Neue Erziehungsstile Von Curling bis Smombie – welcher Elterntyp bist du?

Carlotta Henggeler

29.11.2025

Es gibt verschiedene Erziehungsstile. blue News liefert dir eine Übersicht.
Es gibt verschiedene Erziehungsstile. blue News liefert dir eine Übersicht.
IMAGO/Westend61

Ob strenge Disziplin, überschwängliches Lob oder der fast schon olympische Versuch, jeden Stolperstein aus dem Weg zu räumen – Erziehungsstile gibt’s so viele wie Sandkastensnacks. Was steckt hinter den Begriffen U-Boot-, Curling- oder Smombie-Eltern?

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Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen

  • Es gibt zahlreiche Erziehungsstile mit kreativen Namen wie Helikopter-, Curling- oder U-Boot-Eltern, die sich durch unterschiedliche Grade von Kontrolle, Unterstützung und Einmischung ins Leben der Kinder auszeichnen.
  • Überfürsorgliche Stile etwa bei Rasenmäher-, Abschlepper- oder Schneepflug-Eltern nehmen Kindern wichtige Lernerfahrungen ab, was langfristig Selbstständigkeit und Problemlösekompetenz beeinträchtigen kann.
  • Andere Typen wie Delfin-Eltern oder Hipster-Eltern setzen auf Balance, Freiheit und Individualität, während extremes Verhalten – ob Kontrolle oder Gleichgültigkeit – meist negative Folgen für die kindliche Entwicklung hat.

Helikopter-Eltern kennst du bestimmt – aber was ist mit Curling-, U-Boot- oder Abschlepper-Eltern? Oder schon mal von Rasenmäher-Eltern gehört? Es gibt zahlreiche unterschiedliche Erziehungsstile. Ein Überblick. 

Helikopter-Eltern

Sie kreisen ständig über ihren Kindern und sind allzeit bereit, einzugreifen. Helikopter-Eltern beschützen ihre Kinder vor psychischen und physischen Verletzungen, greifen bei Konflikten schnell ein und meinen es im Allgemeinen zu gut. Ihr ständiger Einsatz lässt Kindern wenig Raum, eigene Erfahrungen zu sammeln. Selbstständigkeit und Problemlösungskompetenz bleiben so auf der Strecke.

Curling-Eltern

Wie beim gleichnamigen Wintersport fegen Curling-Eltern jede Schwierigkeit frühzeitig aus dem Weg. Der Alltag der Kinder wird so glattgebügelt, dass diesen Konflikte oder Rückschläge kaum begegnen.

Klingt bequem, birgt aber ein Risiko: Kinder lernen nicht, Frust zu bewältigen oder sich selbst durchzusetzen. Das kann später in der Schule oder im Beruf zu Problemen führen.

Abschlepper-Eltern

Sobald der Nachwuchs ins Straucheln gerät, rollen sie an – wie der Pannendienst. Sie lösen jede Krise stellvertretend und sorgen so scheinbar für Erleichterung. Besser wäre: Hilfe zur Selbsthilfe. Der Abschleppdienst der Eltern führt nämlich dazu, dass die Kinder sich daran gewöhnen, dass jemand anders die Probleme für sie beseitigt – was langfristig Selbstvertrauen und Eigeninitiative untergräbt.

U-Boot-Eltern

Sie tauchen am Elternbesuchstag oft nicht auf, sind für Lehrer kaum erreichbar und brauchen oft eine Extra-Einladung, um Unterschriften oder Zahlungen abzuliefern. U-Boot-Eltern entziehen sich der elterlichen Mitwirkung, sei es aus Überforderung, Zeitmangel oder Desinteresse.

Ihre Kinder manövrieren sich allein durch den Schulalltag, wodurch sie ihr Potenzial meist nicht ausschöpfen können.

Rasenmäher-Eltern

Diese Eltern überlassen nichts dem Zufall – sie «mähen» jedes Hindernis nieder, bevor das Kind es überhaupt wahrnimmt. Sie sind sozusagen die Steigerung der Abschlepper-Eltern. Die Folge dieses Erziehungsstils: Mangelnde Frustrationstoleranz, kein Durchsetzungsvermögen und das Fehlen echter Erfolgserlebnisse. Herausforderungen gehören eben zum Leben dazu und fördern eine gesunde Entwicklung.

Schneepflug-Eltern

Sie gehen noch einen Schritt weiter: Schneepflug-Eltern räumen den Weg ihres Kindes so radikal frei, dass dem Kind kaum mehr eine Gelegenheit bleibt, um sich selbst zu behaupten und Verantwortung zu übernehmen.

Ob Lehrerwechsel, unangenehme Aufgaben oder Kritik – alles wird dem Kind möglichst leicht gemacht oder abgenommen. Auch wenn es gut gemeint ist – dem Kind schadet dieses Verhalten.

Delfin-Eltern

Delfin-Eltern vereinen liebevolle Führung mit Freiheit. Sie begleiten ihr Kind aufmerksam, fördern Selbstständigkeit, aber setzen auch klare Grenzen – ähnlich dem Prinzip der bedürfnisorientierten Erziehung.

Der Begriff wurde von der kanadischen Psychiaterin und Autorin Shimi Kang geprägt. Sie sieht den Delfin als Symbol für Balance – sanft, aber bestimmt, fürsorglich, aber nicht übergriffig.

Tiger-Eltern

Für Tiger-Eltern stehen Disziplin, Gehorsam und akademische Leistung im Fokus. Sie verlangen ihren Kindern viel ab, tolerieren kaum Abweichungen von ihren Regeln und setzen ihr Kind häufig unter enormen Druck.

Der Begriff wurde durch Amy Chuas Buch «Battle Hymn of the Tiger Mother» bekannt. Diese Erziehung kann zu hohen Leistungen führen – aber auch zu Stress und Überforderung.

Öko-Eltern

Mit dem Jutebeutel zum Markt, nur Holzspielzeug im Kinderzimmer und auf keinen Fall in die Ferien fliegen: Öko-Eltern wollen die Welt retten – auch mit ihrer Erziehung. Nachhaltigkeit steht über allem, selbst wenn die Kinder mal keine Lust auf Hafermilch, Camping und Kleidung mit Öko-Zertifikat haben. Bei so viel Idealismus bleibt die Alltagstauglichkeit oft auf der Strecke.

Hipster-Eltern

Am Land sind sie eher Exoten, in der Stadt findet man sie überall: Hipster-Eltern leben Nachhaltigkeit, Vielfalt und Individualität. Ihre Kinder tragen Secondhand, besuchen alternative Betreuungseinrichtungen und wachsen mit viel Selbstbestimmung auf.

Der Erziehungsstil? Offen, kreativ, oft reflektiert – aber manchmal auch etwas anstrengend, wenn es um konsequente Regeln geht.

Smombie-Eltern

Smartphone plus Zombie – daraus ergibt sich der Begriff Smombie. Wenn Eltern mehr Zeit am Bildschirm als mit ihren Kindern verbringen, bleiben Zuwendung, Aufmerksamkeit und Gespräche auf der Strecke. Kinder reagieren darauf oft mit Rückzug oder Trotz. Auch älteren Kindern, die bereits selbst ein Handy besitzen, sollten Eltern ein gutes Vorbild sein in Sachen Digitalverhalten.

Soccer Moms und Dads

Ob Grümpi, Kuchenverkauf, Trikots waschen oder Fahrdienst – Soccer Moms und Dads organisieren alles rund um das Vereinsleben der Kinder.

Sie sind stehen mehrmals die Woche am Spielfeldrand, feuern ihren Nachwuchs lautstark an und opfern viel Zeit für das Hobby ihrer Kinder. Was als liebevolle Unterstützung begann, wird schnell zur einzigen Freizeitbeschäftigung und zur Lebensaufgabe.

Blogger-Eltern

Mama- oder Papa-Blogger dokumentieren ihren Familienalltag online – von der morgendlichen Lunchbox über Bastelideen bis hin zu Familienferien. Manche achten dabei auf Privatsphäre, andere zeigen die Gesichter ihrer Kinder täglich in den Posts.

Klar ist: Wenn das Familienleben zur Content-Quelle wird, verändert das etwas. Ob diese Veränderung für Kinder positiv ist, bleibt fraglich.

Giesskannen-Eltern

Lob tut gut – zu viel davon wirkt jedoch schnell inflationär. Giesskannen-Eltern verteilen Anerkennung allzu grosszügig und häufig, selbst für Kleinigkeiten. Die Kinder lernen so, auf Bestätigung von aussen zu warten, statt selbst stolz auf ihre Leistung zu sein, und ihr Selbstwertgefühl hängt stark von der Reaktion der Eltern ab.

Super-Mom und Super-Dad

Sie bringen scheinbar alles unter einen Hut: Job, Haushalt, Kindergeburtstage, Backen, gesund Kochen, Basteln, Elternbeirat, Engagement im Sportverein und vieles mehr. Super-Eltern wollen überall glänzen, oft aus eigenem Anspruch heraus.

Sie wirken nach aussen wie perfekte Vorbilder, fühlen sich innen aber oft erschöpft. Und machen anderen Eltern ungewollt Druck, mitzuhalten.

Best-Friends-Eltern

Diese Eltern wollen keine Autorität sein – sondern bester Freund oder beste Freundin ihres Kindes. Sie shoppen mit ihren Töchtern, zocken mit ihren Söhnen und teilen Geheimnisse mit dem Nachwuchs. Nähe und Verständnis sind gut – aber eine freundschaftliche Beziehung kann keine elterliche Rolle ersetzen. Kinder brauchen Orientierung – und nicht nur jemanden, der alles cool findet.

Raben-Eltern

Meist wird dieser Begriff eher scherzhaft verwendet, auch wenn es sie natürlich wirklich gibt, die Raben-Eltern, die ihre Kinder vernachlässigen. Die Bezeichnung Raben-Eltern basiert jedoch auf einem Missverständnis: Früher dachte man, Raben würden ihre Jungen aus dem Nest stossen und sich selbst überlassen. In Wirklichkeit sind die Vögel aber sehr fürsorgliche Tiere.


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