11.10.2017 - 22:30, von Sarah Forrer/SDA/AWP Multimedia

Moderator Nik Hartmann: «In den Bergen treffe ich weniger Idioten»

 

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Das «Schnure» ist gleichzeitig Beruf und Berufung, seit 20 Jahren arbeitet der Moderator beim SRF und plauderte für seine Arbeit mit zighunderten Menschen aus allen Gesellschaftsschichten. Nik Hartmann über sein Land, seine Familie und den «Dubel-Koeffizient».

Kaum einer eignet sich besser für die Serie «Wir sind die Schweiz» als Nik Hartmann. Für «SRF bi de Lüt» ist er in den letzten 10 Jahren über 1400 Kilometer quer durch das Land gewandert und hat mit zighunderten Menschen geplaudert. Er weiss: Oberhalb von 1000 Meter gefällt es ihm am besten.

Wäre die Schweiz seine Wohnung, wäre das Radiostudio seine Küche: Nik Hartmann findet im siebenstöckigen Betongebäude in Zürich alle Zutaten, die er für eine gute Sendung braucht. Freiheit, den regen Austausch mit seinen Teamkollegen und die Möglichkeit, sich auch mal die Finger zu verbrennen oder einen Teller zu zerschlagen. «Hier können wir experimentieren – das gefällt mir», sagt er, stellt einen Pappbecher unter die Kaffeemaschine und drückt «Cappuccino».

Seit 20 Jahren arbeitet der 45-Jährige als Moderator beim Radio SRF3. Er hat die Morgenshow moderiert, den abtretenden SRG-Generaldirektor parodiert und für «jeden Rappen zählt» im Glashaus gastiert. Das «Schnure» liegt dem Zuger – auch fernab vom Mikrofon. Er witzelt mit dem Koch in der Kantine, genau gleich wie mit der Empfangsdame. Und übernimmt dabei die Sprache seines Gegenübers: Von Zug übers Wallis bis nach Bern. Doch nicht nur die Dialekte sind ihm vertraut. Er kennt die gesamte Schweiz – und sie ihn. 

Bluewin: Herr Hartmann, Sie sind einer der populärsten Moderatoren hierzulande. Man nennt Sie «Wanderer der Nation» oder auch «Nik National»: Verkörpern Sie den typischen Schweizer?

Nik Harmann: Eigentlich mag ich keine Typisierungen… Was mich aber mit den meisten Schweizern verbindet, ist der Stolz auf das Land, auf unsere Natur. Die Schweiz ist einfach atemberaubend schön!

Seit 10 Jahren wandern Sie durch die Schweiz. Hat sich Ihr Blick auf das Land verändert?

Meine Schweiz ist geschrumpft – rein geografisch. Wenn ich an einem Abend von Interlaken nach Poschiavio reisen muss, ist das keine Distanz mehr. Dabei hat sie nicht an Spannung verloren: Es gibt so viele Ecken zu entdecken; so viele Menschen, mit denen sich zu reden lohnt. Das geht nicht nur mir so: Auf Instagram posten mittlerweile hippe Städter Fotos, wie sie mit ihren auf alt getrimmten Rucksäcken durch die Schweiz wandern.

Welcher Ort gefällt Ihnen am besten?

Alles über 1000 Meter.

Das kommt ja wie aus der Pistole geschossen…

Es ist eine häufige Frage. Und die Antwort fällt immer gleich aus. Mir liegen die Bergler: Das Tempo ist langsamer, die Leute sind bodenständiger. Und in der Höhe nimmt der «Dubel-Koeffizient» überproportional ab.

«Dubel-Koeffizient»? Das müssen Sie erklären!

(Lacht) In den Bergen habe ich noch fast keine Idioten getroffen. Mir kommt es vor, als sei die Höhe ein natürlicher Filter. Nehmen Sie die SAC-Hütten: Ich habe fast 40 besucht. Die Leute dort sind einfach, naturverbunden. Das liegt mir. Dort fühle ich mich sehr wohl.

Wohl fühlt sich der 45-Jährige auch auf der Bühne. Diese hat er vor zwei Jahren für sich entdeckt – auf der Suche nach einer neuen Herausforderung. Fernab vom kahlen Radiostudio, vom strukturierten Fernsehen, ganz auf sich alleine gestellt – oder wie es Hartmann umschreibt: «Füdliblutt. Ohne Knopf im Ohr und Team im Rücken» sei die Bühne die reinste Form von Unterhaltung.

Und obwohl Nik Hartmann ein geübter Hase ist, hat ihn die Premiere einige Schweisstropfen gekostet. «Ich war unglaublich nervös.» Umsonst: Das Programm kommt an. Und zwar von Anfang an. Seine «Tour de Suisse» auf der Bühne mit Anekdoten, Musik- und Bildeinlagen trifft einmal mehr den Nerv der Schweizer. Im Publikum sitzen sowohl Familien wie auch junge Pärchen und alte Grosis mit violettem Schimmer im Haar. 

Ob auf der Bühne oder im Fernsehen: Sie scheinen im Kontakt mit Menschen keine Berührungsängste zu haben. Inwiefern hat ihr behinderter Sohn Melchior dazu beigetragen, Hemmungen abzubauen?

Ich lerne sehr viel von ihm. Vor allem was die Kommunikation betrifft. Mein Job ist das «Schnure» - und Melchior kann nicht sprechen. Da waren anfänglich Welten zwischen uns. Bis ich merkte, dass es viel mehr gibt als DIE Sprache. Da sind die Augen, die Hände, das Gesicht. Es gibt eine farbige Palette, sich zu verständigen. Das hilft mir auch im Job: Ich gehe heute sensibler, weicher mit Menschen um – nehme ihre Zeichen besser wahr. Dadurch ergeben sich oft intensivere Gespräche.

Sie und Ihre Familie gehen sehr offen mit der Behinderung Ihres 8-jährigen Sohnes um.

Warum nicht? Wir sind eine ganz normale Familie und da gehören alle dazu. Deshalb gehen wir mit Melchior auch Skifahren oder nehmen ihn an Anlässe mit. Schauen Sie: Ich wünsche niemandem eine Behinderung. Aber man kann sie zu 100 Prozent positiv sehen. Davon bin ich überzeugt. Melchior hat uns eine ganz neue Welt eröffnet.

Wie sieht diese Welt denn aus?

Mit ihm leben wir sehr im Moment – müssen flexibel bleiben und unsere Pläne je nach Tagesform anpassen. Grosse Sprünge liegen nicht drin. Dadurch verlaufen unsere Wochenenden ruhiger als bei andern Familien. Das nimmt aber auch den Druck, immer etwas machen zu müssen …  

Kann einer wie Nik Hartmann denn ruhen?

Ja, selbstverständlich. Ich ruhe einfach sehr aktiv.

Gesprächsserie: «Wir sind die Schweiz»

Die Schweiz ist ein Land, in dem man gerne lebt, in dem fast alles funktioniert, manches sogar perfekt. In unserer Gesprächsserie «Wir sind die Schweiz» sprechen wir mit Menschen aus unserem Land über ihre Sicht auf die Heimat. Den Anfang machten Swiss-Pilotin Alexandra HärtnerRaiffeisen-CEO Patrik GiselSAC-Hüttenwartin Barbara Wäfler und ETH Professor Robert Riener.

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