Sarina Arnold: «Das war einer der schwierigsten Momente in meinem Leben»

Bruno Bötschi

21.7.2020 - 00:00

Sarina Arnold (zusammen mit ihren Kindern Felice und Lean): «Ich weiss noch, wie ich mit 16 mit dem Rollkoffer durch die Strassenschluchten von Manhattan gestolpert bin und mir vor lauter Heimweh die Tränen über das Gesicht liefen.»
Bild: Per Kasch/Swissmilk

Sarina Arnold wollte eigentlich Coiffeuse werden – seit über 20 Jahren gehört sie jedoch zu den gefragtesten Models der Schweiz. Die Urnerin über ihr Comeback als Buttermeitli, das Leben als Mutter – und einen Stalker, der ihr das Leben schwer machte.

Frau Arnold, wir machen heute ein Frage-Antwort-Spiel am Telefon: Ich stelle Ihnen in den nächsten 30 Minuten möglichst viele Fragen – und Sie antworten möglichst schnell und spontan. Passt Ihnen eine Frage nicht, sagen Sie einfach ‹weiter›.

Das ist doch gut.

Wie sähe ein Juli-Tag in Ihrem Leben aus, wenn es die Corona-Pandemie nicht gäbe?

Nicht viel anders als zurzeit. Gestern war ich mit den Kindern in der Badi.

Demnach gingen Ihnen keine grossen Model-Aufträge verloren?

Nein. Im Juli ist es allgemein etwas ruhiger.

Hoffen Sie angesichts der aktuellen Weltlage: A) auf die Vernunft, B) auf ein Wunder oder C) darauf, dass es so weitergeht wie vor der Pandemie?

Als Erstes hoffe ich auf die Vernunft der Menschen – und dass wir alle etwas aus dieser Pandemie lernen werden. Solange allerdings kein Impfstoff gefunden wird, wird es keinen Normalzustand geben. Das heisst, wir müssen lernen, mit der Situation umzugehen – und weiterhin Abstand halten.

Was ist Ihre Perspektive für die Zeit nach der Corona-Pandemie?

Weiter.

Zum Autor: Bruno Bötschi
Bild: zVg

«Bluewin»-Redaktor Bruno Bötschi spricht für das Frage-Antwort-Spiel «Bötschi fragt» regelmässig mit bekannten Persönlichkeiten. Bötschi hat viel Erfahrung mit Interviews. Für die Zeitschrift «Schweizer Familie» betreute er jahrelang die Serie «Traumfänger». Über 200 Persönlichkeiten stellte er dafür die Frage: Als Kind hat man viele Träume – erinnern Sie sich? Das Buch zur Serie «Traumfänger» ist im Applaus-Verlag, Zürich, erschienen. Es ist im Buchhandel erhältlich.

Stichwort Heimat: Was haben Sie vor Augen?

Berge.

Einen bestimmten Gipfel?

Nein. Ich bin im Kanton Uri zwischen den Bergen aufgewachsen.

Sind Ihre Vorbilder noch aktuell?

Ich hatte nie Vorbilder.

Hat Ihnen die Schule das wirklich Relevante vermittelt?

Weiter.

Welches Hobby aus Teenagerzeiten hat überlebt?

Keines.

Mädchen, Pferde, Abenteuer?

Nicht für mich.

Mögen Sie Tiere nicht?

Ich habe Tiere sehr gerne, aber vor Pferden hatte ich immer Respekt. Ich hatte zwar schon mehrere Shootings mit Pferden, etwa in Argentinien und in Phoenix in den USA – aber die Tiere haben immer gemacht, was sie wollten.

Sind Sie schon runtergefallen?

Zum Glück nicht. Ich denke, die Pferde spüren, dass ich unsicher werde, wenn ich in ihre Nähe komme.

Ihre erste Leinwandliebe?

Tom Cruise.

Welchen Tom-Cruise-Film würden Sie gerne nochmals im Kino sehen?

«Cocktail».

Sarina Arnold: «Als Erstes hoffe ich auf die Vernunft der Menschen – und dass wir alle etwas aus dieser Corona-Pandemie lernen werden. Solange allerdings kein Impfstoff gefunden wird, wird es keinen Normalzustand geben.»
Bild:  zVg

Haben Sie ein Lieblingslied, und woran erinnert es Sie?

Weiter.

Schon einmal für Ihren Mann, Raphael Fischer, gesungen?

Nicht wirklich.

Das schönste Kompliment, das man Ihrer Stimme je gemacht hat?

‹Du schaffst es leider nicht in den Recall› (lacht).

Ihr persönlicher Fashion-Gau als Teenager?

Für den ersten Tag in der Sekundarschule kaufte mir meine Mutter ein oranges Lewis-Gilet mit den passenden orangen Jeans dazu.

Orange gilt als Trendfarbe dieses Sommers.

Mit dieser Farbe kann ich bis heute nichts anfangen. In meinem Schrank hängt kein einziges oranges Kleidungsstück.



Wirklich wahr, dass Ihre Mutter Sie vor 23 Jahren ohne Ihr Wissen für den «Swiss Elite Model Look» angemeldet hat?

Das stimmt. Ich kam aus der Schule nach Hause, nahm den Brief aus dem Briefkasten, riss ihn auf und erfuhr, dass ich es in den Final geschafft habe.

Waren Sie böse, als Sie erfuhren, wer Sie angemeldet hatte?

Ja und nein. Ich dachte, ich gehe da jetzt einfach mal hin, rechnete mir aber absolut keine Chancen aus. Mit elf oder zwölf wollte mich meine Mutter bereits zur ‹Miss Teenie›-Wahl anmelden. Damals liess ich mich nicht dazu überreden.

Sie wollten eigentlich Coiffeuse werden wie Ihre Mutter, hatten den Lehrvertag bereits unterschrieben.

So ganz genau weiss ich nicht mehr, weshalb ich den gleichen Beruf wie meine Mutter ergreifen wollte. Ich habe einen Grossteil meiner Kindheit in ihrem Salon verbracht. Mir hat es dort immer gefallen. Zudem besass die beste Freundin meiner Mutter ebenfalls einen Salon. In der Folge entschied ich mich, dort die Lehre zu absolvieren.

Es kam anders: Sie gewannen den «Swiss Elite Model Look». War es schwierig, den Lehrvertrag aufzulösen?

Überhaupt nicht. Die Freundin meiner Mutter hat mich eher noch gepusht und gemeint, ich solle meine Chance wahrnehmen und es als Model versuchen. Falls es mir nicht gefalle oder mein Vorhaben nicht von Erfolg gekrönt sein sollte, könne ich in einem oder zwei Jahren immer noch die Lehre bei ihr anfangen.

Sarina Arnold: «Ich habe noch nie im Leben eine Diät gemacht, bei mir war eher das Gegenteil der Fall.»
Bild: Getty Images

Ihr Erfolg als 16-jähriges Model hatte auch seinen Preis: Wegen Ihres Berufes mussten Sie einen Teil Ihrer Jugend opfern.

Das stimmt. Statt mich mit Freundinnen und Freunden zu treffen und mit ihnen in den Ausgang zu gehen, war ich ständig im Ausland. Wenn ich in den Ausgang ging, war das in New York oder Paris. Aber ehrlich gesagt, ich war nie die grosse Partygängerin.

Ein braves Mädchen demnach.

Ja … und langweilig (lacht).

In den vergangenen zwei Jahrzehnten je einmal darüber geärgert, dass Sie sich nicht zur Coiffeuse ausbilden liessen?

Bis heute noch nicht. Holz anlangen.

Haben Sie Ihre Karriere nach dem Sieg beim ‹Swiss Elite Model Look› gleich vor sich gesehen?

Ich konnte mir absolut nicht vorstellen, was auf mich zukommt, alles war totales Neuland. Kaum hatte ich meinen 16. Geburtstag gefeiert, reiste ich aus dem behüteten Kanton Uri in die Grossstadt New York. Es war mein erster Flug überhaupt und ich sah zum ersten Mal Hochhäuser.

Sprachen Sie gut Englisch?

Nein. Aber als ich wusste, dass ich nach New York gehen kann, nahm ich daheim Privatstunden.



Welche Erinnerungen haben Sie an Ihren ersten New-York-Aufenthalt?

Am ersten Tag bekam ich von meiner Modelagentur in Manhattan eine Liste mit Kunden, die ich besuchen sollte. Danach wurde mir noch ein Stadtplan in die Hand gedrückt und schon hiess es: ‹Tschau, wir sehen uns morgen wieder.›

Als ich als junger Mann zum ersten Mal nach New York gereist bin, hat mich die Stadt fast erschlagen. Wie ist es Ihnen ergangen?

Ich weiss noch, wie ich mit dem Rollkoffer durch die Strassenschluchten von Manhattan gestolpert bin und mir vor lauter Heimweh die Tränen über das Gesicht liefen. Zum Glück wurde ich während der ersten Tage in den USA von Urs Althaus begleitet, meinem damaligen Agenten in der Schweiz.

Was sehen Sie, wenn Sie am Morgen in den Spiegel schauen?

Eine Frau, die älter wird (lacht) … ach, solche Fragen sind immer schwierig zu beantworten. Weiter!

Ihr Beauty-Tick?

Ich habe keinen.

Was hält Sie jung?

Ich benutze die Produkte von Louis Widmer. Ich mache nicht nur Werbung für diese Cremes, sondern ich verwende sie auch selber.

Was hält sonst noch jung?

Regelmässig früh ins Bett gehen und wenig Alkohol trinken.

Wo gehen Sie lieber hin: zum Arzt oder zum Coiffeur?

Coiffeur.

Welches Tier ist schöner als der Mensch?

Tiger.

Sarina Arnold: «Kaum hatte ich meinen 16. Geburtstag gefeiert, reiste ich aus dem behüteten Kanton Uri in die Grossstadt New York. Es war mein erster Flug überhaupt und ich sah zum ersten Mal Hochhäuser.»
Bild: zVg

Vor fast 20 Jahren wurde Sie in einem Werbespot zum Buttermeitli. Jetzt sind Sie zurückgekehrt. Warum?

Nach fast 20 Jahren fand ich ein Revival passend. Zudem mochte ich Butter schon immer sehr. Es ist ein Lebensmittel, hinter dem ich voll und ganz stehen kann. Ich verwende es fast täglich zum Kochen.

‹Hoi mitenand, kennt ihr mir noch, ich bin das Buttermeitli von damals› – so begrüssen Sie die Zuschauer im neuen TV-Spot. Und, erkennen die Leute Sie noch?

Ja, das tun sie. Ich werde nach wie vor regelmässig angesprochen – etwa wenn ich mit der Familie wandern gehe. Als ich vor zwei Jahren mit dem Auto über die Grenze fuhr, wurde ich von einem Zollbeamten scherzhaft gefragt, ob ich wirklich keine Butter zu verzollen habe.

Wo wurde der neue TV-Spot gedreht?

Auf der Wiese direkt vor unserem Haus.

Und wo wurden die alten TV-Spots gedreht?

In Saanenmöser und im Jura.

Viele Prominente wollen nicht, dass Bilder von ihren Kindern in den Medien publiziert werden. In der neuen Buttermeitli-Kampagne treten Sie zusammen mit Ihren Kindern Felice, 12, und Lean, 4, auf.

Ich war bisher zurückhaltend, wenn es um meine beiden Kinder ging, zeigte sie nur selten in der Öffentlichkeit. Als die Anfrage von Swissmilk kam, sprach ich mit meiner Tochter darüber. Sie ist inzwischen in einem Alter, in dem sie ein Mitspracherecht hat. Sie war sofort Feuer und Flamme. Und wenn die grosse Schwester mitmacht, findet es meistens auch der kleine Bruder cool.

Hatte Ihre Familie ein Mitspracherecht bei der Realisation der neuen Werbekampagne?

Wir durften bei der Fotoauswahl mitreden.



Was hat Ihren Kindern beim Buttermeitli-Dreh am besten gefallen?

Die Dreharbeiten und das Shooting liefen sehr spontan ab, was ich wunderschön fand. Normalerweise gibt es ja x Wiederholungen. Mit einem Kleinkind geht das aber nicht. Wenn Lean Lust hatte, drehten wir, wenn er keine Lust hatte, machten wir Pause.

Hatte Ihr Mann keine Lust, bei der Kampagne dabei zu sein?

Er ist nicht so fotogen (lacht).

Wer kocht häufiger: Sie oder Ihr Mann?

Ich.

Und wer kocht besser?

Mein Mann kocht nicht.

Ein typischer Essgeruch im Haus Arnold/Fischer?

Den gibt es nicht.

Welches ist Ihre Butter-Leibspeise?

Crêpes – bei uns kommt wirklich fast überall Butter dazu, egal, ob zu Teigwaren oder Rüebli.

Das Butter-Lieblingsrezept von Felice?

Crêpes.

Das Butter-Lieblingsrezept von Lean?

Crêpes.

Was ist Ihnen bei der Ernährung besonders wichtig?

Dass ich mich gesund ernähre.

Sie sind seit zwei Jahren Pescetarierin.

Fleisch habe ich schon länger nicht mehr gerne, Fisch gibt es bei uns vielleicht alle zwei, drei Wochen.

Ihre letzte Diät?

Ich habe noch nie im Leben eine Diät gemacht, bei mir war eher das Gegenteil der Fall.

Sarina Arnold (zusammen mit ihrem Mann Raphael Fischer): «Ich reise gerne, finde es spannend, mit Menschen zusammenarbeiten zu können, und ich fühle ich mich wohl vor der Kamera.»
Bild: Getty Images

Die bisher beste Idee Ihres Lebens?

Mein eigenes Schmucklabel zu gründen.

Die dümmste Idee?

Weiter.

Ihre heimliche bünzlige Seite?

Weiter.

Wünschen Sie sich manchmal, nicht berühmt zu sein?

So berühmt bin ich gar nicht.

So grundsätzlich: Sind Ihnen die Menschen sympathisch?

Ja.

Welche Kleider tragen Sie privat am liebsten?

Bequeme Leggins und T-Shirts.

Was ist eigentlich so schön am Modeln?

Ich reise gerne, finde es spannend, mit Menschen zusammenarbeiten zu können, und ich fühle ich mich wohl vor der Kamera.



Werden Sie laut während der Arbeit, wenn mal etwas nicht sofort funktioniert?

Nein.

Und im Privaten?

Da kann ich schon einmal laut werden.

Sie arbeiten seit 23 Jahren als Model: Ist es Ihr Traumberuf geblieben?

Ja.

Als Model immer noch erfolgreich sein – das erreichen in dieser Branche nur wenige. Warum Sie?

Ich weiss es nicht. Vielleicht liegt es daran, dass heute je länger, desto mehr ältere Models gefragt sind.

Als Model reist man um die Welt, lächelt in die Kamera und verdient viel Geld. Wahr oder nicht wahr?

Kann wahr sein. Das Modelbusiness hat sich in den letzten Jahren allerdings extrem verändert. Heute ist längst nicht mehr so viel Geld im Spiel.

Anstrengendster Teil Ihrer Arbeit?

Das Reisen.

Wie viel Altmännergehabe gibt es im Modelbusiness?

Dass eine Frau angemacht oder belästigt wird, hat nichts mit ihrem Beruf zu tun.

Haben Sie jenseits von verunglückten Komplimenten während Shootings auch Übergriffe erlebt? Also Dinge, von denen Sie sagen würden: Das ging zu weit.

Ein Fotograf hat einmal an die Türe meines Hotelzimmers geklopft. Ich habe ihm einfach nicht aufgemacht.

Gab es noch andere Vorfälle?

Als ich noch ganz jung war, stalkte mich ein Hair- und Make-up-Artist. Er rief mich ständig an, klopfte regelmässig an mein Hotelzimmer und versuchte mich auch mehrmals zu küssen. Das waren die einzigen zwei Vorfälle in den vergangenen 23 Jahren.

Sarina Arnold (zusammen mit ihren Kindern Felice und Lean): «Meine Familie hat mich, wenn ich jeweils nach Hause kam, schnell wieder zurückgeholt und geerdet. So vergass ich nie, woher ich komme.»
Bild: Per Kasch/Swissmilk

Es gibt nach wie vor viele Mädchen, die Model werden möchten. Welchen Rat geben Sie ihnen?

Mit beiden Beinen auf dem Boden bleiben.

Wie haben Sie das geschafft?

Meine Familie hat mich, wenn ich jeweils nach Hause kam, schnell wieder zurückgeholt und geerdet. So vergass ich nie, woher ich komme.

Als Model sind Sie auch oft im Ausland unterwegs. Sind die Schweizerinnen und Schweizer jetzt eigentlich eher beliebt oder unbeliebt im Ausland?

Beliebt.

Welcher typische Schweizer Minderwertigkeitskomplex geht Ihnen auf den Wecker?

Weiter.



Haben Sie sich je als Frau benachteiligt gefühlt?

Nie.

Sind Sie zuversichtlich für die Schweiz?

Ja – mehr möchte ich dazu nicht sagen.

Warum nicht?

Ich habe mich noch nie politisch geäussert und möchte das auch weiterhin so halten.

Welche Bücher haben Ihr Leben stark beeinflusst?

Keines. Aber Sie haben recht, ich sollte wieder mehr Bücher lesen.

Wann schreiben Sie Ihre Autobiographie?

Nie.

Sind Sie gut im Entschuldigen?

Ja – aber ich bin sehr nachtragend.

Wie würden Sie sich als Mutter beschreiben?

Diese Fragen müssen Sie meinen Kindern stellen.

Welche Werte möchten Sie Ihren Kindern mitgeben?

Offen sein für andere Kulturen und die Mitmenschen so zu akzeptieren, wie sie sind.

Was denken Sie, hätte die junge Sarina sich an den heutigen Schüler-Klimademos beteiligt?

Weiter.

Finden Sie, die Schülerinnen und Schüler würden gescheiter am Freitag in die Schule gehen, als mit ihren Klimastreiks den Verkehr in den Städten aufhalten?

Wie schon erwähnt: Ich möchte mich politisch nicht äussern.

Sarina Arnold: «Ich habe mich noch nie politisch geäussert und möchte das auch weiterhin so halten.»
Bild: Getty Images

Ihre Tochter Felice kommt jetzt ins Alter, wo Social Media interessant wird. Wie wollen Sie sie vor bösen Kommentaren oder Mobbing schützen?

Ich habe Felice erklärt, dass es immer wieder Menschen gibt, die einem nichts Gutes wollen. Ich habe ihr auch gesagt, dass es viel Missgunst und Eifersucht gibt und – ganz wichtig – dass man es nie allen recht machen kann. Es ist ein Ding der Unmöglichkeit.

Sie wussten schon im siebten Monat, dass Ihre Tochter mit einer Fehlbildung, mit einer Lippen-Gaumen-Spalte, geboren werden würde. Wie haben Sie diese Nachricht aufgenommen?

Im ersten Moment zog es mir den Boden unter den Füssen weg. Ich haderte mit dem Schicksal, wollte es erst nicht wahrhaben. Ich weinte viel.

War die Fehlbildung so schwer zu akzeptieren, weil Sie selber ohne Makel sind?

Nein. Nichts und niemand auf der Welt ist makellos. Und sowieso: Das Perfekte wäre langweilig.

Mit vier Monaten wurde Ihr Kind zum ersten Mal operiert. Wie war das?

Das war sicher einer der schwierigsten Momente in meinem bisherigen Leben. Die Operation dauerte fast den ganzen Tag. Ich war machtlos, konnte nichts tun und musste Felice in fremde Hände geben.



Glauben Sie an Gott?

Ja.

Beten Sie?

Nein.

Glauben Sie an Schicksal?

Ja.

Wie geht es Ihrer Tochter heute gesundheitlich?

Felice geht es sehr gut.

Welche OPs stehen ihr noch bevor?

Noch zwei oder drei – die Nase muss noch operiert und der Kiefer gerichtet werden. Aber das kann erst gemacht werden, wenn sie ausgewachsen ist.

Ihre Tochter soll ein «Stiärägrind» sein – wie Sie auch. In einem Interview sagten Sie, dass Sie das gut fänden. Warum?

Ich finde toll, dass sie durchzieht, was sie will und sich nicht ständig von ihrem Weg abbringen lässt.

Sie setzen sich seit mehreren Jahren für Kinder mit Lippen-Gaumen-Spalte in Kirgistan ein.

In Kirgistan sind solche Operationen nicht selbstverständlich. Betroffene Kinder sind gesellschaftlich oft geächtet, manche kommen sogar ins Waisenhaus. Die Verhältnisse in Kirgistan sind ganz anders als bei uns in der Schweiz. Wir hingegen wurden schon vor Felices Geburt von der IV unterstützt. Das hat meinem Mann und mir echt geholfen.

Sie werden im Herbst 40. Wie schwer ist es, in Ihrem Beruf älter zu werden?

Bisher hatte ich noch keine Probleme mit dem Älterwerden.

Schon Pläne, wie Sie Ihren 40. Geburtstag feiern werden?

Die gibt es. Aber ich weiss nicht, ob sie wegen der Corona-Pandemie überhaupt realisierbar sind.

Denken Sie manchmal ans Aufhören?

Ich habe immer gesagt: Ich werde so lange als Model tätig sein, wie ich gefragt bin.

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