Schräge Betonungen geradegerückt

Von Mark Salvisberg

13.10.2021

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Wer richtig betont, wird auch richtig verstanden.
Bild: Getty Images

Ob man den Merlott dem Tschianti vorzieht, in einem Lambortschini einen Expresso schlürft oder ein Brot mit Gluuten isst – wer spricht, macht Fehler. Einige halten sich hartnäckig.

Von Mark Salvisberg

13.10.2021

Der Ordnung halber seien die oft und soeben wieder genannten Fehler nochmals richtiggestellt: Es heisst Merlot («Merlo»), Chianti («Ggianti»), Lamborghini («Lamborgini»), Espresso und Gluten.

Jedes Jahr reiste mein Schulfreund Martin nach «Mallorca», und er sprach den Namen leider so aus, wie er geschrieben wird. Ich riet ihm, einfach an Mayonnaise zu denken, schliesslich ist sie ebenso Teil der Balearen, die gelbliche Masse wurde nach der Hafenstadt Mahón benannt. Irgendwann ist Martin akustisch regelkonform zu «Mayorca» übergegangen.

Nicht die Bohne korrekt

Bleiben wir im Meer und gehen zum Streifen «Pirates of the Caribbean». Die Schlechtvariante Pirates of the «Caribee scheint keine besonders hohen Wellen zu schlagen – etwa weil damit vielleicht die Currybohne gemeint ist, Curry bean? Spass beiseite. Die Betonung von Caribbean im Englischen ist gleich wie im Deutschen: carribbean (karibisch).

Apropos Curry. Einige bedienen sich der Aussprache «Cüri». Die geniale polnisch-französische Physikerin Marie Curie hätte sich das wohl aufs Schärfste verbeten. Richtig klingt das Wort etwa so: «Cörry».

Versuchte Verwissenschaftlichung

Scharf an der Zielsetzung vorbei geht auch Folgendes, und auch nach tausendmaligem Wiederholen ist die Aussprache nicht «richtiger»: Die Chefin sieht «buchhalteeerische» Probleme. Dieses strapazierte -e ist genauso wenig korrekt, wie wenn ich von «haushälteeerisch» oder «betrügeeerisch» sprechen würde. Buchhalterisch!

An die Moderationsteams aller Ethnien

Immer wenn eine Person aus den Medien Ethnie als «Ethnii» betont, zucke ich zusammen. Das Wort stammt vom griechischen étnos; das Ende bleibt ebenso kurz und unbetont wie bei Pinie oder Linie: Ethnie!

Schleichwerbung liegt mir fern, es geht um den Elektronikkonzern Huawei. Im Gegensatz zu Samsung stimmen Schreibweise und Aussprache nicht überein. Wer korrekt darüber berichten möchte, sagt Wawei, nicht Hu-a-wei.

Von Rosen und Rötung

Rosazee (lat. rosaceae) bedeutet Rosengewächs. Die Betonung liegt auf -zee. Falsch ist es, die entzündliche Rötung des Gesichts, Rosazea genannt, analog auszusprechen. Der Name der Krankheit wird Rosazea gesprochen. Jenes Leiden zeigt viele Symptome, aber, dies als Eselsleiter, ein rosa Zeh zählt nicht dazu.


Zur Person: Mark Salvisberg war unter anderem als Werbetexter unterwegs. Der Absolvent der Korrektorenschmiede PBS überarbeitet heute täglich journalistische Texte bei einer Tageszeitung.

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