Küchenklassiker unter VerdachtWie hygienisch sind Holzkellen?
Jenny Keller
23.12.2025
Eine wahrscheinlich hygienisch abgekochte Holzkelle im Einsatz. (Symbolbild)
Keystone / Gaetan Bally
Sie liegen in fast jeder Küche: Holzkellen gelten als robust, natürlich und irgendwie vertrauenswürdig. Aber wie sauber ist Holz im Vergleich zu Plastik oder Metall, und worauf kommt es beim Putzen an?
Holzkellen gehören in Schweizer Küchen fast schon zur Grundausstattung. Sie sind langlebig, hitzebeständig, gelten als natürlicher Gegenpol zu Plastik und wirken in einer Küche voller Silikon und Hightech-Kunststoffe manchmal fast schon altmodisch. Trotzdem erfreuen sie sich immer noch grosser Beliebtheit.
Die Frage nach der Hygiene von Holzutensilien taucht allerdings regelmässig auf. Ratgeberportale, Lifestyle-Magazine und Social Media liefern dazu teils widersprüchliche Antworten. Es kursieren viele Tipps, wie sich Holzkellen «tiefenreinigen» lassen. Mal gilt Holz als Keimschleuder, mal als überraschend robust.
Der Mikrobiologe Ben Chapman von der North Carolina State University sagt gegenüber der amerikanischen Lifestyle-Plattform MarthaStewart.com, es gebe keine bekannten Fälle, in denen Holzutensilien für lebensmittelbedingte Erkrankungen verantwortlich gewesen seien. Holz sei aus mikrobiologischer Sicht nicht riskanter als Plastik oder Metall, im Gegenteil, es habe sogar natürliche antimikrobielle Eigenschaften.
Holz nimmt Feuchtigkeit auf
Tatsache ist: Holz ist porös und besteht aus feinen Kapillaren. Diese nehmen beim Kochen Wasser, Fette und kleinste Speisereste auf. Flüssigkeiten dringen also deutlich tiefer ins Material ein als bei Plastik oder Silikon.
Ben Chapman erklärt, dass dieser Mechanismus dazu führen kann, dass Keimen an der Oberfläche ein geeigneter Nährboden fehlt. Pflanzen haben im Lauf der Evolution natürliche Abwehrmechanismen gegen Bakterien entwickelt, die auch in verarbeitetem Holz eine Rolle spielen.
Der Haken liegt folglich nicht im Material selbst, sondern in seiner Handhabung. Oder, anders gesagt: Der Vorteil gegenüber anderen Kochmaterialien kippt, wenn Holz dauerhaft feucht bleibt. Holz funktioniert nur dann hygienisch, wenn es richtig trocknen kann.
Holzkellen sollen nicht in die Abwaschmaschine
Wird eine Holzkelle schlecht getrocknet, kann sie zur idealen Umgebung für Mikroorganismen werden. Nach dem Abwasch von Hand mit heissem Wasser und mildem Reinigungsmittel müssen Holzutensilien vollständig an der Luft trocknen. Mikrobiologe Chapman nennt dafür mindestens 24 Stunden, abhängig von Temperatur und Luftfeuchtigkeit der Umgebung.
Ben Chapman rät auch davon ab, Holzkellen feucht in einer Schublade oder einem Behälter zu lagern. Und selbst das Auskochen, ein Tipp, der immer wieder im Internet auftaucht, wird nicht empfohlen. Langes Einweichen und Hitze liessen das Holz aufquellen und schädigen es langfristig. Auch aggressive Reiniger öffnen die Holzstruktur weiter.
Und auch wenn es verheissungsvoll ist, wenn es mal schnell gehen muss: Selbst die Abwaschmaschine gilt als problematisch, weil sie die Struktur des Holzes angreift und Risse begünstigt. In ihnen sammeln sich Rückstände, die sich später kaum entfernen lassen.
Heisst: Holz ist zwar langlebig, aber dies auch nicht unbegrenzt. Fachleute raten, Holzkellen zu ersetzen, sobald sie stark verfärbt sind, unangenehm riechen oder sich dauerhaft rau anfühlen. Das sind Hinweise auf eine Veränderung in der Struktur. Das gelegentliche Einölen mit lebensmitteltauglichem Öl kann helfen, die Oberfläche zu schliessen.