Schweizer Prinzessinnen, echt jetzt?

Von Bruno Bötschi

19.11.2021

ATHENS, GREECE - OCTOBER 23: In this handout from the Greek Royal Family,  Philippos, son of former King of Greece Constantine II, and his wife Nina Flohn (C) pose with Ex-King Konstantin and Ex-Queen Anne-Marie (sitting on left) and Thomas Flohr and Katharina Flohr during their wedding on October 23, 2021 in Athens, Greece. (Photo by Nikolas Kominis / Studio Kominis/Getty Images)
Royales Familienfoto: Prinz Philippos von Griechenland mit seiner Frau Nina Flohr zusammen mit Ex-König Konstantin und Ex-Königin Anne-Marie (sitzend links) und Thomas Flohr und Katharina Flohr nach der kirchlichen Hochzeit in Athen.
Bild: Getty Images

Die Schweiz hat kein Königshaus – die Faszination für gekrönte Häupter hat trotzdem Tradition. Und umso glücklicher sind einheimische Royalisten, dass es mehrere Schweizer Prinzessinnen gibt.

Von Bruno Bötschi

19.11.2021

Warum besucht eine Königin die Hochzeit einer bürgerlichen Schweizerin?

Die Frau heiratet einen Prinzen.

So passiert vor wenigen Wochen in Athen: Die Zuger Milliardärstochter Nina Flohr gab dem griechischen Königssohn Prinz Philippos das kirchliche Ja-Wort.

Seither darf sich die 34-Jährige Prinzessin von Griechenland und Dänemark nennen. Und die demokratische Schweiz hat eine weitere Prinzessin.

Schweizerinnen hoch im Kurs

Schweizer Frauen scheinen beim Hochadel hoch im Kurs zu stehen – und beim griechischen besonders. Vor elf Jahren hat Prinz Nikolaos, der ältere Bruder von Philippos, bereits die Schweizerin Tatiana Blatnik per Heirat zur Prinzessin gemacht.

Die Feier fand auf der kleinen griechischen Insel Spetses statt. Es reisten Vertreter*innen der Königshäuser von Spanien und Skandinavien an und auch Mitglieder der Familie Windsor, also des britischen Königshauses, feierten mit.

Princess Nikolaos of Greece and Denmark (Tatiana Blatnik) leave in a horse drawn carriage after getting married at the Cathedral of Ayios Nikolaos (St. Nicholas) on August 25, 2010 in Spetses, Greece. Representatives from Europe�s royal families will join the many guests who have travelled to the island to attend the wedding of Prince Nikolaos of Greece, the second son of King Constantine of Greece and Queen Anne-Marie of Greece and Tatiana Blatnik an events planner for Diane Von Furstenburg in London.
Tatiana Blatnik erhielt durch ihre Heirat mit Prinz Nikolaos den Titel «Prinzessin von Griechenland und Dänemark».
Bild: WireImage/Getty Images

Mit Europas Königshäusern verbindet die griechischen Prinzen Nikolaos und Philippos so einiges. Ihr Vater, Ex-König Konstantin II. ist mit der ehemaligen Prinzessin von Dänemark, Anne-Marie verheiratet. Und auch Nikolaos' Tante ist eine adelige Grösse: Es ist keine Geringere als Spaniens Königin Sofia.

Und Sofia, also die Frau von Juan Carlos I., war jetzt eben auch dabei, als sich Nina und Philippos Ende Oktober in der Kathedrale Mariä in Athen ewige Liebe schworen.

Die Kathedrale hat für die Familie des Bräutigams eine besondere Bedeutung: Dort heiratete 1964 der damalige Kronprinz Konstantin II. die dänische Prinzessin Anne-Marie. Die Patentante des aktuellen Bräutigams Philippos war die verstorbene britische Prinzessin Diana. 

GREECE, SPAIN - OCTOBER 23: Sofia of Greece attends the Wedding of Philippos of Greece and Nina Flohr on October 23, 2021 in Athens, Greece. (Photo By Jose Ruiz/Europa Press via Getty Images)
Hoher Gast: Sofia von Griechenland nimmt an der Hochzeit von Philippos von Griechenland und Nina Flohr in Athen teil.
Bild: Europa Press via Getty Images

Nina Flohr ist übrigens auch nicht von schlechten Eltern: Sie ist die Tochter des Geschäftsmanns, Milliardärs und Vorsitzenden der Privatfluggesellschaft «VistaJet» Thomas Flohr und seiner Ex-Frau Katharina, geborene Konečný. 

Flohr wurde in England und den USA ausgebildet und besuchte unter anderem die renommierte Vorschule Garden House in London. Heute reist als sie Creative Director für die Firma ihres Vaters durch die Welt.

Kronprinzessin mit helvetischen Wurzeln

Frau Flohr und Frau Blatnik sind nicht die einzigen Schweizer Prinzessinnen. Im Sultanat Brunei wohnt sogar eine Kronprinzessin, die helvetische Wurzeln hat.

Und das kam so: Als Kronprinz Haji Al-Muhtadee Billah 2004 einer Schule in der Hauptstadt einen Besuch abstattete, trafen ihn dort Amors Pfeile. Er verliebte sich in Sarah Salleh. 16 Jahre alte, Tochter eines Bruneiers und einer Schweizerin.

Geheiratet wurde noch im selben Jahr, und zwar mit viel Prunk und Pomp: Das royale Paar fuhr in einem Rolls-Royce vor, der Brautstrauss bestand aus Gold und Diamanten. Als Sarah und Haji das Hochzeitsgebet sprachen, sassen die Brautleute auf gelb-goldenen Prunksesseln mit reichen Verzierungen, der Kronprinz trug eine goldene Krone, die Braut ein mit Diamanten besetztes Diadem.

Eine Hochzeit wie aus Tausendundeiner Nacht: Bruneis Kronprinz Muhtadee Billah heiratete Sarah Salleh.
Eine Hochzeit wie aus Tausendundeiner Nacht: Bruneis Kronprinz Al-Muhtadee Billah heiratete 2004 Sarah Salleh.
Bild: UK Press via Getty Images

Mit der Hochzeit veränderte sich das Leben der in Brunei geborenen Sarah total. Am Tag der Verlobung zog sie mit ihren Eltern in einen Palast mit Angestellten, Pool und Basketballplatz. Ihre Mutter Suzanne Rahaman Aebby sagte damals in der SRF-Sendung «Reporter»: «Meine Tochter ist glücklich.» 

Sarah – oder wie sie seit ihrer Vermählung heisst: Yang Teramat Mulia Paduka Seri Pengiran Anak Isteri Sarah – schenkte dem Kronprinzen bisher vier Kinder. Am 17. März 2007 brachte sie ihr erstes Kind und den voraussichtlichen 31. Sultan von Brunei, Prinz Abdul Muntaqim, zur Welt. Am 2. Januar 2011 gebar sie ihr zweites Kind, Prinzessin Muneerah Madhul. 2015 und 2017 folgten zwei weitere Geschwister.

Von Kuba nach Genf und weiter nach Luxemburg

Bereits seit 40 Jahren steht dem Grossherzog von Luxemburg eine Schweizerin zur Seite: 1981 trat dort der blaublütige Henri mit der Bürgerlichen Maria Teresa Mestre vor den Traualtar.

Während ihrer Kindheit kannte Frau Mestre möglicherweise den europäischen Zwergstaat noch gar nicht. Geboren wurde sie als Tochter eines Bankiers in der kubanischen Hauptstadt Havanna.

Die Familie verliess den Inselstaat im Zuge der Revolution und ging 1961 zunächst nach New York. Über eine Zwischenstation in Spanien zog man schliesslich nach Genf, wo Maria Teresa die Schweizer Staatsbürgerschaft bekam und später Politikwissenschaft studierte.

CLERVAUX, LUXEMBOURG - SEPTEMBER 19: Grand Duke Henri of Luxembourg and Grand Duchess Maria Teresa of Luxembourg arrive for the baptism of Prince Charles of Luxembourg at l'Abbaye St Maurice on September 19, 2020 in Clervaux, Luxembourg. (Photo by Sylvain Lefevre/Getty Images)
Seit 40 Jahren verheiratet: Grossherzog Henri von Luxemburg und seine Frau Marie Teresa.
Bild: Getty Images

Universitäten und Internate sind geeignete Orte, um Royals zu treffen. So ging es auch Maria Teresa, die Henri während des gemeinsamen Studiums kennenlernte. Ob ihr gleich klar war, wenn sie sich da geangelt hatte, ist nicht bekannt. Denn der älteste Sohn des damaligen Grossherzog Jean und der Grossherzogin Joséphine Charlotte war unter einem Pseudonym eingeschrieben.

Eidgenossinnen werden von Adeligen gern zu Prinzessinnen gemacht. Schweizer Prinzen sind hingegen nach wie vor Mangelware.