelste Kapitel meines Lebens»

von Bruno Bötschi, Redaktor
 

13 Bewertungen


Schauspielerin Isabella Schmid sagt, warum sie Applaus hasst, erklärt, weshalb sie einem Schauspielkollegen eine Ohrfeige verpasste und spricht über die dunkelste Zeit ihres Lebens.

Bluewin App: Neu mit E-Mail

E-Mail & News: Die ganze Welt von Bluewin gibt's jetzt für unterwegs.

Restaurant Casinotheater in Winterthur, kurz nach 13 Uhr: Pause zwischen den Proben für das Theaterstück «Das Abschiedsdinner». Eben hat Schauspielerin Isabella Schmid drei Jakobsmuscheln gegessen. Nun stellt sie den Teller auf den Nebentisch.

Bluewin: Frau Schmid, wir machen heute ein Frage-Antwort-Spiel: Ich stelle Ihnen in der nächsten halben Stunde möglichst viele Fragen und Sie antworten möglichst schnell und spontan. Passt Ihnen eine Frage nicht, sagen Sie einfach «weiter».

Isabella Schmid: Das ist gut.

Salat oder Fleisch?

Beides.

Prosecco oder Champagner?

Wenn ich nur diese Auswahl habe: Champagner.

Ihre teuerste Flasche Wein: wann, wo, wie viel?

In Köln, ein Rioja Reserva, mein Jahrgang, ich schaffte nur die halbe Flasche.

Pause. Isabella Schmid muss jetzt gleich gucken, ob die Antwort gut ankam. Grinsen. Jaja. Eine Charmeurin.

Ihr letztes Candle Light Dinner?

Daran kann ich mich nicht erinnern.

Bild zum Artikel

Schauspielerin Isabella Schmid: «Ich hasse Applaus. Für mich wäre das Theater am besten so: Wir spielen zu Ende, der Vorhang geht zu und fertig.»
Bild: Stephan Pick

Sie sind gerade mit den Proben für das Stück «Das Abschiedsdinner» beschäftigt, dass am 31. August Premiere hat: Ihre Gefühlslage in einem Satz?

Chaos.

Wie gut schlafen Sie vor einer Theater-Premiere?

Gar nicht.

Träumen – ja oder nein?

Kurz vor einer Premiere habe ich regelmässig Alpträume: Ich kann den Text nicht, ich stehe nackt auf der Bühne und die Leute rufen «Buh».

Schnarchen – ja oder nein?

Ja, leider (lacht laut). Also, es ist so: Ich schnarche ab und zu, aber wenn man mir sagt, dass ich geschnarcht habe, dann schnarche ich in der nächsten Nacht nicht mehr. Denn ich kann mich konzentrieren und weiss genau, was ich machen muss, dass ich nicht schnarche.

Das müssen Sie erklären.

Man muss auf dem Bauch oder seitlich schlafen, ein möglichst kleines Kissen verwenden und die Zunge zwischen die Zähne klemmen. Es sieht total unsexy aus.

Isabella Schmid erzählt frisch von der Leber. Wunderbar! 

Pyjama – ja oder nein?

Entweder ein T-Shirt mit Boxershörtlis oder ein bequemes Nachthemd.

Ganz ohne nie?

Weiter.

Jemals ein Abschiedsdinner organisiert?

Ein bewusstes Abschiedsdinner nicht, aber ein unbewusstes: Ich lud ein Pärchen zum Essen ein, welches sich nach dem Abend trennte. Ich habe die beiden danach nie mehr gesehen.

Wie begabt sind Sie als Köchin?

Ich bin eine gute Köchin. Meine Eltern können extrem gut kochen. Als Kinder mussten wir oft in der Küche helfen. So lernte ich von klein auf kochen.

Ging bei einer Ihrer Essenseinladungen schon einmal wirklich alles schief?

Ja. Wenn ich eine Einladung mache, gibt es meistens vier, fünf Gänge, weil ich so gerne koche. An besagtem Abend gab es selbst gemachte Gnocchi. Leider waren die dermassen teigig, dass man sie fast nicht essen konnte. Aber ich hatte keine Zeit, um nochmals neue zu machen. Die Gnocchi wurden von den Gästen nicht wirklich angerührt und zu allem Übel hatte auch noch der Rotwein Zapfen. Ein Kombi, die nicht cool ist.

Streiten Sie gerne?

Sehr, sehr ungern. Ich kann, ehrlich gesagt, auch nicht gut streiten. Ich bin ein extrem friedliebender Mensch.

Womit brachten Sie Ihren Freund zuletzt auf die Palme?

Weiter.

Pause. Das gefällt ihr jetzt: Es spannend zu machen. Oder haben wir gar in ein Wespennest gestochen? Der Kellner kommt an den Tisch: «Haben Sie noch einen Wunsch?» Isabella Schmid hat Lust auf Süsses. Sie bestellt einen Café Gourmand.

Sind Sie gut im Männer anlügen?

Ich bin schlecht im Lügen.

Wann verbrachten Sie zuletzt einen schönen Abend im Kino?

Das war in Zürich, die Komödie «Welcome to Norway».

Ihre erste grosse Leinwandliebe?

James Dean.

Sind Sie ein Nachtmensch?

Ja.

Was ertragen Sie morgens ganz schlecht?

Schlecht gelaunte Menschen. Ich stehe auf und bin sofort gut gelaunt. Ich mag aber auch Stille am Morgen. Es muss nicht immer jemand reden.

Was wirft man Ihnen vor?

Dass ich sehr direkt bin, dass ich etwas viel Temperament habe und dass ich, wenn mir während einem Gespräch etwas in den Sinn kommt, es immer grad los werden muss und mein Gegenüber sich deshalb oft unterbrochen fühlt.

Wann haben Sie das letzte Mal das Gesetz gebrochen?

In Deutschland bin ich kürzlich im Zug schwarzgefahren. Wegen den vielen Verspätungen hatte ich für den Anschlusszug keine Zeit mehr, ein Ticket zu lösen.

Kennen Sie einen Blondinen-Witz?

Ganz viele. Aber die sind alle total blöd. ­ – Wie bewirbt sich eine Blondine? Mit einer Matratze und einem Telefonbuch. Warum? Es hat geheissen, sie solle die Unterlagen und die Referenzen mitbringen. Ha, ha, ha, ich würde so viele Witze kennen, aber die sind alle nicht blond.

Wie lautet Ihre Liebeserklärung an die andere Schweizer Blondine, Jonny Fischer vom Cabaret Divertimento?

Eine Liebeserklärung? Ich kenne Jonny Fischer nicht besonders gut … Du bist so trocken und doch so witzig. Ach, ich bin ganz schlecht in Liebeserklärungen. Helfen Sie mir, bitte!

Mit wem unterhalten Sie sich am liebsten?

Mit Ihnen.

Wie viele Freundinnen haben Sie?

Nicht so viele, fünf.

Wie heisst Ihre allerbeste Freundin?

Ich habe zwei. Birgit ist eine tolle Mutter, hat zwei Kinder, ist Maskenbildnerin, ist sehr selbständig, kümmert sich um alles und hat sich trotz des Nachwuchses nicht verändert. Regine hat eine eigene Step-Tanzschule in Zürich. Sie bewundere ich für ihre Energie, für ihre Power und ihre Geduld.

Welches Hobby aus Teenagerzeiten hat überlebt?

Ein bisschen Steppen.

Welche «Bravo»-Poster hingen an den Wänden Ihres Kinderzimmers?

Keine, ich durfte die «Bravo» nicht lesen.

Wer ist schuld, dass Sie Schauspielerin wurden?

Ich selber. Nein, das stimmt nicht. Es war Rosemarin Metzenthin vom Kinder- und Jugendtheater Metzenthin in Zürich.

Wirklich wahr, dass Sie Ihre allererste Rolle verpatzt haben?

Das stimmt. Als Vierjährige durfte ich während der Weihnachtsaufführung den Stern spielen. Als solcher sollte ich den drei Königen den Weg durch die Kirche weisen. Leider lief ich viel zu früh los. Frau Metzenthin sass da und schaute mich an: Ich werde ihren Blick nie mehr vergessen.

Süchtig nach Applaus?

Ich hasse Applaus. Für mich würde das Theater am besten so funktionieren: Wir spielen zu Ende, der Vorhang geht zu und fertig. Mir ist der Applaus immer etwas unangenehm und peinlich. Ich stehe nicht gerne da, während andere klatschen.

Sind Sie besser, wenn ein Regisseur Sie quält? Oder wenn Sie quälen?

Wenn ich gequält werde, ich bin etwas masochistisch veranlagt. Stefan Huber (Regisseur von «Das Abschiedsdinner», Anmerkung der Red.) quält, aber sensationell gut (lacht laut).

Kein Problem, dass Sie Ihr Freund andauernd küssend auf der Bühne sieht?

Äh, wir sind nicht mehr zusammen … 

Oh, also doch in ein Wespennest. Und damit wäre auch der Beweis erbracht: Isabella Schmid kann nicht gut lügen.

Aber ich denke, es ist sicher nicht einfach, wenn man seinen Partner küssend auf der Bühne sieht. Auch wenn man dem anderen vertraut und man weiss, dass es prinzipiell ohne Zunge passiert, ist das einfach etwas, das niemand gerne sieht. Ich glaube, umgekehrt hätte ich es auch nicht so gerne.

Haben Sie sich auf der Bühne oder im Film schon verliebt?

Als ich ganz jung war, habe ich mich in Hansjörg Bahl verliebt. Aber das ist alter Kafi. Danach ist es nie mehr passiert. Schauspieler sind nicht mein Typ Männer.

Der inspirierendste Teil Ihrer Arbeit?

Ich weiss nicht, ob das eine Inspiration ist. Aber die Claudia, die ich im «Abschiedsdinner» spiele, hat eine sehr fiese Ader. Sie ist böse zu ihrem Mann und gemeinsam mit ihm ist sie fies gegenüber ihren Freunden, die sie zum Essen einladen. Ganz ehrlich, ich würde das privat nicht so hinkriegen. Wenn ich mich von jemandem trennen will, nichts mehr mit ihm zu tun haben will, dann würde ich ihm das direkt sagen. Ich bin überhaupt kein Hinten-rum-Typ. Es fällt mir echt schwer, derart fies auf der Bühne zu sein.

Verdienen Sie genug?

Ja.

Ihre Tagesgage?

Das wollen immer alle wissen. Privat würde ich es Ihnen ganz entspannt sagen. Meine Agentin hätte aber keine Freude daran, wenn sie den Betrag in den Medien lesen würde. Und deshalb: Weiter, bitte.

Wann zuletzt gebetet?

Ich bete nicht zum lieben Gott mit Bart. Ich habe kein Bild von Gott, aber ich rede mit einer nicht definierten Macht und bitte um Hilfe. Das mache ich mehr oder weniger täglich.

Der historischste Moment in Ihrem Leben?

Also Sie meinen die wichtigste Zeit in meinem Leben? Das war, als ich ein halbes Jahr nach Athen gegangen bin und dort zu mir gefunden habe.

Die dunkelste Zeit in Ihrem Leben?

Meine Krankheit und die Trennung.

Vor 19 Jahren sind Sie an Krebs erkrankt: Wie denken Sie heute über diese Zeit?

Ich habe extrem viel gelernt. Ich glaube, ich war immer stark, aber die Krankheit hat mich dankbarer werden lassen. Heute geniesse ich mehr den Augenblick, schaue nicht ständig in die Zukunft. Es gibt jeden Tag Momente, die ich ganz intensiv geniesse.

Würden Sie sagen: Ja, ich bin ein glücklicher Mensch?

Ja, durch und durch.

Eine Frage, die Sie gerade umtreibt?

In zwei Wochen findet die Premiere von «Das Abschiedsdinner» statt: Bringen wir das jemals hin, dass wir die Premiere spielen können?

Worauf sind Sie echt stolz?

Auf meine Familie, auf meinen extrem stabilen Freundeskreis und meine Gesundheit.

Welches Talent hätten Sie gerne?

Singen. Und ich wäre froh, wenn ich einfacher Sprachen lernen könnte.

Sommer oder Winter?

Sommer. Ich mag die Wärme und die Menschen sind besser drauf im Sommer.

Ihr Lieblingsduft?

Seit 20 Jahren der gleiche: Angel von «Thierry Mugler».

Ihre natürliche Haarfarbe?

Strassenköterblond, das langweilige Mittelblond.

Wie sagen Sie es Ihrem Coiffeur?

Einfach nicht immer so gelb (lacht).

Verraten Sie uns bitte Ihren Männergeschmack: Mike Müller oder Viktor Giacobbo?

(Lacht laut) Das ist eine geile Frage. Ich würde von jedem etwas nehmen. Der Miktor wäre perfekt.

Didier Burkhalter oder Alain Berset?

Ich mag den strahlenden Glatzkopf lieber.

Scorpions oder Rolling Stones?

Scorpions. Deren Songs sind mir lieber, aber die Stones sind natürlich auch cool.

Danke, das war toll. Nun müssen wir Isabella Schmid aber noch etwas in die Enge treiben - der Klassiker: Sexfragen. Endspurt.

Unterhalten sich Frauen eigentlich oft über Männerpopos?

Konkret kann ich mich gerade an nichts erinnern. Wie sich ein Mann benehmen soll, habe ich von meinem Vater abgeschaut. Er hat einmal etwas Schönes gesagt: «Wenn die Männer dir nachpfeifen, dann geniess es, denn irgendwann hören sie auf und dann wirst du es vermissen.» Und wenn ich schon dabei bin, diese Geschichte muss ich Ihnen unbedingt erzählen: Kürzlich war ich in Winterthur mit Shorts und Stöggis unterwegs. Irgendwann sagen zwei Typen hinter mir: «Wow, geile Beine» und «Geile Arsch». Als die beiden auf gleicher Höhe waren, drehte sich einer der beiden Männer um, lachte und sagte: «Weisst du was, dir hat der liebe Gott wirklich alles gegeben, nur nicht meine Telefonnummer.» Ich habe geschrien vor Lachen.

Wie ging es weiter?

Ich habe die beiden Männer zum Bier eingeladen.

Woran erkennt ein Mann, dass Sie verliebt sind?

Wenn ich nur noch lache und verlegen bin. Und ich werde ganz schnell rot im Gesicht.

Je einem Mann eine gescheuert, weil er Ihnen zu nah kam?

Oh ja. Einem Schauspielkollegen, der es wagte, während dem Drehen doch noch die Zunge zu benutzen. Dem habe ich eine geknallt. Natürlich nicht während der Szene, dafür bin ich zu sehr Profi, aber danach in der Pause. Das gab Streit, heute ist aber alles wieder gut.

Wann zuletzt geheult?

Vor Rührung in den Kammerspielen Seeb, während ich mit meinen Kölner Schauspielschülern dort zu Gast war. Sie spielten so wahnsinnig gut.

Wie gehen Sie mit dem Klischee der sexy Blondine um?

Auch ich werde älter und dann ist es hoffentlich vorbei (lacht laut).

Augen, Busen, Hintern – in welcher Reihenfolge werden Sie gemustert?

Die Frauen schauen mir zuerst auf den Busen, dann in die Augen, dann verziehen sie das Gesicht. Die Männer gucken zuerst in die Augen und dann auf den Busen. Wer wann auf meinen Hintern schaut, kann ich nicht beurteilen, weil ich das beim Weglaufen nicht sehe.

Vollkommener Blödsinn, dass ein Busen Charakter haben kann?

Vollkommener Blödsinn.

Ihre Definition von einem schönen Busen?

Wenn er gut proportioniert ist. Das kann gross oder klein sein. Und halt ohne Narben, also nicht künstlich.

Hans und Franz heissen die Busen von Heidi Klum.

Oh je.

Haben Ihre Brüste auch Namen?

Nein.

Wen zuletzt an Ihrem Busen getröstet?

Genug Busenfragen. Weiter.

Die Regieassistentin tritt an den Tisch: «Isabella, kommst du bitte?» Die Zeit ist um, die Proben gehen weiter.

Zur Person: Isabella Schmid

Isabella Schmid, 46, ist Schauspielerin. Im Alter von vier Jahren stand sie zum ersten Mal auf der Bühne. 1994 ging sie nach Deutschland und spielte in diversen TV-Produktionen mit. Am bekanntesten wurde sie durch ihre Rolle als Lollo Fuchs in der Knastserie «Hinter Gittern – Der Frauenknast». Heute ist Schmid regelmässig in Theater- und Filmproduktionen in Deutschland und der Schweiz zu sehen. 2005 gründete sie «Cinema for Life» – Prominente engagieren sich mit unterschiedlichen Projekten für Krebspatienten und deren Angehörige. Schmid betreibt zudem in Köln die Jugend- und Kinderschauspielschule Bell Academia, die ab September auch einen Ableger in Zürich hat. Sie lebt in Köln und Zürich.

«Das Abschiedsdinner» wird ab 31. August im Casinotheater in Winterthur gespielt: Tickets können online gekauft werden.

Ab 21. Dezember ist Schmid im Kino zu sehen: Im Kult-Comic «Papa Moll» spielt sie die Mama Moll.

Bild zum Artikel

«Bluewin»-Redaktor Bruno Bötschi spricht für das Frage-Antwort-Spiel «Bötschi fragt» regelmässig mit bekannten Persönlichkeiten. Bötschi hat viel Erfahrung mit Interviews. Für die Zeitschrift «Schweizer Familie» betreute er viele Jahre die Serie «Traumfänger». Über 200 Persönlichkeiten stellte er dafür die Frage: Als Kind hat man viele Träume – erinnern Sie sich? Das Buch zur Serie «Traumfänger» ist im Applaus Verlag, Zürich, erschienen. Es ist im Buchhandel erhältlich.
Bild: zvg

Viktor Giacobbo: «Meine Figuren funktionieren wie Comic-Helden»

  • Giacobbo Viktor
  • Eleonor Giebler
  • Erwin Bischofberger
  • Debbie Mötteli

Weitere Artikel

Anzeige
Bitte aktivieren Sie Javascript für die beste Browserfunktionalität