17.12.2017 - 23:30

Adolf Ogi: «Ich weinte 20-mal im Bundesratsbüro»

von Bruno Bötschi, Redaktor
 

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Ein Gespräch mit Alt-Bundesrat Adolf Ogi über die Liebe, seine Zweifel als Politiker und darüber, warum er sich in letzter Zeit mit Sterbehilfe beschäftigt hat.

Maag Halle in Zürich: Später an diesem Abend wird die 1000. Vorstellung des Musicals «Ewigi Liebi» gespielt. Das schaffen normalerweise nur Produktionen am Broadway in New York. Adolf «Dölf» Ogi begrüsst den Journalisten und drückt ihm eine Broschüre seiner Stiftung «Freude herrscht» in die Hand.

Mit gutem Grund: Der Erlös des Abends geht an Ogis Stiftung – nach der Vorstellung überreichen die Musical-Betreiber dem Alt-Bundesrat auf der Bühne einen Check im Wert von 50'000 Franken. Gefolgt von einem klassischen Dölf-Auftritt: Statt auf die Fragen von Moderator Röbi Koller zu antworten, schüttelt er allen Schauspielerinnen und Schauspielern persönlich die Hand.

Adolf Ogi (75) trägt einen dunklen Anzug, der perfekt sitzt, und eine gelbe Krawatte. Er sieht mindestens zehn Jahre jünger aus.

Bluewin: Herr Ogi, wir machen heute ein Frage-Antwort Spiel: Ich stelle Ihnen in den nächsten 30 Minuten möglichst viele Fragen und Sie antworten möglichst schnell und spontan. Passt Ihnen eine Frage nicht, sagen Sie einfach «weiter».

Adolf Ogi: Ich muss also ganz kurze Antworten geben … Ja, nein, untenschieden.

Kandersteg oder Bern?

Kandersteg.

Rock’n’Roll oder Ländler?

Ländler.

Ewigi Liebi ja oder nein?

Ja.

Sie sind seit über 45 Jahren verheiratet: Ihr Rezept für eine langjährige Beziehung?

Liebe, Respekt und Verständnis.

Welche Erinnerungen haben Sie an den Tag, an dem Sie Ihre Frau Katrin zum ersten Mal gesehen haben?

Gute Erinnerungen. Das war in Fraubrunnen … Katrin, was war das schon wieder für ein Anlass?

Katrin Ogi –  sie wartet zwei Tische nebenan auf ihren Mann  – überlegt kurz, dann sagt sie:

Katrin Ogi: Eine «Sennete», ein Kavallerist feierte seinen Polterabend. 

Genau. An diesem Abend traf ich Katrin zum ersten Mal im Restaurant ihrer Eltern in Fraubrunnen. Ich war auf dem Heimweg vom Chiropraktiker in Biel und wollte noch die Berge sehen. Es war ein wunderschöner Abend. Ich wusste, dass man von der Limpachhöhe bei Fraubrunnen eine besondere Aussicht auf die Berge im Oberland hat.

War es Liebe auf den ersten Blick?

Nein.

Was schätzen Sie besonders an Ihrer Frau?

Ihre Liebenswürdigkeit, ihr Verständnis, ihre Bereitschaft, mit mir den Weg durch das Leben zu gehen und das Akzeptieren, …

… dass Sie nie daheim waren?

Ja, das ist schon nicht ganz falsch.

Wie oft in den letzten 45 Jahren haben Sie den Hochzeitstag vergessen?

Vergessen habe ich ihn nie, glaube ich, denn ich habe eine gute Agenda. Aber ich habe nicht jedes Mal ein Geschenk mitgebracht.

Die Lieblingsblumen Ihrer Frau?

Von meiner Frau? Welches sind deine Lieblingsblumen, Katrin?

Katrin Ogi: Rosen …

… und Orchideen. Die haben wir gerade daheim.

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Die niederländische Königin Beatrix und ihr Mann Prinz Claus statten der Schweiz 1993 einen Staatsbesuch ab: Bundespräsident Adolf Ogi und seiner Frau Katrin auf dem Balkon von Lohn, dem Landsitz des Bundesrates.
Bild: Keystone

Rührendster Gegenstand, den Sie in Ihrem Portemonnaie herumtragen?

Im Portemonnaie oder im Sack?

Im Sack ist auch okay.

Mein Kristall. Ohne ihn gehe ich nie aus dem Haus.

Eine Lehre, die Ihnen Ihre Mutter über Frauen mitgegeben hat?

Aufmerksamkeit.

Ein Spruch Ihres Vaters, der Ihnen noch in den Ohren dröhnt?

Bhüet di Gott.

Der Ogi-Stil?

Gibt es einen Ogi-Stil?

Ogi lächelt vielsagend – die Frage bleibt unbeantwortet.

In Musicals wird viel getanzt und gesungen. Wann haben Sie zuletzt getanzt?

Vor drei Wochen während einem Geburtstagsfest für einen Freund.

Und gesungen?

Ich singe fast jeden Tag. Meistens, wenn mich niemand hört. Wenn ich Auto fahre, höre ich gerne Ländler-CDs und versuche mitzujodeln. Leider bin ich etwas aus der Übung gekommen.

Lieder funktionieren oft wie Apotheken: Welcher Song hilft Ihnen gegen Heimweh?

«A gfreute Tag» von Adolf Stähli.

Gegen mangelndes Selbstbewusstsein?

Man sagt mir ja nach, ich hätte kein mangelndes Selbstbewusstsein. Aber ich zweifelte oft an mir. Diese Zweifel konnte ich aber nicht mit einem Lied überbrücken. Ich brauchte andere Kräfte dafür … die Natur, meinen Kristall, das Gasterntal.

Gegen Liebeskummer?

Ich habe keinen Liebeskummer.

Das allerallerschönste Lied einer Schweizer Band?

Ich höre gerne von den «Swiss Ländler Gamblers» oder den «Engadiner Ländler Fründe» das Lied «Am Felsenschuss».

Ihr liebster Schweizer Film?

Ich bin mit den Gotthelf-Filme aufgewachsen, sie haben mich geprägt. Gerne erinnere ich mich an die TV-Serie «Motel» mit Jörg Schneider. Während meiner Tätigkeit als Ski-Direktor und als Bundesrat hatte ich leider nicht viel Zeit, um ins Kino zu gehen.

Bei welchen Schweizern vergeht Ihnen das Lachen?

Ich möchte nicht ungerecht sein, aber manchmal bei gewissen Politikern.

Wie regelmässig gehen Sie in die Kirche?

Ogi räuspert sich. Ob jetzt die Fassade des «unverbrüchlichen Mutmachers» (NZZ) und «Wolkenvertreibers der Nation» (Der Bund) bröckelt?

Ich gebe ganz ehrlich zu, ich bin regelmässiger in die Kirche gegangen vor dem Tod von unserem Sohn Mathias 2009. Ich gehe nach wie vor, aber unregelmässig. Ich bin noch nicht über seinen Tod hinweggekommen. Ich bin fragend, suchend und nicht findend. Aber ich weiss auch, ich bin nicht der Einzige und meine Frau und unsere Tochter auch nicht, die ein solches Schicksal erleben mussten. Viele andere haben das gleiche Schicksal erleiden müssen. Aber wenn ein Kind stirbt, dann ist es die fundamentalste Erschütterung, die man als Vater, Mutter, Schwester oder Bruder erleben muss.

Ihr Sohn starb an Krebs. Haderten Sie nach seinem Tod zum ersten Mal mit Gott?

Vielleicht nicht das erste Mal, aber damals ist ein starkes Erdbeben in mir entstanden.

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Mathias, Katrin, Caroline und Adolf Ogi, von links aufgenommen am Mittwoch 21. April 2004 anlaesslich der Preisverleihung des Max Petitpierre-Preis an Adolf Ogi in Bern. (KEYSTONE/Juerg Mueller)

Verheilt diese Wunde nie mehr?

Es gibt Wunden, die verheilen. Ich hatte viele Wunden an meinen Händen … Vom Holz spalten und sägen. Aber die Wunde vom Tod von Mathias, ganz ehrlich, die wird nie mehr verheilen.

Mit der Stiftung «Freude herrscht» wollen Sie Mathias' Tugenden wie Lebensfreude, Durchhaltewillen und Kameradschaft an künftige Generationen weitervermitteln. Warum liegt Ihnen die Jugend derart am Herz?

Als Uno-Sonderberater für Sport im Interesse von Frieden und Entwicklung habe ich gesehen: Der Jugend gehört die Zukunft. Wenn wir eine bessere, friedlichere Welt wollen, dann müssen wir den Fokus auf die Jugend legen. Und das sind bei mir nicht nur Worte, das waren bei mir auch immer Taten. Als Bundespräsident habe ich im Jahr 2000 die Stiftung «Swisscor» initiiert, die jetzt bereits zum 16. Mal ein medizinisch betreutes Camp für Kinder aus Krisengebieten in der Schweiz organisiert hat. 2008 wurde ich ins Direktorium der international tätigen humanitären Organisation «Right To Play» gewählt. Und nun die Stiftung «Freude herrscht», die Freunde von Mathias nach seinem Tod lanciert haben, und die wollten, dass ich das Präsidium übernehme. Mit dem Titel «Freude herrscht» hatte ich anfänglich zwar Mühe, aber ich habe ihn akzeptiert, nicht zuletzt deshalb, weil mir Kofi Annan, ehemaliger Generalsekretär der Vereinten Nationen, erklärte: In seiner Heimat werden die Toten sofort beerdigt, und man geht danach wieder zu einer positiven Stimmung über und ist dankbar dafür, was man mit dem Verstorbenen alles erleben durfte.

Was halten Sie von der Jugend in der Schweiz?

Viel, sehr viel. Die Umfragen, die während den Rekrutenschulen gemacht werden, zeigen, dass wir eine Jugend haben, die wieder zum Land steht und auch zur Form von unserer Politik. Die Jugend legt Respekt an den Tag, und deshalb müssen wir Älteren den Jungen auch immer wieder etwas geben.

Was meinen Sie mit «etwas geben»?

Zuversicht, Chancen, Bildung und Zusammengehörigkeitsgefühl. Dass die vier Kulturen, die vier Sprachen, die 26 Kantone seit 1848 in Frieden zusammenleben, ist Weltrekord. Wir müssen schauen, dass dies auch weiterhin so bleibt.

Wohin gehen Sie, wenn Sie allein sein wollen?

Sehr gerne gehe ich ins Gasterntal oberhalb von Kandersteg.

Der Schweizer Geheimtipp, der in keinem Reiseführer steht?

Das ist vielleicht die Fründenhütte oberhalb vom Oeschinensee.

Verkehrsdirektor in Meiringen, Direktor des Skiverbands, Intersport-Generaldirektor, Bundesrat, Uno-Sonderberater für Sport im Interesse von Friede und Entwicklung. Welches Amt kostete am meisten Nerven?

Natürlich das Amt als Verkehrsminister mit der Neat. Nerven und Durchhaltevermögen. Und für am meisten Freude und am meisten innerliche Fragestellung sorgte der UNO-Job. Warum, warum gibt es so viele Kinder, die zu wenig zu essen haben? Warum, warum gibt es so viele Flüchtlinge?

Haben Sie die goldenen Tage von Sapporo nicht auch glücklich gemacht?

Sie haben ja die Frage nicht so gestellt (lacht). Die Olympischen Spiele 1972 in Sapporo waren der Ausgangspunkt zu meiner beruflichen Karriere. Es war mein Sprungbrett. Aber als ich 1979 in den Nationalrat gewählt wurde, stand ich unter unglaublicher Beobachtung. Jeder Akkusativfehler vom Ogi war ein Thema. Deshalb habe ich später als Bundesrat «Freude herrscht» lanciert, da kann man keinen Akkusativfehler machen.

Ihr Talent im Verborgenen?

Rücksicht.

Wann findet einen das Glück?

Man muss es herausfordern.

Warum wollten Sie Chef werden?

Jeder Mensch zwischen 18 und 20 sollte sich einmal fragen: Wer bin ich? Was habe ich für Fähigkeiten? Was habe ich für Schwächen? Was kann ich? Was kann ich nicht? Ich hatte damals das Gefühl, ich könne mit meinem Charakter und meinem Temperament eher führen. Ich bin nicht der Mensch, der nur Varianten entwickelt, der nur Analysen macht, der zudient. Ich sagte mir: Wenn ich eine Chance habe, dann will ich Chef sein. Ich bin bereit, Risiko einzugehen, ich bin bereit, zu scheitern.

Wann haben Sie zum ersten Mal daran gedacht, dass Sie Bundesrat werden könnten?

Als ich 1987 von der SVP-Fraktion im ersten Wahlgang als Kandidat nominiert wurde.

Sie wussten immer, wie man Politik inszenieren kann: Sie haben Eier gekocht und hielten eine Neujahrsrede vor einem Tunnel. So schafften Sie es als Bundesrat immer wieder, die Herzen der Bevölkerung zu berühren. Wo fanden Sie Ihre Ideen? Wen fragten Sie um Rat?

Teilweise war es Spontanität, teilweise wollte ich etwas gezielt anders machen. Meine Frau sagte mir einmal: Wenn ich eine Ansprache halte, sollte ich das nicht im Bundeshaus tun, sondern ich solle rausgehen. Dies führte dazu, dass ich bei Abstimmungen als Verkehrsminister in eine Loki stieg oder neben den Gleisen stand. Und das hat sich immer weiterentwickelt bis zur Neujahrsansprache im Jahr 2000 vor dem Lötschberg-Tunnel mit der kleinen Tanne. Es war die erste gerufene Rede eines Bundesrates, weil der Teleprompter zu weit weg war. Und dann hatte ich noch eine Schneeflocke auf der Lippe und das Volk meinte, der Ogi «schumät». Trotzdem gab es etwa 5000 Applaus-Briefe und keinen einzigen negativen.

Der historischste Moment in Ihrem Leben als Politiker?

Der Moment, als ich in den Bundesrat gewählt worden bin, war für mich sicher historisch. Der Moment, als ich zurücktrat, war ebenfalls ein historischer Moment. Ich bekam eine Standing Ovation, als ich sagte: «Ich war damals, als Sie mich gewählt haben, meine Damen und Herren National- und Ständeräte, nicht so schlecht wie mein Ruf, und bin heute, bei meinem Abschied, nicht so gut wie mein Nachruf. Adieu.»

Gibt es Dinge oder Taten, die Sie bereuen?

Ja, ich habe nie Italienisch gelernt.

Welche Würdigung der 75 Zeitzeugen und Wegbegleiter im Buch «Unser Dölf» überraschte Sie am meisten?

Ich möchte bewusst niemand in den Vordergrund rücken. Ich habe erst angefangen, die Texte zu lesen, als ich wusste, das Buch befindet sich im Druck.

Gab es das schon einmal, dass einem Alt-Bundesrat Jahre nach seinem Rücktritt derart gelobhudelt wurde? Nein, das gab es noch nie. 75 Zeitzeugen und Freunde  – von Bill Clinton über Bernhard Russi und Tochter Caroline bis Moritz Leuenberger  – würdigen Ogi im Buch «Unser Dölf». Und Christoph Blocher schrieb das Vorwort.

Im Buch stellt Ihnen Alt-Nationalrat Andreas Gross vier Fragen. Haben Sie diese mit ihm bereits ausdiskutiert?

Andiskutiert. Andreas Gross weilt gerade in Washington für drei oder vier Monate. Aber wir haben abgemacht, dass wir die Diskussion weiterführen werden.

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«Unser Dölf»: 75 Wegbegleiter und Zeitzeugen äussern sich im Buch über Alt-Bundesrat Adolf Ogi.

Schlimmste Beleidigung, die Sie als Politiker je ertragen mussten?

Ach, darüber möchte ich nicht mehr reden.

Dachten Sie während Ihrer Zeit als Bundesrat je einmal daran «So, morgen werfe ich den ganzen Bettel hin»?

Nein.

Wie oft weinten Sie in Ihrem Bundesrat-Büro?

Etwa 20-mal in 13 Jahren, aber ich war jeweils die einzige Person im Büro.

Welcher Staatsmann hat Sie besonders fasziniert?

Als Mensch Kofi Annan und als Politiker, der mich über die Parteigrenzen respektiert und geschätzt hat, François Mitterrand.

Treffen Sie Ihre ehemaligen Bundesrats-Kolleginnen und -Kollegen noch regelmässig?

Ja.

Wann zuletzt mit Christoph Blocher gegessen?

Gestern, am Fraktionsessen der SVP.

Wenn Sie jetzt 25 wären, würden Sie der heutigen SVP beitreten?

Ogi zögert einen Moment.

Der BGB-ausgerichteten SVP, ja.

Dieser Ogi! Eine ehrliche Haut! – Die 1917 in Bern gegründete Bauern-, Gewerbe- und Bürgerpartei (BGB), die sich 1971 in SVP umbenannte, agierte lange Zeit als parteipolitische Vertreterin der Bauern und des Gewerbes und hat seit 1929 Einsitz im Bundesrat.

Wann zuletzt gelogen?

Ich bin kein Musterschüler. Aber ich kann mich nicht erinnern, wann ich das letzte Mal mit Absicht gelogen habe.

Wie zufrieden sind Sie mit Ihrem Leben?

Ich bin sehr dankbar für mein Leben, mit der Ausnahme des Todes meines Sohnes Mathias.

Waren Sie ein guter Vater?

Ich bin ein guter Vater. Ich hatte relativ wenig Zeit für meine Kinder. Aber die Zeit, die ich meinen Kindern widmen konnte, waren immer ein Geschenk. Und ich bin meiner Frau dankbar, dass sie die Erziehung unserer Kinder so hervorragend gemacht hat. Ich bin stolz darauf, was aus unseren beiden Kindern geworden ist.

Sind Sie ein guter Ehemann?

Ich bin ein guter Ehemann. Manchmal habe ich etwas wenig Geduld und hin und wieder zeige ich daheim auch die Enttäuschung, wenn ich eine Aufgabe nicht erfüllen konnte oder etwas nicht so gelaufen ist, wie ich es gerne gehabt hätte.

Ihr grösstes Laster?

Laster tönt sehr negativ. Ein eigentliches Laster habe ich nicht.

Wo zeigt sich Ihre Eitelkeit?

Die zeige ich manchmal schon. Aber das darf jetzt nicht falsch verstanden werden: Ich meine, wenn man 13 Jahre Bundesrat war, getragen wurde vom Volk und plötzlich ist man es nicht mehr, dann muss man, jedes Mal wenn man an einen Ort hinkommt, erklären, warum man hier ist, dass fand ich manchmal etwas komisch.

Sie sind 75. Welches sind die wichtigsten Zutaten für ein gutes Leben im Senioren-Alter?

Die Disziplin, täglich etwas zu tun, in Bewegung zu bleiben. Ich stemme mich nicht gegen das Alter, aber ich versuche noch einigermassen gut über den Berg zu gehen.

Fahren Sie noch Ski?

Ja klar. Skifahren und Langlaufen. Ich habe noch zu viele Termine, aber wenn ich mal nichts habe, dann bin ich am Tag auf den Skiern und abends auf der Nachtloipe.

Haben Sie Angst vor dem Kürzertreten?

Habe ich nicht. Ich wäre eigentlich froh, wenn ich etwas Kürzertreten könnte.

So grundsätzlich: Ist das Thema Alter in unserer Gesellschaft zu negativ besetzt?

Nicht bei mir, aber bei vielen anderen schon.

Gibt es etwas, das Sie unbedingt noch machen wollen in Ihrem Leben?

Ich wollte unbedingt den Montblanc noch besteigen. Nachdem jedoch ein Gast eines befreundeten Bergsteigers am Berg gestorben ist, war ich weise genug und habe dieses Ziel gestrichen. Auch wegen meines Alters.

Wie alt möchten Sie werden?

Ich setze mir keine Altersgrenze, sondern nehme jeden Tag entgegen und freue mich mehr darüber als noch vor zehn Jahren.

Was halten Sie von der Sterbehilfe?

Ich habe mich in letzter Zeit damit beschäftigt, aber mich diesbezüglich nicht entschieden.

Sind Sie Mitglied bei Exit?

Nein.

Was erwarten Sie vom Jenseits?

Ich erwarte, dass ich ins Paradies komme.

Zur Person: Adolf Ogi

Adolf Ogi wurde am 18. Juli 1942 in Kandersteg als Sohn eines Försters, Bergführers und Skilehrers geboren. Bevor er in die Politik einstieg, war er als Direktor im Schweizerischen Skiverband tätig.

1978 trat er der SVP bei; ein Jahr später zog er in den Nationalrat ein und präsidierte von 1984 bis 1988 die SVP. Als er 1987 in den Bundesrat gewählt wurde, stand er zuerst dem Eidgenössischen Verkehrs- und Energiewirtschaftsdepartement vor, bevor er ins EMD, heute VBS, wechselte.

Ogi war zweimal Bundespräsident, bevor er im Jahr 2000 als Bundesrat zurücktrat. Nach seinem Rücktritt übernahm er bei der UNO ein Mandat als Sonderberater für Sport im Dienste von Entwicklung und Frieden. Er war dabei direkter Berater des UNO-Generalsekretärs Kofi Annan. 

Buchtipp: «Unser Dölf», diverse Autoren, Werd Verlag, 328 Seiten, ISBN 978-3-03812-701-7, Fr. 36.90.

 

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