28.08.2017 - 22:22

Michael Elsener: «Ich sah aus wie ein blonder Langhaar-Dackel»

von Bruno Bötschi, Redaktor
 

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Komiker Michael Elsener erklärt, wie er sein Haar pflegt, verrät, wie ihn Langeweile kreativ macht und sagt, warum er seit Wochen auf eine E-Mail von Christa Rigozzi hofft. Ein Interview.

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Ein Schweizer, wie er im Buche steht: Um 14 Uhr haben wir in einem Restaurant in Zürich abgemacht, um 13.59 Uhr schliesst Komiker Michael Elsener vor dem Lokal sein Velo ab. Nachdem er dem Journalisten aus der Patsche geholfen hat, der das Portemonnaie nicht findet und deshalb an der Bar nicht bezahlen kann, nehmen wir in der Gartenwirtschaft Platz. Elsener hat ein Stück Rüeblitorte bestellt. Na dann, fangen wir doch mit ein paar süssen Fragen an.

Bluewin: Herr Elsener, wir machen heute ein Frage-Antwort-Spiel: Ich stelle Ihnen in der nächsten halben Stunde möglichst viele Fragen und Sie antworten möglichst schnell und spontan. Passt Ihnen eine Frage nicht, sagen Sie einfach «weiter».

Michael Elsener: Schiessen Sie los.

Wonach riechen Sie?

4 Prozent nach Michael und 96 Prozent nach der stark parfümierten Frau, die gerade hinter meinem Rücken Platz genommen hat.

Was sagen Sie zu Ihrem Coiffeur?

Ich sage meistens relativ wenig, weil mein Coiffeur selber gerne redet. Mein Standardspruch lautet: «So wie immer.»

Wie pflegen Sie Ihr Haar?

(Lacht laut) Ich finde es toll, dass dieses Interview bereits mit Fragen zu meiner Frisur anfängt, diese werden sonst meistens am Schluss gestellt. Wie ich meine Haare pflege? Praktisch nicht. Ich wasche sie, wenn es mir gerade in den Sinn kommt.

Je die Haare gestreckt?

Ja. Vor fünf Jahren hatte ich noch um einiges längere Haare. Einige Kolleginnen fragten sich damals: Wie sehen seine Haare wohl gestreckt aus? Ich wehrte mich dagegen und wollte sie nicht an meine Haare lassen. Leider verlor ich kurz darauf eine Wette und ich musste eine Streck-Prozedur über mich ergehen lassen. Ich sah aus wie ein blonder Langhaar-Dackel.

Lieblingsfarbe?

Blau.

Klassenclown oder Mauerblümchen?

Pause. Riesenpause. Michael Elsener denkt nach. Man spürt, der Komiker will eine möglichst witzige Antwort geben.

Ich war eine Blume, die im richtigen Moment blühte. Ich war nicht gerne der Klassenclown, weil ich relativ rasch kapiert habe, dass wenn man ständig die Aufmerksamkeit des Lehrers auf sich zieht, man viel mehr Probleme im Leben hat. Deshalb habe ich tendenziell nur zwei Mal im Tag einen Joke gemacht und nicht fünf Mal pro Stunde.

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Komiker Michael Elsener: «Ich hoffte, dass Christa Rigozzi meinen Clip auf Ihrer Facebook-Seite promoten würde. So dreist war sie dann aber doch nicht.»
Bild: Alexandra Wey

Ihr Pubertätsproblem?

Meine Frisur. Ich wollte meine Haare unbedingt wachsen lassen, wie das all meine Rockerkollegen auch gemacht haben. Während sie lange Mähnen bekamen, wurde meine Frisur aber nur immer runder.

Waren Sie ein hässlicher Teenager?

Elseners Tick: Fast nach jeder Frage wirft er den Kopf nach hinten, schmunzelt und verunsichert zusehends den Journalisten. Und die Rüeblitorte? Wurde bisher nicht angerührt.

Ich wurde hübscher, je mehr die Teenagerzeit vorbei ging. Aber heute habe ich das Gefühl, es nimmt langsam wieder ab. Aber wie diese Prozesse genau funktionieren, weiss ich nicht. Oder können Sie mir vielleicht helfen?

Warum hat die Pubertät ein derart schlechtes Image?

Ich glaube nicht, dass die Pubertät ein schlechtes Image hat. Wenn ich zurückschaue, denke ich manchmal, es wäre geil, nochmals Teenager zu sein. Das einzige Problem, dass man als Teeanager hat: Man ist innerlich unglaublich verkrampft, muss sich aber äusserlich total locker geben.

Mal zugeschlagen?

Nein, nein, ich bin ein absolut gewaltfreier Mensch. Ich rede sehr gerne und viel. Ich bin überzeugt davon, dass sich alles, wirklich alles, in einem Gespräch lösen lässt.

Ihr Trick, die Jugend zu verderben?

Was ist das für eine Frage? Buhhh ...  

Was sind das für Fragen! Stimmt.

Wenn man ein gewisses Alter erreicht hat, hat man automatisch das Gefühl, die Jugend sei verdorben. Da muss man gar nichts machen – einfach nur warten, bis man älter wird. Dann gelten bereits die kleinsten Dinge, die die Jungen machen, als verdorben. Bei mir ist momentan noch alles okay, aber schauen wir, wie ich in zehn Jahren über die Jugend reden werde.

Ihre erste Arbeit für Geld?

Ich habe am Strassenrand Steine aus unserem Garten verkauft. Steine, die ich besonders schön fand. Gewisse Leute haben sie mir auch wirklich abgekauft – wahrscheinlich aus Mitleid.

Traumberuf?

Es ist das, was ich heute mache. Früher konnte ich nicht genau benennen, was es für ein Job ist. Aber ich realisierte schon als junger Mensch, dass ich es sehr befriedigend finde, wenn die Leute lachen.

Haben Sie je Ihren IQ testen lassen?

Ich glaube, an der Aushebung ist der IQ getestet worden. Dort setze ich jedoch alles daran, ein paar Promille dümmer zu erscheinen als ich bin und ich bin davongekommen. (lacht)

Ihre allererste Parodie?

Als allererstes habe ich Verwandte parodiert. Meine Eltern sagten: «Michi, es ist ja lustig, wenn du unsere Verwandten nachmachst, aber kannst du damit vielleicht warten, bis sie gegangen sind?»

Sie wollten natürlich nicht warten.

Nein. Ich merkte schnell, die Parodien sind lustiger, wenn die Verwandten noch da sind.

Was hielten Ihre Eltern davon?

Sie bemerkten bald einmal, dass ich alles mache für einen Lacher. Zudem fanden sie die Parodien, wie gesagt, auch lustig. Also warum etwas unterbinden, das ihnen ebenfalls Spass bereitete?

Wirklich wahr, dass Sie wegen Fernsehmoderator Kurt Aeschbacher berühmt wurden?

Den Kurt habe ich während der Kantizeit zum ersten Mal parodiert, als ich anstelle einer klassischen Maturaarbeit einen Comedy-Abend veranstalten durfte. Ja, dem Kurt habe ich viel zu verdanken. Es ist eine Parodie, die mir immer sehr ring von der Hand ging und die dadurch auch immer viel bei den Zuschauern ausgelöst hat. Ich weiss gar nicht, wie viele Nummern ich bereits als Kurt Aeschbacher gemacht habe. Auf jeden Fall: Danke, Kurt!

Gute Antwort. Er weiss es. Er zwinkert.

Wer hat Ihnen als Erster vom Job als Komiker abgeraten?

Mein allererster Regisseur und grosser Förderer, Franz Odermatt. Als ich bei ihm vorbei ging, hat er es mir vier Mal ausgeredet. Erst beim fünften Mal, als ich ihm sagte, er solle mit mir an einem Programm arbeiten, meinte er: «Okay, das erste Mal hast du überstanden. Aber ich sage dir, es wird noch viel schlimmer werden.»

Seit wann sind Sie mediengeil?

Mediengeil bin ich just seit dem 20. September 2015, an diesem Abend feierte mein Programm «Mediengeil» Premiere. Ich gebe aber zu, im Voraus war ich zur Vorbereitung auch schon ein bisschen mediengeil.

Süchtig nach Applaus?

Nein, überhaupt nicht. Ich habe es in den Sommerferien wieder gemerkt: Es geht mir so gut, wenn ich zweieinhalb Monat lang irgendetwas anderes mache.

Was lehrt Jugend?

Dass alles vergänglich ist, aber man das im Moment selber eben nicht kapiert.

Und was das Alter?

Dass alles vergänglich ist und man es schnallt. Aber das macht es nicht unbedingt einfacher. (lacht laut)

Ihr erstes Buch, das Sie gelesen haben?

Das Buch, das Sie zuletzt gelesen haben?

«I found this funny» vom US-amerikanischen Drehbuch-Autoren Judd Apatow. Ich las es auf Englisch. Wenn ich wählen kann, ein Buch auf Deutsch oder in der Originalsprache zu lesen, nehme ich lieber das Original.

Gibt es einen Denker, der Sie begleitet?

Einer, der mich fasziniert mit dem, was er sagt? Schwierig zu sagen, spontan fallen mir Fischli und Weiss ein. Das Künstlerduo hat einmal ein Büchlein herausgegeben, das nur Fragen enthielt. Das fand ich sehr anregend.

Wo kriegen Sie Ihre Sprüche her?

Die Sachen kommen mir meistens in den Sinn, wenn ich mich langweile. An der Uni gab es Vorlesungen, die deshalb sehr kreativ für mich endeten. Und weil ich mittlerweile erlickt habe, dass ich durch Langweile angeregt werde, suche ich in den Veranstaltungskalendern der Tageszeitungen immer wieder Vorträge raus, die mich nicht interessieren ... Was war der letzte nochmals? Ach genau, wie zieht man Schildkröten daheim im Garten auf. Ich ging also da hin und bin während des Vortrages total abgeschweift und fing an einen Sketch zu schreiben.

Ihr Tick beim Texten?

Um kreativ sein zu können, brauche ich, wie gesagt, die Langweile. Danach, wenn es darum geht, den Text in Bühnenform zu bringen, brauche ich viel Konzentration. Ich drucke den Text aus, gehe in einen Park und trage ihn mir selber vor. Ich bin regelmässig auf der Guggiwiese in Zug anzutreffen. Dort, zwischen den zwei grossen Bäumen, sitze oder stehe ich und gestikuliere herum. Das führte auch schon dazu, dass Leute, die mich nicht kennen, meine Nachbarn gefragt habe, was das wohl für ein Drogensüchtiger sei ...

Lieblingswort?

Grossartig.

PC oder Mac?

Mac. Schon seit einer Ewigkeit. Ich hatte bereits einen Mac, als man dafür noch gehänselt wurde.

iPhone oder Android?

Momentan iPhone, aber ich bin mir schwer am überlegen, ob ich zu Android wechseln soll.

Schon die Datei «Roman» auf Ihrem Computer eröffnet?

Nein, da muss man zuerst eine Idee haben und dann die Datei eröffnen.

Wo schreiben Sie am liebsten?

Daheim auf der Terrasse. Da kann ich mich, wenn ich Hunger habe, in der Küche verköstigen. Sonnenlicht ist auch ganz wichtig.

Ihr himmlischster, wirklich glückseligster Moment auf der Bühne?

Mir geht es dann am besten, wenn ich nicht an meinem Programm festhalte. Also wenn ich zum Beispiel mit den Leuten im Publikum rede und sie mir antworten und ich diese Sachen in mein Programm einbauen kann. Ich bin dann am glücklichsten, wenn ich selber überrascht bin, dass mein Bauchgefühl einen Witz konstruiert hat, obwohl dies mein Kopf noch gar nicht wirklich kapiert hat.

Je während eines Auftritts den Text vergessen?

Immer wieder. Meistens  passiert es in der ersten Vorstellung nach den Sommerferien. Alle Leute, die also an meine erste Vorstellung im September kommen, seien deshalb schon vorgewarnt. Ich mag diese Situationen, weil jeder im Saal merkt, dass der auf der Bühne jetzt besonders gefordert ist, weil er nicht weiter weiss.

An welche Parodie-Rollen trauen Sie sich nicht ran?

Ich mache keine Parodie von US-Präsident Trump, weil ich finde, das macht zur Zeit jeder. Deshalb finde ich es uninteressant.

An welcher Rolle sind Sie gescheitert?

Das ist schlussendlich das Geheimins von guter Comedy: Ganz viel ausprobieren und im Programm nur ganz wenig zeigen. Zudem funktionieren manche Typen zu einer gewissen Zeit noch nicht richtig. An Bundesrat Schneider-Ammann bin ich anfänglich gescheitert. Als er gewählt wurde, hörte ich zwei Interviews mit ihm und dachte: «Wie der redet, das ist unglaublich komisch. Ein Mensch, der sich nicht klar artikulieren kann und dann ausgerechnet Politiker wird. Ein Job, bei dem es doch vor allem ums Reden geht.» Kurz darauf machte ich den Schneider-Ammann also auf der Bühne. Gelacht hat niemand, weil niemand wusste, wie der Typ redet. Erst seit seiner Ansprache zum «Tag der Kranken» 2016 wurde mein Schneider-Ammann-Auftritt zur Sternstunde. Ich nahm quasi meine alten Texte hervor, die Stimme konnte ich ja bereits und war so der Erste, der den Bundesrat parodieren konnte.

Elseners Antworten werden immer länger. Ob er vielleicht mal ein Stück Rüeblitorte essen will? Der Journalist sagt, man könne gerne eine Pause machen. Keine Antwort, der Komiker will die nächste Frage und die Rüeblitorte muss weiter warten.

Worauf sind Sie stolz?

Äh, stolz? Stolz ist das falsche Wort. Mir ist in diesem Sommer nochmals bewusst geworden, dass ich mich einfach sehr glücklich fühlen darf, weil ich genau den Job machen kann, von dem ich immer geträumt habe, aber lange dachte, dass es nie funktionieren würde. Ich realisiere jetzt, ich habe genügend Arbeit und weiss bereits, was ich am 7. November 2018 machen werde. Ich habe also eine Kündigungsfrist von mehr als einem Jahr. Das finde ich wunderbar.

Ist es interessant, Mächtige zu parodieren?

Es sind die interessantesten Parodien. Es ist nicht wirklich lustig, Ex-Bachelor Vujo zu parodieren, weil der eh stumpfsinnige Sätze von sich gibt. Da kann ich also nicht mehr viel dazu beitragen.

Wundern Sie sich manchmal darüber, wie viel Erfolg Sie haben?

(Lacht) Ich finde es jedes Mal berührend vor einer Vorstellung hinter dem Vorhang zu warten. Ich höre dann das Gemurmel des Publikums, manchmal lauter und manchmal leiser. Wenn es laut ist, weiss ich, es gibt einen guten Abend. Dann denke ich jeweils, jetzt sind wieder ein paar hundert Leute hier und haben sich schon lange im Voraus darum gekümmert, ein Ticket zu kaufen – und sind dann mit dem Zug oder dem Auto hergekommen. Sie haben also einiges unternommen, dass sie da sein können. Das berührt mich.

Wie war nochmals die Frage? Egal, eine reizende Geschichte.

Manchmal eifersüchtig auf Fabian Unteregger?

Nein. Ich fände es aber toll, wenn ich ebenfalls Helikopter fliegen könnte. Auf seine Frisur bin ich definitiv nicht eifersüchtig.

Das historischste Ereignis in Ihrem Leben?

Meine Geburt.

Rückblickend nach über einem Jahrzehnt als Parodist: Hat sich der ganze Ärger gelohnt?

Ja. Vor allem hat es sich auch deshalb gelohnt, weil ich als Parodist anfing, aber heute viel mehr mache; von Stand Ups über Video-Clips zu aktuellen Themen auf Facebook, ich singe auf der Bühne und spiele Figuren. Mein Spektrum hat sich verbreitert, weil ich realisiert habe, dass noch viel mehr möglich ist. Mittlerweile sind die Parodien die Perlen auf der Bühne, 80 Prozent sind aber andere Sachen.

Unterbrechung. Ein Kollege des Komikers hat am Nebentisch Platz genommen. Kurzer Wortwechsel und die Frage, ob der Kollege ein Stück Rüeblitorte essen möchte: «Nein, danke.»

In einem Interview sagten Sie: «Ich bin glücklicher, wenn ich weniger mache.» – Heisst das übersetzt, Sie müssen Prozac oder andere Antidepressiva schlucken, während Sie auf Tournee sind?

Überhaupt nicht. Man wünscht sich ja immer, dass man tolle Sachen machen kann. Dann gab es plötzlich den Zeitpunkt in meinem Leben, wo ich realisiert habe, dass ich fast nur noch tolle Sachen machen kann. Aber es sind einfach unglaublich viele tolle Sachen. Und da merkte ich, zu viele tolle Sachen machen, ist auch doof, weil ich fast nicht mehr dazu komme, diese richtig zu geniessen. Heute jagt ein Auftritt den anderen und ich habe fast keine Zeit mehr, diese richtig zu verarbeiten.

Wann zuletzt einen Lachanfall gehabt?

Einer der grössten Lachanfälle hatte ich kurz vor der Sommerpause. Während einer Vorstellung hatte ich ein Gespräch mit einem Gast in der zweiten Reihe. Der Typ druckste herum und wollte nicht sagen, was er genau arbeitet. Mit der Zeit wurde es so absurd, weil er meine Fragen immer nur mit irgendwelchen Überbegriffen beantwortete, bis irgendwann alle im Saal schallend lachten. Am Ende wurde klar, dass er der Oberboss eines grossen Schweizer Logistikbetriebes ist und einfach die ganze Zeit versuchte, alles klein zu reden.

Warum zuletzt geweint?

Am Wochenende war ich auf einer Hochzeit eingeladen. Als das Brautpaar sich gegenseitig das Liebesversprechen gab, hatte ich Tränen in den Augen.

Netteste Erinnerung an Alkohol?

Auch an besagter Hochzeit.

Filet oder Bratwurst?

Wenn ich die Wahl hätte, würde ich ein gutes  Filet wählen, allerdings esse ich nur wenig Fleisch.

Fussball oder Eishockey?

Fussball.

Metallica oder Jay Z?

Metallica.

Ihre Lieblingskomikerin?

Samantha Bee.

Ihr Lieblingskomiker?

Jon Stewart.

Ihre Lieblingsdroge?

Warme Himbeersauce.

Ihre männlichste Seite?

Die rechte Seite.

Die letzten Antworten kamen: raketenschnell. Na dann: weiter in diesem Tempo.

Ihre weiblichste Seite?

Die linke.

Wann zuletzt eine Nacht durchgemacht?

Vor kurzem habe ich mit meinen Jungs, wir kennen uns seit wir Teenager waren, Ferien am See gemacht. Wir haben die Nacht durchgetanzt bis die Sonne wieder aufging und dann sind wir nochmals baden gegangen.

Sagen Sie «billig» oder «günstig»?

Meistens günstig, ausser es ist billig.

Was kostet ein Liter Milch?

1.80 Franken.

Schon mal hart gearbeitet, ohne Geld dafür gekriegt zu haben?

Ja, als Pfadi-Gruppenleiter.

Welche Farben haben Ihre Kreditkarten?

Schwarz-Anthrazit.

Ihr Jahresverdienst?

Das hat hier keinen Platz.

Ihre Bank?

Mehrere.

Wie viele Daueraufträge haben Sie?

Einer, für die Wohnungsmiete.

Wovon lassen Sie die Finger?

So lange man eine Pointe daraus machen kann, eigentlich von Nichts.

Wird beleidigen immer schwieriger?

Ich habe das Gefühl, man denkt, dass es schwieriger wird. Aber in Wirklichkeit ist das Gegenteil der Fall. Viele Leute sind heute viel gereizter als noch vor ein paar Jahren. Es braucht heute weniger, um einen Menschen zu beleidigen, weil man sich über die sozialen Medien viel schneller äussern kann.

War wegen Ihrer Parodien schon jemand verletzt?

Menschen, die ich parodiere, schreiben normalerweise ein Mail, wenn sie die Parodie zum ersten Mal gesehen haben und bedanken sich, dass sie quasi zweimal leben dürfen. Das freut mich jeweils sehr.

Wie hat Christa Rigozzi Ihre Video-Kritik an Ihrem «Arena/Reporter»-Auftritt aufgenommen?

Ich hoffte, dass sie meinen Clip auf Ihrer Facebook-Seite promoten würde. So dreist war sie dann aber doch nicht. Ich habe bisher noch nichts gehört von ihr, aber ich war jetzt auch in den Ferien und habe noch nicht alle meine Mails bearbeitet.

Stellen Sie sich vor, die folgenden Leute hören Ihnen zu. Was sagen Sie zu Bundesrat Johann Schneider-Ammann?

Bitte tritt nicht ab.

… George Clooney?

Ich finde es mühsam, dass du Nespresso so populär gemacht hast, denn nun steht fast an jedem Auftrittsort so eine Kaffeemaschine in meiner Garderobe.

… zu Mona Vetsch?

Ich mag dich.

… zu Christoph Mörgeli?

Ich mag dich auch. Irgendwie.

… zu Christa Rigozzi?

Bitte melde dich.

Mit wem unterhalten Sie sich am liebsten?

(Langes Nachdenken) Um niemand zu beleidigen: mit mir selber. Beim Texten und Dialogschreiben finde ich das wirklich total faszinierend, dass man im Kopf zwei Figuren sein und miteinander reden kann.

So grundsätzlich: Sind Ihnen Menschen sympathisch?

Ja, ich habe Menschen viel lieber als Katzen.

Stichwort Heimat: Was haben Sie da vor Augen?

Mein Sofa.

Ihre Lieblingsbeiz?

Zur Zeit das Kafi Dihei in Zürich.

Wenn Sie ins Meer hinausschwimmen: lieber allein oder zu zweit?

Allein, das ist grossartig ... auf den Rücken liegen, den Himmel anschauen und sich schwerelos fühlen.

Wie alt werden Sie?

Wahrscheinlich zu alt, wie wir alle.

Was wirft man Ihnen vor?

Der grösste Vorwurf von einem Journalisten war, ich sei zu nett. Aber ich glaube, er hatte meine Nummer nicht begriffen.

Je ein Interview abgebrochen?

Einmal gar nicht angefangen.

Wie viele Freundinnen und Freunde haben Sie?

Momentan gerade so viel, dass ich alle in sehr regelmässigen Abständen sehen kann.

Wie hätten Sie geheissen, wenn Sie ein Mädchen geworden wären?

Diese Option hat scheinbar in den Köpfen meiner Eltern gar nicht bestanden. Als ich meine Mutter einmal danach fragte, sagte sie, sie hätte gespürt, ich würde ein Bub werden.

Privat weiss man wenig über Sie. Warum?

Die Leute kommen in meine Vorstellung, weil sie sehen wollen, was ich auf der Bühne mache. Alles andere findet quasi auf einer anderen Bühne, einer anderen Welt statt.

Und die Rüeblitorte? Unberührt. Bis zum Schluss.

Zur Person: Michael Elsener

Michael Elsener, geboren 1985, ist Kabarattist und Parodist. Seit 10 Jahren tourt er mit abendfüllenden Soloprogrammen durch die Schweiz und Deutschland. Seit 2015 ist er mit seinem dritten Programm «Mediengeil» unterwegs. Elsener hat 2010 an der Universität Zürich das Studium der Politikwissenschaften und Publizistik mit dem Master abgeschlossen.

Ab 31. August gibt Elsener alias Sparfuchs Ronny Buser jeweils am Donnerstagmorgen Spartipps auf SRF 3. Die Buser-Videos sind danach auf der Facebook-Seite von Elsener zu sehen.

Und ab September ist der Komiker wieder auf Tournee – von Hamburg bis Winterthur: Tickets können online gebucht werden.

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«Bluewin»-Redaktor Bruno Bötschi spricht für das Frage-Antwort-Spiel «Bötschi fragt» regelmässig mit bekannten Persönlichkeiten. Bötschi hat viel Erfahrung mit Interviews. Für die Zeitschrift «Schweizer Familie» betreute er viele Jahre die Serie «Traumfänger». Über 200 Persönlichkeiten stellte er dafür die Frage: Als Kind hat man viele Träume – erinnern Sie sich? Das Buch zur Serie «Traumfänger» ist im Applaus Verlag, Zürich, erschienen. Es ist im Buchhandel erhältlich.
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