Weihnachtskarten – es böckelt sehr

Von Mark Salvisberg

23.12.2021

TWO REINDEER LOOKING AT CHRISTMAS TREE WITH ORNAMENT IN THE WILDERNESS
Weihnachtsböcke? Rentiere sind uns lieber.
Bild: Getty Images

An den Festtagen denkt man eher an Rentiere als an Böcke. Doch wenn man sich die Grusskarten anschaue, böckele es ordentlich, meint der Sprachpfleger und weist auf weihnächtliche Ausrutscher hin.

Von Mark Salvisberg

23.12.2021

Darf man fröhliche Weihnachten wünschen, oder müssten es frohe sein? Sollte es ein besinnliches Jahresende werden oder gar ein besinnungsloses? Wir alle sind frei, zu schreiben, was immer wir möchten. Sprachliche Korrektheit wäre aber zu begrüssen.

Wenn schon fröhlich, dann richtig

Auf wie vielen Karten steht vorgedruckt «Ich wünsche euch Fröhliche Weihnachten» oder «Ein Frohes Fest». Liebe Kartenhersteller, fröhlich und froh sind Adjektive, und die schreibt man auch dann klein, wenn man sich riesig auf die Feier freut. Vielleicht ist ja der Duden daran schuld, denn das Nachschlagewerk erlaubte leider vor einigen Jahren, ein gutes Neues Jahr zu wünschen, und schwupps! – hat die Unsitte auf andere Wörter übergegriffen. Heiliger Abend und Heilige Nacht hingegen sind immer grosszuschreiben.

Von Geschenk- und anderen Artikeln

Der 24. Dezember, der Heiligabend – hie und da auch Beschertag genannt (was nichts mit Schafen zu tun hat, die würden sich bedanken) –, kann unterschiedlich eingeleitet werden, zum Beispiel mit an oder am Heiligabend, ebenso zu Heiligabend. Also lieber nicht nackt lassen: «Heiligabend seid ihr herzlich eingeladen».

Das Weihnachten im Gegensatz dazu wird häufig auch ohne Artikel geschrieben. Weihnachten wird in der Schweiz übrigens oft als Mehrzahl empfunden: Diese Weihnachten werden wir zu Hause verbringen. In fixen Formulierungen, beispielsweise bei Glückwünschen zum Fest und auch nach Adjektiven, ist der Plural aber nach wie vor im gesamten deutschen Sprachraum präsent: Frohe Weihnachten! Sie möchte weisse (nicht: weisses) Weihnachten.

Mit Sylvester Silvester feiern

Immer wieder geraten der Trickfilmkater (aber auch Herr Stallone) und der 31. Dezember durcheinander. Laden Sie also zum Silvester ein, bringen Sie von mir aus Sylvester (haarig) oder Sylvester (schlagkräftig) mit zur Party. Merken kann man sich die Schreibweise gut, weil ja noch die Silberfäden am Weihnachtsbaum prangen.

Und was kommt danach? Ein glückliches, neues Jahr? Nein, dieses Komma fällt weg. Denn glückliches bezieht sich auf den Gesamtbegriff neues Jahr. Es sind auch nicht die «guten, alten» Zeiten, sondern die guten alten, da es um die alten Zeiten geht, die (angeblich) gut waren.

Nach drei Jahren fällt nun Schnee auf die «Sprachpfleger»-Kolumne: Sie findet hiermit ihren Abschluss. Herzlichen Dank an alle, die mich mit engagierten Feedbacks auf Trab gehalten haben. Erholsame Festtage, und bleiben Sie hoffnungsfroh!


Zur Person: Mark Salvisberg war unter anderem als Werbetexter unterwegs. Der Absolvent der Korrektorenschmiede PBS überarbeitet heute täglich journalistische Texte bei einer Tageszeitung.