26.11.2017 - 17:45, von Ralph Hofbauer/SDA/AWP Multimedia

Röbi Koller: «Die Schweizer jammern nicht so laut»

 

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Seine Überraschungen rühren Herrn und Frau Schweizer zu Tränen. Röbi Koller ist eine Identifikationsfigur des Schweizer Fernsehens. Doch obwohl viel Swissness in ihm steckt, ist der Moderator kein stolzer Schweizer.

An unserem Treffpunkt nahe der Limmat ist Röbi Koller in ein Gespräch mit einem Fan verwickelt. Fast täglich wird der Moderator angesprochen. «Das gehört zu meinem Beruf», sagt Koller. «Und es kommt unglaublich viel zurück.»

Kurze Zeit später liegt uns Zürich zu Füssen. Wir stehen auf dem Swissmill Tower und die Aussicht vom 118 Meter hohen Siloturm ist an diesem goldenen Herbsttag atemberaubend. Koller zeigt auf sein Zuhause im Quartier Wipkingen, wo er seit 18 Jahren wohnt.

Bluewin: Herr Koller, was gefällt Ihnen an Zürich?

Röbi Koller: Dass man in Zürich «de Füfer und s‘Weggli» bekommt. Zürich ist zwar mit weniger als einer halben Million Einwohnern sehr klein, aber vom kulturellen Angebot her mit einer Weltstadt vergleichbar. Ich bin gerne hier, trotzdem würde es mich reizen in einer echten Metropole zu leben, Berlin oder Paris zum Beispiel.

Was hat Sie davon abgehalten, diesen Schritt zu wagen?

Mein Beruf. Ich moderiere auf Schweizerdeutsch und da gibt es eigentlich nur einen Arbeitgeber: das Schweizer Fernsehen.

Dann gilt für Schweizer Moderatoren «einmal SRG, immer SRG»?

Ich habe immer wieder versucht, auszubrechen. Diesen Mut muss man haben, denn sonst kommt man nicht weiter. Meine Anstellung bei der Sendung «Quer» habe ich ohne Aussicht auf einen neuen Job gekündigt und es sind neue Türen aufgegangen. Seither bin ich freischaffend und bei der SRG nicht mehr fest angestellt.

Wollten Sie nie etwas ganz anderes machen? Sie kochen ja gerne. Wieso eröffnen Sie nicht ein Restaurant?

Auf keinen Fall. Das ist eine Illusion, die sich viele machen – eine Beiz eröffnen und das Leben geniessen. Doch Gastronomie ist Knochenarbeit. Und wer möchte, dass es läuft, muss ständig persönlich vor Ort sein. Das könnte ich nicht.

Röbi Koller hat im Laufe seiner Karriere so manches ausprobiert, nicht nur bei Fernsehen und Radio. Er moderierte 14 Jahre lang die Veranstaltung «Züri Littéraire» und hat kürzlich sein viertes Buch veröffentlicht. Bekannt aber ist der 59-Jährige vor allem für «Happy Day», die erfolgreichste Unterhaltungssendung im Schweizer Fernsehen.

Wieso trifft «Happy Day» den Nerv von Herr und Frau Schweizer?

Weil es Werte zeigt, die typisch schweizerisch sind. Dazu gehören zum Beispiel Solidarität und Bescheidenheit. Man kümmert sich um andere, ist füreinander da. Und viele Leute, die wir überraschen, sagen: «Aber das habe ich doch gar nicht verdient.» Die Schweizer stellen ihr Licht gerne unter den Scheffel. Sie jubeln nicht so laut wie andere, sie jammern aber auch nicht so laut.

Schweizer gelten nicht als besonders emotional. Oder haben Sie bei «Happy Day» andere Erfahrungen gemacht?

Die Schweizer sind durchaus emotional, einfach auf eine verhaltene Art. Wenn jemand fassungslos nach Worten ringt, ist das auch eine Emotion, genau wie das Lachen, das in «Happy Day» übrigens sehr wichtig ist. Denn wir wollen unsere Gäste, die zum Teil schwere Schicksalsschläge erlitten haben, nicht zusammen mit den Zuschauern im Jammertal zurücklassen.

Und Sie selbst? Sind Sie nahe am Wasser gebaut?

Sehr. Die Geschichten in «Happy Day» berühren mich immer wieder. Natürlich bin ich im Kopf mit Kamerapositionen und den nächsten Fragen beschäftigt, aber ein Teil von mir lebt emotional immer mit.

Röbi Koller ist beruflich oft auf Reisen. Für Happy Day dreht er häufig im Ausland, zudem begleitet er regelmässig Reisegruppen. Sei es nach Spitzbergen oder Ecuador – die «Schweizer Familie» und die «Coopzeitung» buchen den Sympathieträger immer wieder für Leserreisen.

Auch privat zieht es den Moderator raus in die Welt. Noch hat Koller, der am 28. November seinen 60. Geburtstag feiert, längst nicht alle seine Reiseträume verwirklicht. So möchte er einmal für längere Zeit ohne konkretes Ziel reisen.

Was an der Schweiz vermissen Sie, wenn Sie auf Reisen sind?

Im letzten Sommer war ich in Costa Rica, wo es meist feucht und heiss ist. Da habe ich ein kühles Lüftchen vermisst. Ich liebe den Schweizer Sommer dafür, dass man am Abend einen Pullover anziehen und ohne Klimaanlage schlafen kann. Und auf die Länge würde ich in den Tropen wohl auch die vier Jahreszeiten vermissen.

Wo auf der Welt gefällt es Ihnen am besten?

Mir gefällt es im Norden sehr gut. Viele Leute reisen ja am liebsten an möglichst warme Orte, aber wenn ich mir die Menschen in Kalifornien anschaue, dann habe ich immer das Gefühl, die sind so crazy, die haben wohl zu viel Sonne abgekriegt. Ich war schon auf einigen Reisen in der Arktis und auf Grönland, Island und Spitzbergen. Mir gefällt es sehr gut in dieser Leere und ich finde es immer wieder erstaunlich, wie viel Leben es dort gibt, wenn man genau hinschaut. 

Entdecken Sie auf Reisen typisch schweizerische Eigenschaften an sich?

Ja, denn ich lege Wert auf Pünktlichkeit, Ordnung und Zuverlässigkeit. In der Schweiz sind das Selbstverständlichkeiten, im Ausland häufig nicht. Natürlich ist es etwas absurd, wenn der Zug zwei Minuten Verspätung hat und man bereits nervös wird. Trotzdem finde ich, dass wir diese Werte pflegen müssen. 

Dann sind Sie also ein stolzer Schweizer?

Nein. Stolz kann ich nur auf etwas sein, was ich selbst geleistet habe und es ist nicht meine Leistung, dass ich Schweizer bin. Aber ich bin gerne Schweizer und freue mich, in einem so sicheren und schönen Land zu leben.

Gesprächsserie: «Wir sind die Schweiz»

Die Schweiz ist ein Land, in dem man gerne lebt, in dem fast alles funktioniert, manches sogar perfekt. In unserer Gesprächsserie «Wir sind die Schweiz» sprechen wir mit Menschen aus unserem Land über ihre Sicht auf die Heimat. Bisher sprachen wir mit: Swiss-Pilotin Alexandra HärtnerRaiffeisen-CEO Patrik GiselSAC-Hüttenwartin Barbara WäflerETH Professor Robert RienerSRF-Moderator Nik HartmannSpitzenkoch Andreas CaminadaSki-Weltmeister Luca Aerni und Jung-Politiker Nicola Forster.

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