Smartphone versus Systemkamera: Die besseren Fotos macht man mit ...

Sulamith Ehrensperger

19.12.2019 - 15:33

Nikons erste spiegellose APS-C-Kamera Z 50 oder das iPhone 11 Pro von Apple – wir haben beide ausprobiert, bei einem Spaziergang durchs Zürcher «Wiehnachtsdorf» am Bellevue.
Bild: Sulamith Ehrensperger 

Wer eine Systemkamera gegen eine Smartphone-Kamera antreten lässt, merkt den Unterschied sofort. Oder doch nicht? «Bluewin» hat es ausprobiert.

«Das Foto hast du mit der iPhone-Kamera gemacht?», höre ich in letzter Zeit öfter. Ja, schliesslich ist das Smartphone immer mit dabei. Doch kann die Kamera des iPhone 11 Pro mit der ersten spiegellosen Kamera von Nikon mithalten? Lohnt es, sich da noch eine Fotokamera zu kaufen?

Für die meisten Hobbyfotografen ist das Handy inzwischen die Kamera für alle Lebenssituationen – auch in den Ferien. Sieben von zehn Menschen machen demnach auch ihre Ferienfotos mit dem Smartphone, wie eine Studie des deutschen IT-Verbands Bitkom zeigt.

Denn die Kameras sind mittlerweile zu den wichtigsten Features bei Smartphones geworden. Auch Apple setzt mit dem iPhone 11 Pro nun auf drei Zwölf-Megapixel-Linsen: ein Weitwinkel-, ein Ultraweitwinkel- und ein Teleobjektiv. 

Smartphone oder Systemkamera: Erkennen Sie die Unterschiede der beiden Fotos? Keine der nachfolgend gezeigten Bilder sind von der Redaktion bearbeitet worden.
Bild: Sulamith Ehrensperger

Was kann die Nikon Z 50?

Ein weiterer Vorteil der Smartphones: Schnappschüsse lassen sich schnell und einfach per Messenger oder in sozialen Netzwerken teilen. Und mit den zahlreichen Apps können Nutzer ihre Bilder auf den Geräten sofort bearbeiten.

Nikon hat kürzlich mit der Z 50 ihre erste spiegellose Systemkamera mit einem Sensor in APS-C/DX-Format herausgebracht. Spiegellose Kameras sind kleiner als die Spiegelreflex-Modelle. Der kleinere Sensor ermöglicht kleinere Objektive – dasjenige der Z 50 ist im eingefahrenen Zustand nur drei Zentimeter lang und zudem ganz leicht.

Unterschiede sind kleiner als vermutet

Auf den ersten Blick ist die Fotokamera mit 20,9 Megapixel-Sensor von den technischen Daten her dem iPhone 11 Pro mit seinen kleinen Bildsensoren und Objektiven überlegen. In der Praxis sind die Unterschiede jedoch geringer als vermutet.

Möwen schweben über dem Zürichsee. Das Foto stammt aus der Linse des iPhone 11 Pro.
Bild: Sulamith Ehrensperger
Und dasselbe Motiv, aufgenommen mit dem Kit-Objektiv der Nikon Z 50. 
Bild: Sulamith Ehrensperger

Bei den meisten Fotos muss man schon sehr genau hinschauen, um zu erkennen, welches Bild mit dem iPhone aufgenommen wurde.

Weil wir den Porträtmodus ausprobieren wollten, haben wir diese Besucherinnen des Zürcher «Weihnachtsdorf» zum Shooting mit der Nikon 50 Z gebeten. 
Bild: Sulamith Ehrensperger
Und dasselbe Sujet, das hier mit dem iPhone 11 Pro entstanden ist.
Bild: Sulamith Ehrensperger 

Tatsächlich sind sich die beiden ganz nah. Zwar sind Qualitätsunterschiede nach wie vor zu erkennen, das iPhone 11 Pro fotografiert für mein Empfinden aber so gut wie kein bisheriges.

Keinerlei Berührungsängste 

Im Nachtmodus zeigt sich beim iPhone ein Riesenunterschied im Vergleich zum Vorgängermodell, vorausgesetzt man weiss bei Dunkelheit zu fotografieren. Der Modus ist schneller zu erreichen, einfacher zu bedienen und bietet mehr Kontrolle als andere. Das 11 Pro punktet auch dank dem Weitwinkel: Man kann stufenweise rein- oder rauszoomen – und bekommt so mehr aufs Bild.

Auch die Nikon-Kamera ist leistungsstark und einfach zu bedienen. Erste Berührungsängste mit der 1'000-Franken-Kamera sind rasch verflogen. Sie liegt gut in der Hand, mit ihr unterwegs zu sein, ist mir ein Vergnügen. Dies ist Nikon echt gut gelungen. Ein weiterer Pluspunkt: Die Z 50 bietet Bilder, die sehr gut bearbeitbar sind, genauso wie man es sich vorstellt.

Der Blick aufs Zürcher «Wiehnachtsdorf» am Bellevue beim Eindunkeln. Das Foto stammt aus der Nikon-Kamera. 
Bild: Sulamith Ehrensperger
Das gleiche Sujet zum gleichen Zeitpunkt mit dem iPhone 11 Pro aufgenommen. Das Smartphone hat trotz zunehmender Dunkelheit die Details der Motive bewahrt.
Bild: Sulamith Ehrensperger

Die Systemkamera rückt näher an die Handhabung eines Smartphones: Direkt an der Kamera lassen sich zudem 20 Effekte auf Fotos oder Videos anwenden. Dank herunterklappbarem Touchscreen hat auch sie einen «Selfie-Modus». Per WiFi oder Bluetooth lässt sich die Z 50 mit einem Smartphone verbinden, Fotos und Filme teilen und speichern.

Erstaunliche Fotoerlebnisse

Mittlerweile kommt die Fotoqualität des iPhone 11 Pro aber durchaus an leistungsfähige Fotokameras heran. Erkennen lässt sich der Unterschied bei genauem Hinsehen am «Bokeh»-Effekt, also der Hintergrundunschärfe. Beim Effekt soll der Hintergrund unscharf und stimmungsvoll verschwimmen, damit das Hauptmotiv sich herausheben kann.



Das iPhone arbeitet bei der Kantenerkennung, mit der Vordergrund von Hintergrund getrennt wird, nicht ganz so zuverlässig, wie die Fotokamera. Zudem wirken die Farben der iPhone-Bilder zuweilen kräftiger und vielleicht auch weniger realistisch.

Und doch liefert das iPhone 11 Pro erstaunliche Ergebnisse, was Experten auch auf die «Computational Photography» des Smartphones zurückführen: die mit komplexen Algorithmen und künstlicher Intelligenz gestützte Bildverarbeitung nach der Aufnahme.

Möwe im Flug – ein Schnappschuss mit dem iPhone 11 Pro. 
Bild: Sulamith Ehrensperger

Wer mit dem iPhone 11 Pro unterwegs fotografiert, kann mit sauberen und schönen Fotos rechnen – von Schnappschüssen bis hin zu Porträtaufnahmen in Studioqualität. Die Kamera fokussiert die Aufnahme und passt die Belichtung an. In dunkler Umgebung schaltet das Smartphone automatisch vom Blitz- in den Nachtmodus um – was Apple gut gelungen ist.

Wo bleibt das kreative Auge? 

Das Fotografieren mit einem Smartphone ist meiner Meinung nach weniger kreativ. Mit einer Fotokamera wähle ich den Bildausschnitt bewusster und wähle dafür den entsprechenden Modus. Und die Z-50-Kamera unterstützt einem bei diesem Vorhaben, auch weil sie bei wenig Licht ansprechende Fotos macht. 

Wie ein kleines Feuerwerk: Eine Weihnachtskugel fotografiert mit der Nikon Z 50.
Bild: Sulamith Ehrensperger

Ich denke, klassische Kameras lohnen sich für alle, die Wert auf eine gute Bildqualität legen. Für mich einer der grössten Vorteile der Kamera ist zudem der stufenlose Zoom. Smartphone-Kameras besitzen eine feste Brennweite und zoomen daher digital, worunter die Bildqualität zuweilen leidet.

Welches ist nun die bessere Kamera? Über diese Frage entscheidet vor allem der Anspruch des Fotografierenden. Denn trotz aller Technik ist Fotografieren noch immer die Kunst, gute Bilder zu machen.

Nikon Z 50 Kit (16 - 50 mm, 20.90MP, 11FPS, WLAN) kostet 1099 Franken im Fachhandel.

Apple iPhone 11 Pro (ab 64GB, 14,7 cm, 12MP) ist ab 1199 Franken im Fachhandel zu haben.

Beide Geräte wurden «Bluewin» von Apple und Nikon zum Testen zur Verfügung gestellt.

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