Teilen, Samen, Stecklinge nehmen: Wie man Pflanzen vermehrt

dpa/tafu

25.7.2020 - 18:00

Saatgut sollte nur von gesunden Pflanzen gesammelt werden. Die Samen der Erbsensorte «Blue Pod» sehen zum Beispiel gut aus. 
Bikd: Felix Kästle/dpa/dpa-tmn

Gemüse, Kräuter und Zierpflanzen lassen sich im Garten auf unterschiedliche Weise vermehren. Je nach Form der Vermehrung kann dies eine bestimmte Pflanze erhalten oder die Artenvielfalt fördern.

Manche Pflanzen möchte man am liebsten jedes Jahr im Garten wissen –, weil sie so schön blühen, eine reiche Ernte bringen oder eine geerbte Lieblingssorte sind. Um Nachschub für Beet und Balkonkasten zu sichern, gibt es grundsätzlich zwei Möglichkeiten: Bei der geschlechtlichen Vermehrung müssen Blüten bestäubt werden, damit sie Samen bilden – sei es durch Insekten oder Wind. Die ungeschlechtliche Vermehrung erfolgt ohne solche Hilfe.

Der Unterschied: «Bei der vegetativen Vermehrung durch Stecklinge oder Teilung entstehen identische Kopien einer Pflanze. Bei einer generativen Vermehrung durch Samen mischen sich die Erbanlagen und es kann Neues entstehen», erklärt Heidi Lorey, im Bereich Pflanzenzüchtung promovierte Gartenbauwissenschaftlerin und Gartenbuchautorin aus Steinhagen im deutschen Bundesland Nordrhein-Westfalen.

Von vielen Pflanzen lassen sich Stecklinge nehmen. Dafür wird ein fünf bis sieben Zentimeter langer Trieb geschnitten, wie dieser hier von einem Rhododendron. 
Bild: Franziska Gabbert/dpa-tmn/dpa-mag

Herbert Vinken, Staudengärtner in Dötlingen bei Oldenburg in Niedersachsen, plädiert für ein ausgewogenes Nebeneinander unterschiedlicher Vermehrungsarten. Die vegetative Vermehrung sei aufwendiger als eine Vermehrung über Samen, erklärt der Staudengärtner. Viele gärtnerische Sorten liessen sich aber nur über Stecklinge und Teilung vermehren. «Genau darin besteht für viele Gärtnereien zu Recht ihre Handwerkskunst», sagt Vinken.



Saatgut lässt sich laut Lorey am einfachsten von einjährigen Sommerblumen wie Ringelblumen, Tagetes und Kornblumen sowie Hülsenfrüchten wie Bohnen und Erbsen gewinnen. Die Samenstände und Hülsen werden geerntet, wenn sie braun und eingetrocknet sind.

«Sammeln Sie nur Saatgut von gesunden, schönen Pflanzen – am besten bei trockenem Wetter», empfiehlt Lorey. Bevor die Samen kühl und trocken in beschrifteten Schraubgläsern oder Papiertütchen aufbewahrt werden, ist es ratsam, sie zu reinigen, also sie aus den Hülsen zu pulen und den Samenständen zu klopfen.



Tomatensamen müssen zunächst aus dem Fruchtfleisch gelöffelt und zwei bis drei Tage lang in einem Glas mit Wasser und etwas Zucker gären, damit sich die gallertartige Hülle um die Samen auflöst. Anschliessend werden sie getrocknet und gelagert. «Wer Samen von Kürbisgewächsen wie Zucchini, Gurke oder Kürbis gewinnen will, muss die Blüten isolieren und eine Bestäubung von Hand durchführen, um bei den Fremdbefruchtern Einkreuzung einer anderen Sorte zu vermeiden», so Lorey.

Pflanze vermehren – Wurzelstock teilen

Eine schnelle Methode, um aus einer Pflanze viele zu machen, ist das Teilen des Wurzelstocks. Das eignet sich für die überwiegende Mehrzahl der Gartenstauden, die jedes Jahr neu austreiben und sich nach der Blühsaison im Spätherbst wieder zurückziehen.

«Stauden lassen sich beliebig durch Teilung vermehren, wenn sie sich mit eigenem Wurzelwerk und Seitentrieben willig zu den Seiten gleichmässig ausbreiten. Bei Pflanzen mit nur einer Austriebsbasis oder einer Pfahlwurzel wie Pfingstrosen, einige Storchschnabelarten, Stockrosen oder Fingerhut klappt es nicht», erklärt Mechtild Ahlers von der Niedersächsischen Gartenakademie. Der beste Zeitpunkt für die Teilung ist ihrer Ansicht nach im Spätherbst, wenn die Pflanzen verblüht, die Blütenstiele eingetrocknet und die Blätter eingezogen sind.

Mechtild Ahlers ist Fachberaterin im Freizeitgartenbau der Niedersächsischen Gartenakademie. 
Bild: Mechtild Ahlers/dpa-tmn

Das zeitige Frühjahr ist hingegen gut geeignet für die Teilung der Stauden, die ab dem Sommer blühen oder sich schnell ausbreiten. «Gerade für die Neuanlage einer bodendeckenden Bepflanzung kann man dann aus einer Mutterpflanze viele Pflanzen selber produzieren», sagt Ahlers. Gut geeignet sind zum Beispiel Frauenmantel, Storchschnabel oder Katzenminze, wo selbst kleine Wurzel- und Sprossteile sich weiterentwickeln.

Ob Frühjahr oder Herbst – die Vorgehensweise ist identisch: Robuste Stauden werden ausgegraben und mit einem scharfen Spaten beherzt, aber vorsichtig halbiert, damit Triebe nicht verletzt werden. «Vier Teile sind nie ein Problem, grössere Teilmengen bedürfen dann etwas mehr Sorgfalt, um noch genügend Wurzelwerk zu behalten», meint Ahlers.



Gewächse teilen mit Spaten oder Messer

Ist das Wurzelgeflecht weniger stark oder kompakt, können die Wurzeln auch mit einem scharfen Messer zerschnitten oder auseinandergezogen werden. Vor dem Pflanzen gilt es, kranke, abgebrochene und abgestorbene Wurzeln zu entfernen. Durch Teilung bekommt man aber nicht nur schnell und kostengünstig identische Pflanzen, sondern oftmals auch vitalere Gewächse. «Ermüdungserscheinungen und Wuchsdepression bestimmter Stauden können durch Neuteilung behoben werden», weiss Ahlers.

Von vielen krautigen, aufrecht wachsenden Pflanzen lassen sich Stecklinge nehmen. Dafür wird ein fünf bis sieben Zentimeter langer Trieb geschnitten, die unteren Laubblätter entfernt und in magere Anzuchterde gesteckt, die man mit Sand vermischt. Ob er wurzelt, hängt vor allem vom Alter und der Vitalität der Mutterpflanzen sowie vom Zeitpunkt ab. Für Sommerblühende sind laut Vinken die Monate April bis Juni ideal: «Diese Stecklinge muss man schneiden, bevor die Pflanze blühen will. Solange sie grünt, schüttet sie andere Hormone aus und ist dann bereit, Wurzeln zu bilden.»

Stecklinge können mit einer Schere beschnitten werden. 
Bild: Caroline Seidel/dpa-tmn

Zudem gilt es, den Trieb an der richtigen Stelle zu schneiden, nämlich genau unterhalb eines Blattknotens: «Unterhalb der Verdickung werden Hormone produziert, die die Wurzelbildung fördern. Darüber sind diejenigen, die den Austrieb fördern, weshalb ein Rückschnitt oberhalb von Blattknoten zu buschigem Neuaustrieb führt», sagt Vinken.

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