Bitsch, Bière, Filet

Schön skurril: Wie kommen Schweizer Orte zu ihren Namen?

Mara Ittig

7.8.2018

Bitsch und Filet im Oberwallis: Die beiden Ortstafeln sind beliebte Fotomotive.
Bild: Keystone

Wie kommen Schweizer Ortschaften zu ihren teils skurrilen Namen? «Bluewin» hat sich auf Spurensuche begeben. 

In meinem Pass steht beim Heimartort: Bitsch (VS). Was musste ich mir schon für Sprüche anhören deswegen. Wahre Schenkelklopfer! Und ich bin gewiss nicht die Einzige, denn in der Schweiz gibt es so einige Ortschaften, die einen wunderlichen Namen tragen. Nur: Wie kommen sie dazu?

Sie kennen das sicher auch: Man fährt im Zug oder Auto durch die Schweiz und kommt plötzlich an einem Ortsschild vorbei, bei dem man sich wundert, wer zum Teufel dieser Gemeinde ihren Namen verpasst hat. Es muss ja einen Grund geben. Und ja, den gibt es fast immer. Ein Sammelsurium.

Agasul  ist der Name eines Zürcher Weilers in der Gemeinde Illnau-Effretikon mit 70 Einwohnern. Die Siedlung wurde im 8. Jahrhundert erstmals urkundlich erwähnt. Der Name bedeutet Schweinepferch, Saulache des Ago. Im Wappen trägt der Weiler aber kein Schwein, sondern einen Hirsch. 

Bitsch  ist eine Burgergemeinde im Oberwallis. Woher die Gemeinde ihren Namen hat,  ist unbekannt. Neben unzähligen abmontierten Ortsschildern (sie sind seit den 90er Jahren verschweisst) erhielt der Ort auch schon Anfragen vom Porno-Portal Pornhub. Die Gemeinde lehnte das Angebot einer lebenslangen Gratis-Mitgleidschaft für alle Einwohner allerdings dankend ab. Die Nachbarsgemeinde heisst übrigens Filet. 

Bière liegt im Waadtländer Jura. Landwirtschaft prägt den Ort an der Aubonne genauso wie eine Ziegelei, eine Papierfabrik und ein Kieswerk. Eine Brauer sucht man allerdings vergeblich. Einigen dürfte die Ortschaft zudem als Standort eines Waffenplatzes der Schweizer Armee bekannt sein. Die erste urkundliche Erwähnung erfolgte 1177 unter den Namen Beria, der Ortsname ist auf das altfranzösische Wort berrie (Ebene) zurückzuführen. Daraus ist mit der Zeit Bière geworden. 

Brot-Dessous hört sich vorallem für deutsche Ohren nach einer lustigen Kombination an. Der Ort liegt im Kanton Neuenburg und wird als Broch bereits im Jahr 998  erstmals erwähnt. Er ist vermutlich auf das altfranzösische Wort broc (Felssporn) zurückzuführen. Brot-Dessous bildete zusammen mit Brot-Dessus das Gemeinwesen Brot.

Hosenruck liegt im Kanton Thurgau. Der Name leitet sich her von Zu dem Hasenrücke, wohl als Bezeichnung für einen Bergrücken, der einem Hasen gleicht. Daraus wurde dann mit  der Zeit der Hosenruck, der also weder mit Hosen noch mit Ruck irgendetwas zu tun hat. 

Milken sind für die meisten von uns erstmals etwas vom Kalb (die sogenannte Thymus-Drüse, um genau zu sein). Es gibt im bernischen Schwarzenburgerland allerdings ebenfalls eine Gemeinde, die diesen Namen trägt. Bern war im frühen 18. Jahrhundert stolz, ein Hebräer-Land zu sein. Nirgends in Europa sind hebräische Ortsnamen so zahlreich wie im Bernbiet. Hinter dem Namen «Milken» versteckt sich das hebräisch melech = König!

Der Name des Ortes Mumpf im Kanton Aargau geht wohl auf eine Lautverschiebung vom lateinischen Siedlungs-Namen «ad montem ferrum» (beim Eisenberg) über «montfer» bis hin zu Mumpf.  Die Mumpferfluh war im 4. Jahrhundert ein wichtiger Beobachtungspunkt an der Nordgrenze des Römischen Imperiums.

Die Gemeinde Muhen liegt ebenfalls im Kanton Aargau. Der Name hat nichts mit Rindviechern zu tun, sondern leitet sich her vom alemannischen «Muochinheim» (Wohnort des Muocho).  Der Wortteil Much hat gleich mehrere Wortstämme: Einerseits das althochdeutsche Verb muhhan (heimlich lauernd anfallen) oder vom germanischen muk (weich).

Rotzloch ist eine Ortschaft im Kanton Nidwalden und liegt am Ausgang der Rotzschlucht. Der Wortteil Rotz hat einen galloromanischen Ursprung. Loch steht für eine Vertiefung oder einen Geländekessel. Der Ort ist bekannt als ältestes Industriegebiet Nidwaldens: Die Lage am Mehlbach sorgte für Energie, die unter anderem in einer Papiermühle und einern Zementfabrik genutzt wurden.

Saanenmöser ist keine eigentliche Ortschaft, sondern Teil der Gemeinde Saanen bei Gstaad und markiert die Wasserscheide zwischen dem Einzugsgebiet der Simme und jenem der Saane. Der Namensteil Saanen dürfte soweit also geklärt sein. Eine Mosere oder Mösere bezeichnet eine versumpfte Stelle. 

Scherz im Kanton Aargau geht auf den vordeutscher Siedlungsname Skarántia zurück: Der Begriff bezeichnet einen Ort, wo es steinig ist/un-
fruchtbarer Boden. Mit der einen oder anderen Lautverschiebungen wurde daraus der Name Scherz. Auf den selben Ursprung gehen wohl noch so einige Ortsnamen im voralpinen Raum zurück: Scharnitz (Bergpass im Tirol), Schöritz (Alp im Kanton Bern).

Wer hinter dem Ortsnamen Lustmühle im Kanton Appenzell Ausserrhoden einen ehemaligen Sündenpfuhl vermutet, liegt nicht gänzlich falsch.  Der Wortteil Lust geht hier auf den Übernamen Lusti zurück, der als Ochsen- oder Kuhname gebräuchlich war und auch als Schmipfwort für schmutzige, «gruusige» Männer zum Einsatz kam. Der Ortsname bedeutet also so viel wie die Mühle des Lusti. 

Portal der Ortsnamenforschung

Wenn Sie sich dafür interessieren, woher Ihr Wohn- oder Heimatort seinen Namen hat: Die Seite ortsnamen.ch vereint die Forschungsdaten verschiedener Institute und Universitäten zum Thema und bietet mit einer Online-Datenbank einen guten Überblick.

Kennen Sie weitere Schweizer Gemeinden, die einen lustigen oder skurillen Namen haben? Dann schreiben Sie uns: redaktion2@swisscom.com

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