27.11.2017 - 21:30

Hazel Brugger: «Die Brust ist ja ohne Nippel nur ein Fleischsack für Youtube»

von Bruno Bötschi, Redaktor
 

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Comedian Hazel Brugger sagt, warum sie Schweizer Einkaufszentren witzig findet, erzählt von ihrem lustigsten Alkohol-Erlebnis und verrät, wo sie zum ersten Mal geküsst hat.

Migros Restaurant im Einkaufszentrum Glatt in Wallisellen: Hazel Brugger ist auf die Minute pünktlich und macht den Journalisten überglücklich. Dieser hat eine Phobie, hängt ungern in Shoppingcentern herum.

Und dabei gäbe es im «Glatt» so viel zu gucken: An diesem Nachmittag schlendert Kiki Maeder («Happy Day») mit ihrem Nachwuchs durch die Läden und auch Facebook-Komiker Bendrit Bajra («Flitzer») will Brugger schon gesehen haben. Wahnsinn!

Hazel Brugger, leicht verschnupft, trägt eine blaue Trainerjacke. Sie trinkt Bio-Kafi. Stop! Genug Smalltalk! Die Zeit ist knapp. «Maximal 30 Minuten», hat die Managerin geschrieben. Zum Glück ist sie an diesem Nachmittag nicht dabei.

Bluewin: Frau Brugger, wir machen heute ein Frage-Antwort-Spiel: Ich stelle Ihnen in der nächsten halben Stunde möglichst viele Fragen und Sie antworten möglichst schnell und spontan. Passt Ihnen eine Frage nicht, sagen Sie einfach «weiter».

Hazel Brugger: Okay … Test, 4, 5, 6.

Migros- oder Coop-Kind?

Coop-Kind aus logistischen Gründen. Unsere Familie wohnte näher beim Coop. Die Migros war zwar auch nicht viel weiter weg, aber die Parksituation war dort weniger praktisch. Deshalb sind meine Eltern, wenn sie viel einkaufen mussten, immer in den Coop gefahren.

Was halten Sie von Aldi-Kindern?

Finde ich gar nicht so schlimm. Es macht zwar etwas mit der Mentalität, diese Wühltische in den Läden, denn es verstärkt die Ellbogen-Gesellschaft. In Deutschland gibt es ja haufenweise Aldi-Kinder. In der Schweiz kenne ich noch keine, weil es diese Läden hierzulande ja noch nicht so lange gibt. Die ältesten Schweizer Aldi-Kinder müssten 15 sein.

Hund oder Zug?

Hund. Ein Hund freut sich, wenn er einen sieht, der Zug nicht.

Ihr Lieblingsportgerät?

Wahrscheinlich Kurzhanteln.

Ihre Lieblingsjoggingstrecke?

Von Dielsdorf nach Regensdorf rennen, hinten durch via Nassenwil. Sehr langweilig, aber grün.

Mutti, Mami oder Mama?

Mami. Mutti sicher nicht, das geht gar nicht.

Echt wahr, dass Sie als Teenager schlimme Pickel hatten?

Extrem. Ich habe bis heute Narben deswegen im Gesicht, die ich aber geschickt verdecke. Wegen der Pickel musste ich Isotretinoin nehmen. Dieses Medikament verkleinert die Drüsen. Hat zum Glück funktioniert.

Wie oft schrieben Sie einen Nagel in der Schule?

Ein Nagel, was ist das?

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Beste Newcomerin: Hazel Brugger wurde vor wenigen Wochen beim Deutschen Comedypreis ausgezeichnet.
Bild: KEYSTONE/dpa/GUIDO KIRCHNER

Einen Einer.

Ach so, nie. In Musik hatte ich einmal einen Zweier.

Welches Hobby aus der Teenagerzeit hat überlebt?

Musik hören, Kochen.

Ihr erster Kuss?

In einem Bus, nicht nur weil es sich reimt.

Sapperlot! Die Antworten kommen wie aus der Pistole geschossen und jedes Wort sitzt. Macht Spass, momoll.

Warum hat die Pubertät ein so schlechtes Image?

Weil es einfach zu viel ist auf einmal. Es kommt zu viel von innen. Man muss sich verstehen, man versteht niemand anderes, und man hat Emotionen, von denen man nicht weiss, warum man sie hat. Und man merkt gleichzeitig, dass man ein Arschloch ist. Das ist das Schlimmste. Dabei will man gar keines sein.

Ein typischer Essensgeruch im Hause Brugger?

Reis mit Geschnetzeltem.

Wer muss anwesend sein, damit das Kaffeekränzchen perfekt ist?

Mein Grossvater.

Wie oft sind Sie schon aus dem Kino gelaufen, bevor der Film fertig war?

Einmal, 2009 bei «Angels & Demons» mit Tom Hanks. Nach einer Stunde dachte ich, es wird nicht mehr besser, ich möchte meine Zeit nicht mehr mit diesem Film verbringen.

Ihre Einschlafposition?

Rechte Seite, Fötus.

Ihre derzeitige Abendgage?

Ganz unterschiedlich, aber genug.

2014 sagten Sie im «Tages-Anzeiger»: «Wenn man eine Schiene gewählt hat, darf man nicht am Schluss entgleisen und weich werden.»

Ich meinte damit, wenn man einen Satz auf der Bühne gesagt hat, darf man sich nicht dafür entschuldigen. Wenn ich also einen Witz mache und merke, der ist zu krass für die Leute, dann kann ich nicht einfach nach Dreiviertel abbrechen und sagen: Okay, jetzt gehen wir zusammen raus.

Woher haben Sie diese Zähigkeit, diese Ausdauer?

Von meinem Vater. Er nimmt erst ganz am Schluss Rücksicht auf sein eigenes Wohlbefinden.

Mit welchem Poetry-Slam-Beitrag auf Youtube sollte der Brugger-Laie einsteigen?

Hmmm … Vielleicht der Beitrag aus Hamburg. Da trat ich vor einigen Monaten auf. Und sonst vielleicht der ARD-Beitrag über das Thema «Frau sein». Es war der letzte Auftritt, bei dem ich einen Text ab Blatt gelesen habe.

Warum lesen Sie nicht mehr ab?

Wenn man abliest, dann hört der kreative Prozess beim Schreiben auf. Wenn man ohne Textblatt auftritt, dann gehört die Performance zum kreativen Prozess. Das gefällt mir.

Was ist besser: Auf der Bühne zu stehen oder einen Beitrag für die ZDF-Satiresendung «heute show» zu realisieren?

Ich würde sagen auf der Bühne zu stehen, weil es einfach schneller ist … Ähm, die Leute bekommen dann genau das, was passiert. Für einen Beitrag in der «heute show» gehen die Aufnahmen einen Tag, und danach muss er auch noch geschnitten werden. Das Glücksgefühl ist auf der Bühne grösser, nicht so kondensiert. Dafür hat ein «heute show»-Beitrag deutlich grössere Reichweite und das ist natürlich auch cool. Aber live macht mehr Spass.

Lachen die Schweizer über andere Sachen als die Deutschen?

Minimal und nur über solche Dinge, in denen sie sich sehr verstanden fühlen. Also wenn ich zum Beispiel sagen würde «Wir sind jetzt im Glattzentrum», dann würde ein Deutscher wahrscheinlich anders reagieren, weil Einkaufszentren in Deutschland nicht so speziell sind wie hierzulande.

Ihr weibliches Vorbild?

Amy Poehler, ehemals «Saturday Night Live», finde ich sehr lustig. Es gibt noch ein paar andere … Meine Mutter ist ziemlich cool. Aber da würde ich jetzt nicht sagen, sie sei mein Vorbild. Sonst müsste ich ja wie meine Mutter werden. Ähm, Janis Joplin … Ihre Interviews finde ich fast besser als ihre Musik.

Ihr männliches Vorbild?

Das darf man jetzt eigentlich nicht mehr sagen … Louis C.K. Männliches Vorbild? Das ist schwierig. Ich mag Elon Musk von Tesla, aber auch nicht bedingungslos, höchstens zehn Prozent.

Eine ehrliche Haut, diese Hazel Brugger. Und so gar kein Fähnchen im Wind.

Worüber würden Sie unter keinen Umständen einen Witz machen?

Über etwas, das jemanden beleidigt, ohne irgendeinen Gewinn daraus zu ziehen. Wenn also einfach nur eine Beleidigung stattfindet. Oder über einen Mord von einem nahen Familienmitglied, der weniger als zwei Stunden her ist.

Ja, sie ist wirklich gnadenlos locker, schnell, lustig.

Telefonieren Sie nach wie vor regelmässig mit Emil Steinberger?

Ich habe noch nie mit ihm telefoniert.

Sie sind seine inoffizielle Nachfolgerin in Deutschland. Sie sind die erfolgreichste Schweizer Komikerin seit langem.

Hat es seit den 1980er-Jahren wirklich niemand gegeben, der auf der Bühne in Deutschland erfolgreich war? DJ Bobo ein bisschen, Marco Rima vielleicht. Ich habe die Nummer von Emil gar nicht, also wenn er mich anrufen will, soll er das machen. Ich telefoniere einfach nicht so gerne.

Die Comedian lacht. Die Stimmung gelöst, na dann: Lassen wir die Hüllen fallen!

Mit Ihrem Slam-Poetry-Kollegen Thomas Spitzer haben Sie «Show Show»-Beiträge für Youtube realisiert. Finden Sie ihn auch privat spitze?

Man muss sich gut verstehen, um so ein irres Projekt zu machen.

Wirklich wahr, dass Sie mit der dritten Folge der «Show Show» einen Sex-Skandal initiieren wollten?

Nein, wir wollten einfach schauen, wie teuer es ist, wenn man jemanden bucht, der seine Brüste zeigen muss … 100 Euro, unglaublich, nur 100 Euro hat es gekostet.

Dann sind die Brüste, die Sie nach 51 Sekunden bearbeiten, nicht die Ihren?

Ich weiss es nicht. Vielleicht habe auch ich 100 Euro bekommen. Andererseits: Man sieht Thomas auch nie ohne T-Shirt. Vielleicht ist es auch er. Er ist ja durchaus eher auf der speckigen Seite.

Das Model war nicht sehr speckig.

Das stimmt.

Warum griffen die Youtube-Zensoren nicht ein?

Weil wir die Nippel abgeklebt haben. Ich glaube, das reicht. Die Brust ist ja ohne Nippel nur ein Fleischsack für Youtube.

Hat es weh getan, die Pflästerli nach dem Dreh wieder abzuziehen?

Das weiss ich nicht.

Warum gab es kein Brugger-Nippelgate?

Ganz ehrlich, das frage ich mich auch. Ich denke, wir sollten diese Frage an die Leserschaft weiterleiten.

Schrecklich, nicht mal dem «Blick» war Ihr Busen eine Schlagzeile wert.

Ja, das ist schlecht. Vielleicht ist das jetzt der Auswuchs vom Feminismus, dass man noch nicht einmal über meine Brüste reden darf, falls es denn meine Brüste waren.

Ihre Definition von einem schönen Busen?

Einer der zur restlichen Person passt, wo man irgendwie das Gefühl hat, es macht auch Sinn, dass er da vorkommt.

Wen zuletzt an Ihrem Busen getröstet?

Wahrscheinlich den Hund meiner Mutter. Es tönt sehr, nein, es ist auch sehr asexuell. Aber der Hund ist immer so traurig, wenn meine Mutter weggeht, und wenn ich manchmal bei ihr bin, tröste ich ihn.

Heidi Klum nennt ihre Busen Hans und Franz, Michelle Hunziker spricht von den Kessler-Zwillingen. Hat Ihre Oberweite auch einen Namen?

Nein, das finde ich albern. Ich weiss nicht, haben Ihre «Hödä» Namen?

Nein.

Eben.

Wahnsinn! Das waren jetzt 10 Fragen zum Busen von Hazel Brugger und eine zum Gemächt des Journalisten. Sie hat das toll gemacht, prächtig durchgestanden. Ach, sie hat null Probleme damit, wenn der Interviewer frech fragt. Das ist ihr Ding.

Was ist der schönste Teil Ihres Körpers?

Ich müsste jetzt eigentlich sagen mein Hirn, aber ich sage, wahrscheinlich ist es mein Hals.

Die beste Seite des Ruhmes?

Äh, die hintere Seite … Aber was ist das für eine komische Frage?

Ich meine nicht den Raum, sondern den Ruhm.

Ach so. Die beste Seite des Ruhms ist, dass man nicht mehr erklären muss, warum man etwas macht, weil die Leute davon ausgehen, dass man das schon weiss.

Und die schlechteste?

Dass man erkannt wird auf der Strasse.

Wundern Sie sich hin und wieder darüber, warum Sie so erfolgreich sind?

Eigentlich ständig.

Jemals Angst gehabt, sich lächerlich zu machen?

Eigentlich auch fast jeden Tag. Ich denke oft: «Oh Scheisse, vielleicht finden sie das jetzt nicht lustig.» Das letzte Mal, als ich Angst hatte, mich lächerlich zu machen, war beim letzten «heute show»-Interview. Ich sass mit zwei deutschen Politikern im Studio und hatte das Gefühl, vielleicht finden die mich jetzt in dem Moment gerade lächerlich.

Lustigstes Alkohol-Erlebnis?

Da war ich gar nicht besoffen. Ein Kollege war bei mir daheim und schaffte es während eines Tages drei Mal mega besoffen zu sein. Er war am Mittag, am Nachmittag und am Abend besoffen. Dazwischen schlief er jeweils in meinem Bett und atmete in meine Matratze. Die stank danach total nach Whisky. Das war mega witzig.

Mal für einen Taxifahrer gesungen?

Ich sass einmal im Karaoke-Taxi in Freiburg in Breisgau, da habe ich zusammen mit dem Fahrer gesungen. Irgendeinen Song von Notorious B.I.G., war ziemlich blöd.

Lady Gaga oder Madonna?

Lady Gaga. Sie ist aktueller im Moment. Ich kenne Madonna nicht wirklich gut, Lady Gaga zwar auch nicht. Aber ich habe letzthin eine Doku über sie auf Netflix gesehen und fand die recht interessant.

Rolling Stones oder Pink Floyd?

Pink Floyd.

Stephan Eicher oder Luca Hänni?

Stephan Eicher.

Lieder funktionieren oft wie Apotheken: Welcher Song hilft Ihnen gegen Heimweh?

Das ist eine sehr gute Frage … Vielleicht … Huch, nächste Frage, ich muss ja auch mal «weiter» sagen.

Gegen mangelndes Selbstbewusstsein?

Vielleicht «American Pie» von Groove Holmes. Einfach irgendwas mit viel Bass, das funkig tönt, damit man das Gefühl hat, man sei in einer Kirche, die zu cool ist, um eine Kirche zu sein. Oder alles von The Knife.

Gegen Fernweh?

«New York, New York» von Frank Sinatra.

Gegen Liebeskummer?

Auch schwierig … Wahrscheinlich alles, was einen noch trauriger macht, damit man die Musik abstellen kann, um es wieder ein bisschen besser zu machen im Vergleich.

Das allerallerschönste Lied einer Schweizer Band?

Ich finde «Venus von Bümpliz» von Patent Ochsner eigentlich ein sehr gelungenes Lied. Es ist auch immer der erste Song, den ich deutschen Freunden vorspiele, die behaupten, sie verstünden Schweizerdeutsch.

Und verstehen Sie den Song?

Nein, nicht wirklich.

Ihr schweizerdeutsches Lieblingswort?

Chrüsimüsi.

Ihr hochdeutsches Lieblingswort?

Angenehm.

Man kann an dieser Stelle wahrscheinlich schon sagen, dass das Gespräch nicht mehr wirklich schiefgehen kann. Die entspannte Comedian sitzt im Migros Restaurant im Einkaufszentrum Glatt in Wallisellen. Wir werden netter, mitfühlender, aber dabei natürlich nicht weniger hinterhältig: Psychologie-Fragen für Frau Brugger!

Sind Sie verliebt?

Ja.

Spielen Sie Lotto?

Nein.

Mögen Sie Schach?

Nein, auch nicht. Habe ich noch nie gespielt.

Ihre heimliche bünzlige Seite?

Ich habe so viele bünzlige Seiten, das ist so krass. Ich bin so der Ober-Bünzli. Ich zahle gerne Leute für Arbeiten, die ich selber erledigen könnte, damit sie ganz schnell erledigt sind. Ich will zum Beispiel, dass mein Beamer perfekt installiert ist, und Kabel müssen bei mir in Schienen versorgt sein.

Hat das nicht eher mit Faulheit zu tun?

Faulheit wäre, wenn ich einen Freund anrufen würde und dem sagen täte: «Mach mal bitte.» Aber ich will, dass die Sache gut und schnell erledigt wird, und ich biete den Handwerkern dann auch immer zuerst einen Kafi und ein Wasser an. Das finde ich sehr bünzlig. Ich habe es auch gerne, wenn meine Gäste die Schuhe ausziehen.

Vor zwei Jahre sagten Sie in einem Interview: «Ich finde die Schweiz ziemlich unwitzig.»

Ich finde eigentlich alles super witzig hierzulande, aber nicht auf der Ebene, auf welcher es die Schweizer gerne hätten. Ich finde auch das Glattzentrum als Konzept mega witzig. Es ist so witzig in Wallisellen eine Innenstadt in ein Haus zu bauen, aber äh … Was wirklich witzig ist … Ich mag den Gabriel Vetter sehr gerne. Er ist ein guter Freund von mir und sehr lustig auf der Bühne.

Wie witzig finden Sie Deutschland?

Auch nicht so witzig, aber witziger als die Schweiz. Köln, wo ich oft bin, ist sehr witzig – im Sinne von: Die Leute nehmen sich nicht ernst und sie wissen auch, dass es charmant sein kann, wenn man über sich selber lachen kann. Das kommt in der Schweiz nicht so oft vor.

Sind Frauen lustiger als Männer?

Nein, auf keinen Fall.

Louis C.K. oder Mario Barth?

Louis C.K. – ausser die Frage wäre: Von wem möchten Sie lieber, dass er in einen perversen Skandal verwickelt wird? Dann wäre es Mario Barth. Für alles andere wäre die Antwort: Louis C.K.

Optimistin oder Pessimistin?

Optimistin.

Haben Sie manchmal Mitleid mit Ihren Interviewpartnerinnen und -partnern?

Ja, ja, eigentlich immer.

Wann kamen Sie sich das letzte Mal wie eine Idiotin vor?

Auch schon ganz oft. Vorgestern war ich auf der Redaktion der «heute show» und habe einen Redaktor nicht erkannt, den ich davor sicher schon fünfmal gesehen habe. Ich erkenne Leute mega schlecht und wenn ich dann sehe, wie sie reagieren, weiss ich nicht, ob die mich einfach kennen, weil sie für die Show arbeiten oder weil sie mich wirklich kennen. Dann komme ich mir immer wie eine Idiotin vor.  

Leiden Sie an einer Gesichtsfeld-Störung?

Ich glaube schon, und sie wird immer schlimmer.

«Ja, ich bin eine Grüblerin», sagten Sie in einem Interview. Welche Fragen beschäftigen Sie denn im Moment?

Was kann man machen, dass die Leute gewillt sind, sich tiefer mit weniger Themen auseinanderzusetzen, als einfach plakativ mit sehr vielem auf einmal? Ich denke, die allgemeine Zerstreuung durch das Internet wird uns in Zukunft stark beschäftigen.

Macht es Spass Hazel Brugger zu sein?

Manchmal schon. Wenn ich allein im Auto herumfahre und ein bisschen Musik höre, denke ich oft: Ist doch irgendwie lässig.

Zum Schluss noch der grosse Talenttest: Schätzen Sie jetzt bitte, liebe Hazel Brugger, Ihr Talent von null Punkten, kein Talent, bis zehn Punkte, Supertalent, ein: Feministin?

8.

Eine Erklärung bitte.

Ich äussere mich nicht explizit als Feministin, aber ich finde auch, dass das dazu gehört. Ein gutes Produkt spricht für sich selber. Ich könnte sicher noch mehr machen. Ich unterdrücke sicher nicht aktiv Frauen, weiss aber nicht wie man Frauen ent-unterdrücken könnte.

Köchin?

9.5. Sorry, es ist ziemlich crazy. Muss ich mir jetzt einen Punkt abziehen bei der Feministin, weil ich eine gute Köchin bin? Ich koche mega viel und gut. Ich gehe auch gerne in Kochkurse, pro Jahr sicher viermal. Ich koche ständig neue Sachen und mache ein ziemlich geiles Thai-Curry oder … ähm … Lasagne.

Comedian?

7.5.

Freundin?

9. Schlechter als Köchin, das ist eigentlich mega schlimm …

… und geht irgendwie nicht …

… aber ich esse ja allein.

Ihr Talent als Ausserirdische?

Oh, 4. Ich weiss nicht, keine Ahnung, ich war noch nie in dieser Situation.

Es sind jetzt genau 25 Minuten und 21 Sekunden vergangen. Ihre Managerin hat mir mitgeteilt, dass das Interview nicht länger als 30 Minuten dauern darf.

Vollgeil, Sie sind ja mega schnell. Haben Sie noch mehr Fragen? Sie haben ja noch mehr als vier Minuten.

Ich könnte noch ein paar grusige Fragen stellen …

… zu grusig bitte nicht.

Warum wollten Sie, dass wir uns im Glattzentrum zum Interview treffen?

Immer einmal im Jahr, wenn die Weihnachtsdekoration installiert ist, versuche ich ins «Glatt» zu gehen.

Sie werden also nachher noch durch das Einkaufszentrum spazieren und die Deko bestaunen?

Nein, ich muss danach leider grad weiter, aber ich habe es ja jetzt gesehen.

Sie gehen nicht auf die Schlittschuhbahn?

Nein, aber Sie könnten doch gehen. Ich würde Sie sogar einladen. Ich kann einfach nicht zuschauen, weil ich gehen muss. Aber ich gebe Ihnen 20 Stutz.

Das muss nicht sein. Ich bin durch mit den Fragen.

Wir haben noch drei Minuten. Wir könnten uns ja einfach anschauen.

Das wäre langweilig.

Sie haben eine coole Brille. Kennen Sie Diplo, den DJ?

Nein.

Sie sehen ein bisschen wie er aus. Das ist gut.

Zur Person: Hazel Brugger

Hazel Brugger wurde am 9. Dezember 1993 in San Diego, USA, als Tochter eines Schweizers und einer Deutschen geboren. Mit 17 Jahren begann sie ihre Karriere auf einer Poetry-Slam-Bühne in Winterthur. Sie ist Gewinnerin zahlreicher Preise, zuletzt wurde sie beim Deutschen Comedypreis zur Newcomerin des Jahres gewählt. Sie tritt als Aussenreporterin bei der «heute show» im ZDF auf. Ihre gesammelten Kolumnen erschienen unter dem Titel «Ich bin so hübsch» im Kein&Aber-Verlag

Brugger ist aktuell auf Tournee mit ihrem Programm «Hazel Brugger passiert». Die aktuellen Termine finden Sie hier.

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